Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 56 (26.8.1921)
- Date
- 1921-08-26
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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U^V -5rcfto9- 'pH Kongresse sein, und werden neben dem ^5 ^rukJ ^Kongresse eine besondere Zusammenkunft SroiniH m8fi ^veranstalten, die voraussichtlich am dritten ' ' ^ter ^^ongreßtage stattfinden ' ~ „Jüdisches DoftsbE 26. August «Med wird. Die Ver-! Ew^^amlung wird durch den Bevollmächtigen V'2sa°cÄU N-r Bibliothek Herm Univer.-Bbilioth.- ^Qsfiti s^'u,^PItei!iPMci)en Bibliothekswesens im Heiligen efeft), %c; 0rJK %öcmbe halten wird. Danach Diskussion und M mQC0.& Nihman ffc, Beschlußfassung. An der Versammlung « -o^larcm C ^uis Wurden eine große Reche von Gelehrten /Oe ©ora 95001r5 ^opliMNd jüdischen Politikern aus allen Ländern '--/aber, I. ssi, ^uel h^ellnehmen. Ort und Zeit der Versammlung 3- Gabriels aJ®ncii3^ A. ^werden in Karlsbad bekanntgegeben. Der l™”11111' h. Kr^Bevollmächtige der Bibliochek, Prof. Dok- Mö»TV 'or Loewe wird bereits am 26. August in c™«i ußf jionilis^arlsbab sein und ist dort im Hause Vene- 'll III KlsNzsi^ ng. Parkstraße in Bibliotheksangelegenhei- 28. bis 31 sc.,..kl en zu erreichen. Kein Freund jüdischer 'ad die Äahresfenk- Wultur sollte versämnen, an dieser Vcr- ’> zionistisch^ Hammlung teilzunehen. feSft.» . " I s 9ie „Ceskos!o»ensk4 Republika“ ut!> «Öh ' Set XM- REmkougr-ß. Dablen h« rmi“a93- G. W. schreibt in der letzten Nummer der 5 -Büros und de-s-2idovske Zprcwv" : gi ,, . . In der Nummer 2!ö (7. August) brachte dir t>) Qu " sticht der (jfownitidje „Ceskoflovenska StepuWiSa" unter Klei-; " .3 E "lufgaben der k^en Tagesnotizen einen kurzen Artikel über den otoanisatwn. Zwölften Zionistenkonarcß in Karlsbad, in wkl- ^ahl eines CtaiutenausschA'E es heißt: Johreebencht der einzelnen it .Regelmäßig ' finden Weltkongresse ln atlonen. 0 und Residenzstädten statt:-der Ae Erziehuna des -konibi^-^Eld, weshalb die Zionisten von dicker Regel im Galuib 'wnistlscher;^^,^,,^ ist nicht bekannt. Inzwischen arbcnet 7,:. -»v.^ as Zion. Karrefpondenzbüro bereits andauernd fin»« ra ^"^enten Miir ihm Kongreß. Unserer Redaktion sandte es l'EEN im Galuth. ine englische Einladung und sofort hieraus ■ E Studenten und die s!lil!kli'"EN umfassenden deutschen Bericht. Ihm % 8 ntnehmen wir. Laß am Kongreß zionistische s Bericht des Statuieno W. DM der Eretuiire. U. Schlch der Eine oder delegierte aus der ganzen Welt, sogar aus öowjetrußland, insgesamt an 600 Personen, teil- :ehmen werden. Um so mehr haben wir daran uszusehen, daß der Kongreß nicht in Prag, als .«r?f Staates Residenzstadt, der die zicMoen SitzUMü isr DgwM eitiat’föe Rationalität mit all ihren Folgen crnerss werdet W j)k untrtnt hat, statisindet. Der Umstand, daß das sioellen fachlchn FrM mdm eckE"lch2 KorrespondenzLiiro selbst an die tschechihcn Zeitungen deutsche PropaganLaartrkel . ' , . . , ^sendet, beweist, daß die Amtssprache des Kon- Jm Rahmen der nMrm, 'nrlrrffes deutsch sein wird, wie denn überhaupt in ie Veranstaltungen Wt. «Mitteleuropa die deutsche Sprache hauptsächlich allen Sänbem irnoejm1! ÄjHe Amtssprache der zionistischen Bewegung ist. ie anwefenb fein. Messe dk^s-lichts des politischen Scharfölrckes der Z:omtfnmiteK und ber tor"li^cn überrascht uns dieser Gebrauch der Vuvchen Sprache im Zusammenhang mit der - 3DüS .lrervt , SiatlSDuO. dcs Korrgreßortes. Vielleicht erfahren wir, - twrnm dies und jenes geschehen mußte." m »L,--L°L7^ L Itt FkkUlmkM. reßbüros folgenden Inhaltes:!