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Jüdisches Volksblatt · 1921-10-07 · 62 (7.10.1921) · p. Seite 3

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1921)
Issue
62 (7.10.1921)
Date
1921-10-07
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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"ahnien rfJ°ffen oöer , iw «»ti wjr Freitag „Jüdische« VoHsviur^ 7. Oktave Gerte 8 » '«Ha!» “Äf^Oen »g --LsKrLL i ober ß»i!rf‘I6«n Ler*"»« ^atsangchörigk^^ hfc «t. Artikel 17: ^yere ' D---LA. r, l'd-e zur CrhaL ^->lre§ ,ottautzer mit ^2"en Zwecke * ßx. ^lche Zwecke IM m§t ^"nne-, vL Mutig von Pa!M?5durch m werden. «MV oder Artikel «£ «SS&jsS nbotor in um! In Halost,na „m,erhch ^°hnm°m?^7^'gt sein, die •pA^SS t!ni) Rahningmitteln p. LerwM,g, st2m/^ irenvilliger EMtz .rdaltung von Frieden und Sr)» r -Verteidigung des Landes mw.G lte organisieren, jedoch unter der Am Mandatars, doch soll sie sie« fe is die oben angeführten Zwecke kiimf mit der Zustimmung des MM«, -llsgemmmen sollen für solche Mt »arischen, Marine- oder LuiW rch die Verwaltung von Palästina aut. der unterhalten werden, hlr in diesem Artikel Mt dH tot ms. daß die Verwaltung PM< den Kosten der TtreMste Mögt, r dem Mandatar unterMen werbeit r Tlenbetar füll bereit fein, feberi Streifen, WndahM tinb Wn roch n für die BefördeMg von Teilen iwassnelen Dacht uckdie Zufuhr -i;> und PchmagsMeln M deWn. Artikel 18 sl-Mch. üfiere Fassung: Ser MaMar % sorgen, daß in Palästina kein lickttu llngunsten der StaatsangehöriW ines der dem Völkerbünde als Wgliü nden Staaten (unter Elnfchluh fe Gesetzen dieser Staaten cingetrag» sten» im Vergleich zu den AngchoM datars oder irgend eines mtsfflatfiMi Macht werde, soweit es sich um w Kandel oder Schisiadrt. AusckH istüe und Gewerbe oder Behang E en und Luftfahrzeugen handelt, -kallung: Der Mandatar muh« in PMina kein UnteM nkten der Staatsangehörigen tr?- . m Völkerbünde als MM °» Staaten (unter Einschluß der naD ‘SeS Staaten eingetragener* Vergleich »*>*«#££ irs oder irgend «“# SfJ gemacht werde, m‘» ELr'L°i.s Palästina die finanziellen Verpflichtungen voll «rfüllen wird, die durch die Verwaltung von Palästina während der Mandatsperrode reenf» neatzrg etngegangen worden tmo. Neue Fassung: Im Falle des AbwU' fes des Mandates, daß durch die Erklärung Asm Mandatar übertragen w.rd, fo,t der .rar des Völkerbundes diejenigen Lmrm-tungen treffen, die notwendig erichcinon, um dauernd unter der Garantie des Bundes die durch dre Artikel 13 und 11 gesicherten Rechte zu gewährleisten und unter der Garantie des Bunocs Sicherheit zu schaffen, daß die Regierung von Palästina die finanziellen Verpflichtungen voll strebte, zu verwirklichen, das Christentum löst sich hier auf, und das, worin es sich auflöst, ist hier iu seiner größten Gestalt der moderne Nationalismus. Welches ist der soziologische Ursprung dieses Nationalismus? Ich kann Ihnen hier von diesem ganzen Gedankengang nur Grundzüge geben. Das Gefüge des mittelalterlichen Staates mit seinem umfassenden wahrhaften Geineinschaftsleben wurde durch die frauzösische Revolution aufgelockert, und die durch hie überwölbenden und übcrpressenocu Staaten bisher niedergehaltenen Natio- «Men wird, die durch die Verwaltung von!Kn treten nun frei bevor. Und in diesem tteter Rationalismus. Ein Srmug von Martin Bub « r. Unter Sen zahlreichen Veranstaltun« gen. üi« anläbiich scS Zionijten-Kongres- ,'es