Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1921-04-22 · 30 (22.4.1921) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
3 (1921)
Issue
30 (22.4.1921)
Date
1921-04-22
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
90% known words query
IRI
…/9610648-9611118-9610801--149-9610803
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Setze 5 . Freitag „Jüdisches Volksblatt? 22. WK Nr. 30 q den fi ®55; :[r kich c P< HiifiE'"* s [ot1 fafet, ®ßi »ine I!?1 3er ¥ zebi tw'. 8rr E jkisj Itijgcj. ] **$ fern 1;» «Tr; ba( ffify' , »n? An- . E»i>. tzpx - en wü- : °d SU lec tor. El der w m er s-r Xv: 3 B- •- D r enk de r in i « Eintritt eines Vertreters des Rtisrachi in das Direktorium deS Keren Hajcssod. Das Direktorium des Keren Hajessob icilt mit, daß Verhandlungen, die zwischen dem Tirektoriwn des 'Keren Hasessod und der Föderation des Misrachi geführt worden sind,?n dem Eintritt von Herrn Prof. Pick, als Vertreter des Misrachi. in das Tirektorinin deS Keren Haljessod geführt haben. Herr Prof Pick, der sicheln den letzten Monaten in Palästina anfgehalten hat, STt zur ülbwicklnng der ihn in Palästina beschäftiaenden Angelegenheiten dorthin? lrriidbeMirt imd wird nach seiner Rückkehr nach London feine Funktion als Mitglied des Direktoriums ausnchmen. Das Direktorium des Keren Hajefsod derhandelt auch mit der Foederation der P o a l e?> i o n wegen Eintrittes eines Vertreters in das Direktorium. . Keren H ajessod und tschechische Juden. In der KultuSgemeinde-Vcrsammluug, welche in Beneschau bei Prag amf 10. d. M. in der Angelegenheit des Keren Hajessod stattfand, und in welcher Rabbiner Dr. Ottokar KrauS über die Keren Hajessodaktion referierte, ergriff auch der Kultusgemeinde-Präsident Dr. Julius Taussig, einer der angesehensten Führer der tschechischen Juden, der sich besonderer persönlicher Achtung sämtlicher jüdischer und nichtjüdischer Parteien erfreut, das Wort zu folgenden Erklärungen: „In der Keren Hajessodaktion erblicke ich keine spezifisch zionistischesondern eine alljüdische Angelegenheit. Alle, die wir uns unseres Judentums bewußt sind, in welcher Form wir es auch auffassen (religiös, ethnisch nsw.), haben ein lebhaftes Interesse daran, daß denjenigen geholfen wird, die wegen ihres Judentums leiden. Ich selbst bekenne mich zu den tschechischen Juden und bin über mein Verhältnis zur tschechisch-jüdischen Bewegung ganz im klaren aber ich binr fest davon über 'zeugt, daß die assimilatorische Richtung mich absolut daran nicht hindert die Keren Hajessod Aktion zu propagieren und wärmstens zu empffehlen." Mandate und Konzessionen. I i.Bvn unseren: Sp. Korrespondenten.) lLondon, den 6. April 1921. In der ersten Sitzung des Unterhauses naich den Osterferien stellte Lord Robert Cecil di» t*m ihm schon früher «ngekündrgte Anfrage an die Regierung, vb dieselbe mit der sofortigen Einsetzung eines Sonderkomtzees des Unterhauses " einverstanden ist welches die Mandatsentroürfe, wie lie durch die Negierung dem Rat oes Völkerbundes unterbreitet worden sind dder unckerbrcitet werden, zu behandeln und darüber dem Hause zu berichten hätte. Die Antwort auf diese Anfrage erteilte LloydGeorge. Er sagte: Ich -glaube nicht, daß die Einsetzung eines besonderen Komitees einem nützlichen (Zweck dienen würde und habe (nicht (vor/m Dem von Lord Eeci! angeregten Sinne vorzugehen. Lord Cecil weiß sehr wohl, daß es mit Rücksicht darauf, was nun einmal die Bedingungen für das Zustandekommen eines Vertrages sind, außerordentlich schwierig ist. Eine Diskussion darüber durch ein Komiteevortzunehmen. Es wäre eine sehr weitaehendeAbweichung Äon allen Präzedenzfällen, wenn Man einen Schritt der vorgeschlageneri Art