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Jüdisches Volksblatt · 1921-07-22 · 51 (22.7.1921) · p. Seite 2

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1921)
Issue
51 (22.7.1921)
Date
1921-07-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Lich heim. Sodann erwidert Jaboiinsky in Zwustündi- Br Rede, beit Einwendungen, bi; gegen seinen brfchlag gemach' worden sind. Ec bezeichnen: <ese altz Nach>fstge des „Kleinzioni-mus", die ium Tel, vom KnNurzionisnms, zi.m Teile vom lervitorialirsmus henoh.en. Er wie erholt daß jje erste Voraussetzung für jebe Arbeit in Palästina die Sicherheit von Lehen und Eigentum Ist, daher sei die Frage des Schutzes! «fitc ihn die nrtscheidende Frage. Er sieht darin den einzigen Wog und vermißt in den Reden seiner Gegner jeden konkreten Vorschlag, wie di; Sach« gewacht weiden könnte. Er bezeichnet die vorgebr che Argumente als -iiermur, der die harten Tat-- fachen gegenüberstehen. Er fordert, daß das A C. einen Besch tust faßt, der es ihm lermög! ch In d« Exekutive zu bleiben und seinen Plan durch- Zufuhren. Nach Jabotinslys Rede entspinnt sich eine GeschäftsordnungsdebaUe über die Frage der Abstimmung, in deren Verlauf sch.iehlich beschlossen wird, das; die vorliegenden Resolutionen in Kommissionen redig'ert und in einer »er nächsten Sitzungen zur Abstimmuna gestellt werden sollen. Tje anderen Resolutionen M de» politischen Fugen werden gleichfalls in einer bereits früher gewählten Resolmionskommission bearbeitet. Damit ist die politische Dekane beendet und Oe Sitzung wird um 10 Uhr <30 Min. abends geschlossen. .Tie von Jabolinsky aufgeworfene Frage rückt von da an in den Mittelpunkt ber Tisku - simi. Es sprechen Tr. Tbvn lWa.schrutz Grünbäum jWarschcu, Tr. Georg Halpern, Tr. Lautke; Weizmann, der infolge einer w chigen Unterredung einem Teil der Debatte nicht beiwohnen konnte, erschien, um 1 Uhr nachts noch schieden, da er am näch'ten Morgen verrerschiede», da er am nächten Morgen vereisen mutz. In der Abend'itzung wurde außerhalb der Tagesordnung ein Tringlichkerisantrag Kaxl n behandelt betreffend das Schick al derj nigen unterwegs befindlichen Chaluz m, welche vom palL-i ftinensichen Einwanderungskommilsär Morris zmückgeroieses worden waren. Es wurde eine Refoltttion angenommen, die dringend fordert, den unterwegs befindlichen Chalunm, die bereits im Besitz englischer Visa sind, dis Eimeise zu gestatten. Um halb zwei Uhr nachts wird chie'S tzung geschlossen. Sitzunq vom Mittwoch, den 13. Juli. . Beide Sitzungen dieses Tages waren den Berichten über die Palastina-Arbeit ^widmet. Ten.'$eoinn machte Ioi'-f Cowen, Schatzmeister der Erestuive. mit dem Berichte der Finanz, und Bndgcffommissicm der Leitung. Dem Bericht, der sich ■ ans die Monate März bis Juni dieses »Jahres erstreckt ist zu entnehmen, daß in dieser Feit durchschnittlich Psd. 22.000 monatlich nach Palästina überwiesen wurden, wovon Pstz. ZWO monatlich für Immigrations)wecke bestimmt waren. Die Ausgaben der Exekutive außerl-alb Palästinas betrugeil im Durschnitt Pfd. 3900 monailich. Die Einnahmen wurden zmn größten Teil a»8 den Sammlungen für den Keren Geulah lPalästinaausbaufondss gedeckt, für den in der Be. richtzeit Pfd. 45.000 entliefen. Hievon