Israelitischer Reichs-Bote
- Journal
- Israelitischer Reichs-Bote
- Volume
- 8 (1882)
- Issue
- I./II. Beilage zum Israelitischen Reichs-Boten Nr. 29 & 30.
- Date
- 1882-07-21
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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und er vom Gebote nicht rechts noch links abweiche." Pünktliche Gewissenhaftigkeit in der Ausübung der göttliche Gebote, in ihrem amtlichen Berufe, Demuth, wahre Glaubenstreue, festes Halten an Religion und Glauben, war es was diese Großen des Judenthums auszeichnete! Unsre Großen würden auf jene bescheidenen Handwerker mit Geringschätzung herabsehen, denn sie stehen in Amt und Würden, überall geschätzt, in hohem Ansehen, beziehen kein unbedeudentes Gehalt und wissen ihren Brüdern gegenüber gar wohl ihre hohe Stellung in Ansehen zu erhalten, und zrffbehaupten Nun, wir am wenigsten wollen sie in den Emolumenten,den Vortheilen welche ihre bei gewissenhafter Pflege schwierige Stellung mit sich bringt, verkürzen! Wir erkennen es an, daß es in unserer Zeit nicht gut möglich ist, in jenen bescheidenen Verhältnisten der früheren Zeit zu leben, wir müssen uns hier dem Standpunkte der Gegenwart anschließen. Aber in einem Punkte halten wir den Vorwurf gegen unsere Rabbinen aufrecht! Warum sind sie Redakteure? Warum beschäftigen sie sich mit der oft so sehr unheiligen, weihelosen, weltlichen Zeitungsliteratur, und treten in die Arena der öffentlichen Publistik und der Debaten? (Schluß folgt.) Fvarrkfuvt <t. M, im Juli. Zur Sache des getauften Rabbinatscandidaten Bernstein wird uns Folgendes geschrieben: Ich bin in der Lage, Ihnen einige Details aus der jüngern Vergangenheit Bernsteins zu liefern, und dies aus der Zeit, da Bernstein in Frankfurt am Main und Hamburg lebte. In der Thaf hat die Mission diesmal einen breiten Fang gemacht. Bernstein war tüchtiger Talmudist und besaß als Autodidakt einen nicht unbedeutenden Grad elastischer Bildüng. Er zitirte häufig und sehr geläufig Griechisch und Latein. B. that zu jeder Zeit sehr orthodox. In Frankfurt war derselbe von den Rabbinen wohlgelitten, auch hatte er sich in dieser Stadt die Sympathieen der anmuthigen Tochter eines jüdischen Gelehrten zu erfreuen gehabt. Von Ff. aus, unternahm B. oft Ausflüge nach Mainz; ob er daselbst die Bekanntschaft der Redaktion des ״Israelit" gemacht, kann ich Ihnen nicht verbürgen. Später traf ich ihn in Hambürg wieder. Als B. in Hamburg lebte, wohnte er in Altona, und existirte, soweit ich weiß, unter nicht sehr beneidenswerthen materiellen Verhältnissen. Auch hier spielte B. den orthodoxen Rabbinatscandidaten: tzrl hüteK-stich wohlweislich, ohne Käppchen im Sacke auszugehen. Kaum in ein Haus eingetreten, wurde, nachdem man den Hut beim Grüßen gelüftet, das Jesuitenkäppchen hervorgeholt und der Kopf bedeckt. In H. verkehrte B. häufig im Hause des Klausrabbiners F. welcher brave und kluge Rabbiner jedoch zur Orthodoxie B.'s kein rechtes Vertrauen fassen konnte. Damals verlautete das Gerücht, B. wollte sich bei einem religiösen Vereine in H. als Magid anstellen lassen; unterdeß scheint der schlaue Candidat sich einesAndern besonnen zu haben. — Seit der Zeit — es war anno 1880 — sah ich den Juden B. nimmer wieder u. fand ihn als Christen jüngst erst in den Spalten zweier jüdischen Zeitungen Aufsehen erregend. Quidam. Danrroirev. Ein Großer in Israel ist dahingeschieden. Der