>c.,s d»m htertäfiriaen Will« -Das Büro des Zwclftsn Zionisten- Auf dem dlesiayngenngresses in Karlsbad übermittelte uns 1. September in Zmlsm Zuschriftr , wird^ auch das BchM!« >!> " ^xei Wittes vom 7. Auanal-Bibstathek Lvschoftigtcn Die sich nnt dem bevorästonkongressc. Mt Rückder tschechoslowÄi. und Aemtec und '^'7s7 s' fnwmt ibr eine doffMsher auch dm gesamte tschechoslowakische Oeffent- "m , iio Kre inde der südWchkmt Verständnis und guten Willen bei den l-Bibliothek werden sehr zahln^ tgegen, da er das Paradies betritt. Er . t schildert mit komisch wirkendem Selbstlob ,nette sind bekannt, das Zusammentreffen mit den biblischen von Agabbio, ““l.VtaiÄWMcrn, mit den Propheten, David genannten Cino, welche v Salomo, deren Werke er kommentiert Me Manoelle iy> l Mancher Hieb trifft da seine Gegner, war. W R-cht aber »^W und darin überragt der Jude den ,n Dante eine göttliche KoM ^-hxjsten, er'läßt in seinem Paradies auch lo mar die Immanuels em Frommen aller Völker Platz finden, J /mW veraleiche ",eLenen es bei Dante verschlossen ist. Sein Ged-e Abhandlung von ™ schließt mit den schönen, echt mensch- LVW-SLch« 23 ff.) c-iltc ihm Jisleichviel, wie dieses mch jenes 2an6 hie n Freund Dante;unti;F höchste Gottheit hat benannt, Ährerrolle lN . die 5rs ist ja doch dieselbe Macht, —■ die über alle zu. Läßt sich seiner * Menschen wacht. |it gelitten. e.mTnnnu^!, ist derselbe treue Hirt der alle Herden k L»d>.-w°-d---» N-mm-,» wird, en- MV p er mit u'fecttn einst der große Morgen scheint — der die Daniel, - 3«[ { Zerstreuten wieder eint, den Dantes anveu , »r sämtliche "we / «Mt, A Schon wegen dieser prächtigen, wahr- ,nwelche dre Bibel >. lcaft menschlichen Worte verdient das Gan cot'eles, weil er die Mden- und Gehenna-Gericht Immanuels Li unt Plato, weu . "ixi lc ohes Lob, wenn es auch sonst zu der Höhe ~ ttung^tb^Pi»r »Eommedia" kaum heranreicht. In dem Manuel auf -o Uirliäi nin»"t' ^rlichsten Gestalten der alten heidnischen Realistev'^w Ke^bE^keinen Platz. Für den^jüdischen^Dichter!l3aradies Dantes findet Sokrates und die Ga' lt Apjt eit seiner Ze-t Anlaß,! ^'^n"zu^e:ßelw.^Meeren t«nE a Heuchlers ^M en^, ihnen ist'das ewige Heil nicht versagt, ssens^f^ her Svnaaa8^MF)arln unterscheiden sich Dante und Immawollen, dre? ^"El. Chrrstentum und Judentum. - Jmmalrel^ in der tevnen "^Daaevev. Ut weogcite M äiu der Satz: „Auch die Gerechten der an- .feieren Völker haben Anteil am ewigen Leon" tfcwav» iU _:_..... p .i Vorbereitungen des Kongresses gezeigt hat, liegt ums daran, daß mich fürderhin dis ganze Oesfs>n° lichkcit in diesem Staate mit dem bevorstehenden Kongreffe sympathisiere, rmd baß diese Haomonre durch «in Mißverständnis getrübt werde. Aus diesem Grunde wären wir Ihnen schr dankbar, wenn Sie unsere Ansklärung zur Kenntnis nähmen: Die offizielle Spreche der zionistischen Organisation ist die hebräische, die, wie Ihnen sicher bekannt ist, durch die palästinensische Regievnng als ossizielle Amtssprache in Palästina anerkannt nurte. Wenn wir bis mm auch in anderen Sprachen korrespondieren, so geschieht dies aus Gründen der ssweckmäßiokeir, weil wir nicht erwarten können, daß unsere Sprache überall bekannt ist. D:r Sitz des Präsidiums, der Zion. Organisation, bem auch unser Büro direkt unterstellt ist, ist London und deshalb bewegt sich der Haupttclt unserer amtlichen Korrespondenz in englischer Sprache. Die zionistischen Organisarionen bedienen sich in den einzelnen Staaten in ihren Publikationen und Korrespondonzen jener Sprache, die im betreffenden