hat den „Jüdisches DoflsblaK" 22. IM Löwenanteil itj der Höhe von Pfd. 23.000 die Südafrikanische Ficnistenfödcration gedeckt. Für das Palästinabudaet trug der Keren Hastssod in der ^richtzeit Pfd. 39.000 bei. Unter den Ausgabe-, w-eist Eowen auf die anferordentliche Ausgabe von Psd. 15.000 für die Hiifsaktion nach dem Pogrom in Jaffa hin. Für^ die Zukunft empfiehst Cowen, lim im Einklana mit dem zu erwartenden Geldein. aänaen zu bleiben, die Auslagen für das valästineust ich; Ilnteirichtswesen im kommenden Schtiljahre auf Psd. 50.000 ,u begrenzen. Mt. 51 eingenommen hat. Hi: von stammen 83.700' auS Amerika, 13.2'"0 aus Bestarabien, 12.700 auS Karada, 12-500 von Rucken im Ausland, 11.000 auS Deutschland, 10.600 aus Polen, 7200 aus England, 3700 aus der Tschechoslowakei und der Res: In der N-achmittagssitztmch erstattet Ussisch. fübrlichcs Reierat über die Palästinakin lin ansführliches Reierat über die Palästina- Arbeit. Er skiziert zunächst die Lage im Lande imd meint, die allgemeine Sn Zufriedenheit mit dem Erreichten komnte daher, das; unsere Anforderungen austerordenilich viel höher geworden seien. Unsere Position sei heute politisch, ökonomisch und kulinrell unvergleichlich stärker als vor dem Kriege. In allen Schtvierigkeiien sei intensive Arbeit di; beste 5-ilfe. vssischkin erwidert aus einige der Borwürfe der Rcorganisationskommission, geht dann zur politischen Lage und zur Araberfriuze über und ' rechtfertigt ausführlich den Bedenkauf in der Emek Iesreel, der uns 50.000 Dunam Boden im Herzen Palästinas gebracht chat. Sodanit legt er das Budget für die Palästinaarbeit im kommenden Jahre vor. Das Referat Ufsischkins wird durch gründliche Darlegungen vom Artur Ztuppin ergänzt, der zunächst auch auf die Beschuldigungen der Neoraa. nisalioiiskvmmission kurz einaehk. Um die heutige Lage und die bisher cmgewendeten Methoden zu verstehen, müsse man sich an die Zeit vor dem Kriege erinnern, wo tmler Palästinabildget nicht so viel Franken betrug als heute englische Pfunde und wir desbalb eine „Pfennigkolonisation" treiben mnßten.Er berichtet über verschiedene Käufe städtischen Bodens aus dem >vir heute über 12.000 baureife. Parzellen verfügen. Tie größte Tat deS letzten Jahres war der Kauf in Emek Isreel. wo wir dastir Sorge getragen haben, daß die Verkäufer den bisl>eri'gen arabisckM Pächtern anderen Boden zuweisen. Eine weitere wichtige Tat war die Gründung der Arbeiterbank. Ruppin gibt dann weitere Erlätiterungcn znni Valästinabud^et. in. welchein für da? kommende Jahr an geschäflickvn Anlagen Pfd. 1,100.000 und an nichtgeschäftlichen Anlagen Pch. 400.000 vorgesehen sind. Unter den geschäftlichen Anlaaen sind die wichtigsten: Pfd 800.000 fiir Bodenkcmf und Aineliordationen durch den Jüdischen Nationalfonds. Psd. 200.000 für Kredite für städtischen Kleinbamsbau, Vsd 325.000 für Ansicdlnng landwirtschaftlicher Arbeiter und landlvirtsckmflick>e Kredite und Psd. 50.000 für Beteilimmg an Rutenbergs Bcwassenmgs vrojekt. Die nichigeschäaflichen Attlagen sind bauvtsächlich für Schulwesen, landwirtschaft. Versnchd. slationen, soziale Fürsorge, Sanitätsweien twd erste Füriorae für Cmionndcrer bestimmt. ans verschiedenen anderen Ländern. Von den Einnahmen sind Pfd. 72.000 bereits ausgegebm, fast ausschlieklich für Arbeiten in Palästina. Die Zetchnungscrklärungen in den Verelnigten Staaten belaufen sich bisl-er aus 5 Millionen Dollar. Z l a t o p o l s k i spricht über die Bedeutung be§ Maasser, Iabotinfki über die Propagandatätigkeit des Keren Haieslod. Tagesordnung des xii. Kongresses. Die A.