Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1921-10-07 · 62 (7.10.1921) · p. Seite 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1921)
Issue
62 (7.10.1921)
Date
1921-10-07
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/9610648-9611118-9611006--357-9611011
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

y* st ü,?i?*Slrl;Ä bcni’n ® ®otta >., üiäs |> , cn«l Sorten «- w 1 *$ Meist „•* SSC^jite* öMaraten, L? .^on *«%’ ^isfofinfeit ,,,Jfr eine fiepä;. [tiW i gewonnene MifiiJ'Cn-i!lt^ •»‘Sife KSZL äSHssssg «Ää »■asal herein ,* t Jfarren sei, m em paar Ä» KD/??'"!«nt* ~. ^lchug'^k sagte man — ihr £ emzustellen drohten. Das Werk ix? Mte seine Wirkung getan, tz! mgsvolle Revolution war von der K lspsychose zerbrochen worden, rieten in ein neues Hahr und J» Glück es beginnen zu können unta :n, die lange gefehlt haben. W das alte Jahr — und eine gan? kurze als kleine Periode unserer Gc> - mit dem Kongreß. Karlsbad - es : der Kirchturm jenes ftanMichen \Mp& dÄ IM Berne. Der ZLn- Mrner war ^naMeWn über die seines Lebenslreijes-, Einsichten, die ig vermittelt batte, einen Teil den Jfr. 62 Sreirag ),Jüdisches ^olfsBraff» 7. Oktober Sei t e 8 CU WlUf ivuimt qu* a$m: unsere tftj, iz kleines Zesichtss inm jalschen 'Ina M «res M jUV yvivuw *s"> v»»» e seien dreWel [ sich in der M : meiß man sch « ei keinen , igentlich stete“ g#* n, daß fit $ \^t ..« jtbiewsis i JdeMs cderungE inet da anderst ad D-r einer N iberall i zu übe» d,- Einberufung einer «-rf-mmluug ist je. men unb der lui-nfin-reu Me,«oben der L-n». desmal ein schmachvolles Fiasko. Sie fand'ein- ^..-uuu-nnn-.« fönftf'tn fach unzugänglich. Sie baden keinen Wert mehr, als den der Zielscheibe einer undenkbar blutig-satyrischcn Zeitschrift. Wir sind glücklich durch die letzten Erfahrungen der Atmosphäre ringsum entkommen zu sein. Wir wollen nicht sein, wie der kcarr Nietzsches, der dem Zarathustra am Tor der großen Stadt entgegentritt und schämend tobt gegen sie „wo alles Anbrüchige, Anrüchige. Lüstete, Düstere, Uebermürbe,Geschwutige zusammenschwärt“ —und der sich vom Weisen sagen lassen muß: „Warum wohntest du solange am Surnpfe, daß dn selber zum Frosch oder zur Kröte werden mußtest? Warum gingst Du nicht in den Wald? Oder pflügtest die Erde?" So wollen wir nicht sein, wir wollen nicht selber hysterisch we den an der Hysterie der andern. Aber wir können auch nicht die Lehre annebmen, die der Weste ihm zum Abschied gibt: „Wo man nicht mehr lieben kann, da soll man — vorübegehen!" Wir lieben sie nicht, bei Gott — aber wir hetzen die Jugend und wir umkränzen die Iw gend mit der letzten Glut unserer sehnsüchtigen Herzen, wir wollen für die Jugend, was die Alten rettungslos versäumten und dazu brauchen wir die Alten. Es sei ganz hart Damit ein neues aussichtsvolles System in den Vordergrund gebrückt, das lauge um Anerkennung gerungen hat. Nunmohr handelt es sich darum, cs schnellstens zu verwirklichen. Gartonstädtisch ist in unserem Falle i-de Kombination städtischer und intensiv-landwirtschaftlicher Produktion. In manchen Gartenstädten'wird die städtische, in anderen die landwirtschaftliche Produktion überwiegen. Aber erst die Verbindung beider ergibt die Gartenstadt. Diese Ko'cmiscitionsfsorm ist den bentigen Berufen der Juden