Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 65 (28.10.1921)
- Date
- 1921-10-28
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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gyatt feuie und Meii etnze kphi s Tele; eveir : Hirte enslc | und i ■ eitsit ■ aus.; Hllni | auf! niM ' mach nicht uns megt Geifl war« über beitr bei leite Werf MS, Tie Leut ten, Ich trau Seite 2 Freitag ».SHMW* Dokk-Mk^ 28. Oktober *t. 68 SIrbeit, die bisher von der „HaIassah" geleistet ,portwnalwahlrechts „zu Falle gebracht werden". Niemand erhebt mahnend seine Stimme gegen, leeren Konstruktion einer anationalen wurde, fortgesetzt werden, Hdrch das Bycgeh^as ist ernMiinöser Satz. Wenn die Aenüerung die völlige Ablösung eines großen Teils unserer saischen Konfession" die sieb trou riiv hrtÄ in nriA a/\^ *r'ÄTl‘ r,]^MUriv»<rrA l fl. r.:. — v .M1, * _ 1 .• „ , Ivm_ * llw? HJLLX.' QR* St oi zug and! für das Technikum wurde mit-10.000 Hfo. St. so knapp bemessen, daß kWMWr' not Lte^Mtnisse, wie sie hier eingerissen sind, van ‘'Sem Proportionalwahlrechte abhängig wendige Ausbau der Gebäude darnt bestrit^LM^ Aber wer glaubt daran? Es werden ten verden kann, so daß eine Erörfnuna b^ cilt resche Vertreter in den Vor tior! lich^ zu s. iiif» am': nun 1 icTfc»;' seit l. rr obö Mai sage J gebe?* such»' i Ein: gras; alle j^e' > dam ‘i von weg dj'mt gie mich , acht f und ' 850 deu: . 50.( sich, alle » zwe Rct . Dri ich wei ’ die aus 1 3« ' irso daß eine Eröffnung ,.. Instituts für Lehrzwecke vorläufig noch ausgeschlossen zu sein scheint. Ja selbst die so dringend einer Ausgestaltung benötigende Nationalbibliothek mußte mit der völlig ungenügenden Summe von 0000 Pfd. St. vorlicb nehmen, wie ja auch die für die landwirtschaftliche Forschungs- und Versuchsstation bewilligten 10.000 Pfd. St. durchaus nicht der Bedeutung dieses Institutes entsprechen. Ter Trost, daß nach Eingang des gesamten Budgets eventuelle Ueberschüsse für einige kulturelle Zwecke verwendet werden sollen (wie Erhöhung der Lchrergehälter, hebräische Abendkurse, handwerklichen Unterricht, Beschaffung von Lehrmitteln, Lehrerpensionen, Eröffnung eines orthodoxen Lehrerinnenseminars, Waad Halaschon, Bibliothek und Forschugnswesen), ist sehr gering in Anbetracht . der Höhe des ordentlichen Budgets. Die Universität im eigentlichen Sinne, d. h. abgesehen von den angeführten Zweiginstitnten, wird überhaupt im Budget nicht bedacht, da sie mittels Spezialsammlungen aufgcbant werden soll, für die allerdings auch innerhalb de Keren Hajessod ein besonderer Nnivcrsitätsfonds errichtet wird. Bezüglich der Sondersammlungen für die Universität muß erwähnt werden, daß vorläufig nur für die medizinischen Institute in den Kreisen der amerikanischen Arzte ein Grundfonds von 1 Million Dollars in Bildung begriffen ist. Immerhin ist die Erwartung berechtigt, daß, wenn erst die ersten Universitätsinstitute in Jerusalen, errichtet sein werden, das zweifellos vorhandene große Interesse dafür auch große Sonderspenden für diese Zwecke bervorlockcn Wirde Ueber deren Maß entscheidet nicht zuletzt die freudige Hingabe jedes einzelnen Jud'n, die sich in der kommenden Werbearbeit für kolonisatorische und kulturelle Zwecke offenbaren soll. Die Arbeit des Kongresses hat die Bedürfnisse von Erez Israel festgestellt. damit wir unsere Aufgabe in ihrer gesamten Größe erkennen. Die Cadres sind gelegt und bedürfen nur noch des Ansbaus. Vereinigen wir uns für Erez Israel im Keren Hajessod, dessen Legalisierung