Lande gesprochen wird. Es ist Ihnen sicher bekannt, daß in Prag eine offizielle Zeitung der zionistifchm Organisation in tschechischer Drache erscheint und daß dib Llmtsspräche unserre Prager Organisation die tschechische ist; es kann deshalb davon rricht die Rede sein, daß die zionisüsche Weltorganisation irgend einer Sprache vor bbr landesüblichsir den Vorzug gäbe. Falls Ihnen vielleicht irgend eines der Zirkulare, die wir regelmäßig an die Redaktionen verschicken, irrtümlicherweise in deutscher Sprache zugestellt wurde, geschah dies ans Unachtsamkeit und wir bitten um Entschnldigwrg. Was sie Wahl des Kor groß ortes betrisst, versichern wir Ihnen, daß Aoß praktische Gründe hiefür maßgebend waren, denn weder der Kongreß noch feine Seitimg kann und will in die hiesgen innerpolitischen Fragen cingrcifen. Karlsbad wurde zim Kongreßorte gewählt, nachdem dte^ tschechoslowakische Reaicrung, mit der wir darüber vcrhandclssn, ihr" E'nverständnis erklärt hatte. Es kann wohl kein Zweifel darüber herrschen, daß sch Karlsbad mit seinen Einrichtungen als Wvltkurort zur Abhaltung von Weltkongressen ausgezeichnet eignet; so findet z. B. jetzt der Kongreß der Balneologen der ganzen Welp dort statt. Die überaus komplizierte und schwierige Wohnungsfrage für 3000 Teilnehmer laßt sich in Karlsbad nach der Saison weit leichter lösen als z. B. in Viag, 'da die meistiw Teilnehmer aus Hotelzimmer reflektieren und man in unserem Falle natürlicherweise nicht mit der Unterbringung in Privatwohnunae!'. in solchem Ausmaße, wie bei nationalen tschechischen Kongreffni rechnen kann." Dazu bemerkt die Redaktion der ^Ceskoflovenskä Republika? „Der Verlarif dles Kongresses wird uns wahrscheinlich Gelegenheit geben, <mt| diese Kundgebung zurückzukomm.en." Die Art, in der die Redaktion der „Ceskoflovenska Republika" auf diese Angelegenheit Jngerenz nimmt, mtspricht vollkommen dem Standpunkte, den die Redaktion des anrtlichsn Blattes zrrr Palästinafrage ernnahm. Es ist doch klar, daß cs keinem kernünMoen Menschen einfällr, tschechischen Redaktionerr absichtlich deutsche Teste einzuschrckcn, und daß es sich offenbar um einen peinlichen Irrtum handelt. Solche Vorfälle ereignen sich noch heute häufig im tschychoflvwakc'schen Staate, und zwar' gerade von Seiten dkr Aemter. Die tschechisch-natioirale Presse weist häufig auf solche Vorfälle hin. Das Anrlsblatt hätte sich ffe'ne Empörung ersparen können, denn es handelte sich mn keine Provokation. Ganz und gar nicht am Platze ist es jedoch, wenn das amtliche Matt diesen unliebsamen Vorfall im Zusammenhang mit anLeroir Fragen anführt, z. B. mit der Frage, warum der Kongreß nicht in der Haupt- und nuels Witz bildet einen Gegensatz zu Dantes hohem Ernst, aber fein wahrhaft menschlicher Gedanke setzt sich in Widerspruch zu der dogmatischen Anschauung des großen Dichters. — Immanuel muß, fo viel wir an ihm sonst auszusetzen haben, als Dichter geschätzt werderr. Nicht das gleiche Können wir von einem anderen Manne sagen, der, ebenfalls in Italien, zu einer Zeit allerdings, lebte, in welcher der Quell der Dichtung bereits zu versiegen begann. Freilich, neben den anderen Dichtern der Synagoae ragt er, am Anfänge des 15. Jahrhunderts, noch hervor. Es ist dies MosebenJsak aus Riete (1388—1430), dessen religiöse Dichtungen Deborah Ascarelli (1602) ins italienische übertrug. Auch er ist etn Nachahmer Dantes in feinem Gedichte „Mikdafch meat" („Das kleine Heiligtum"). — Ein Epos ist's, das erste, abgeschlossene, in hebräischer Sprache. Wie Dante