weitgebend angepaßt. Aber sie dient auch der Ueberleitung zu demjenigen Maße an Landwirischaft, das wir anstreben sollen. Cs ist aber auch ein sparsames Kalonisationssystem — sparsam an Geld, an Voden und an Zeit. Der Geldbedarf dürfte — bei aus nationalen Mitteln unterstützter Kolonisation größeren Umfanges — sich pro Familie bis auf 500 und auch auf 200 Lstr. und weniger reduzierm lassen. Dies wäre ein Fünftel bis ein Zehntel der bisberigen Ziffern für unterstützte landwirtschaftliche Kolonisation. Der Bodenbedarf wird sich je nach dem Einzelfall — z. B. bei bloßer Selbstversorgung mit Gemüse — innerhalb 100 qm pro Kopf nyd auch bei voller landwirtschaftlicher Selbstversorgung bezw. bei landwirtschaftlichem Hauptberuf ar»;- r;0 ■OrtM™ und vezw. ver tanewirricyasmnem .v)auproeru, 1 brauchen sie 8 J -r. durchschnittlich innerhalb 1000 bis 2000 qm hab Zahler, und wenn wir ihre Seelen n cht schsm also 0,5 bis 1 Hektar proFamilie erkämpfen konnten, ihre . Stimmzettel und ^g^über einer bisherigen Annahme von zirka ihre Geldbeutel werden wir nicht locker laßen. ( M Dunam oder 9 Hektar bei landwirtschaft- Der Kongreß ist vorüber. Wir sind uns licher Ansiedlung. 'ganz klar: unsere allernächste Umgebung niag Die Einkünfte werden bei den städtisch. Erssin, wie geschildert, verdorben und verstorwerbszweigen (also bei den gewohnten Berufen ben. Das Judentum lebt. Es lebt im Osten i der gartenstädtischen Ansiedler) vom ersten Tage und in Amerika; in Sowjetrußland warten'an beginnen, und dasselbe gilt für manche Zehntausende von Cbaluzim auf ihre Stuiide'Zweige der Landwirtschaft wie Hühnerzucht und und die ganze Ukraine wandert. Und es lebt Milchwirtschaft wabrend der Gemüsebau bereits .«..i -r cr\rt«1nach zwei bis drei Monaten anfangsn kann, Ervor allem m Palast um unsäglichen Embch- |trä Mfzu liefern - alles selbstverständlich unrungen ausgezetzt, Opfer an^deastsmm, forter ausreichender Hinzuziehung van Fachleuten, dernd, die wir nicht ausdenken können, doch > Mit solchen Ersparnissen an Geld, Fläche cuf der Suche nach neuen Lebensformen, die itegt diese neue Koloriisationsform im cs zweifellos finden wird. Aber nicht ohne Möglichkeitsbereich einer sehr viel breiteren uns. Die Verantwortung liegt in unseren Schicht als bisher. Die nationalen Fonds und Händen. Wir müsien uns freimachen von die verfügbaren Ländereien reichen für das dem Rausch der politischen Erfolge und der, Fünffache (und mehr) der bisherigen Einsiedler großen Zahlen, von den überspannten (^Wartungen und der unnötigen Desillusion57rung. Wir dürfen nicht den blöden Wunsch haben, in unsere Stadt einen Konsul von Palästina zu bekommen, sondern den, daß der Abgeziffern, und auch die selbständige Kolonisation wird einer unvergleichlich größeren und breiteren Schicht des Volkes zugänglich gemacht als bei Kostenziffern von 1000 bis 2000 Lstr. und Landmassen von etwa 100 Dunam, die eine ’ «:• ff S VmlrL SBotfäl>i[fc sowohl bei unterstützter wie bei selb, sandte de» Keren Hajesiod kommt, bei dem ständiger Kolonisation nur für eine minimale Zahl ooe Volksgenossen in Betracht kommen wir prächtiges Wort, das sich das Jüdische schon gebildet hat — uns upmaaßern können. Die Anzahl der Schekelzahler ist riesig groß geworden, der Kreis der Z i 0 n i