-K.-Sitzung hat für den xii. Kongreß folgende Tagesordnung beschlossen: 1. Tag: Eröffnungsreden von Weizm a n n und S o k o l o w, Begrüßungsansprachen: nachmittags Wahl des Büros und andere Formalitäten, womöglich auch Beginn der Generaldebatte, da der Bericht der Exekutive gedruckt vorgelegt wird. 2 und 3. Tag: Generaldebatte. 4. und 6. Tag: Pglästinafrage. An den folgenden Tagen erfolgen Referate über Finanzen, Finanzinstitute, Keren Hajeffod und die Organisation. Sonntag, den 11. September soll der Kongreß geschlossen werden. * Der Empfang durch die tschechoslowakische Regierung. Am Donnerstag, den 14. ds. fand im Luzerna-Saal die feierliche Begrüßung des Großen A.-K. durch unsere Regierung statt. In Vertretung der Regierung war der Sohn des Präsidenten Legationsrat Jan M a s a r y k, in Vertretung der englischen Regierung der Gesandte Sir Clark. Die Eröffnungsansprache hielt Mitglied des tfchechosl. Z.-K. Norbert Adler, begrüßte Sitznny vom Don«ersrog,.den 14. Juli. In der Normittnqsntzuv.s' bericknet zimächst Prof. Marburg über den Nationalfond^. Dem Bericht ist unter anderem zu entnebmen, das der Jüdische RationnlfndS bis Juli 1920 bloß 16.000 Dunam Boden, Ende 1920 bereits 22.000 Dnnam besaß, welche Fahl freute Donk dem Ankauf im Emek Iesreel auf 72.000 Dunam gestiegen ist. Um verschiedenen Gerichten entnehmen zu können, stellt Prof. Marburg, fest, daß die Regiennkosten deS Nationalfonds nicht ganz 2 Prozent der.Einnahmen betragen. L i ch t h e i m berichtet über die Arbeit deS Palästinaimd Jmmigrationsdepartements der Exekutive in London und über, die manigfaltigen Schwierigkeiten, welche sich bei der Bewältigimg der mit der Einwanderung zusammenhängenden Fragen ergebe». Vom Februar 1919 bis zum Mai 1920 seien r>md 14 000 Juden in Palästina neu cingewandert. Es folgen die Referate über den Keren Hajessod. Feiwel erörtet die allgemeinen Fragen der Konstitution deS Keren Hajeffod, die endgültig erst beim Kongreß geregelt werden sollen. R o s o w erstattet dm Finanzbericht, den« zu entnehm ist, daß der Keren Hajessod bisher Pfd. 154.000 bar W nid: 7# lestti-' weil lüchi ’ gern ' i se» , imu . Anl Ich übe' Skt 4‘: ntar. «ro sie Ich s leig zu verdanken habm. Weizmann hatte die größten Schwierigkeiten bei dieser Arbeit zu überwinden. Er begegnete Störungen und Hindernissen von innen und außen. Es bildet kein Geheimnis, daß Mitglieder deS englischen Kabinetts, besonders Lord Derbti, entschieoene Gegner eines jüdischm Heims in Palästina waren, dazu kamen noch die Proteste der sügischen Assimilcmtcn Englands und Frankreichs, welche mit Volldampf arbeiteten. .