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Jüdisches Volksblatt · 1921-10-07 · 62 (7.10.1921) · p. Seite 4

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1921)
Issue
62 (7.10.1921)
Date
1921-10-07
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite I Freitag „AD'Ms DoF-VIair' f. Oktober Nr. W öcffD MI leutc uni> Meü einse lepljt Tele evew llirte ensle ttttöi eitsir aus. Huni auf > nicht mach nicht uns ©egt Geist roare über beitr Lei leite: Wer! Mäi Tie Leut ten, Ich trau: Kon jj rugM and«! 8 Jsr-s! nach i 8 an I tion lich ,* zu itifc? Wik t purls toei : mei i beul .. b 50/ Uch, b ölte ätce 5 2 Drc e ich '' c ©ei ' l die aus ' I 'Zir I i tun/: 2 J daxi Vfche , 1 für l:)i zun ikdie » uris i für urtö ißt-sp- III! . i 1e!t IS «beß best v xsz-, I fet"/; I . .! lMl verkW. II nidffej i t /, f kinM WÄ (iS i ' I tüd I ger k fett rudern. Gott braucht alles, was er schuf, als rt) <> Helfer zu feinem Werke. ' tn^ Die Zweite Möglichkeit ist die Auffassung nr!- der Nation als Selbstzweck. Ta gibt cs keine ch Verantwortung der Nation einer höheren Jn- 's stanz gegenüber. Da ist diese Nation Richter ’ in der eigenen Sache, sich selbst verantwort- ■ * lich, und das heisst: nicht verantwortlich. Die Nation, so, als Selbstzweck aufgefaßt, unverantwortlich, gewissenlos, wird Zum Moloch, dem Jahr mit Jahr die beste Jugend des Volkes geopfert wird. Der Geist der Nation, die nationale Ideologie, bleibt so lange schöpferisch, als sir nicht die Nation zum Selbstzweck macht, solange sie der Aufgabe der Nation als ihres eigentlichen Gehaltes, als ihres Sinns gedenkt, der Aufgabe, deren Offenbarung ja erst das Volk der Nation konstituiert, der Aufgabe, die begrifflich nicht Zu definftieren ist, aber immer wieder ideell neu aufgezeigt und gedeutet werden kann. Ich meine das Geheimnis des Volkes, das Geheimnis, das im Volke träumt, in der Nation erwacht, im echten Nationalismus sich in entscheidender Krisis erkennt, aber an der Hybris des falschen Nationalismus vergehen kann. Sostä: z bald die nationalistische Ideologie die Nation un, d Zum Selbstzweck macht, hebt sic ihr eigenes unt^ Lebensrecht auf, sie wird unschöpferisch, diafd lektisch, unfruchtbar. Dieses Ende der schöpfedesrischen nationalistischen Ideologie erleben wir ein p ü' unseren Tagen. Sie ist als schöpferischer für h Ideenzusammcnhang in dieser Stunde zu e- Grabe getragen. Selbstverständlich geht dieses t. Ende Der nationalistischen Ideologie als einer g selbständigen schöpferischen Kraft sehr wohl die h zusammen mit einer erfolgreichen Fortdauer n>i n der nationalistischen Politik, cs kann zus mde: « menfallen mit wachsenden Erfolget! eben diede »t» fer Politik und fortgesetzt werden in allerlei ge L publizistischen Formen, die aber keinen schöpferischen Gehalt mehr haben. Dieser Moment der tiefen nationalistischen Erkrankung der qr [j Menschheit, dieser Moment der Selbstauche- [n % bung des Nationalismus ist der Weltmoment. fa f, in dem wir leben. Und wie auf allen Gebie- L n un dieser Moment einer der Entscheidung ist ß und es nicht so ist, daß irgend etwas uns un- . •"§? aufhaltsam treibt, nicht irgend eine Evolution S & nns-zwingt, nun diesen Weg zu gehen, wohl j? k> aber so, daß uns die Entwicklung an einen w* v -Punkt gebracht hat, wo wir wißen, entweder A iholen wir uns die letzte Kraft zur Wahrheit!