st e n ist ein wenig gewachsen — draußen, nicht bei uns. Wir wollten einmal eine rücksichtslose Musterung abhalten. Es wäre eine Herkulesarbeit, den Augiasstall auszumisten, den uns die Men Herren hinterlietzen, bevor sie endgültig auf andere Weiden übersiedelten, es wird nicht leicht sein, der farbenbunten Borniertheit und unerschütterlichen Arroganz jenes aewisien Studententums begreiflich zu maten, daß es hier nicht mehr zu suchen hat: >aß ein bescheidener Rest, der übrig bleibt,, dann die Jugend und das jüdische Proletariat soweit es bei uns eins gibt, fortan das Volk konstituieren. Wer die gewaltige Stunde des Kongresses erlebt hat, als um Mitternacht des letzten Tages der Generladebatte Weizmann als Angeklagter vor das Parlament trat und mit verhaltener Leidenschaft an seine Verantwortung schritt und sich vor dem erschüttert und atemws^lauschenden Kongreß das wahre Bild der jüdrschen Situation entrollte und der Angeklagte zum Ankläger des jüdischen Volkes wurde, daß es erzitterte — der weiß, daß auch Halbgötter als Könige nicht siegen können, lvenn sie kein ^Volk hinter sich haben. Das Volk zu sein müssen wir trachten. Der Zionis- >nus ist ein Versuch zur Regeneration des jüdischen Volkes. Die Schaffung eines Zentrums in Palästina ist hiezu ein Mittel. So stellt sich unsere Idee dar. Und heute, wo wir ivisien,^daß der Ausbau dieses Mittels «ne mühselige, jahrzehntelange Aufgabe sein wird, muffen wir uns immer und immer wieder den Zweck vor Augen halten, damit wir uns der Größe unser Pflicht bewußt bleiben: Hier wird Menschheitswerk getan. Und wem diese Idee zu hoch und fern ist, der denke daran, daß wir im Wandel und der Wiederkehr der Geschichte das Geschlecht der Wüste sind — aber unsere Kinder wollen wir im gelobten Land wissen. Ernst M e ch n e r. Gartenstadt-Kolonisatwu. ___ - *»b ffltÄfSi fS!lenfDs8re&sln taf15’ a ^eruf vor Tm 5 f ‘ S5L» E ist der Beschluß gefaßt worden, der gartenangestellt? »Sdtischen Kolonisation die größte Aufmerk- 9 Lebenshaltrma? Event ffinfnmmm nsa_ JjMlinäuoertw mti -In b-,°,ch-r-- D-z-k-, BertraSfflern pro «oAodi? Monat? &Ä , *JSt«.®°"9rt6?e,:10- ®'™f «Änd bis RrtrS ,mb feffi? u9-ugen gleichfall» in der Richtung ff5r*itt. Ob jemals ouf dem Lanti» nrfofit? 9.1« Mr Itobtildjeh Soloniiottma«, '12. 06 Srb“u täi™ lasten. Nunmehr handelt es sich darum, die Jnter» effenten^ für die neue Niederlaffungsform der gartenstädtischen Kolonisation zusammenzufassen, und zwar nicht nur diejenigen» die jetzt oder später selbst übersiedeln wollen, sondern auch solche, dis sich aus geschäftsmäßiger oder gemein, nütziger Grundlage an der Schaffung und Ausgestaltung der Gartenstätte beteiligen wollen. Dis Vorbereitung von Heimstätten läßt sich auf geschäftsmäßiger Grundlage wahrscheinlich viel besser durchführen als auf anderen Wegen. Vodenerwsrb. Erschließung von Terrains, Hauscrbau und Belieferung der Ansiedler mit ihren Erfordernissen — alles dies sind Dinge, die einer geschäftsmäßigen Betätigung Gelegenheit bieten und dabei in hohem Maße kolonifationsfördernd wirken können. In erster Linie gilt dies für das Baugewerbe, das im Serienbau, wie ihn neue gartsnstädtischq Siedlungen verlangen, besondere wirtschaftliche Chancen hat. Diese geschäftsmäßige Beteiligung an dem Bau von