in riallsoad stattkai'dcn, war eine der dedeulnngsoollsicil Vubers Bortrag am ö. September. Wir geben das Wesentliche seiner Aussiihrungen nach dem Stenogramm eines Zuhörers wieder. Daß ich mich entschloß, das, was ich zu ssgea habe, nicht aufzuschierbem das bedeutet für mich eine Handlung, die mir mein Verantwortungsbewusstsein gebietet. Ich kann es auch anders ausdrücken: eine Handlung, ohne die ich in der Art, in der einzig ich leben kann, nicht weiter leben könnte. Ich meine mit dieser Handlung die Abgrenzung gegen ein« Arr-des Natioitalismus, die 'ich in der letzten Zeit auch im Judentum ge-'.e o macht. Ich darf wohl daraus rechnen, daß das, was ich Ihnen bezüglich dieser Abgrenzung zu sagen habe, voir niemanden mißverstanden wird. Ich haben von dem, was ich meinem Leben gegen das nationale Iudentuni gesagt habe, nichts zurückznnehmen. Diese Abgrenzung bleibt in all ihrer Schärfe bestehen. Nun aber tut Not eine Abgrenzung innerhalb'der nationalen Bewegung. Der Ntoment, in dem wir leben, ist durch eine ungeheure Verwirrung hn gefaulten Völkerleben gekenntzeichnet. Ueberall, in jeder einzelnen Bewegung, in jedem politischert «nd sozialen Gebilde, mischen sich Wahrheit ,imö Lüge, Recht und Unrecht. Und lvcnn früher eine Abgrenzung der einzelnen Gebilde tzegeneinander genügte, tut es nun not, die Abgrenzung innerhalb der ein- Keinen Gebilde vorzunehmen; gerade so wie -im Leben des Individuums immer wieder, täglich neu, eine Demarkation, eine Abgrenzung vorgenommen werden muß, und wie diese das eigentliche Gewissen, die eigentlickie Verantwortung des Nkenfchen bedeutet, ni.iit daß er allgemeine begriffliche Prinzipien für sich als geltend anerkannt, sondern daß er täglich neu die Abgrenzung in seinem persönlichen Leben vornimmt und immer wieder zwischen dem Rechten und Unrechten scheiden muß, als Richtschnur für sein Handeln. Diese Abgrenzung innerhalb der nationalen Bewegung vor allem tut not, um der Ausartung, dieser Bewegung vorzubeugen und das echte und lebensberechtigte in ihr zu wahren. Ich möchte dabei, wenn ich mit dieser Abgrenzung begimre, ausgehen von der größten, genialsten entscheidenden Formel eben dessen, was ich die Lüge in der nationalen Bewegung nenne. Eine so große Formel, daß inan zunächst nicht merkt, welche Ungeheuerlichkeit in ihr verborgen ist. Ich meine die Formel, mit der in Dostojewskis großem Revolutionsroman „Die Teufel" . der Mann, dem er seine eigenen Ideen irr den Mund legt, von den Völkern, ihren Anfgabeir und ihren Kämpfen spricht: „Jedes Volk hat seinen Gort, und diese Götter kämpfen miteim anedr,^ rücksichtslos, rücklialtslos, jedes Volk hält sich an seinen Gott und kennt nichts außer ihm." An einer anderen Stelle sagt er noch: „Das russische Volk ist das einzig wahre Gott-tragende Volk." Ich tvill hier nicht von dem tiefen Widerspruch der beiden Stellen sprechen, von der objektiven Formulierung der einen und der subjektiven der anderen. Ich möchte ihnen nur sagen, tvas diese Formel des großen Dichters bedeutet. Nicht mehr und nicht weniger als die Sclbstaufhcbmrg der christlichen Kultur. Dieser Dichter bedeutet nicht, eben durch diele Stellung, wie manche glauben und in der letzten Zeit ein deutscher Philosoph andeutete, den Homer einer neuen Kulturwende, sondert: den der Agonie, des Todeskampses der alten Kultur. Der Relativierung, des R.