■; 'heraus und überwinden diese Entwicklung, Z oder sie führt uns zu dem Untergang, dessen Keime in ihr liegen — so ist auch hier zu hsuchen, welcher Weg aus dieser ungeheuerlijf chen Erkrankung hinausführen könnte. Und di ich will ihn anzudeuten versuchen: der Weg. der schon begonnen hat und der über die Staaten hinausführt. Denn es war ein ■x Grundirrtum der Nationen, daß sie zum 2 Staate zurückkehrten, statt über ihn hinaus a Zu streben zu einer neuen Konstituierung der Gemeinschaft. Zur Anwendung deßen, was ich gesagt habe, auf das Judentum muß etwas vorausgeschickt werden: Judentum ist nicht eine Nar? tion schlechthin. Es ist auch eine, aber es ist noch mehr, denn es hat eine inhärente Funkg tion, die die andern Nationen nicht haben, die unauslösbare religiöse Verbundenheit, in Freilich es ist auch weniger als eine Nation, « und wenn von Rechten gesprochen wird, da, « st, der Welt der Erkämpfung der politischen Ansprüche und Rechte, braucht nicht von ihm ro gesprochen Zu werden. Aber wir muffen deßen if eingedenk sein, daß es eineres sui generis st st eine ganz eigentümliche, nur dieses eine Mal i in der Gerichte vorkommende Struktur der 1 unlösbaren Einheit von Nation und Religion, u daher ein Sondcrproblem, das ich hier nicht i, näher ausführ-n, nur andeuten kann. Zu " einem Volk wird das Judentum durch das äußere Schicksal des Auszuges und der Lanv- * nab,ne. zu einer Ratum ."ird es durch die a. große Umgestaltung, die wir gewöhnlich,?' etwas abkürzend. als die Prophetie bezeichnen. Und «un tritt etwas ganz Einzigartiges " im Leben des Volkes aus: vom Beginne der £ Diaspora ist es nicht die Kraft der Nation selbst, die die Bürgschaft übernimmt, hier rm £ Gallith ist es jene andere Macht, die eben t das Judentum zu mehr macht als einer Na- £ tion, d'e Religion ist es, die die Sicherung der Dauer im Galuth übernommen hat. Der n jüdische Nationalismus nun bedeutet jene spezifische Erkrankung, die zusammenfallt mit / dem zunehmenden Nctchlassen dieser SAe-? nttra,mit dem Wurzelloswerden der zudischen j- Religion, und ich brauche hier wohl nur dar-!)• auf hinzuweisen, wonach dieser Nationaüstwn. £' mus seine' Situation nach strebt: zu einer I neuen, dauernden, nicht mehr 3" ersckmtwrn- Uö den Sicherung und Heilung durch den Aufbau / einer südischen Volksgemeinschaft m Paa- :ß stjna. Aber wir muffen deßen emgedenk fern, 1 das Judentum strebte in den zwöi Jahrtau- * k-nden nach Erez Israel nicht als eme der ' Nationen, sondern als das Judentum, das eine res sui generis ist, als das eine, das mit diesem Boden verknüpft war und dort wieder ein neues Leben aufbauen will. Diese Idee teckt hinter allen Verkleidmigen, die daS Judentum vom modernen Nationalismus sich usgeliehen hat; die Annahme der Begaisfe, Termini, Schlagworte und Parolen des modernen Nationalismus bedeutet nichts anderes, als eine nationale Assimilation. Ich erinnere Sie daran, was ich vom legitimen Nationalismus sagte. Das ist hier anzuwenden. nur ist eines zu bedenken: der jüdische Nationalismus, sofern er sich von allen diesen ^chlagworten fernhält, hat seine bestimmte, ganz besonders deutliche Legitimität, die kein anderer hat, es ist der Nationa'ismns eines schollcnlosen Volkes, eines Bockes, das