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Israelitischer Reichs-Bote · 1882-07-21 · 29/30 (21.7.1882) · p. [Seite]

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Journal
Israelitischer Reichs-Bote
Volume
8 (1882)
Issue
29/30 (21.7.1882)
Date
1882-07-21
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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öu Gunsten der Vertriebenen ..„u, wie die Emigration nach Amerika. .. das Kind in den Brunnen gefallen ist, macht man ihn zu! Ueberhaupt will mir eine solche aus wenigen Mitgliedern bestehende Versammlung nicht gefallen. Es ist dies, nach meiner Meinung, nicht genügend, um den Vorgesetzten, großen Zweck zu erreichen. Hat nicht Jeder, den Sympathie und Herz treibt, ein Interesse an dieser Sache, und Recht mitzuberathen. Nicht 7 Gemeinden allein, von den 2000 Deutschlands müßten sich hier betheiligen. Nun ich will nicht vorgreifen. Vielleicht wollen die zusammengetretenen Herren Rabbiner nur den vorberathenden Ausschuß für eine größere, demnächst zusammentretende Versammlung bilden. Dann wäre auch Ihr Wunsch erfüllt, Herr Redakteur! Was könnte übrigens nicht noch Alles bei solchen Versammlungen in Bezug aus innere jüdische Angelegenheiten besprochen werden, wozu unsere Zeit, leider, io viel Stoff bietet! Schon der Einheit der Herren Rabbiner unter sich, sind dergleichen Versammlungen zuträglich. (Anm. der Redaktion. Auch bei dieser, von dem geehrten Einsender berührten Versammlung in Mainz, zeigt sich wie anderwärts es zu geschehen pflegt, daß Parteien sich schlagen und vertragen! Auch unsere Herren Rabbiner sind bei den neuen Diplomaten in die Schule gegangen! Zum besseren Verständniß hierfür erinnern wir an die Zerwürfnisse der Herren unter einander mit Hinweis auf die uns gelieferten Artikeln von 1877 No. 24 und 26 „Der Austritt in Frankfurt a. M". Mögen alle orthodoxe Rabbiner zu einer Versammlung endlich in Eintracht zusammentreten, zutn Besten und zum Wohle des ganzen Judenthums!) *) Wir möchten diesen Hinweis aus unser Verdienst, auf welches wir uns nie viel einbildeten, sondern stets nur das Beste der Sache und des Ganzen im Auge hatten, ablehnen. Im Uebrigen verweisen wir auf die Besprechung des Circulars des Herrn' Veneziani in dieser No. uns. Bl. Red. Die Httöe der Sprache ihre Würde und der rechte Gebrauch derselben nach vorzügliche-" Quellen daraeftellt '-j., ^Fortsetzung aus No. 25.) Sprichst Du für die Wahrheit, so bist Du eine Stütze der Wahrheit und der Tugend Freund, so oft Du es thust! Bist es andeinem eignen Herzen, welches an der Lüge und an der Schandhandlung keinen Antheil nimmt. Bist es für den Unglücklichen, den die Lästerung kränkt, und der seiner Unschuld vollen Segen vermißt; bist es für die ganze Welt; sicherst sie vor Betrug, und vor dem thörigen Unternehmen, gehörte Schmacherdichtung weiter zu verbreiten. Der Verläumder flieht gern das Antlitz des Edlen, welchen er schmäht und nutzt seine Abwesenheit. Er weiß, daß sein bloßer Anblick ihn Niederschlagen, daß die Welt beim hervordringenden Strahl der Wahrheit aus des Rechtschaffenen Auge auf seine Reden nicht achten würde. Oft, wenn der Gute im Stillen volles Bewußtsein seiner edlen Thaten genießt, wenn rings um ihn her ein Himmel voll Freude schwebt, wird ihm wohl in der Nähe schon eine Hölle bereitet. Er sieht nicht — kann sich gegen das Feuer nicht