-mtivismns, der im Geistesleben unserer?,"V bestimmend geworden «st. Gott selbst wird rel-.nuw Funktion der >(> ' 'n.n?'rn steht die christliche ein, eine Menlchbest a>''p.-hsich unfähig, die Un ■Xi und v.i / -L. DiCK einer 1, ute ue . u: (l,i= _ Fundierung j danach, diese Mängel zu beheben. In diesem ' Streben begehen sie allerdings einen schweren Irrtum, den ich hier nur andeuten kann; sie streben nicht zu einer neuen Form, zur Konstituierung des Volkes, sondern zu einer .alten zurück, zum Staate, sie streben in die Geschichte zurück, statt über sie hinaus gelangen zu wollen. Welches ist nun der psychologische Ursprung dieses Nationalismus? Hier müssen nur weiter zurückgreiscn. Ter mittelalterl che Mensch, der Mensch, der vollkommen ungebrochenen christlichen Kultur, war in einen sicheren, festen, ruhenden Kosmos eingestellt. Aus diesem Kosmos riß ihn der eind ingcnde, neue Gedanke in Weltentdeckung. Wissenschaft, soziale Umbildung n>w st'Ute ibn, gleichsam eittiam nach allen Seiten hin. nach Raum und Zeit, in eine neue Welt hinein. Denn dieser alte Kosmos war cndUch begrenzt im Raum, Himmel, Hölle, Erde dazwischen, Schöpfung, jüngstes Gericht, Erlösnug dazwischen. Diese neue Welt ist ungeheuer vielfältiger, komplizierter, nicht zu bewältigen. In" diese neue Welt ist der^eineelne einsam hiileingestellt. Daraus erwäckft das leidenschaftliche, immer stärker werdende Gemeinschaftsverlangen des modernen Individuums. Aus diesem Verlangen heraus entdeckt er die Gemclnschaft, die natürliche, getoachsene, gewordene, in die er eingeboren ist, das Voll. Dieser historische Nationalismus gibt ihn; Zusammenhang, er gibt, ihm einen Halt im Gewordenen, Gewachsenen; indem er den einzelnen bindet an die Kette der Väter und Mütter und ihn ruhen läßt in den Reihen der Geschlechter, die zu ihm geführt haben, gibt er ihm Halt, Sicherheit. Kraft. Zugleich aber engt er ihm den Blick ein, den Horizont, erschwert ihm den Ausblick und den Willen zu einer Wer alles Geschichtliche hinauslangenden, anders aussehenden Zukunft. Unter dem Einfluß dieses historischen Nationalismus biologisiert sich das Natonalgefühl, das natürliche Volksgefühl, das lange vor dieser Entwicklung, vor Reformation und Revolution, im einzelnen lebte. Das heißt, der Zusammenhang mit dem Volke wird aus etwas natürlich ruhenden, dem ruhenden der organischen Sicherheit, ein Wachstumwille und Mackitwille des Individuums iu der Gruppe. Er wird zum Gruppenegoismus im Individuum, und ich braucke Ihnen wohl nicht zu sagen (in dieser Zeit, in der wir leben, brauche ich es Ihnen nicht zu sagen), daß der Gruppenegoismus des Individuums schlimnier ist, als irgend ein Einzelegoismus. Wie im einzelnen die Selbstbehauptung echt, legitim, unecht und illegitim sein kann, so auch in diesem Gruppengefühl des einzelnen. Der wahre Mensch behauptet sich so gut wie jeder andere, wie jeder Mensch, gegen die Welt, aber er behauptet auch die Welt gegen sich. Das ist die Abgrenzung, die der rechte, die der verantwortungsbewußte Mensch immer vornimmt, und was im Leben des Individuums gilt, gilt auch im Leben des Volkes und im Volksgesühl des einzelnen. Was ist dieses Volk, zu dem der Mensch sich so vorfindet und zu dem er sich verschieden stellen kann? Was ist es, wenn wir von theoretischen Definitionen absehen? Ganz zunächst eine Schicksalseinheit: Eine Gruppe van Menschen ist gebunden, wird in einem entscheidenden Airyenblick der