zu den wichtigsten Ergcbnisien dieses Kongresses gehört. Der Kongreß hat seine Schuldigkeit gstau. Versäume niemand, seine eigene Schuch:gfeit zu tun! Vrüuuer Brief. Entschuldigen Sie, verehrter Herr Redak^ teur, wenn ich dieses Schreiben mit einer „Loze" stand kommen, werden anfänglich eine schärfere ' Tonart anschlagen, dann werden auch sie nach bewährten Methoden, gezähmt werden, und der „moderne" Zug wird gar bald dem alten Sy-! stem weichen, das wir sattsam kennen. Freilich, ‘ wenn man meinte, daß nur drei Parteien Kandidatenlisten oufftellen werden, so täuschte man sich. Soviel wir wissen, gibt es schon jetzt, da die Wahlbewegung, man verzeihe das etwas hochtrabende Mort, beginnt, 5 Parteien, indem sich dis sogenannten Konservativen in, fast Hä0" i-b aesagt. 2 Sekten spalten, nennen wir, sie Machsike-Hadas und Esra-Leute. Die feinen Unterschiede, welche diese Parteien voneinander scheiden, erkennt nur der Eingeweihte und es hätte keinen Zweck, sie bier auseinandorzusetren, würde auch keinen Menschen interessieren. Die 5. Partei tsi die der sozialistisch Gesinnten, von deren Auftreten wir uns das meiste versprechen, da die. welche sich Nationale nennen, fthr hold ins Schlepptau der Liberalen genommen wurden. Dies ze-mte sich sehr deutlich während hes Ereignisies, das zum erftenmale die Zustande in der „Kultusstube" blitzartiger — leuchtete, es war dies der, in mancher Bezisbung, dcnkwär^ige Strike der Gemeinheangestell- 85 ten. Dieser Strike, der ein eigenes Kavitel ertordert. wirkte wie ein r->>->igendes Gewllter. Es stellten ihre Tätigkeit Männer und Frauen "in, die wahre Hungertöbne bezogen und auch < beute noch, trotz einer kleinen Erhöhung, kaum leben können. Mas tat der Kultnsvorsiand ohne ’ >er Nationalen? Er erbäbte in ci"s» giebiger Meise die Gehalte der 3 Veamten, die ^er Organisation nicht angehören, trotzdem diese ein sebr reichliches Auskommen haben nnd a"b dem einen kavaliersmäßig einen hoben Beitrag für eine Badereise. Es zeigte sich also, daß die Gemeinde Geld besitzt, wenn sie es den nerhätG'ellen Lieblingen geben will, und, — dies alles geschah ohne jeden Einspruch jener, die sick, m't hem Mänt-lcben der Demokratie so gerne schmücken, obgleich einer dieser Volksmänner. der auf das nasi-mu'e »Programm gewählt worden war, sich zu der Drohung verbieg, .die strikenden armen Te-ckel, mit monatlichem Gehalt von 300 bis 600 Kronen, zu entlasten oder gar disziplinariter behanheln zu lasten. . . Da erkennt man doch das gütige jüdische Herz. Die armen Angestellten der diesigen Gemeinde, mit Ausnahme der 3 „Obersten", wie sie von den leitenden Persönlichkeiten genannt werden, hoffen auf ausgiebige Besterung ihrer Lage, die eine trostlose ist, wenn der „moderne Zug" in die „Kultusstube einueben" wirb. Ob sie sich nicht täuschen werden? Der Pesiittrisi sagt m-t nnsr-m Jtzig „es bleibt alles beim alten". Und der Prophet wird recht behalten. Nicht der „moderne Luftzug", der höchstens ein Rheuma benchrken kann, fehlt uns, sondern der jüdische Dies möge man sich getagt fein lasten. jüdischen Bevölkerung vom Judentum, denn wir haben keinen geistigen Führer. Da nützen alle „modernen Züge" nichts. Der Verständige wird mich verstehen. Wer Kultussieuern zahlt, er tut lllll'l/ Vl *• {ivljvl I. v l OvlUlUv IvUfcli! riUllLlf vl UU m f •* . es ja nicht gerne und reklamiert wegen lumpt;' chlchde wieder zu emein lebendigci! Organiö. ©rntiott mu^ mit OtN-Nt klaren Lebenswillen lll'rhiV ger tausend Kronen, die er für eine