Gartenstädten kann von Privaten wie auch von der Genossenschaft der Ansiedler selbst aufgegriffen werden. Besonders empfiehlt sich dis geschäftsmäßige Beteiligung denjenigen, die spater selbst übersiedeln wollen und die damit auch ihre künftige Heimstätte vorbereiten und verbilligen. Im nachstehenden ist ein Fragebogen Zusammengestellt, der dazu dienen soll, eine Uebersicht über die Interessen zu gewinnen, um den Beginn der neuen Kolonisationsform nach Möglichkeit zu beschleunigen. Die Antworten werden selbstverständlich nur im Interesse des Ausstellers und vertraulich verwendet. Fragebogen für Gartenstadt- A n f i e"d l e r. 1. Name (Vorname, Familienname)? 2. Geburtsort und Wohnland (evtl, wie lange)? 3. Älter? 4. Gesundheitszustand? 5. Ob Frau und Kinder, deren Alter und Gesundheitszustand? 6. Ob Frau oder Kinder berufstätig? Eventuell welche Berufe? (Evtl, besonderen Fragebogen ausfüllen.) Ob Eltern oder Verwandte zu unterstützen fittho nnA«) ham st«»-««« cst.„1 Selbständig oder 13. Ob beim Militär gedient (Formation, Dienstgrad)? 14. Ob (im Militärdienst) in Organisation oder Arbeitsdienst tätig gewesen? Welche Zweigs? 15. Ob knegsgefangen gewesen (event. dortige Arbeit)? 16. Bildungsgrad? 17. Hebräische Kenntnifle (Lesen, Schreiben, Sprechen)? 18. Andere Sprachen? 19. Eignung zu manueller Arbeit? Vorliebe für landwirtschaftliche oder gartenbauliche Betätigung? 20. Geplanter Beruf in Palästina? 21. Voraussichtlicher Geldbestand in Palästina nach Abzug der Reisekosten? 22. Ob hier Güter oder Geschäfte oder sonstige Quellen Zurückbleiben, die für die Zukun,t dauernde oder gelegentliche Einnahmen in Aussicht stellen? 23. Ob bereits in Palästina gewesen? Wann, wie lange? 24. Warum aus Palästina zurückgekommen? 25. Ob Verwandte (n Palästina? 26. Ob organisierter Zionist und seit wann? 27. Ob zu einer Siedlergruppe oder zu einer Fraktion oder Strömung im Zionismus gehörig? 28. Wann eventl. reffebereit nach Palästina? Neben diesem Fragebogen für direkte Reflektanten, denen auch zweckdienliche Informationen über die Möglichkeit einer Fortsetzung ihres bisherigen Berufes usw. gegeben werden, ist es von besonderer Wichtigkeit, daß auch diejenigen ihre Adresse, Absichten und Möglichkeiten ^mitteilen, die bereit wären, auf geschäftsmäßiger oder gemeinnütziger Grundlage die Entwicklung der > Gartenstadt-Kolonisation zu fördern. Zuschriften erbeten an Davis Trietfch, Berlin IV 50, Nürnberger Platz 6. Tie BUsrachi-Welttonserenz. I. P. Z. Am 15. September fand in Karlsbad unter Vorsitz von Struck die Schlußsitzung der ' Misrachi-Weltkonferenz statt, die-hauptsächlich der Zusammensetzung der Exekutive und des Aktionskomitees gelvidmet war. Struck warf einen Rückblick auf den Kongreß und betonte, daß die Kongreßverhandlungen einen Beweis für die bedeutende Stärke des Misrachi gegeben hätten, dieses Kraftgefühl wird die Wiederarbeit des Misrachi stärken. Eine Exekutive aus 5 Mitgliedern mit Sitz in Palästina wurde bestimmt, wovon 4, Prof. P i ck, Rabb. F i s hm a n, Dr. S ch ö n f e l d und I. R i w k i n d auf der Konferenz gewählt wurden, während die Wahl des 6. Mitgliedes dem Misrachi in Erez Israel überlassen wurde. Das Aktionskomitee setzt sich zusammen aus: Sir Stuart Samuel, I. Hirsch, I. L. Sperr, Neufeld, Mu