Geschichte verbunden dirrch ein großes, gcmeinsanres Schicksal. Das L-chicksal wirkt nach innen zurück, auf Form und Art des Volkes. Das Volk erhält sich durch die Foripflairzung, durch die Bluteinheit, erhält sich in der Form der Gedächtniseinheit. Ein gemeinsames Gedächtnis trägt das Volk, ein gleichsam unbewußtes Gedächtnis, das in nerrgeborenen Geschlechtern iuimer wieder bewußt gemacht wird. Dieses Hrireingeborenwerden des Menschen in das Volk ist das, was das Volk von anderen Verbünden abhebt. Hier verbinden sich Natur und Hieschichte in einen; weit höheren Maße, als in einem anderen Verband von Menschen. Ich möchte Ihnen die Stadien der Enlwicklmrg kurz aufzeichiien. Wir tvoller: sie bezeichnen als Volk, Nation, Nationalism u s. Volk entsteht durch ein anderes Schicksal, das nach innen wirkt; so eiusteht eine organisch verbundene Gemeirrschaf; von Menschen. Liber das ist noch eine, die sich von anderen Gemeinschaften bewußt abhebt. Diese sich bewußt abhebende Gemeinschaft möchte ich Nation nennen. Nation: Wie entsteht Natiori aus Volk? Nicht mehr durch ein äußeres Schicksal, sondern durch eine innere Umgestaltung, eine innere, soziale, geistige, religiöse Umgestaltung; wenn Sie wollen, durch eine Revolution. Und diese innere Umgestaltung bewirkt, daß nunmehr diese Volksgemeinschaft sich nach außen abhebt, ihrer besonderen Aufgabe bewußt wird und sich in dieser Ausgabe von anderen abgrenzt. Bolksbitden- ,st schicksalhaftes Tun und Leiden, das Nächstliegende Beispiel ist der Auszug aus Aegypten und die Besitzergreifung Kanaans. Wie die verschiedenen Stämme zu einem besonderen sozialen Gebilde „Volk" zufammenwach'en, zeigt sich auch in den Perserkriegen. Naüorraläildend wirken innere, soziale, politische, geistige Umgestaltungen. Ein Beispiel aus der Antike ist ja die Umwälzung, die aus Rom eine Republik macht. Erft das republikanische Rom ist eine Nation, die sich ihrer Aufgabe bewußt wird und durch diese Aufgabe von anderen Völkern abhebt. Oder uns der neueren Geschichte die französische Revolution. Erst der missionierende Charakter der Aufgabe, die das französische Vckk durch sie erlangt, konstituiert die französische Nation. Vielleicht darf man sogar aus der Gegenwart ein Beispiel wählen. Ich glaube, daß die russische Revolntiou erst die wahre Konstituierung und Aufrichtung der russischen Nation als einer sich iiach außen durch ihre Aufgabe abhebenden nationalen Gemein'chaft bedeutet. In einem bestimmten Moment des nationalen Lebens nun tritt eine neue Erscheinung auf, der Nationalismus. Er hat die Funktion eines Krankheitsanzeigers. Wie das Bewußtwerden eines körperlichen Organs auf eine Erkrankung dieses Organs hinweist, so ist es auch hier. Das Volksindividuum wird eines Mangels, eiiies Gebrechens inne, es verspürt wachsend die Tendenz, diesen Mangel zu füllen, dieses Gebrechen zu Hellen. Es wird sich einer Inkongruenz zwischen der Aufgabe, die die Nation konstituiert, und in ihrem äußeren und inneren Zustand bewußt. Die Reaktion gegen diesen Widerspruch bedeutet den Nationalismus. Volk also möchte ich vergleichen mit dem unbewußten Wirken eines Organs, Nation mit dem aufkommenden Organgefühl. Nationalismus mit dem liche Leben der Nation und das bedeutet dünne venu Beginn des NntergaitgS, eines mitui ualiftisch gefärbten Untergangs des VvlksturnS. Ich wiederhole: der ursprüngliche Nationalismus zeigt einen