sein Land verlor und das diesen fuiidaueiita'en Mangel in dieser entscheidenden Stunde wieder beheben will, das also nchts will, als dieses natürliche Leben des Volkes zurückgewinnen. Das ist eine ganz besondere Legitimität des jüdischen Nationalismus. Wie verhält sich aber dieser Nationalismus zur Idee der jüdischen Außcrwäh'.th.it? Ich möchte diesen Punkt streifen, weil es 'cheinen kann, als ob zwischen dieser Idee und dem Worte Dostojewskis, das ich zu Anfang stiert habe, eine gewiffe Verwandschaft betünde und als ob das Judentum traditionell dieser Art ' des Nationalismus ausgelicf rt wäre. Dem ist nicht so. Das Wort von der Auserwähltheit ist immer wieder gesagt worden, mit einer Kraft, wie sie kein anderes elbstbewußtsein eines Volkes je beseffen hat. md daher sich von ihnen allen gat'unghaft abheben. Diese jüdische Artserwähltheit bedeust nicht den Glauben an eine Ilcberlcgcnhcit, nicht sin Sichvergleichen mit anderen Völkern, sondern ein Sichabh^ben durch die lllufgabe. Die jüdische Auserwähltheitsidee ist eine prophetische Idee, entstinden in jurer großen inneren Nmg stackung. die aus dem 'üdischcn Volk die jüdische Nation machte. Sie st etwas ganz anderes als jene pessimistisch religiöse Formulierung des modernen Nationalismus. Wie stehen wir nun zu differ leberlieferung und wie zum jüdischen Natio- '.alismus? Wir — und ich spreche hier für icne Generation, für jenen Kreis von Meuchen, dem ich von Jugend an angehöre und der seine bestimmte Arbeit an der Erziehung des jüdischen Volkes versucht hat und weiter zu üben versucht — haben zur Umk.hr gerufen, nicht zum Dünkel, zur .Heilung, nicht zur Durchsetzung, und der jüdische Nationalismus hat jetzt Auswüchse hervdrgcbracht, die diese Grenze überschreiten wollten. Und hier muß ich eine Anklage erheben gegen einen dcstimmten theoretischen jüdischen Nationalismus, den man gemeiniglich den formalen nennt. Er bestreitet mit Recht einen sogenannten Inhalt, richtiger den Gehalt des Volkstums, also die Aufgabe, als Krickrium der Zugehörigkeit zum Volkstum. In der Tat,, wer zum Judentum gehört, das kann nicht nach irgendwelchen geistigen Postnlaten oder Einsichten entschieden werden, sondern nach formalen, gemeinsamen Eigentümlichkeiten, etwa Sprache und Kultur. Aber er bestreitet mit Unrecht den Gehalt des Volkstums als Aufgabe, als besondere diesem Volke schicksalshaft zugeteilte Aufgabe, an die das Leben dieses Volkes gebunden ist und mit deren Aufhören das Volk untergehen müßte. Ich wiederhole, sie ist nicht als Bcgr'fs definierbar, aber fühlbar, aufrcizbar, darstellbar. Die Vertreter der jüdischen sogenannten Reform haben freilich alles getan, um diese Aufgabe zu diskreditieren, indem sie sie zu verbegrifflichen suchten, während sie doch nur faßbar und tubar ist. Ich sagte, ich erhebe eine Anklage gegen dielen formalen Nationalismus, weil er den Gri'ppenegoismns im Judentum sanktioniert bat, weil er die Nation als Selbstzweck proklamiert hat. statt sie als Element zu erfaßen. Wenn nun Vertreter dieses Nationalismus den Versuch machm, diesen nunmehr groß gewordene Gruppengoismus von außen einznichränken, ihn iricht ans dem Wesen des Volkes heraus, sondern von irgendwelchen allgemeinen Forderungen ans, sittlichen oder sozialen, zu humanisieren. so ist all dies