Mannheim
Compact Memory

Israelitischer Reichs-Bote · 1882-07-21 · 29/30 (21.7.1882) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitischer Reichs-Bote
Volume
8 (1882)
Issue
29/30 (21.7.1882)
Date
1882-07-21
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/9610652-9611059-9611060--03-9611062
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

♦ ä ♦ Hrgan für religiöse, wissenschaftliche und gemeinnützige Interessen des Zudenthums. Grscheint jeden Freitag. Abonnement: —3־^<*־«^ Infe^nte: Vierteljährlich 2 Mark, Ausland vierteljährlich 2 Mark 50 Pfg. Bestellungen nehmen alle Postanstalten entgegen. Herausgeber und Redakteur: Moritz Baum. Redaktion und Expedition: Unterer Atzemer Nr. 9. Die Petitzeile oder deren Raum 10 Psg. . Zahlbar hier. Inserate werden bis Dienstag erbeten 1 Frankfurt a M., 21. Juli 1882 (5642.) 9tr. 29 u. 30. Achter Jahrgang. Abonnements-Einladung. VS" Mit dem I.Juli begann ein neues Quartal. Neu hinzutretende Abonnenten erhalten, auf Wunsch, frühere Exemplare gratis nachgeliefert. Agenten für den Betrieb des Blattes erhalten entsprechende Provifion. Probebläter werden auf Wunsch gratis verabfolgt. Ein Wort an den jüdischen Vorbeier. (Schluß.) Nicht nur das vortreffliche Organ, nicht die große Fertigkeit im Singen, machen den חזן r obgleich die נעימה und קול ערב, die liebliche und angenehme Stimme mi. eine feiner Eigenschaften ausmachen. Wie sehr dara/ liegt, daß würdige, gottesfürchtige Männer zu dem wichtigen Berufe eines חזן ersehen werden, beweist die Thatsache, daß das Amt der Sänger und Musiker bei dein Tempelgottesdienste dem Stamme Levi, dem Gott geweihten Stamme, der sich nur mit dem Heiligthum zu beschäftigen hatte, als Besitzthum nur Gott allein, kein anderes. Erbtheil hatte, übertragen war. Aus ihnen ersah sich der König David die Sänger des Herrn, er selbst ein " ^cker Sänger נעים זמרוה. Sam. 2. 23. 1.: E wud die Heerführer ersahen zum Diepsi die .־",.:הל' zeien soll״.., nit Harfen, mit Psaltern und Cimbeln! (Chronik f. 25 f. 2 v. Ehr. 20. 19.) ״Und die Leviten, von den Söhnen Kohaths und den Söhnen Korhats standen den Gott Israels zu preisen, mit lauter, hoher Stimme. So war der Sängerdienst im Tempel ausgebildet.׳ Gewiß, alle Anzeichen deuten darauf hin, daß es zu der Zeit Davids Gesangsschulen, wie Prophetenschulen gab, wenn nicht beide, Sänger und Propheten eins und dasselbe waren; war doch die Heiligkeit, die Gottesfurcht ein unveräußerliches Attribut des Sängers! Es ist besonders an dem חזן das Wort 3 B. M. 10. 3. zur Erfüllung zu bringen. בקרבי אקדיש. An denen die mir nahen, will ich geheiligt werden! Vergleichen wir mit dem von uns aufgestellten Ideale eines wahren חזן, eines Mannes der mit prophetischer Andacht erfüllt ist, Wissenschaft, Sittlichkeit, und dabei die nöthige technische Kenntniß zum Singen, die liebliche Stimme besitzt, das Bild eines חזן wie es in der Erscheinung, in Wirklichkeit oft vor uns hintritt, und von dem Ideale so sehr entsernt ist. Zuvörderst, wir legen das Hauptgewicht auf diesen Umstand, weil es sür uns das Wesen eines guten שליח ציבור eines חזן ausmacht — das sittliche Derhalten vieler חזנים ließe Manches zu wünschen übrig! Wie wir im Talmud, סח חעניוח lesen, soll ביתו רקן sein Haus leer sein, was nach Rabbi Chisda sich auf Sündlosigkeit bezieht. Sein Haus soll ohne Vorwurf sein. Leider können wir hierin nicht jedem unserer heutigen Vorbeter das Zeugniß ausstellen, daß er sittenrein, und ohne Schuld, wie es vorgeschrieben, sei. Aber, wird man mit Spr. Sal. 7. 