Theaterloge, oder ein Nachtmahl, oder in der Bar oder noch für etwas anderes, was wir nicht nennen wollen, gerne hergibt, ist noch kein Jude. Was holten die Herren von einem jüdischen Spital? Wir denken, das ist zum mindesten so nötig, wie teuer bezahlte Grüfte und noch teurer bezahlte Grabdenkmäler, aus denen sich, was der Himmel verhüte, kein hebräisches Wort findet. — Man sieht, der Aufgaben im modernen Sinne gebe es genug Und Geld gibt es auch genug, nur müßten gewiste Herren ihre Tasche etwas weiter aufmachen. Uns ist es sehr gleichgül ig, wer in diesen künftigen Kultusvarstand kommen wird, für dessen Wahl es keinen Zwang gibt. Juden wüsten es sein, mit jüdischen Köpen nicht nur, sondern auch mit jüdischen Herzen. Juden, die gewistenhaft sich den öffentlichen Angelegenb'itcn und Bedürfnissen widmen. Keine Frömmler, keine Heuchler, keine Augenverdreher, nicht Leute mit süßlichen Redensarten, sondern tapfere, aufrichtige Menschen mit offenen Augen, freiem, reinem Geiste, die für das Judentum mutig intreten. den Armen helfen, die Jugend im jüdischen Geiste heranbilden wollen, das Judentum in würdiger Weife vertreten, reinen Eharakters sind, dann werden wir den „modernen Zug" in der „Kultusstube" haben. Wir fürchten jedoch, Jtzig wird recht behalten, „es bleibt alles beim alten." Vederemo und qui vivra verra. Wie sagt man bei uns: „Wir werden doch setz azophe. .... . ■. . , . lyros an. gebltd} anationalen Charakters nur auf Mm., scheu gleicher Abstammung beschränkt. I- N. P. verlangt, daß die Jüdische Ge. kmren Lebenswillen werde. In Anbetracht der Tatsache, daß die Indische Gemeinde, so lange sie ein lebendi. ger Organismus um, immer auf Grund, läge der Einheit von jüd. Religion und jüd. Volkstum anfgcbaut war, verlangt die I. N. P. nichts anderes, als daß die alte» Tätigkeitsgebiete der Gemeinde entsprechend den veränderten Verhättmsjen in brrändex. rer Form, aber in ihrer allen Bedeutsamkeit wieder hcrgestellt werden. Das unrd g.-uügen. um die alte Einheit zwischen jüdischer Religion und jüdischem VoikSt'.'in von jeW wieder hcrzustellen. Die aiton Tätgrenr. gebiete der Gemeinde timen anerkanntermaßen: Kultus, Erziehung und soziale Für. sorge. Sie sollen es and) heute seiir. beit. flCI#?|iJ. GM«' Ä \ miitlur D bafe all dein m MM deiitun f® yic Kultus' .P.ugbeginne. War da in einer unserer, wie sie sich, 'Wir gleicken einem Kranken, dessen Uebel man ich weiß nicht, ob mit Recht oder Unrecht, zu Tehr gut kennt, aber wir wagen es niem"ntz nennen pflegen, heiligen Gemeinde, ein recht j die Hand auf die wunde Stelle ni legen und da-?■! i 4' tun' dazi sitze für zun >, t . 'ft vre ' uck für UttD. sodtz lett ffb^ bei' HJC'l seit VLI 011 14 wli rert/ nick wei tüd1-'1. ger len Sj'; ' luriijr % Anjd fl 2ck P Ae/ü! via >, s gr>1 ‘ ' f\ fie „o?, je tel »^‘3Iß' unheil-ger Mensch. Soll Vorkommen. Doch weiter. Besagter Unheiliger nahm es mit dem Kaschruth gar nicht genau, rauchte seine Sabbatpfeife, schwänzte die _ „Schul", wann er Uebel zu entfernen. In den Wählerversammlungon wird lehr viel geredet werden, man wird sogar die Fau^ ballen, — aber in der Tasche, beim wahren Namen wird niemand die Krank' konnte, kurz, er war ein Freisinniger. Nur am heit nennen, es wird weiter gewurstelt werden. Jom-Kippur wurde mein Held „fromm". War Mas uns fef'lt? Das ist der durch den stll'ischen es Furcht, war es Scheinheiligkeit, Jtzig klopfte sich dieses Tages auf die sündenbeladene Brust, daß es ein Jammer war. Wenn aber dann des