vergebckch und muß vergeblich sein. Ist einmal Nation Selbstzweck. dann ist kein übernationales Postulat mehr möglich, weil keine übcrnalianale Verantwortung der Nation mehr besteht. Die Grenze kann gewgen werden nur a''s der Konzeption der übernationalen Aufgabe und der übernationalen Veraiitwartnng der Na- Laßen Sie mich mit versöh"l'chm Worten schließen. Wenn mich iemand fragte, zu welchem Volk bekennst Du D'ch. ftmrbe ich gewiß nicht daran denken, daß das Judentum eigentlich zu den Nation-n ganz anders steht als irgend eine andere Nation, ich wür^e natürlich und sponta'» nichts and wes antworten können als selbswerständlich: zum jüdischen Volk. Aber wenn mich jemand aus dem Schlafe, aus diesem Schlafe, aufrisse und mich fragte, wozu bekennst Du Dich, dann würde ich ganz gewiß nicht antivorten: zu der und der Nation, oder: zu der und der Religion, oder: zu der und der Weltanschaming. Ganz gewiß nichts anderes würde ich antworten als: zu Gott. Und dieses Einfache, das ich so als die einzige sinngemäße Antwort fühle, das führt uns, glaube ich, in den Sinn dessen hinein, wovon wir sprachen, denn ich glaube, damit, daß ich so antwortete, hätte ich >nich eben zum Judentum bekannt. Ich sagte schon, es ist ein Moment ungeheurer Verwirrung, ein Moinent großer Entscheidung und Klärungsaufgabe, in dem wir leben. Kein Volk kann wissen, wie seine besondere Entscheidung die Weltentscheidung beeinflußen kann, dessen sei das jüdische Volk eingedenkt in diesem Moment. Aber es sei auch cingedenkt, daß nicht bloß anderes Schicksal an seiner Entscheidung hängt und damit verknüpft ist, sondern auch, daß das Nächste, die Erreichung seines nationalen Zieles selber unlösbar geknüpst ist an seine Entscheidung. Entscheidet es sich für den echten Nationalismus, für seine übernationale Aufgabe, dann entscheidet es sich für das Leben der Nation. Entscheidet cs sich für den unrechtmäßigen und falschen, den Se'bstzwecknationalismus, dann hat es sich znm Tode entschieden. 3m neue Fahr. „Der ZioniZmuS heute ist nicht baS, was er vor zehn Zähren >cvr. Man mutz ihn lernen und muß ihn verstehen." Weizmanu aus dem Kongreß. Jules Derne der Altmeister der technoromantischen Erzählung hat unter vielen anderen Werken, die zur Hälfte phantastisch sind und zur Hälfte belehren wollen, einen kleinen Roman geschrieben, der anscheinend nur phantastisch sein will und doch lehrreicher ist, al sviele andere Bücher, die seiner unerschöpflichen Erfindung entquollen. "Eine Idee d.s Doktor Ox" ist die Geschichte eines grimmigen Scherzes, den sich ein Gelehrter mit seinem Wohnort macht, indem er die Luft über ihm in ein gewisses, von ihm erfundenes Gas verwandelt, das den gesunden Menschenverstand aller Einwohner lähmt, so daß die unglaublichsten Verwirrungen in den Köpfen der einzelnen und damit zugleich die lächerlichsten Verwicklungen und Streitigkeiten in den Beziehungen der Einzelnen zueinander und aller gegen den Magistrat entstehen — eine hysterische Gemütsverfassung, die einigen der Beteiligten unbegreiflich erscheint in dem Augenblick, da sie zufällig dieAussichtswarte auf dem Kirchturm ausgesucht und so aus dem Einfluß der niedrig über der Stadt lagernder Atmosphäre hinanszukommen sind. Wie sie dann den Doktor Ox als Störenfried erkennen, unschädlich machen