elementaren Mangels im Leben der Nation an, einen Mangel uns Einbeit, Freiheit, Selbständigkeit, territoriu-Z ler Fundierung, einen Mangel, zu dessen Behebung er mahnt. Er fordert von der Welt, das für diese Natioii Lebensnotwendige, er? fordert die Anwendung dev ungeschriebenen droits de nation auf sein Volk, damit es seine? Aufgabe in der Menschheit wahrhaft erfüllen, kann. Er rüstet das Volk zum Kampf um| jenes Mindestmaß an Rechten, dessen es zu? teiitcr Entwicklung in diesem Sinne beoarfI Ueberschreitet der Nationalismus diese naiür-i liche Grenze der Heilung, der Behebuirg des Mangels, dann begeht er das, was man im; Leben der großen Menschen die Hybris genannt hat, er überschreitet die Grenze, oie -hm vom Sinn seines Lebens, voii seinem, Schicksal gesetzt ist. Er überhebt sich und damit beginnt beim Menschen wie beim Volk oer Untergang. Ich glaube Ihnen wohl nicht sagen zu müsseil, daß das, was wir heute Chauvinismus nennen, nur eine besonders krasse Form dieser Hybris, dieser Ueberschreitung der Grenzen ist. Chauvinisnius ist nichts anderes als eine Aeußernng von Angst, Schwäche, Siechtum eiiies Volkes. Kein . starkes, gesundes Volk hat je solche Auswüchse seines Natioiialgefühls gekannt. Ich sagte, wenn der Naiionalrsnlns sich nickt auf die Aktion der Heilung beschränkt, wird er selbst zum Krankheitsstoff. Ein Volk kami feine Rechte begonnen, ohne daran zu genesen, weil der falsche Natioiialismus, nunmehr znnr Kraiikheitsstoff geworden, am Mark dieses Volkes zehrt. Wenn der Nationalisnrus über seine natürliche Fuiiktion hinaus besteht und wirkt und wenn dies nicht bloß in einem Bcklk geschieht, sondern in einer Epoche in den Völkern, uiid wenn diese so in ihrem Nationalismus beharren, so bedeutet dies, daß das Leben der Nienschheit tief erkraiikt ist. Eine solche Epocke ist die Zeit, in der wir leben, und es hat einen großen Sinn, wenn ein bedeutender jüdischer Dichter, Alfred Mombert, über den dritten Teil seiner Ehernen Trilogie das Motto geschrieben hat: Finis popnlorum. Ich sagte schon: es gibt einen legalen und einer; illegalen Nationalism u s. Was bedeutet das? Wahrung des Volkstums ist eine ewige Kategorie. Nationalismus eine Augenblickskategorie. Er hat seine Funktion zu erfüllen und abzurreten. aufkommenden dauernden Gefühl von der «sonst wird er falsch und illegal. Die Grenze Existenz dieses Organes, wenn es erkrankt \ zwischen dem rechtmäßigen und dem andern ist. Wir wißen auf einmal, daß wir Augen Nationalisn;us wird durch das Verantworhaben, daß wir ein Herz haben; wir fühlen, j timgbewußtsein eines jede-; Menschen im Volk daß es da ist, well es krank ist. Die Krankheit zeigt sich an, teilt uns mit, daß wir auf Heilung bedacht sein sollen. Volk ist ein Phänomen des Lebens, Nation ein Phänomen des Bewußtseins, denn Nation ist nicht gegeben ohne Nationalgefühl. Nationalismus ist ein Phänomen der lleberbewußtheit. Volk ist ein Organismus, ich möchte es vergleichen einem natürlichen Jndividiralorgan, Nation dem aufkommenden seelischen Lehen; den N^- iionalismus aber dem sich ablösenden parasitär werdenden Intellekt, der die Stelle usurpiert, die rechtmäßig dem seelischen Gesamtleben einnimmt. Ich häufe die Bilder absichtlich, um wesentliche Unterschiede anschaulich zu machen. Volk möchte ich also vergleichen einer Funktion, Nation einer Aufgabe, Nationalismus einer Problematik. Oder bildhaster: Volk einem