decken, zu welcher der Funke, aus dem Feuer werden soll, schon unter der Asche glimmt. Bist Du daher unter Menschen, wo dein abwesender Nächster geschändet, um seinen wohlverdienten guten Ruf gebracht wird, dulde die Schmach nicht, welche der Redliche hinter dem Rücken empfängt, suche ihn zu unterstützen, führe das Wort der Wahrheit für ihn. Aus dem üblen Ruf ein neues, gutes Gebäude wieder aufbauen zu wollen, ist schwer, die vorgefaßte Meinung ist einmal wider ihn da. Welche Aufforderung an Dich, Freund der Wahrheit, die Ehre eines Abwesenden zu retten, den guten Ruf eines Verleumdeten wieder herzustellen, das verkannte Verdienst aus seiner Dunkelheit hervorzuziehen. „Thue demen Mund auf für den Stummen, d. h. für den, der sich nicht vertheidigen kann, und für die Sache Aller, die verlassen sind" (Spr. Salomo 31, 8). Dies sollst Du, Du sollst auftreten, sollst nicht schweigen, — auch da wo Du nicht ganz die Schuld von dem Nächsten abwenden kannst, kannst aber etwas Wahres zur Minderung der Schuld sagen. Der Verläumder sucht das Böse an dem Nächsten auf, suche Du das Gute auf. Es versteht sich, daß dies Gute, das Du redest, wahr sein muß; ist es erdichtet, so ist es ja wieder ein falsches Zeugniß. Und lieben wir die Menschen, ist nur ein Funke von Wohlwollen in unserem Herzen: soll uns dann das Bild aller menschlichen Vereinigung nicht unaussprechlich heilig sein? Sollte es denn nicht unsere heiligste Pflicht sein, über die Sicherheit, Ordnung und das Wohl der Gesellschaft zu wachen? Sollen wir nicht noch überdies alle gleichsam Einen Körper ausmachen, den Ein Geist, Ein Sinn durchwehet; wo alle Theile in der genauesten Uebereinstimmung stehen, wo alle es redlich meinen, und einander unterstützen sollen? — Was könnte schöner und besser sein, als gesichert gegen alle Verläumdung, geschützt gegen alle Lieblosigkeit, in einem Bunde mit einigen und edlen Menschen glücklich zu leben, in einem Bunde, den festes Vertrauen und herzliche Liebe geknüpft hätte! — O wie viel reiner und ungetrübter würde der Bach unseres Lebens zwischen Blumenusern still und friedlich dahin fließen, wie viel froher und glücklicher würden wir uns fühlen, wenn wir nicht so oft von Tücke, Neid, Bosheit, Falschheit und Verleumdung uns feindselig angegriffen sähen. Mit Freuden sollten wir daher jede Gelegenheit ergreifen, die Herrschaft der Lüge, des Vorurtheils und des vermessenen Jrrthums immer mehr einzuschränken, und die Wahrheit zu vertheidigen, auf daß das Reich der Wahrheit immer mehr erweitert werde. (Forts, folgt.) Palästina das Palladium der Welt! (Fortsetzung.) Ferne in beut Reich des Morgens, erinnern uns auch heute noch einige Zedern des Libanon an die Wahrheit des 92. Psalms: „Der Gerechte grünt wie die Palme, erhebt sich wie die Zeder des Libanon". — Was uns Juden das heil. Land war, wird es auch stets bleiben; der Gedanke an dasselbe erhebt selbst zur Zeit der größten Gefahr unfern Geist zu etwas höheren:, idealerem; denn wir sind einmal mit denl Lande eng verkettet. — Wenn der Materialismus endlich fallen wird, und die jüdische Bescheidenheit sich emporhebt, dann wird ein inniges Band alle Israeliten umschließen und die Sehnsucht nach dem heil. Lande, wo die goldene Brücke, der Uebergang zum höheren Leben sich befindet, wird eine allgemeine sein. — Daher kömmt es auch, daß unsere strena-rel^M^Glauberlsbrüder