bedient auch er sich der Terzine, als Strophenform. Wenn schwere Verständlichkeit Tiefe bedeutet, dann nähert er sich Dante mehr, als der witzige Immanuel. Woran es jedoch unserem Mose fehlt, das ist die Phantasie und die dichterische Anschauung. Wie tief stehr er. in diesem Betracht, unter feinem Vorbilde. Es kann eben nicht jeder Än Dante sein. Wenig poetischen Schwung, dafür viel Gelehrsamkeit, weist sein Gedicht auf, das einer Reimchronik nicht unähnlich ist. Es führt die Häupter unserer Literatur uns vor, die Tannaim, Amoraim, Geonim bis auf des Dichters.Zeit, dann die.Milojoptzen Residenzstadt des Staates siastfindet, der die jüdische oder, wie di« „Ceskoflovenska Republika" sagt, die zianisfische Nation mit allen Folgen daraus aneMnnt hat. Wir haben diese ganze Angelegenhoir untersucht und konstatierten ivahrheitsgomäß,' daß sich die Zionistische Exefistive für Karlsbad einerseits mit Rücksicht <mf die Logisbeschaffung, andervlseits aus Grund der auf eine offene und klare Anfrage, ob gegen die Whaltung des Konareflcs in Karlsbad vom innerpolitischen Standpunkte nichts aimuwcnden sei, abgegebenen Erklärung der zuständigen Regierungsfaktorm, daß solche Einwände nicht bestehen, entschlossen. 22mn nun irgend «in« andere Zeitung die zionistischc Leitung deshalb angstffe, tväre das vechärdlich. Dagegen muß es jedermann deSorienjieren, wenn das amtliche Blatt so versähst. — Es ist auch nicht klar, warum die Redaktion der „Ceskoflovenska Republika" die Bmlwltmrg macht, daß die jüdische Nationalität im tschechoslowakischen Staate anerkannt wurde Das war kein' Akt der Wohltätigkeit, sondern der Wahrheit imd Ge- «chiigkeit, der ebenso für die Juden als auch für den Staat notwendig war. Die Zionisten haken nie ctwas verlangt, daS dem Staate geschadet Hälse, es gibt jedoch viele, die lieber dem Staate schaden würden, als daß sie zugäben, daß. den Juden Gerechtigkeit widerfahre. Das bezieht sich vor allem airf die ^Folgen der Ancstennung -der zionistischen Nation", von denen wir nur soviel wissen, daß durch die Wahlordnung, 80.000 jüdische Stimmen vergewaltigt wurden, die ksinc Vertretung in der NatianalversanmÄung erhielten. Wir vesticheni der Redaktion der „Ceskoslovenska Republika", daß sie umsonst Energien vergeudet, falls sie ihre Poreingenommeithsit gegen dem Zionismus nicht ausgibt.?lus Seite der Zionisten gibt es keine Feindschaft gegen das tschechische Volk, im Gegenteil, die zionistischen Führer haben für die tschechische Sache nur Worte der Bewunderung und Anerkennung. Der Elfte Zionisten-- kongreß fand vor 8 Jahren in Wien statt, und wenn der Zwölfte aus dem Boden der tschechoslowakischen Republik stattfindet, geschieht das sicher Nicht mit dcr Absicht, die Gefühle des tschechischen Volkes rücksichtslos zu verletzen. Es scheint, daß dies die tschechische Presse, die sich sonst nicht gerade in PhilösemitiSmus gefällt, begriffen hat. denn die .CeSkoslovenska Republika" blieb bei dieser Kurzweil vereinsamt. Es ist, als ob die Redaktion der .Cesküslvvenska Republika" sich assim'llert Hütte; cs wäre im Interesse der tschechischen Sache, wenn sie sich, soweit es sich wenigstens um das Ausland handelt, auf eine Zeit entassimilieren wollte. Waadath hatarbuth. Am 24. d. M. hielt Herr Ernst Mechner im Saale der isr. Äultusgemeinde irr Mährisch- Ostrau einen Vortrag, worin er u. a. aussührte: Die palästinensischen Arbeiten sind es, in deren Hände nunmehr die Realisierung des wesentlicheren Testes der zionistischen Idee übergeht. Die Partei der Zionisten, mit