Schophars Ton das Ende all' der Pein kündete, sagte unser Schlaumeier, seine 7 Sachen zusam Geist der (BefeMamfeit und Tatkraft überragende führende Mann, der durch Rede und Tat ehrlich wirkene Fübrer. Scbon er alte Rabbi hat es gesagt, wer sich mit Gemeindeangelegen- 'aeiten beiastt, soll es „um des Himmels willen", menpackend: „Es bleibt alles beim alten", aß wir würden sagen, nur um der einen Sache wik weiter, der Herr verzeihe mir, seinen bürgerlilen tun, nicht irgend welche anderen Interessen chen „Dower-acher", rauchte sogar am Sabbat statt der Pfeife eine „Kurze" und schwänzte die „Schul", wie irgend ein Gymnasiast seine Schule. Wozu ich Ihnen diese erbauliche oder ni-bterbm'liche, aber wabre Anekdote erzähle? Mi' Nun zunächst, um Si und Ihre Leser in diesen nicht sehr heiteren Zeiten ein wenig zu erfreuen, gewiß ein sehr menschliches Vorhaben, dann aber, um die hiesigen Zustände zu erleuchten. Da gibt es nämlich in der Brunner Gemeinde einige Optimisien, wirklich und wahrhaftig, es gibt noch solche, sie nennen sich sogar, ich weiß nicht aus welchem Grunde, National-Juden, die behaupten, es werde nach der Wahl des neuen Kultusvorstandes, die jetzt nach den neuen genebwigten Statuten erfolgen soll, anders werden. Ein neues Heil winkt uns, „ein moderner 3,'g", ja, so wird es laut verkündet, wird in die etwas muffig gewordene „Kultusstube , das Wort stammt nickt von mir. dies sage ich. damit man mich nicht eines Plagiats beschuldige, also in die Kult"sstube einziehen. wir aber unverbesterliche Pessimisten, wie wir es schon stnd. man kann nicht aus seiner Haut heraus, schutteln unser Haupt und sagen mit dem schlauen Jtzig, der seinen Herrn zu fopven verntemte: Es bleibt alles beim alten". Vederemo. d. h. man wird doch sehen. Der enthusiastische Memaster, Künder einer neuen Zeit, des modernen L"stzuqs. mutz sofort emgesteben. da,; von der liberalen" Mehrheit, der sogenannten Ratdauspartei der Partei der Deutschdemokra. ten der der „Bundesbrüder", das ° lgeme ne Wahlrecht zu Falle gebracht wurde. Wir trösten unstren OpOmillen, es wird noch anderes, was Vd» bewußte und auftechte Jude, st.r die Z'v kunft sich ersehnte, trotz des geprtejenen Pro» Un A'»ae baben. Cs gibt a"ch hier einige m-itige Menschen, die wohl wiffen, was uns feh't. aber die wurden immer totgesdfwiegen. Und. ta zogen sie sich denn unmutig zurück. Es wird elles beim osten bleiben. Schon jetzt kann man sagen, wer in die ..Kultussinbe" kommen wird, Goß Listen und Proporzionalwahlrecht. Man komme uns nicht mit juristischen Auseinander. Setzungen; solange man nicht einseben wird, daß das Uebel bei der Wurzel angefa'-t werden müsse, wir uns, eine noch so gelehrte Ausführung über das neue Wablrecht nichts nützen. Mag ja sein, daß manche Vertreter eine gewiste Tätigt--it entsnrien, wenn es z. B. gilt die Temvelsitze am besten an den Mann oder an die Frau zu bringen, den Friedbof zu verwalten, da'ür n, sorgen, daß wir onstänt'ig bearaben werden, wenn wir es nicht sd;on sind, für den Gesang von Damen im Temvelchor an den „Hohen ^eiertogen, das Personal" des Kantors sich zu kümmern, und was dergleichen mehr noch manchen Herrn, hoffentlich nicht gam srblallose NäMe Cr«!tet. Miwn diele ..Agenden" die. für die Kulstisgemeinde wichtigsten zu fein scheinen, der kann nihig in die Zukunft sehen, mit oder ohne „modernen Zug" werden diese hochwich'tgen Angelegenheiten geregelt werden. Wir meinen iedoch, es gebe andere, vielleicht noch wichtigere Dinge» die den Vertretern einer Kultusgemeinde am Herzen liegen sollten. Was balten die Her« ren von einer Förderung des jüdischen Sbul» wesens? Geschieht dies, wenn die, welche Füh- »er der Gemeinde fein sollen, ihre Kinder von dieser ferne hasten und sogar gegen di'se agitieren? Was halten sie von einer jüdis'-en m^ff«b-.