am 6 Jnli gestorbene Rabbiner Dr. S. Meier ז״ל war ein unermüdlicher rastloser Kämpfer und Arbeiter für die Interessen des Judenthums, und ein Beförderer der Thora und ihrer Schüler. Selten war ein Rabbiner der Neuzeit den Worten des פ׳ אבות א׳ so getreu, als der edle Gestorbene :והעמידו תלמידים הרבה ועשו סיג לתורה ״Stellet viele Schüler aus, und machet einen Zaun um die Thora"! Er war ein תמיר im vollen Sinne des Wortes, wenn תסיר der Mann genannt wird, der sich nicht allein mit der Thora nach, der Vorschrift הלבה״" abmüht, sondern auch, wo das Gesetz nicht verpflichtet, wohlthätig ist. Sein ganzes Streben war neben der Aufrechthaltung der traditionellen Religion, der eifrigen Obliegenheit seines Amtes, der Fürsorge und der Pflege des israelitischen Lehrerseminars gewidmet. Für die vielen nach Hanover kommenden meist armen polnischen Talmudisten war er ein wahrer Vater. Aus eigenen Mitteln gab er, wie er auch durch Bitten und Anregung stets fremde Wohlthäter zu bewegen wußte, für die Seminaristen Unterkommen und Mittel zu schaffen. Vater einer zahlreichen Familie, gab er dennoch bereitwillig und fortwährend an Arme, und hatte daher selbst mit Nahrungssorgen zu kämpfen. Mit Betrübniß erfüllte es ihn, daß das frühere, musterhafte, religiöse Leben in Hannover׳ begann nachläßiger zu werden. Mit aller Kraft und Energie seines Wesens setzte er sich dem religiösen Verfalle, der einzureißen drohte, entgegen. Er wußte die Einführung der Orgel in die neu erbaute Synagoge zu verhindern. Für alles Interesse des Judenthums thätig, war er auch der Ehrenpräsident der israelitischenLehrerversammlungen Hannovers, und wohnte ihr stets bei. Die so gut organisirte Gemeinde und Synagogenordnung Hannovers, welche durch ihn besonders musterhaft geleitet, und eingerichtet ward, zeugt von seinem kräftigen Wirken und seinem Amtsfleiße für das Wohl der Judenheit. Als gewissenhafter, echt religiöser Rabbiner, wird man schwerlich in der Gegenwart seines Gleichen wieder finden. Gelehrt, unermüdlich dem Studium der Thora hingegeben, streng religiös. Andere belehrend, wohlthätig und in seinem Amte fortwährend thätig, erfüllte er alle Vorschriften eines Lehrers in Israel, und besaß alle erforderlichen Eigenschaften desselben. Es erfüllt sich daher an ihm das Wort Daniel's 12, ומצדיקי הרבים בבובבים לעולם וער Diejenigen welche Viele tugendhaft machen, werden wie die Sterne glänzen, immer und ewig. Mteravisches. Die Mündung des Brunnen: פי הבאר״“ (Eine Bemerkung zu Pirke Aboth 5, 0) Ebenso wie die Existenz der meisten an Eingangs bezeichneter Stelle genannten Separatsschöpfungen auf biblische Urkunde sich gründet, so beruhet auch das mischnaische פי הבאר auf einem Zeugnisse der h. Schrift. Es soll damit nach gewöhnlicher Auffassung der Fels der Haderwasser, מי מריבה gemeint sein. (4 V. M. c. 20, 10, 11.) Demnach wäre 2׳ הבאר, gleich פי הארץ (Mündung der Erde, die den Korach verschlungen) ,פי האתון (Mund der Eselin Bileams) ein zur Erfüllung eines momentanen, ein für allemal geschehenen und sich nie wiederholenden Zweckes geschaffenes Wunderding gewesen. Gegen eine solche Auffassung spricht jedoch der Ausdruck selbst: Mündung des Brunnen, warum heißt es denn nicht eher Mündung des Felsen,פי ר,םלע? — Es gewinnt daher an Wahrscheinlich^, daß die Mischna in Pirke Aboth den Brunnen meint, über welchen (ibid. c. 21, 16, 17,) berichtet wird, wie