unternehmen würde. Die Mandate sind veröffentlicht worden und das Hvuje of Commons hat die lFrage wiederholt diskutiert. Lord Robert Cecil stellte hierauf die Gegenfrage: Lst sich der Ministerpräsident bewußt, daß die Tisrussion notwendigerweise von einem ganz allgemeinen Charakter war und daß die Mandate es vielleicht mit sich /bringen, daß. diesen! Lande eine sehr crhcbsi.be Ausgäben-- last auferlcgt werden wird. Lloyd Geor'gs erwiderte: Ich gebe das zu, aber sch glaube nicht, daß das Haus mit Nutzen derartige Angelegenheiten zweckdienlich behandeln kann außer auf dem Wege allgemeiner Instruktion die er Art an die Regierung. I '• In der darausfolgenden Sitzung vom 5. April kam die Frag? der Mandate wiederum zur Behandlung, indem der Abgeordnete Lyse Samuel die Frage stellte, wann die Äbgeord neten eine Gelegenheit haben weren, dir Man dato zu diskutieren. Mr. Chamherlain, der jetzt an der Stelle von Bonar Law die Regierung im Hause vertritt, wies den Fragesteiler auf die tagszuvor von Lloyd (George gegebene Antwort. Lyle Samuel stellte hierauf die weitere Frage: Ist sich die Regierung lbewußt, daß im ganzen Lande der allgemeine Wunsch besteht, daß eine volle Diskussion über die Mandate im Parlament st-tttsindet, bevor sich das Land verpflichtet, irgend ein'Mandat anzunehmen und daß die Autorität bezüglich der Mandate von einer Entscheidung des Parlaments ausgchen solle- Er bekam von Mr. Chamberlain die Antwort: Diese Angelegenheit ist zur Gänze gestern vom Ministerpräsidenten behandelt worden und ich habe tzu seinen Ausführungen nichts hinzuzufügen. Wenn aber ein Antrag, unterstützt dur-ch eine beträchtliche Gruppe des Hauses vorgebracht wird mit dem Vorschlag, daß England das Mandat für irgend eines der Mandatsgebiete zu übernehmen sich weigern solle, so werden (wir matürlrch die Gelegenheit haben, einen solchen Vorschlag zu diskutteren, aber ich mußtzuerst diesen!Voyschlag vor mir haben. Damit ist also die Stellung derRegi^ung klar vorgezeiHnet- Sie will eine Diskussion über die Einzelheiten der Mandatsentwürfe nur dann im Parlamente eröffnenflässen, wenn der Antrag auf Ablehnung eines Mandats gestellt wird. Wird ein solcher Antöag nicht gestellt und das Recht derRegierung, damit auf Grund früherer Beschlüsse über das Mandatssystem vorzugehen, nicht in Frage gestellt, (o will die Regierung die Einzelheiten her MandatsentWürfe nicht als Angelegenheit parlamentarischer Diskussion, sondern als Angelegenheit» der Ausführung prinzipieller Richtlinien betrachten und tue Mandatsentwürfe nur dann dem Parlament vorlegen, wenn sie schon die Bestätigung des Völkerbundes gefunden haben. Es besteht allerdings die Wahrscheinlichkeit, daß dem Bedürfnisse nach Aussprache über die mit dem Mandat zusammenhängenden Fragekompleren dadurch gedient werden wird, daß Chu» chill nach seiner Rückkehr mit einer Erklärung über die Ergebnisse seiner Verhandlungen in Aegypten und Palästina und über die von ihm beabsichtigte Politik vor das 'Haus ftre.cn wird. Während dieser Diskussion, die Mehr >odec! weniger eigentlich eine Frage der konstitutionellen Kompetenzen des .Parlaments behandelt, entwickelte sich die Auseinandersetzung über konkrete Fragen der Verwaltung und ökonomischen Behandlung der Mandatsgebiete- In der Sitzung vom 4. April antwortete Amery, der zwar schon zum Ilnterstaatssekretär der Admirasit - : ernannt worden ist, aber in Abwesenheit Churchill's noch das Kolonicüamt vertritt, auf die Anfrage eines Abgeordneten bezüglich der Erteilung von Konzessionen in Palästina, daß keinerlci Konzessionen für die Entwicklung von Arbeiten irgendwelcher Art, mit Einschluß von Konzessionen für Bohranlagen für Petroleum