^,s-i,"re Ve»bre't'<ng sü^it^en Wis» jens hei dem. ach. Jo unwissenden Geschlecht«?. Die Wahlen in die Prager gemeinde. Wie unseren Lesern bekannt sein dürfte, ist endlich unter dem Zwang der Negierung in der Prager Kultusgemeinde die Neuwahl der Repräseitanz unter Zugrundelegung eines demokratischen Wahlsystems ausgeschrieben worden. Man kann dieses Wahlrecht nicht durchaus als ein demokratisches bezeichnen, aber cs bietet immerhin die Möglichkeit gegenüber der alten Ordnung den Willen der jüdischen Bevölkerung Prags unabhängig vom Zensus bd der Wahl seiner Vertretung zum Ausdrucke zu bringen. Cs wird die ewige Schmach der Rathauspartei sein — die in eine komischen Selbstverkennung nunmehr als „demokratische Partei" im Wahlkampfe auftritt — daß die Neuordnung der Kultusgemeinde so reichlich spät kommt und daß es nicht ihr freier Wille war, daß es überhaupt dazu kam. Daß die Jüdischnationalen unter der Führung des jüdischen Nationalrates in Prag emsig daran arbeiten, die Führung der Kultusgemeinde zu gewinnen, wird unsere Leser, denen das Herzlsche Losungswort von der Eroberung der Kultusgemeinde eine geläufige Parole ist, nicht wundernehmen-, aber ebensowenig erstaunt es alle die, die das jüdische Leben unserer Republik verfolgen, daß auch die deutschen und tschechischen Assimilanten alle Hebel und ihre halb- und baldgetauften Konnationalen in Bewegung setzen, um sich einer jüdischen Position zu bemächstgen. d^e in der Hand ihrer jüdischnationa en Gegner eine Bedrohung ihres eig-nen Assimilastonsbestrebens bildet. Der entfach e Wah'k-mpf hat in einigen Fällen das beliebte-Mittel der Denuntiation nicht geschont und führende tschechische Zeitungen haben mit Freude die Gelegenheit ergriffen, in den Kampf auf eine Weise einzugreifen, als hätte ihnen die seinerzeitige Plünderung des jüd. Rathauses und Verunglimpfung jüdischer Werte durch die „unverantwortliche" Prager Straße noch eine zu wenig drastische Belehrung d's A slan' des bedeutet, wie sehr weit wir es in der De mokratie g'bracht haben. Der Wahltag der P-agw Kultusgemeinde kann und wird einen entsche'denden We de punkt in der Geschichte eines gcschichtRos gewordenen jüdischen Prag bilden, in dem vor allzulanger Zeit wahres jüdisches Leb n alle Teile der jüdischen Bevölkern'g ums ßte Mit Spannung können tot daher erwarten welches die Namen der 21 Männer sein wer. den, die siegreich der Wahl>'rne entnomme -. werden sollen. Die nachiolgenden B rich'e sind unserem Schwester blatte „Selbstwehr" entnommen. Das Programm der fvdkfchnatkonasen Partei. Allgemeine Grundsätze. Die I. N. P. stellt fest, daß das In tcreffe an der Jüdischen Gemeinde in Prag von Jahr zu Jahr sinkt und sehr schnell den Nullpunkt zu erreichen droht, wenn vichr grundlegende Aendernngen vorgenommen werden. Die letzte Nrsach' des Zerfalls erblickt. die I. N. P. in der jimiwidrigen, blub meii^ N zu te Lp ies G ils bei ibraei roL Ü w ob jiirfor j ihn rcrfien. ■ sie Fi Soziale Fürsorge. Die Jüd. Gemeinde muß an den Arbci» ten der Jüd. Hilfszentrale für die Tsdzecha. slowakisdze Republik tätigen Anteil nehmen und ist für deren Tätigkeit, soiveit sich diese auf Prag erstreckt, verantwortlich. Die Jiid. Gememde