seinetwegen die Freude Israels, da Gott zu Mose sprach: "Versammle das Volk und Ich werde ihm Wasser geben״ in einem Lobliede Widerhall gefunden. Hier soll (s. Raschi zur Stelle) der Wanderbrunnen besungen worden sein, der während vierzig Jahre die Züge durch die Wüste NNtgemachl u. dem die Ausdehnungskraft wie die Gefügigkeit eigen waren, sich je nach Bedürfniß zu einer Wasserleitung in optima forma herauszubilden, um sich auf diese Art den Lagernden zu Hause und zu Hofe zur Verfügung zu stellen. Mit dem Tode Moses soll auch der Brunnen zu sein aufgehört haben. In der agadischen Literatur hat sich ferner die Sage von einem Mirjamsbrunnen erhalten, der mit dem Ableben des berühmten Weibes sich verlor: daher die Wassernoth unmittelbar nach Mirjams Tode: daher die מי מריבה (Vergl. Raschi c. 20 zur Stelle ״Und die Gemeinde hatte kein Wasser.") Wenn man aber auch den Gegenstand alles agadischen Schmuckes entkleidet, d. h. wenn man auch den Brunnen nicht als Wanderbrunnen mit vierzigjähriger Dauer u. fabelhafter Ausdehnungskraft geiten läßt, sondern, nach dem Wortlaute der Schrift urtheilend, wo es heißt: (c. 21,16.) ״Da war der Brunnen, wo Gott zu Mose sagte: versammle das Volk u. Ich werde ihm Wasser geben," sich eine vor den Augen der Versammelten plötzlich entstandene Wasserquelle denkt, die die Wanderer mit ihrem Segen erquickte u. aus der sie Wasservorrath für kommende Stationen schöpfen konnten, so zeichnete sich eine solche überraschende Thatsache in ihren geheimnißvollen Ursachen und wohlthuenden Wirkungen nicht minder aus, wie s. Z. der plötzlich sich ausgethane Schlund der Erde bei Korach in seinem Anfänge und Ende. Was aber die Agadisten zur Annahme eines Moses ״und Mirjamsbrunnen bewogen, mag Folgendes gewesen sein: Während der ganzen Wanderschaft durch die Wüste, wobei 42 Haltstationen gemacht worden waren (Vergl. Abschnitt מםעי) kam es nur zweimal (in Refidim und Kadesch) vor, da das Volk an Wassernoth gelitten. In der Regel muß also Wasser vorhanden gewesen sein, Wassermangel war Ausnahme. Woher mag es nun gekommen sein, daß durch die ganze lange Zeit nicht mehr als zweimal Klagen über Wassermangel lautbar geworden sind? Auf welche Art wurde in der Wüste der regelmäßige Wasserbedarf versorgt? Die Geschichte giebt über dieses Räthselhafte keinerlei Aufschluß. Die Agadisten erklärten das Sonderbare mit dem Sonderbaren und nahmen den Moses- und Mirjamsbrunnen an. Dabei geräth man jedoch vom Regen in die Traufe. Denn wird einmal die Existenz der genannten Brunnen vorausgesetzt, wie konnte es dann wieder zu einer Wasternoth gekommen sein? Und wie ist der Fall der מי מריבה denkbar? Raschi angeführten Ortes sucht den Fall bei Kadesch mit dem Tode Mirjams, da der Brunnen verschwunden sein soll, in Zusammenhang zu bringen. Wo bleibt aber der Mosesbrunnen, der ja erst nach Moses Tode zu sein ausgehört hatte, und der die ganze Zeit segenspendend mitgezogen war? — Bemerkt doch Raschi selber bei Gelegenheit der Botschaft a«s Kadesch an den König Edoms, wo gesagt wird (c. 20, 17.): ״Wir werden nicht Brunnenwasser trinken": ,אע״פ שיש בידנו מן לאכול ובאר לשתות, wenn wir auch Manna und einen Brunnen bei uns haben u. s. w., da aber die Botschaft nach dem Tode Mirjams stattgefunden, so kann ja unmöglich mit dem Tode Mirjams schon der Brunnen eingestellt gewesen sein? Wenn aber Raschi mit באר״" den Felsen bei Kadesch meint, der