Naturtänzer von natürlicher körperlicher Begabung, der nicht z:r lernen braucht, einem Volkstänzer; ' Nation einem Knnsttänzer, der seine Kunst verstcht, beherrscht;^ Nationalismus einem Regeltänzer, der die Regeln des Tanzes erlernt hat und nun glaubt, daß er darnach tanzen kann. Volk bedeutet Selbstbehauptung als Trieb, Nation als Selbstbehauptung als Idee, Nationalismus Selbstbehauptung als Programm. Volk bedeutet einen Zusammenhang von Menschen, der eure natürliche Bürgkckaft seiner Dauer in der Zeit hat dadurch, daß immer neue Geschlechter in diesen Zusammenhang hinein geboren werden, Ntaion bedeutet ein Bewußtwerden, das Jnnewerden der Dauer in einer großen inneren Erschütterung. Nationalismus bedeutet die Reaktion aus eine Gefährdung dieser Dauer. Die Folge dieser Entwicklung zum Nationalismus ist nun eines von beiden: entweder wird durch diese Reaktion und den Hellungsprozeß, der mit ihr einietzt, die Gefahr, die dem Leben der Nation droht, überwunden, damit aber auck der Nationalismus, denn er hat seine Funktion erfüllt, oder aber es geschieht dies nicht, der Nationalismus behauptet sick^ als Selbstzweck, und das bedeutet: er greift über seine F'niktiun hera-rs, er verjelbständigt sich, er verdrängt das natürgezogen ooer sollte von ihm gezogen werden, vor allem aber sollte diese Grenze immer wieder mit tiefster Gewisiensprüfung gezogen werden von den Führerrr der Nation und der nationalen Bewegungen. Sie sollten dessen eingedenk sein, daß sie die Grenze ziehen zwischen Gesundung und endgültiger Erkrankung ihres Volkes. Das Ziehen der Grenze ist auf diese Weise nicht eine Frage der Ethik^ eine Frage der Gewiffensprüfung im moralischen Sinne allein, es ist im innersten vitalen Sinne eine Lebeiisfrage der Nation und die? Grenze muß, lote ick schon vom einzelircn/ Menschen sagte, täglich neu gezogen werden. Nicht einmal ist eine Formel auszulpre-: chen: dieses ist rechtmäßig und dieses unrechtmäßig. Täglich neu an der Handhabe der Ereignisse muß diese Grenze gezogen werden:? Aber der Nationalismus kanii sie nicht von sich selbst ziehcu, diese Grenze kann nicht von ihm aus gezogen werden, nicht aus feinem Gehalt, sondern von etwas von ihm versckie» dcnen, aus der Erkeimtnis der übernationa-" len Verantwortung der Nation. Auf zweierlei Art famt die Nation gefaßt werden: als Clement und als Selbstzweck. Als Elen,ent, das heißt: Nationen sind geistige Elemente, aus denen sich die Menschheit aufbaut und aus denen allein sich eine wahre, wi"Kiche Mcirsckheit aufbaneu rann. Geistige Elemei"' sind miglcich chemischen, die in ver Misckuna beharren, io daß sie zu ihrer reiueu Erist nz entsoridert werden können. Geist ge EiementL aber geher, iu der Mischung unter, vermischen.^ verlieren sich und darum müssen sic rein erhalten, bewahrt werden nie den Moment, wa sie verwendet werden köniien — das bedeutet Wahrung des VolkSturns. Echter Nativ, rralismus bedeutet also sich iu diesen; Moiiieirt der Krise so fühlen, wie stck die Nation in ihrer Gesundherr als Weltelement füblie, stch nicht mir anderen Elementen vergleickeir. (im >ucht andern überlegen dünken? sich 'emer; Aufgabe bewußt >ei:t und diese »'du Hit besser, wichtiger, größer halten a'S eine andere, sondern als seine recktm^ßig bestimnste' -chicksalsaufgabe bet-achtei;. Sticht die hon eines Volkes höher stellen als die

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