-Weizmann arbeitete unermüdlich, er zog Sokolow und Andere zu, welche ihm Hilfe und Beistand leisteten. Er tchrack vor keinm Hindernissen und Stönmgm zurück: weder vor der Kritik mancher Zimssten, welch« beklagtm, daß daS Manda! nicht gmung deutlich wäre, noch vor den reichen luven, welch "" "*r'-r«- ----- r“ «den Juden, welche alles möglich' zur Schädigung seiner Pläne ausboten. Er verlor keinen Augenblick seinen Mut und seine Ausdauer Es gab Zeiten, wo die Aussichten eines Erfolges sehr trübe und schwache wa^en. Zeiten, wo ein anderer als Weizmann alle Arbeit für verlorm czehaltm hätte. Weizmann verlor den „Bitachon" nicht. Die Ärbeit ist noch nicht zu Ende. DaS Mandat ist erteilt worden und die schwerste Arbeit stir Weizmann kommt setzt, wo es sich darum haudelt, daß die Juden selbst Hand anl> gen imd das Land Israel mifbauen sollen. Diesem Zwecke gilt die Anchesmheit Weizmanns in Amerika. Bisher war sein Bestreben und Bemühen bei den Staatsmännern die Möglichkeit zu erwirkm, Palästina als Heimstätte einrichtm zu dürfen, jetzt mit daß die Juden diese Gelegercheit nicht unbe niitst fmlm. Hoffen wir. daß es Weizmann aelin die ztveite Hälfte seines Programmes ne ihm die erst« gen werde, durchzusühren wie ihm di oelungm ist. Hälfte desselben s„Selbftwehr.") Buchbesprechung. „Sünder und Schelme", ein Novellmbuch von Otto Rung 1921. Georg Müller Verlag A.-G. München. Preis 19 Mark, geb. 24 Mark. — Otto Rung ist diesmal aus der gesellschastlichen Splmre zu dm Verbrechern und Sündem hHabgestiegen, dmen er «in Novellenbuch voll Leben lind Realität widmet. In 6 Erzählimgm zeigt sich hier wieder RnugS tiefes vsychaloaisches Erfassen menschlicher Handlungen und Trieb«, wst genialer Virtuosität geht er dm Gedankengängen der Verbrecher u. Richter nach u. gestaltet die Charaktere uit sicherer Hand; gleich groß im GroteSkm und Phantastifchm, wie im Realen und N-aturhaften weiß dieser Skandinavier noch immer etwas Interessantes zu fagm imd mit Vergnügen nimmt man auch dies. Büchlein Rungs zur Hand, um so mehr als es auch d«S Humors nicht entbehrt. Jvl. mer wieder bestaunt man die Vielseitigkeit eines Dichters, der noch lange nicht nach Gebühr bewertet wird, wenn er auch ein großes dmtchlesendes Publikum besitzt. Eine seiner besten Erzählungen im vorliegenden Novellenbuch ist „Der Dschmtgel", in dem der Strafrichter Erik Nesm mit allen Finessen moderner Justiz dm Deliguenten zmn Geständnis zwinat. — Der Verlag hat es sich angekggn lassen, daS Buch sehr gtzt auSzustasten. Oberrabbiner Dr. B r o d y hebräisch. Nach den Dankesworten des Präsidenten des I. N. R. Dr. Ludwig Singer an Sokol o w sprach dieser englisch und hebräisch, er schilderte seine Verhandlungen mit dem Präsidenten Prof. Dr. M a s a r y k und Minister Dr. Bene«, er dankte auch dem Vertreter Englands, dessen Staat als erster dem Zionismus aktive Hilfe geleistet hat. Sir Clark erwiedert in englischer Sprache, daß es ihn freue, mit Mr. Balf o u r an der Deklaration mitgearbeitet zu Hasten und schloß mit den. Worten: Eine Bewegung, die Männer wie' Masaryk und Bene? unterstützen, die Persönlichkeiten, wie W e i z m a n n und S o k o l o w führen, könne nicht hoch genug gewertet werden. Theodor Herzl. Ein Blatt der Erinnerung zur 17. Wiederkehr seines Hingangs. Das lind jetzt wohl 44 Jahre. Die alte Wiener Universität steigt vor unserem Blicke auf mit ihren grauen Mauern, ein Bild vergangener Zeiten. In ihren muffigen Räumen, in denen soviel Gelehrsamkeit verbreitet wurde, war nicht gut zu weilen. Da