mit dem ״Brunnen" c, 21, 17. identisch sein soll, den die Agadisten für den Brunnen halten, der vom Momente seines Entstehens ab zu Kadesch bis nach Moses Tode fortgedauert hat, so bleibt es unbegreiflich, wie später wieder (s. c. 21, 5.) Klagen über Wassermangel Platz greifen konnten? — Schrift- und Agadakundigen Lesern dieses Blattes möge es überlassen bleiben, über bie״ beregte Brunnensage Licht verbreitende Aeußerungen zu veröffentlichen. G R. Berlin. Der Geheime Commerzienrath Schwabach, Mitinhaber des Bankhauses S. Bleichröder, eine in financiellen Kreisen ebenso beliebte wie angesehene Persönlichkeit wäre beinahe das Opfer eines Unfalles, der ihn auf einer Spazierfahrt ereignete, geworden. Die Pferde wurden scheu, und der Herr ftürtzte vom Bocke und ward von dem Gespanne mehrere Wagenlängen fortgeschleift. Eine Stunde lag der gestürzte Herr besinnungslos, dann wurde er zu seiner Besitzung zurückgefahren. Ein in Trebbin wohnender Arzt leistete ihm die erste Hilse. Die Gewalt des Sturzes ist durch den Hut gemindert worden, so das ernstere Folgen hoffentlich nicht zu befürchten sind. In der Finanzwelt besonders wird der Anfall mit allgemeinster Theilnahme ausgenommen werden. Breslau, (Die Unterstü.tzungskasse des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesier: und Posen) hielt im kleinen Saal der neun Börse ihre vierte ordentliche General-Versammlung, Herr Dr. Samuelsohn- Breslau als Vorsitzender begrüßte die erschienenen Mitglieder, und exk^tftM. Bericht über die Thätigkeit der Kasse tm' abg Henen Jahre. Die Zahl der ordentlichen Mitglieder beträgt gegenwärtig 23. Ehrenmitglieder hat die Kasse 120. Der zweite Bericht über die Einnahmen und Ausgaben der Kasse ist sämmtlichen Mitgliedern rechtzeitig zugestellt worden. Er enthält die Bilanz für das Jahr 1881. Das Vereinsmögen ult. December 1881 bestand aus 10,300 Wart welch in vierprocentigen Staatspapieren angelegt sind, und aus einem Kassenbestande von 434 Mark 12 Pfenig. Bei der Neuwahl des Vorstandes und der Revisoren erhielten die im vorigen Jahre gewählten Herren wiederum die meisten Stimmen. —Die 5. ordentliche Generalversammlung soll in den Pfingstferien des Jahres 1883 in Breslau stattfinden. — S ch opfloch. Der fast siebzigjährige Conditor Meyer Bloch von hier ward plötzlich in einem Eisenbahnzuge vom Schlage getroffen. Er hatte sich nach Leutershausen in der Absicht begeben, sein in Jochsberg wohnende Tochter zu besuchen. Schon bei der Ankunft in Ansbach fühlte er sich unwohl und muhte in das Coupe geführt werden. Als er in Leutershausen ausfteigen sollte,war er todt. Man denke sich den Schreck der Frau bei Empfang des Telegramms, datz ihr Mann, welcher sie vor kaum 4 Stunden gesund und frisch velassen hatte, bereits todt im Bahnhofe zu Leutershausen Liege! In Preßburg stürzte sich vor einigen Tagen ein betrunkener Maurergeselle mit dem Rufe ״ich muß die Judeu zerschlagen" auf einem ihm begegneten Talmudschüler mit einem Messer und stach nach demselben, glücklicherweise nicht lebensgefährlich Einem anderen Juden versetzte derselbe einige Ohrfeige. Der Attentäter wurde sofort verhaftet. In Wien!sieht es schon, es sei in Preßburg ein Judenkrawall ausgebrochen, dieses Gerücht verursachte eine flaue Stimmung an der Börse. Juli 28 7 קבלת שבת Uhr 5 Min. שבת נחמו) סדרה ואתחנן* 29 ״ (מזמורים צ״ב צ׳) ״ "Sabbathausgang 8 Uhr 35 Min. חמשה עשר 31״