und die normale Lage wieder Herstellen, ist vorerst unwesentlich für den Vergleich, zu dem diese amüsante Erzählung herangezogcn wurde. Was sie überraschend gut veranschaulicht, ist die Situation Des jüdischen Volkes vom Ende des Krieges bis zum Kongreß. Der Balbirs, ein Bürger von Krähwinkel, ob er in Trbovce oder in der Gernegroßstadt Ostrau oder irgend einer wirklichen Großstadt lebt, war, an ein bekowetes Dasein ohne viel Nachdenken über Ideen und Probleme gewöhnt, ein jammervoll gutes Opfer für die planmäßige Volksverdummung der Kriegszeit gewesen. Und als das Kriegsende kam, gab es einen Zusammenbruch, der viel unheilvoller war als der der Negierungen und Staaten, den Zusammenbruch der paar festen Begriffe in den Köpfen; eine Umwälzung war da, eine Unzahl neuer Vokabeln drängte sich an den Bürger heran, Sclbstbestimmnng, Demokratie, Republik, Bolschewismus, Sozialisiernng. Zionismus^ In unser Dorf verliert sich selten einmal e* Es war wirklich eine gewiffe Bereitschaft vorhanden, sich mit all dem neuen «"sein^n^er- Ziisehen. Eine Revolution ist etwas großes, aber sie hat einen mächtigen Feind: die Revolntionspsychote, und die usurpierte auch diesmal den Herrscherposten. Sie war der Doktor Or des jüdischen Bockes, sie breitete über die ohnehin unklaren Vorstellungen die gefährliche Atmosphäre einer .Hoffnungsseligkeit, eines überhitzten Optimismus, sie zauberte ihm vor, daß Staaten ebenso schnell errichtet werden können, als sie vor ftinen Augen zusammengestürzt waren. Di" Kriegspsychose. statt wieder von der rechtmäßigen Regentschaft des gesunden Verstandes abgelöst zu werden, setzte sich einfach als Anfbaupsychose fort. Man lief in Versammlungen, bevölkerte die Klubzimmer, gründete durcheinander Weltanschauungen, Kindergärten, Zeitungen, schrie „Hedad" und manchmal noch irrtümlicherweise „Heil", jedermann war ptötzli chMitleid" bei Ansschüffen, man stimmte für die Abschickung von Telearam. men. man war begeistert und studierte in eifriger Erwartung kommender Wundorbeim Frühstückkasfee das fettgedruckte in den Zeitungen. Aber das Wunder blieb aus und die Be. geisterung ging zum Teufel. Allgemeine Un-1 öufrredenheit griff Platz, es kam die Stunde öer Nörgler und Krakehler, die Sache hörte auf, amüsant zu werden und man schlich sich abseits, weil man plötzlich sah, daß es Probleme und Opfer gab. Das jüdische Volksleben wurde zu einer Diskutierungsangelegenhe,t von ein paar Fanatikern — nicht der ^dee, sondern des Wortes, lzes meist mißverstandenen Wortes, es wurde griesgrämig und verärgert und blieb schließlich entweder das Ob,ekt wilder Betriebsamkeit einiger Vereinsobmänner oder es beschränkte sich auf die mühsame Instandhaltung von teerlaufe,iden Parteiapparaten, auf eine gegenüber der Aussichtslosigkeit zuweilen geradezu heroische Anstrengung von Sekretariaten und RebLktionen, gewonnene Positionen nicht zugrunde gehen zu laffen. Der Zionismus war eine überalterte, zerbröckelnde Organisation, geeint nur Durch ein galliges Verhältnis gegen die' Leitung — ein allgemeines Siechtum, zukkende Nervosität, die sich nach eic.igen krampfhaften Rettungsversuchen zu Hysterie steigert und schließlich in Apathie nahezu völlig verkommt. Von einer Volkstümlichkeit der Volksbewegung war bei uns keine Spur vorhanden, man