erteilt worden sind aber mit Rücksicht auf die lange Verzögerung, welche in Bezug auf die Ratifizierung des Fr'edensvertrages von Sevrom emgetreten ist, und mit Rücksicht auf die dringende Notwenoigkeit, die ökonomisch« Entwicklung Palästinazu beschleunigen, habe der Kolonialfekretär in Beratung mtt dem Oberkommissär von Palästina eine neue Politik, in Erwägung gezogen, der zufolge Ansuchen für Erteilung von Konzessionen zur aufbauenden Entwicklung des Landes und für Pläne, die Beschäftigung von Arbeitern zur Folge haben, bewilligt werden könnten unter folgenden zwei Voraussetzungen: 1) daß die Bestimmungen des Mandatsentwurfes ftzr Palästina genau innegehalten werden; 2) daß die Konzessionen nicht!in Widerspruch mit irgendwelchen bestehenden Konzessionen sind, die auf Grund ves jArtiekls 311 des Friedcnsoertrages von Sevres behandelt werden müssen. Es sei aber gegenwärtig keine Abänderung der Entscheidung oorgeschlaaen, wonach keine Konzessionen für Bohroerfuch« nach Lelvorkammen gewährt werden s» l. bevor der Vertrag von Cevres in Clraft tritt. Der Abgeordnete Lambert stellte die Frage, wann der Kolomaliekretär die Erklärung über seine Politik im Parlament tu erstatten gedenkt. Amery erwiderte, daß die Hoffnung besteht, daß Churchill die Resultate seiner Reis« so schnell als Möglich dem Parlament berichten werde, nachdem er 'sie dem Kabinettsrat vorgelegt haben wird. Hierauf kam her Abgeord-. nete Karl Winterton nochmals auf öie Frage! der Erteilung von Konzessionen zurück, indem! er eine Verpflichtung der Negierung verlangte,! daß Konzessionen, wenn sie überhaupt gegeben' würden, jedermann erteilt werden sollen, der um sie ansucht, und nich.t unbedingt an Mitglieder einer bestimmten Rasse. Amery erwidert«, daß keine ausichsießlich« Vorzugsstellung^ erngeräumt werden würde. \ Diese Tiskussiron ist für die ökonomisch« Entwicklung Palästinas von außerordentlicher Bedeutung, und zwar auch schon für die nächste Zukunft. Bekanntlich hat die Militärverwaltung jede ökonomische Entwicklung und Arbeit in Palassina mjt dem Hinweis darauf unterbunden, daß vor dem Inkrafttreten des Mandats keinerlei Konzessionen und Erleichterungen gewährt werden können. Dieser Zustand hat sich seit der silebernahme der Verwaltung der Geschäfte durch die Ziviladministtatton außerordentlich, verbesserst, sodaß wenigstens der drückende Bann, 'der äks Folge des Krieges so lange über Palästina (lastete, eimgerMassen gehoben wurde. Es sei nur auf die Wiedereröffnung der Land-Register hinge, wiesen. Trotzdem ist eine Reihe von (Arbeiten von größter Bedeutung deshalb nicht hu Stande gekommen, west auch die Zivilverwaltung Sir Herbert Sämueks, wahrscheinlich auf Grund der Instruktionen der Londoner Regierung, sich darauf berief, daß sie Lezügsich -größerer .Fonzejsionen nichts unternehmen könne bevor das Mandat in Kraft betreten fcin wü d. Gegen diesen Zustand sind schon seil Monaten die ernstesten Vorstellungen erhoben worden. Den Erklärungen AMerys jst nur zu entnehmen, daß die Verhandlungen mit Churchills y. Herbert Samuels zu einer Ve.cheßcrung dieses Zustandes geführt haben. Es dürste demnach möglich hin, bestimmten Plänen jetzt fftott näher zu treten, die zur Eröfri'.unz neuer Arbeitsgebiete führen, foferne die DestiMM.ungcn des Mandatsentwurfes hierfür einen genügenden Spielraum lassen. Es ist klar, daß diese Mandatsbcsümmungen hinreichend weit sind, um der Verwaltung keine Hindernisse in den Weg zu legen, wenn ihr sonttete Vorschläge zur Genehmigung vorgelegt werden. So west, es .sich um Vorschläge von jüdischer Seite handelt, ist di? Verwaltung allerdings nicht gezwungen, diesen Vorschlägen eine absolute Vor-, zugsstellung