haben es die jetzigen Jünger der Wissenschaft in dem Palaste, den ein großer Künstler geschaffen, besser. , Wenn so ein Moderner'sich auf den alten Universitätsplatz begibt, durch den Schwibbogen von der Wollzeile auf ihn gelangt, da tritt ihn; zunächst die Iesuitenkirche entgegen, in der wir oft den Pater Klinckowström seine Fastenpredigten donnern hörten. Ein großer Redner war er, ausgerüstet mit den Waffen der Wisienschaft und Literatur und er donnerte gegen die Kinder der Welt, gegen das Tun und Treiben der Weltastdt, die er mit dem alten Babel verglich . . . Doch nicht von ihm wollen reden und nicht von seiner aristokratischen Zuhörerschaft, die sich zu seinen Predigten in heilen Scharen drängte . . . Der eine Trakt des alten Universitäts-Gebäudes dehnte sich ln der grauen Bäckergasse aus. Zu ebener Erde war die „akademische Volksküche". Denke man ja nur nicht daran, ifaß dort körperltche Atzung zu erhalten gewesen wäre. Die bekam man für einen Preis, der uns jetzt märchenhaft gering erscheint, in der, von Studenten meist ausgesuchten, in der nahen Schöiilaterngasse. wo sich auch ein uraltes jüdisches Bethaus befindet, vielleicht, mit Sicherheit kann ich's nicht sagen, das älteste Wi-nI. Mag wohl seit dem 13. Jahrhunderte oder noch länger bestehen. Möglich, daß in ihm Jsak Or Sarua gebetet und seine Halachoth vorgetruyen . . . Frühstück bekam man für 8 Kreuzer seliger, österreichischer Währung beini Schmavswaberl in der oberen Bäckergasie . . . Entschwundene Zeiten. Unter'm Schwibbogen war das Hotel „Moritz". Denke an kein vornehmes Gasthaus, der. du diele .Zeilen überttieakt. Moritz war ein Greisler und verkauft. Schusterlaberln und Käse. Olmützer kunft, an hungrige Studentenmägen i Und die „akademische Volksküche", hör« j» fragen? Das war eine Küche des Geist« ständiger Aufenthaltsort für die Juno» der Wissenschaft, es war die akademisch. Lesehalle, mit ihrer Bibliothek, ihrem Lch. und Studierzimmer, im Winter wohl'ge. heizt, daher, besonders dem armen Studrm ten, ein billiger Zufluchtsort. Dort wurde schach gespielt, studiert, disputiert, deba». tisrt. Viel, viele politisiert. Denn die akade. mische Lesehalle vereinte tausende Stuben, ten, die den neun verschiedenartigen Nationalitäten des im Herrn entschlafenen Oesterreich-Ungarn angehörten. Vereinte? Das ist wohl nur im übertragenen Sinne zu verstehen. Die alte Lesehalle war ein Bild der 'zertrümmerten Monarchie in, kleinen. — Zwischen den schachspielenden lebhaft disptitierenden Deutschen, Magy». ren, Tschechen, Sloweneit, Italienern, Po.' len, wer nennt die Völker, kennt die Na. men, die alle hier Zusammenfamen? sehen wir eine Gestalt sinnend, schweigend, den. kend, einherschreiten, meist allein, sich um die Debattierenden wenig oder gar nicht kümmernd, eine Gestalt, die jedem auffallen mußte. Ein junger Mann war es, bartlos, vornehm, nach der neuesten Mode ge. kleidet, das Auge, in dem vergeistigten Ge> sichte, dunkel leuchtend. Das war kein gemöhnlicher Mensch.. Jeder, der ihn erschaute, mußte es sich sagen. Wir nannten ihn den „großen Schweiger". In der Tat ein Moltke, der Gedanken war er, der Feld» berrnpläne ersann, in seinem Geiste mach, tige Gedanken wälzte. Hier das Bild des jugendlicken