ihren Hauptzwecken, Politik und Aufbringung der Mittel, wird immer mehr ein bloßes Instrument in den Händen der neuen Siedlung werden. Und das ist gut so. Denn in Palästina vollzieht sich tatsächlich, embryonal und noch vielfach getrübt durch politische Fehler und Mangel an Geld die Entstehung.eines neuen Volkstums von besonderer Art. Der jüdische Arbeiter dort — von ihm, nicht vom Kolonisten, dem Bürger, soll hier Kunde gegeben werden — ist nicht wie anderswo ein Produkt ökonomischer Not. derjenige, aüs den der jüdische Mittelstand verachtungsvoll herabsah als einen, der nicht die Fähigkeit hatte, es so weit zu bringen wie er; nein, das sind! Mciffchen von höchster Intelligenz, oft bester B,t diklig find einer Kleinigkeit darüber, eben jenene Moment, das defi jüdischen Bürger zu "cm Ver< fallstyp macht, als der er so gern gezcich ä ivirdl Idealismus. Junge Menschen, die einer Well voll der Lockungen uird Möglichkeiten der Zwu lisation den Rücken gekehrt haben, weil sie nichj wollten, bis der Zusammenbruch des nwrfcherl Europa ihrer Welt Platz schafft, sondern die den Traum ihres Lebens mit eigenen Händen aufzubauen hinvntergingen. So allein ist es zn verstehen, daß der jüdische Arbeiter unter den unglaublichsten Entbehrungen Steine klopft und verwahrlosten Acker bebaut, denn es ist Erde seines Landes und mählich wachsend Boden, der Gemeingut des Volkes, denn er spart und die Kwuzah, die Gruppe, die er sich als Lebensgemeinschaft gewählt hat. wird durch die Arber« terbank ihr eigenes Grundstück bekommen und die vielen Kwuzorh werden die zwischen sie eingesprengten Kapitalisten zwingen, zu ihrer Wirtschaftsform überzugehen und schließlich wird einmal ihr Beispiel auch die verhärteten Herzen der Juden dahinten erschüttern und neues Geld zur Nationalisierung des Bodens bringen. Die Dogmen des europäischen Sozialismus sind hier leere Phrasen, denn es gibt fast nichts zu enteignen, wie es noch überhaupt nichts gibt, denc» es ist hier „Maase Bereschith", der Zustand des 1. Kapitels drr Schrift. So entsteht hier ein neuer, ein „auibauender Sozialismus", schwersten Mißverständnissen von rechts und links ausgesetzt, aber unbekümmert darum aufbauend. Die primitivsten Voraussetzungen fehlen. Sicherheit des Lebens und des Eigentums sind von nomadischen Nachbarn gefährdet, die Erziehung ist nicht wie in Europa, die neue Sprache verfügt noch nicht über die nötigen Bücher, die müssen erst von den Lehrern fortlaufend geschaffen werden. Die Arbeiter wohnen in Zelten, irgendwo an der Cbaussee, die sie bauen, aber sie sind von einem Kulturhunger, wie ihn der bildungslose Arbeiter oder das Kaffeehausjüngerl hier nicht kennt. Sie kommen am Lagerfeuer zusammen oder in einer großen Scheune, und einer steht auf, der Kwuzahlehrer, in dem sich diese neue Lebensform ihren geistigen Mittestiunkt geschaffen hat, dessen Arbeit erst jetzt beginnt, wenn die andern von ihrem Tagwerk kommen und hält ihnen einen Vortrag. Sie sehen, daß sie zu wenig von der Landwirtschaft verstehen, mehrere Kwuzoth gründen einen Agrikulturkurs und jede delegiert ein Mitglied hin, das späterhin sie instruieren wird. Sie haben eine Arbeiterpresse, eine Fachzeitschrift und drei Revuen, alle hebräisch, denn der jüdische Arbeiter wird, wie ein Palästinenser neulich drastisch sagte, verhungern, aber dabei noch auf 3 Zeitungen abonniert sein. Sie gründen die Waadath Hatarbuth. ein überparteiliches, der Politik entrücktes Kulturamt, es beginnt Wanderbibliotheken einzurichtkn, Arbeiterheime, Abendkurse, Dilettantenorchester