20. sagen: Es gibt Niemanden auf der Erde, der nur Gutes thut, und nicht sündigt. Wohl! Wir lassen ja gern manchem Vergehen, manchem Fehler Verzeihung widerfahren — aber, jene Fehler, jene Vergehen müssen nicht derartig sein, daß der ganze Beruf, der ganze Stand dadurch einen schlechten Ruf, einen Vorwurf erhalten könnte, — der Mensch kann sich vergehen, aber er beschreite den Weg der Befferung, der Buße, und wiederhole sein Vergehen nicht. Sittenreinheit sei die Haupttugend eines guten חזן, er eifre darin unserem Gottesmanne Moses nach, der selbst seine Sünden bekannte, selbst gestand, nicht sündenfrei zu sein, aber auch ein böses Beispiel, eine öffentliche Versündigung vermied. Auch der חזן vermeide jedes Aergerniß, jedes böse Beispiel. Und wir glauben, daß er, wenn er gewissenhaft, pünktlich seiner Pflicht, seinen religiösen Vorschriften nachkommt, er nicht in die Hände der Sünde gelangen wird. Wenn er gewissenhaft die täglichen Gebete verrichtet, — mit wahrer Andacht verrichtet, so bewahrt ihn schon die Kraft des Gebetes vor Versündigung. Le׳der meinen viele Chasonim, sie beteten nur sür die Gemeinde, nicht für sich, fassen das Gebet als ein bezahltes Amt auf, als eine lästige Bürde, deren sie sich so schnell wie möglich zu erledigen haben. Daß unter solchen Umständen denn auch der Chasan nicht durch seine religiöse Stellung vor Sünden beschützt wird, ist klar. Auch mit der Wissenschaft sieht es bekanntlich bei vielen unserer Chasonim nicht gerade zum Besten aus. Das :רגל לקרות בתורה נביאים ובתובים daß er die ganze heilige Schrift lesen und übersetzen könne, wird oft vernachlässigt, und gerade dieser Mangel an Wissenschaft, an tieferer Kenntniß der Schrift ist es, welcher der ganzen Erscheinung des Chasan das Gepräge der Leichtfertigkeit, der Nachlässigkeit, aufzudrücken geeignet ist. Vor einem wissenschaftlich gebildeten Chasan hat man Achtung, und man tritt ihm nicht gleich mit der Frage entgegen, wie sie einem neu engagirten Chasan kürzlich in einem Orte vorgelegt wurde; ״ob er auch tanzen könne." .;י-י llüi behandeln, wenn nicht Raum des Blattes und andere Angelegenheiten für heute eine weitere Besprechung dieses höchst wichtigen Themas untersagten; wir hoffen aber gelegentlich darauf zurückkommen zu können, und den Chasonim auf das Angelegentlichste die gewissenhafte Pflege und Führung ihres heiligen Berufes aufs Neue an's Herz zu legen! Zur Situation über unsere leidenden russischen Glaubensgenossen. Eine zahlreiche, uns theils aus Brody, theils aus Paris, London, New-Iork u. s. w. zugehende Sendung von Circularen, Correspondenzen u. s. w. berichtet von der Unmöglichkeit, in welcher sich die Hülfs- (oder Hülfsstockungs-) Comit6s aller Orten befinden, gegenüber den unzureichenden Hülfsmitteln, der Noth und dem Elende der Unglücklichen abzuhelfen. Unter Anderm geht uns ein Brief des Herrn Veneziani, Agent des Baron Hirsch in Paris, an den Präsidenten der Alliance zu, in welchem genannter Herr mittheilt, daß noch 12,000 Menschenseelen seit Monaten in Brody auf Hülfe harrten. Mit ergreifenden Worten legt Herr V. den verschiedenen Hülfs-Comitäs die Verantwortlichkeit an's Herz, die sie sich durch einmalige Uebernahme ihrer menschenfreundlichen Aufgabe zugezogen haben. Er sagt: ״Gar viele Männer, ja ganze Haushaltungen, die hier voll Kraft und Muth ankamen, sind schon jetzt durch den langen Aufenthalt in elenden Hütten und durch die unzureichende Nahrung heruntergekommen, daß man sie nicht zu Emigranten brauchen kann. Wäre es nicht besser gewesen, ihnen von Anfang an jede Hoffnung zu nehmen, als sie so verkümmern und verderben zu lassen?! Hätten sie gewußt, daß sie nicht auf uns rechnen könnten, so wären sie vielleicht auf ein anderes Rettungsmittel bedacht gewesen oder in ihre Heimath zurückgekehrt, die ohnedem gewiß viele nicht verlassen hätten." Den ganzen Inhalt des wahrhaft gut- und herzlichgemeinten Schreibens anzuführen, würde zu weit führen. Wir beschränken uns auf Mittheilung der Stelle, wo der Herr V. seinen Vorschlag über die anzuwendenden Maßregeln wahrer Hülsleistung