Juristen Theodor Herzt Er redete wenig lind dachte viel. Sellen sah man ihn über eine Zeitung geneigt, selten griff er in die Debatten eifrig politisierender Studenten ein, er hielt sich übeL den Parteien und lächerlich klingt es heute wenn von einer geschwätzigen Zeitung erzählt wtlrde, er sei ein Anhänger bei deutschnationalen Richtung, ja Schönerer; damals gewesen. Man verwechselt — wir sind über diese Zustände gut unterrichtet — die akademische Lesehalle mit dem Verein« detltscher Studenten." Dort allerdings gab es deutschnationale Studenten und deren Führer war zu jener Zeit ein jüdischer brikantensohn — er hieß Abeles. Än Ln Spitze der akademischen Lesehalle stand damals ein jetzt sehr bekannter Wiener Advokat, ist Regierungsrat, Iustizrat oder noch was höheres geworden, Vertreter ehemaliger Erzherzoge, sow'e des gestürzten Königs von Bulgarien. Auch ein bekannt« Wiener Journalist und Shakespeäreforscher weiß von den Kämpfen und Schlachten zu erzählen, die. van 1877 und 1879 auf dem Boden der akademischen Leßehalli zwischen den Nationen des vereinigten Oesterreich-Ungarn geschlagen wurden. Di« Kämpfe endeten, im Jahre 1879, mit dem berühmten Lessing-Kommers und mit der Auflösung 8er Akademismen Lesehalle. Die Polizei hatte ihr letztes Machtwort gesprochen. Doch wir wollten Theodor Herzls gedenken. Den stets sinnenden und still beobachtenden jungen Mann mußten die nicht sehr erbaulichen Kämpfe, in denen Juden und Juden einander aegenüberstanden, deutsche und slawische, magya-' rische und italienische Juden, mächtig erregen. Wohl sprach er noch gar nichts über jüdischen Nationalismus oder Zionismus, aber die Frage warf er sich auf, wie sich Iuden für die Streitigkeiten dieser verschiedenen Nationalitäten begeistern konnten, während, sie ihrer Nationalität ganz vergaßen. Da war ein Jlide wütender Teu> tone, der andere nicht minder wütender Kroate. Damals sprachen wir zum ersten Male über diese traurigen Tatsachen, diistere Blicke warfen wir in die Zukunft, die sich, während die liberale Parte? von Tag zn Tag mehr ihrem Niedergange entgegeneilte, Schönerer und die slawischen Parteien an ihrem Sturze arbeiteten, gar dunkel gestalten mußte. Schon in jenen Tagen dachte gar mancher au den Zusammenbruch Oesterreichs, nur durfte er denken, nicht sprechen. 0 * Me Sn1 SÄ Ziele im 5 liebt, die verkehren Surt* l E? best f>4 §erzlveiM; tat mr < tü, M' net reim ich her Mwe h er, es m dem »er hier, w! ch« M im hiefig dies uoa Zeiten fr entwickelt unvergei herzl! der Stu Tage m erreichte ücht, dilrck sei gangen. mensch Worten Jen, wo ims, in chu fr wesen, l hs. 5m (iibt, len ist er vor un i-mßage «wslsm, 2i tt« eim SHa i ersten 5 Frage.; Literatn eiet id men bei nnb (je Ich erinnere mich, wie ich mit Herzl über die Kolonisation Palästinas, in kurzem Gespräche, mich einst unterhielt. Cr lächelte über diesen Gedanken irß seiner milden Art. als stielte er ihn für eine Ausgeburt studentischer Schwärmerei. .Wie bereits gesagt, er selbst griff in die oft stürmischeu Debatten der Studenten wenig ein, tat er es aber, waren es nur wenige, jedoch höchst inhaltsvolle und bedeutsame Worte» die er rLdalwma» f/uiMit» U»m normt. daE

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