konnte glauben, daß der Zionismus eine Angelegenheit geworden war, über die sich eine Anzahl von Leuten, die sich darüber nicht ins klare kommen konnten, daß er ein verfahrener Karren sei, in ein paar Blättern noch stritten, die kein Mensch las und deswegen — Wichtigkeit sagte ntun — ihr Er-j scheinen einzustellen drohten. Das Werk des Doktor Ox hatte seine Wirkung getan, die verheißungsvolle Revolution war von der Revolutionspsychose Zerbrochen worden. Wir treten in ein neues Jahr und wir haben das Glück es beginnen zu können unter Auspizien, die lange gefehlt haben. Wir schloffen das alte Jahr — und eine ganze ebenso kurze als kleine Periode unserer Ge-r schichte — mit dem Kongreß. Karlsbad — es war wie der Kirchturm jenes französischer Landstädtchens des Jules Verne. Der Kon greßteilnehmer war hinausgehoben über du Enge seines Lebenskreises; Einsichten, du schon der frische Luftzug vermittelt hatte, welcher vor dem Kongreß durch einen Teil de: jüdisch. Publizistik gegangen war, wurden zw Gewißheit und eine vor allem: unsere Ur teile hatten sich auf ein ganz kleines Gesichts^ seid bezogen, wir hatten einen falschen Ana« logieschiuß von dem Zustand unseres Weltes Winkels auf den der Judenheit getan. Die Ein< bildung vieler Menschen, sie seien der Mittelpunkt ihrer Umwelt, findet sich in der Tsche^I choslowakei verdoppelt: dort weiß man sich im Mittelpunkt auch von Europa, des gewaltv gen Europa. Und hat dabei keinen Dunst,, was diese Tschechoslowakei eigentlich ist: Die ser plötzlich aus der „Muskete" geschossen: Mitteleuropäer vom Balkan, daß sie nichtals ein großes Dorf ist, und Mähren besoiß' ders: abgelegen und gottverlassen, eine „ausgcriffene Medine" wie man sagt, die von Be» bauerten und versumpften 'Kleinstädtern bewohnt und noch immer beherrscht ist vo« Genius Austriae, von einer Lotterhaftigkeii sondergleichen gegenüber allem Ideellen, vom Prinzip, sich an jeglicher Forderung vorbei zuschwindeln, indem man sie einfach nicht zur Kenntnis nimmt oder mit einer Bomft» Phrase totschlägt. So schaut es anderswo niG asu, wenn es auch fast kein Land gibt, in lm sich die Weltkrise nicht auch in einer Krise W Judentums äußerte. Fast überall beginnt man die Revolntioirspsychose zu überwiM neue Keime entwickeln sich an vielen Idee, und die muß Freitisch esien gehaw dabei verhungert sie entweder oder sieH aus. Unfern Juden geht es zu gut. sen nicht, was es heißt, mit einem AcW5?? Brot täglich zu leben und das Entsetzen uba den ukrainischen Maffenmord dringt nÄt an die Petroleumtische und in die Sview"* mer der Kaffeehäuser; am herrschenden Wrv schaftssystem beklagen sie nur die Ttemn schraube und haben keine Muung davon. die soziale Bewegung in aller Wcltz fl!l sic mit Willen, nur die Unzulänglichkeiten <* blicken, der ungeheuere Versuch, ein und sonnigeres Leben zu setzen an die -st® eines verworfenen Daseins, ForderunK jenes Gottes verwirklichen will, dem W diesen Tagen eine Anstandsvisite der abstatiei: gehen; und davon,, fein Volk, ihr Volk die Geburtsivehcnje«. Zukunft leidet wie die ganze Menfchbeck von haben sie keine Kenntnis, bw.n l Parteien, Vere'n n, ihnen es auch gar nicht sagen, denn l'e" faßte . Resolutionen, nicht zu erfassen, sie lesen keine .'leitima

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