von Polen- Mßländ in"Ankerika,"n)o der Marenälismus nur regiert, sich nicht heimisch fühlen, und in größerer Menge zurückkommen. Amerika bietet ihnen keinen Anhalt des religiösen Lebens. Bewahrheitet sich jedoch das Gerücht der letzten Tage, daß von Seiten der türk. Regierung der Colonisation Palästinas nichts im Wege stehe, so möge nran ungesäumt für solche eintreten. — Möge man nur berücksichtigen, wie die unter Leitung von Charles Netter bei Jaffa bestehende Versuchsanstalt mpö sich so glänzend vorarbeitet und jährliche Ueberschüsse zu verzeichnen wären, wenn die Verwaltung, wie Verpflegung der Schüler und Neubauten nich so hoch wären, umsomehr werden unsere arbeitsamen Glaubensbrüder, welche mit Liebe den heil. Boden betreten, ohne Bedenken sortkommen, wenn sie nur bei Bedarf in der ersten Zeit unterstützt werden. — Nicht mit Worten und nicht mit Schreiben kann für die ernste Sache etwas geschehen, möge man Vertrauensmänner nach dort senden, Männer der Wahrheit, um die Wege zur Colonisation zu ermitteln rA-Sy iw mögen sie sprechen für diejenigen, welche noch Herz für unsere heil. Stadt Jerusalem haben ’iiOp') für sie auffordern und die Gaben werden reichlich in die Sammelbüchse fallen, so daß mit der Colonisation endlich begonnen werden kann. (Fortsetzung folgt.) Frankfurt a. M. Der hiesige israelitische Frauenverein dessen Zweck ist: unbemittelte Mädchen zu erziehen und zu nützlicher bürgerlicher Thätigkeit heranzubilden, namentlich schulfähige und vorzugsweise ganz oder halb verwaiste Mädchen, welche das achte Jahr zurückgelegt haben, im Vereinshause zu verpflegen und zu besagtem Zweck gehörig vorzubereiten, tritt nun in das 36. Jahr seines Daseins. Bis jetzt erhielten 81 Waisenmädchen Erziehung und Ausbildung. Der Verein ist jetzt um die Rechte einer juristischen Person eingekommen. Im Jahre 1881 befanden sich 28 Zöglinge, darunter 6 neu aufgenommene in der Anstalt. Die Einnahmen beliefen sich auf Beiträge von ca. 800 Mitgliedern mit 4999 M.t Geschenke und Legate 13,269 M., Zinsen 6557 M., die Ausgaben für Haushaltung auf ca. 14,900 M., für Unterricht 2809 M., Gehalte 2010 M, Diverse ca. 500 Außerdem wurden verschiedene Geschenke für specielle Zwecke gemacht. Geschenke und Gaben für den Verein werden von Frau Dr. Reiß, Frau Charlotte Speyer- Stern, Herr Adolf Doctor und Fräulein Weil gern entgegengenommen. Die würdige Hausvorsteherin obigen Vereins, Fräulein Weil, wirkt bereits über ein Vierteljahrhundert zum Besten der Anstalt. — Bei dem Hilfs-Comite in Frankfurt sind bis jetzt ca. 340,000 M. eingegangen. Das Comits christlicher Mitbürger, bestehend aus Dr. Carl Oppel, G. Ed. van der Heyden, Dr. med. Knoblauch, Ph. Kroll, Dr. med. E. Wenz, Georg Franz, I. Köbig hat nunmehr seine Sammlung geschlossen und dem Herrn Ad. B. H. Goldschmidt, Vorsitzenden des hiesigen Hauptcomites die Gaben überreicht. Wie wir nachträglich erfahren, sollen den genannten Herren des Comitös, von einer geheimen Liga aus der Schweiz, (Basel) Correspondenzkarten mit Schmähungen gegen die Juden, und den: Vorwurfe, weshalb man für solche Menschen sammle, zugegangen sein. — Zu der Tisza Eszlaer Geschichte bringen einige politische Blätter eine neue Enthüllung. Demzufolge soll ihr das Verbrechen eines Einzelnen, des Schlächters, zu Grunde liegen, der sich in verbrecherischer Weise an dem Mädchen verging, und um die Spuren