giebt. Nachdem derselbe Herr über die Unmöglichkeit einer Auswanderung nach Amerika spricht, wo zuvor die 3—4000 Emigranten in New-Pork versorgt werden müssen, (von wo sie außerdem zurückgesandt werden). fährt er fort: ״Wir müssen daher die Flüchtlinge in die verschiedenen Länder Europas zu vertheilen suchen, wobei uns alle israelitischen Gemeinden, große und kleine, behülflich sein müssen. Wir dürsten dabei auf keine allzugroßen Schwierigkeiten zu stoßen haben, jedes Hülfs-Comite würde sich mit den israelitischen Behörden des. Landes in Einvernehmen setzen und diese ihrerseits erörtern, wieviele Familien in den Gemeinden untergebracht werden können. Sobald diese Auskünfte nach Brody gelangt sind, müßte man die Emigranten direkt nach ihrem Bestimmungsorte schicken. Die auf diese Weise untergebrachten Familien hätten natürlich Anspruch auf einen mehr oder minder lange dauernden Geldsuccurs, bis sie sich selbst ernähren können. Diese Hülfsgelder würden ihnen durch die Gemeinden verabreicht, die sie im Voraus erhalten, und in der Gewißheit, nur wenige Geldopfer bringen zu müssen, keine Schwierigkeiten machen dürsten." Diese von uns citirten Worte berühren uns wie ein wahres Zutrauungs- und Billigungsvotum, welches ntan unfern fast im Wortlaut identischen Rathschlägen giebt, die wir stets in der Unterstützungssrage ertheilten. Mit Befriedigung müssen wir auf die uns gegebene Genugthuung umsomehr Hinweisen, als unsere nunmehr als richtig erkannten Rathschläge in die Spalten unserer CollegimE den anderen jüdischen Blätter׳»»?»itiP MiLin-rhm* —I»**׳ י׳י* 'י״יי י״ dieselben in ihrer hartn^.^ ,!י Versos Pläne und Ideen sich so feftgerannk nun schließlich vor einem vollständigen tyrer Luftschlösser und leerer Phrasen stehen! Herr V. führt weiter aus, daß mindestens 4,000,000 Franks erforderlich sind, um die in Brody noch Verweilenden über den Winter zu erhalten. Sämmtliche gesammelten Gelder müßten das Kapital des gemeinschaftlichen, von den verschiedenen Comitos unternommenen Werkes bilden. Auf dieses Schreiben des Herrn V. hin, versendet die Alliance Jsraelite ein Cirkular an die einzelnen Gemeinden, worin dieselbe ihr Vertrauen ausspricht, daß die entsprechende Gemeinde ihre Bereitwilligkeit zur Aufnahme von Flüchtlingen erkläre, und ein Formular zur Ausfüllung der Zahl der übernommenen Flüchtlinge, beifügt. Buchstäblich erfüllt sich also unser stets ertheilter Rath, der Uebernahme des Unterstützungswerkes Seitens der Gemeinden, in Wirklichkeit. Was wäre aber von Leid und Noth erspart geblieben, wenn man zeitiger aus unfern Vorschlag eingegangen wäre, anstatt den Auswanderern die goldenen Berge Amerikas zu versprechen (siehe vor. No. uns. Bl.) Man folge also überall dem Beispiele Amsterdams, welches bereits den Vorschlag der Alliance in Wirklichkeit gebracht hat! Redaction des ״Israelitischen Reichs-Boten". Eingesandt. Cöln. Als stiller Beobachter der Vorgänge im Judenthum habe ich auch zuweilen meine eigene Ansichten über dieselben, und erlaube ich mir von Zeit zu Zeit Ihrem geschätzten Blatte einige derselben mitzutheilen. Wie die No. 28 des ״Israelit" mittheilt ist eine kleine Anzahl Rabbiner und Privat-Männer bei Herrn vr. Lehmann, Mainz, zusammengetreten, um über die Colonisation Palästinas zu berathen. Warum ein solcher Schritt erst so spät erfolgt, nachdem Ihr geschätztes Blatt schon so lange zu Rabbiner- und Gemeinde - Vorsteher - Versammlungen aufforderte, — will ich unerwogen lassen. Man hat Grund mit Piccolimini im Wallenstein zu sagen: ״Spät kommt ihr, doch ihr kommt!" Ihr geschätztes Blatt hat sicher das Verdienst *) der Anregung zu dem Schritte, welchen man jetzt gethan, nachdem man so viele schöne Zeit vorübergehen ließ, und gewartet hat, bis alle ander-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.