Dr. Seliger, Frau I. Sirkis und den Rabbinern Kowalski, Nißenbaum, Teitelbaum/ Löwenthal, Schmelkes, Citron, Dr. Nurok und Dr. Landau. Außerdem wurde ein Nevisionskomitee gebildet, deffen Mitglieder, M. Gutmann, Dr. Hausner, Dr. Steiner u. Ing. L. Lindenbaum Sitz im Aktionskomitee haben. Die Verlegung des Zentralbüros ^nach Erez Israel wurde bestätigt. Da aber für die Weltorganisation in Europa eine Zentrale notwedig^ ist, beschloß die Konferenz die Entscheidung über den Sitz einer solchen Zentrale dem A. C. zu überlassen. Des ferneren wurde die Gründung einer Chaluzimzentrale in Wien beschlossen. Ae furchtbare Lage der an der rusiischrumanifchen Grenze besind!i»e?r iüDi* scheu FMchMnge um der Ukraine. Das Komitee der jüdischen Delegationen erhielt aus authentischer Quelle Nachrichten über die schreckliche Lage der an der russischrumänischeir Grenze befindlichen jüdischen Flüchtlinge aus der Ukraine. Aus dem jüngsten Bericht einer nach diesen Gebieten entsandten jüdischen Persönlähckert aus Kiew geht hervor, daß diese Flüchtlinge tatsächlich vogelfrei sind. Sie werden von verschiedenen Banden geplündert, von Sowjetbeamten einerseits, von Gendarmen und rumänischen Soldaten andererseits. Diejenigen, denen es gelungen ist, unter der größten Gefahr den Dnsestr zu überschreiten und sich nach Beßarabien zu flüchten, sind nach zwei Monaten nach der anderen Seile des Dnjcstr zur. ckgeschickt und der L-owietmacht ausgeliefert worden. Die müsten dieser Flüchtlinge kommen in den Wellen des Dnjestrs um oder sie werden in Höhlen von Räubern ermordet. Tausende von'ihnen irren ohne Obdach durch kleine an der Grenze befindliche Dörfer herum. In Jarouga befinden sich chrer 5009, und während des Iah- 1020-1921 sind 75.000 Flüchtlinge durch diese Stadt durchgereist. Dörfer wie Rachkow, Vartoujeny, Sgoandere noch, sind von Massen dier! überflutet, welche unmenschliche Leiden ertraaer- Die Sowjetregierung entschließt sich noch immer nicht zur freien Emigration, welche einzig und allein imstande wäre, dieser Situation abzuhelfen. Die Schließung der rilin^ Nischen Grenze verschlimmert airßerordentlich die Situation. Aus dem christlichen Mlgaru. Die Erinnerung, daß unter den Komniunisten in Ungarn auch Juden waren, und zwar größtenteils geistige Arbeiter, ließ unter den Konservativen den Raffenaberglailüeni wieder aufleben und die uralte Furcht vor einer Ueberflutung nnt freniden Intellektuellen überpaupt. Ihre Bedenken aufzuzeigen, griffen sie auf die Volkszählung zurück, nach der nur 5 Prozent der Gesamtbevölkerung Juden waren, und folgerten hieraus, daß auch nur 6 Prozent der Felder, der Diplome, des Glücks und des Ansehens der Juden belassen werden dürften. Es wurde im Vorjahre an den Mittel- und Hochschulen der numerus clausus eingeführt, jüdische Kinobe-- sitzer wurden enteignet, Trafiken, städtische Verkaufsstände und andere Lizenzen nach Juden gesiebt. Man hatte sogar herausgefunden, der Umstand, daß in den Ententestaaten im Jahre 1919 Juden und Christen einander im Verhältnis von 1:227, in d^n Staaten der Zentralmächte wie 1:56, in llngarn aber wie 1:18 gegenüberstanden, habe die Stärke dort und den Zusammenbruch hier mit sich gebracht. Gestützt auf solche Argumente setzte der beschämende