und -theater und lenkt sein Augenmerk bereits auf die Kindergärten und Schulen, die es mit Spielzeug und Bildungsmaterial versorgen will. Und dies ist schließlich auch das Institut, das den notwendigsten Schritt der nächsten Zukunft zu tun sich eben anschickt: Annäherung an die Araber durch Ausdehnung des Schulwerkss und dcr Volksbildungskurfs auf sie. Aber freilich, selbst der hingebungsvollste Idealismus kann nicht Güter von Menschbeitswert aus dem Nichts hervorzaubern. Die gegenwärtige Generation der Judenheit wird sich einmal vor dem Richterstuhle der Geschichte zu verantworten haben, wenn dieses welthistorische Werk in den Kinderschuhen stecken bliebe' der Griechen, Araber, Juden. In sein „Paradies" finden die Liebesdichter, also auch Immanuel, keinen Eintritt. Auch die Vernunftsphilosophen sind ausgeschlosien. Es geht dort gar nicht lustig zu, sondern es herrscht in ihm eine ernste und würdevolle Langeweile. So war die Zeit geworden Mose ist ihr gelehriger Sohn. — Das Gedicht selbst, von Goldenthal, 1851, in Wien herausgegeben, zerfällt in zwei Teile. Der erste „Ulam", „Vorhalle" genannt, enthält eine, literarhistorische Einleitung, eine Uebersicht der wichtigsten philosophischen Systeme bis auf Maimonides. Der zweite Teil „Hekhal", das eigentliche Heiligtum, ist die Stätte, in die er die Helden und großen Geister des jüdischen Volkes einziehen läßt. Wie Gahipol feine „Königskrone" mit einen! Sündenbekenntnis schließt, so findet sich ein ähnliches in diesem Teile von Rietis Gedichte. Man hat dies Gedicht vergessen. Neuestens wurde es wieder, wie oben erwähnt. ans Tageslicht gebracht. Und es wurde von einem „hebräischen Dante" gesprochen. Da tut man allerdings dem guten, trockenen Rieti zu viel der Ehre an. Auch als Nachahmer Dantes steht er nicht allzu hoch. Er selbst, der. in seinen alten Tagen, sich mit der Kabbalah beschäftigte, soll die Zeit, in der er sich der Poesie ergab, bereut haben. Dann war er ein strenger, aber gerechter Selbstkritiker, und es nicht anzunehmen, daß er sich für einen Dante gehalten hat, nur weil er diesen Dichter in der Form nachahmte. Terzinen allein geben eben noch keine „Divina Commedia". — Doch gehen wir mit Immanuel und Mose Rieti nicht allzustrenge ins Gericht. Freuen wir uns vielmehr, Nachweisen zu können, wie jede dichterische mrd philosophische Richtung in der jüdischen Literatur liebevolles Verständnis fand. Darin besteht die Größe unseres geistigen Lebens. Wenn der deutsche Minnesang, zur Zeit Walthers von der Vogelweide, einen Vertreter in dem Juden Süßkind von Trimberg aufwies, wie erfreulich ist es, darauf hinzuweisen, daß Dante, auch für die Juden seiner Zeit, nicht vergebens gedichtet. Das Große, das Bedeutende, das fremde Völker hervorgebracht, es hat imrster auf unser Volk eingewirkt, uns angespornt, es ihm gleich oder ähnlich zu machen Dantes gewaltiges Gedicht, das uns nicht allein ein Bild seiner Zeit, in einer erhabenen Allegorie, vorführt, sondern auch die Menschheit zeigt, in ihrem Ringen, Kämpfen und Leiden undfin ihrer endlichen Erhebung zur Gottheit, Dantes Gedicht, das den Menschen den finstersten Tiefen, durch Läuterung und Heiligung emporträgt zu den reinen Lüften des Paradieses, enthält viele Gedanken, die unseren! Judentum nicht fremd sind. Daher fand es schon bei jüdischen Zeitgenossen des Dichters, feines Verständnis. Sie erkannten in ihm die ausgehende Sonne, nach einer langen Winternacht, die Sonne der Wiedergeburt, die auch ihnen leuchtete. Dr. G r ü u f e l d'.?>