hat der Jüd. Hilfszentrale ein angemessenes Budget zur Verfügung zu stellen und mit ihrem ganzen Einfluß dahin zu wirken, daß alle Hilfsarbeit der Hilfszentrale als konstruktive Hilfe geleistet wird. Alle bestehenden Wolilfahrtseinrichtungen der Gemeinde sind streng zu kontrollieren, wobei ebenso wie auf korrekte Amtsgebarung darauf zu sehen ist, daß nicht die Selbstachtung derer verletzt wird, die sie in Anspruch nehmen. Die Jüd. Gemeinde hat die Pflicht» 'ich auch ein Kontrollrecht über die bestehenden Wohltätigkeitsvereine zu erkämpfen und dieses Recht im gleichen Geiste auszuüben. Die Jüd. Gemeinde hat die Pflicht, durch ihren Einfluß auf die Jüd. Hilfszentrale eine Kreditorganisation (vor allem für die kleinen Kaufleute und Gewerbetreibenden^ zu begründen und für die jüd. Angestellten eine großzügige Volksküche und Äbendheime zu errichten. Sie hat den Arbeitsmarkt zu erfassen und im Zusammenhänge damit eine Stellenvermittlung und Berufsberatung ein-Wjh^ zurichten. In Anbetracht der drohenden wirtichaftlichen Krise, von denen die Juden be-> sonders schwer betroffen werden müssen, hat sic Jüd. Gemeinde die wirtschaftliche Widertandskraft der Prager Judenschaft zu erholen. Ihr obliegt auch die Schaffung einer jüvischen Rechtshilfe. Der Geist, in dem die soziale Fürsorge geführt wird, muß so sein, daß derart entwürdigende Ausdrücke wie „Armenkommission" ganz unmöglich werden. Die Jüd. Gemeinde darf nicht Schnorrer züchten, es ist vielmehr die Aufgabe ihrer sozialen Fürsorge, gefähr- >ete Existenzen zu schützen. Dies muß aus dem Bewußtsein geschehen, daß die Gefährdung süd. Existenzen zum großen Teil ihre Ursache in der Stellung der süd. Minorität hat, der Schutz dieser Existenzen daher ein« Pflicht derselben jüd. Minorität ist. Erziehung. Die I. N. P. verlangt als ersten Schutt E tat di ■fyuk iiid so teile itteiiiet r&ft, Ranges iiiWlii liliige ii. Ä feem 'üinrif tjilegi oi isi. et tfcit' nich di m 2 otbett!t Fkl üe si iir vei ldUIIl ie M tag rbeit räfent aen 5 iS: Wll einix m fin! om G zur Besserung der jüd. Erziehungsverhältniffe eine Kontrolle des jüd. Religionsunterrichtes auf seine Lernerfolge hin. In dem Maße, als der jüd. Neligionsunterricht durch gescMe Neuerungen eingeschränkt wird, ist es A'.iß gäbe der Jüdischen Gemeinde, zumindest vollivertigen Ersatz zu schassen. Alls Ziel distes jüd. Unterrichtes haben die lebendige E m1 sung der süd. Geschichte und die Bebewscliun^ oer hebräischen Sprache zu gelten. Ms Lokunssctznng des Lernerfolges muß ein' züg-ge Aufklärungsarbeit unter den Errachsenen geschaffen werden, die heutzutage der Jugend durch die allg. Bagatellisiering de-> iiid. Wissens jede Lernfreude benehmen. Dieja Kurse wüsten von allem Anfang an die wendenz haben, sich zu einer jüd. Bolksheä'mu.e - auszuwachsen. Die Bibliothek der 0üd. M» meinde muß mit sorgsältPer Berücksichl amt^ des vorhandenen Leseinterestes ausgestal» werden. Die Lehrer wüsten zumindest gleich da» staatlichen Lehrern entlohnt werden. Der körperlichen Erziehuna d'r jüd. ft“ gend in den Tnrn-, Sport- und Wanderve» einen ist ein besonderes Augenmerk z» wl men. Das Ziel der Erziehung'einrichtunge« der Jüd. 6)emeinde muß aus einem sewl digen süd. Schulwesen bestehen. Seine Gru läge miißteit die ji'idisch'n Aiitdergarten herr. ftuh. Cfaniciubc AU p J I^sücht rrertb onfu: 'einöf ung ichech 8a«: den, die von der Jüv. Gemeinde den und zu erhalten sind. Der Taln!ud-Thora-Sch"'e muß b-sonve Ausmerlsamkeit und Unterstützung zutet. I