Rassenkampf im Lande ein. Ungarns höchster Kirchenfürst wandte sich enttäuscht von der gehässigen Richtung ab... Umsonst. Der Weg des neuen sozialen Fortschrittes wurde eingesäumt durch die Aufhebung der Lernfreiheit. Gleichsam als Arabeske nur sind 6 Prozent jüdischer Hörer gestattet worden. Die Gegner sahen im Liberalismus den Zuhälter des Mächtigen, den vom Juden erfundenen Götzen, und schieden unversöhnt. Von den Erwägungen, die man nun kornmen sah, war die nächste, Universitäten und Schulen auch von den jüdischen Lehrern zu befreien. 400 Lehrer und Lehrerinnen, darunter 160 Fachlehrer wurden entlassen, 23 Schuldirektoren zu Lehrern degradiert, Professoren der Handelsschule in die Bürgerschule versetzt. Eine der entlassenen Kindergärtnerinnen hat das 28. Dienstjahr vollendet. Unter der^merhöten Willkür des Leiters der hauptstädtischen Unterrichtssektion Zilahi-Kiß, desselben, der sich bei dem früheren jüdischer Justizminister Kazsonyi Vilmos einzuschmeicheln beflissen hat, kommen nun aber auch die „destruktiven“ christlichen Pädagogen daran. — In der Geschichte der Kuiturstaaten ist kein ähnlicher Fall zu verzeichnen. Solche stoßweise Umstürze, und radikale Reformen kann die Schule nicht gut ertragen. Was soll^ aus den Kindern werden, die schon auf der Schulbank Zwist, Haß und Verachtung der Andersgläubigen gelernt haben und einst vielleicht die Leitung der Geschicke des Landes^ 'übernehmen. Anzuerkennen ist, daß die demokratischen Stadtrepräsentanten und Abgeordneten — durchwegs Christen — in Konferenzen und Versammlungen für die Opfer dieser Willkür eintreten und sich mit Erbitterung und^Verachtung von den Urheber foj dielen Unglücks abgewendet haben. Denn vor den in die entstandenen Lücken gestellter Ersatz-Patrioten, die als Stützen des jetzige^ Kurses gelten, hat einer z. B. die Revolutiör in^ einer Ode verherrlicht, an anderer Kursfester Ersatzdirektor hatte in der Kommune nicht Eiligeres zu tun, als daß er eine Ratio/ nalfahne mit roter Farbe überstrich. Dieser., edlen Christen und virtuosen Gesinnungsjonglenr, der heute die llnterrichtssektion des! Magistrates leitete und der andere auf die Straße wirst, wurde aber verziehen. In Budapest haben b-sh-x: 30.000 Ja! den ihren Glauben verlassen, manchenorts ließen sich gaitze Religionsgemeinden taufem Gelehrte haben unter dem Leide der Zeit de! missioniert, andere wurden ersucht, ihren Ab -chied zu nehmen. 2000 Studenten und Str dentmuen sind an die Universitäten naä, Prag, Wien und an reichsdeutsche Hochschulest abgegangeu. Aus anderen Vertriebenen un? Unfertigen zu arm, um ein geistiges Ghet M geben -— sind Kettenhändler geworder -Studentinnen versanken in Sumpf. 7 gcwc-, scne Medizinerinnen sichen unter sittcnpolil zcilicher Aufsicht! Viele vernüustigetl christ^ lichen Elemente kehrn sich bereits ah, j wollen nicht mehr mitmachcn rind sehen Zusamnienbrnch des Kurses voraus. £ der „Uj rtem zedek", ein Blatt, das bis M mit Leib und Seele dem regiererrden Krckk augehorte, entpört sich. Dieses chrastiiche Blqzecgt in einer leidenschaftlichen Entrüstuiia ar day es entschlossen ist, im Interesse des " heben christlichen Kurses den Kampf au nehmen gegen jeden, der den heutigen, durx4 'Logai

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.