dieser That verschwinden zu lassen, das Mädchen ermordete, und beseitigte. Wir bringen diese Enthüllung, ungeachtet sie ziemlich positiv auftritt, unter der großmöglichsten Reserve, und behandeln sie bis aus weitere Aufklärung nur als Hypothese. Sollte diese Behauptung sich aber als Thatsache ausweisen, so müßten wir dem v'tr dem Höchsten Dank sagen, (: piw) für die Befreiung der ganzen Gemeinde von einem Verbrechen, das auf solche Weise einem Unmenschen zufällt, der auf die ganze Gesammtheit eine solche schwere Anklage und Verfolgung brachte. Möchte das Gericht alsbald dem Schuldigen seine Strafe wiederfahren lassen, und wir am Ende von den schweren, auf uns lastenden Alpdrücke befreit werden. Frankfurt a. M. Früher bedachte man 7iW in Testamenten. 1809 starb in London eine fromm-' Jüdin, welche in ihrem Testamente 1000 Pfd. Stl. -m dem Zwecke vermachte, um die Kosten des Transpon^s nach Palästina, wo sie sich ein ni2K mp versckaiU hatte, zu bestreiten. . . vor einiger^ Atzt/ Jubiläumsfest der 25jäh^gen Wrrkst ' Sr.Ehrwürden des Herrn Rabbiner Ehrenrerch zu Höchberg bei Würzburg findet am 2. August statt. Zu gleicher Zeit hält der israelit. Lehrerverein in Würzburg seine alljährliche Versammlung ab. — Wir erhielten kürzlich von dem Lehrer Herrn Rosenwald ausJserlohn (Westphalen) eine Nachricht über einen Angriff, den das in Hohenlimburg erscheinende Blatt der „Gemeinnützige" auf die jüdische Religion sich erlaubte, in Betreff der Unverbindlichkeit des Eides für die Juden, nach dem Talmud. (Wir werden in nächster No. unseres Blattes eine diesbezügliche Abhandlung bringen, welche den Standpunkt des Judenthums zum Eide in völliges Licht stellt. D. R.) Frankfurt, im Juli. Vor dem hiesigen Amtsgericht stand folgender Fall. Der Agent Germain Verna, wegen Beleidigung und Körperverletzung vorbestraft, hat in der Walpurgisnacht im „Wintergarten", durch lascive Lieder, die dort gesungen wurden, veranlaßt, die Bemerkung gemacht: „Solche Frechheit ist nur von Judenbuben zu erwarten." Es gab eine Scene. Die Gegner folgten ihm und seinen Bekannten auf den Götheplatz. Es kam zu einem förmlichen Auflaufe. Der Agent soll dabei auch gerufen haben: „Nieder mit den Juden!" Ein Wächter bezeichnete den Tumult als eine „kleine Judenhetze". Der Angeklagte soll sich auch dem Kutscher gegenüber Tätlichkeiten zu Schulden kommen gelassen haben. Der Gerichtshof spricht den Angeklagten von der Ruhestörung frei und verurtheilt ihn zu einer Woche Gesängniß wegen der Mißhandlung. Als erschwerten Umstand betont das Erkenntniß den bösen Leumund und die Vorstrafen des Verurteilten. Frankfurt a. M. Hier zirkulirt das Gerücht von einer Verheiratung der Tochter des Baron Karl v. Rothschild mit dem französischen Prinzen v. Wagram. Wer das Stillleben des Baron Karl v. Rothschild kennt, wird nicht durch diese Kunde überrascht sein, daß wiederum eine Tochter desselben in den französischen Adel verheirathet wird. In vertraulichen Kreisen erzählt man sich außerdem, daß Baron K. v. Rothschild die Absicht hat, nach Paris zu übersiedeln, zuvor aber 18,000,000 Mark an die drei Confessionen zu vertheilen, zur Beschwichtigung der Gemüther. Von Bielefeld aus wird über das neuere Erscheinen des Hofpredigers Stöcker auf dem Schauplatze der Judenagitation berichtet, (das Gerücht, derselbe habe

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