einzuräuMen; sie ist aber andererseits verpflichtet, alle ihr zugehenden Vorschläge daraus zu untersuchen, ob sie demZcheck dienen, die Errichtung des jüdischen uationülsn Heims zu beschleunigen. So wird sich ln ccr Praris sehr bald Zeigen, welchen Wert bte allgemeinen Bestimmungen des Mandats k». litzen. Es ist von be>ondereMInteresse, daß kiesi Probe aufs Erempel schon gemachtwerden kann, bevor noch das Mandat rechtsgültig gcwor? den ist. Darum sind die Erklärungen im englischen Parlament über die zwischen Churchill und Sir Herbert Samuel vereinbarte Posirii nickst nur von weittragcnder pca'tischer Beaene tung, sondern sie werden auch wertvolle-; Material zur Beurteilung der politischen Gualitä? ten des Mandats liefern. Kurz nachdem diese Aussprache im Parlament über die Konzessionen in Palästina stait» gefunden hat, ist vom Auswärtigen Amt in London die (Korrespondenz veröffentlicht worden; die in Bezug auf die ökonomischen Rechte in den Mandatsgebieten und mit spezieller Bezugnahme auf die mesopotamische Petraleumftage zwischen dem amerikanischen „State- Dcparlmmt" und dem „Foreign Office" ausgetauscht worden ist. Der Hauptteil des Notenwech'els bezieht sich auf diese mesopotamische Petroleumfrage, die an und für sich von Bedeutung ist, aber mit der Palästina-Frage an sich nur in f ole* stem Zusammenhänge steht; immerhin ist ein solcher Zusammenhang vorhanden, da die amerikanische Regierung ihre Vorwürfe gegen die britischen Verwaltungen in Mesopotamien und Palästina gerichtet hat. Auch bezüglich Palästina bildet die Frage des Petroleums den Angelpunkt der Diskussion zwischen Washington und London, denn die nmereikanische Regierung steht auf dem Staondpuntt, daß kie Rechte anerkannt werden Müssen, welche die Standard Oil Company bezüglich der Oelvorkommen in Palästina von der türkychen Negierung erworben hat. Tatsächlich hat schon znr Zeit der Militäroelwaltung in Palästina die Standard Oil Company versucht, mit Bohrungen nach Oelvorkommen einzusehen, ist aber von der Militärverwaltung daran verhindert worden, welche sich ans den Standpunkt gestellt hat, daß auch einer amerikonsichen Geselistchuft gegenüber gelten muß, das derartige Arbeiten nicht in Angriff genommen werden dürfen, bevor das Mandat rechtsgüliig geworden ist und die Berechtigung aller vorher erteilten Ko, izessronen endgültig geprüft und klargesteltt worden sind. Demnach kann sedenfalhoir äMriianische Regierung für die TürkisHPetrolcu^ I:: r» Feuilleton. Ter Zauberkünstler. von I. L. Perez. > Zir ein Städtchen Wolhyniens 'kam etnmal ,-irt Zauberkünstler. Wiewohl es vor Pessah Zwar — zu einer Zeit also, da man mftr Sorgen als Haare auf dem Kopfe hat — „rächte sein Kommen doch größeres Aufsehen. War das ein Rätsel von einem Menschen! Die Kleider zerrissen und einen eingedrückten Zylinderhnt auf dem Kopfe. Das Gesicht durchaus jüdisch, doch der Bart wegrasiert. Bon SchAfeulockun keine Red? Nird nie sah »aan ihn essen, roeder erlaubte, noch unerlaubte Speisen. Da soll einer klug daraus werden. Woher? Aus Paris. Wohin? Nach London. Hat sich hierher verirrt. Ging offenbar zu Fuß. Ins BethauS kam er auch nicht, 'selbst nicht tttt großen Sabbath. sind stand man um ihn herum, so verschwand er plötzlich, als ob ihn die Erde verschlungen hätte, und tauchte Euf der anderen Seite des Marktplatzes wieder auf. Bald hatte er einen Saal gennetet und fing an, seine Kunststücke zu zeigen. Ganz großartige Sachen: verschluckte vor aller Leute Äugen glühende' Kohlen, als ob es Suppenflcckchen' wären, fchg aus dem Munde allerlei Bänder heraus, rote, grüne und,Gon ivelcher Farbe man nur ivollte. und lange wie der thaluth (das Exil). Förderte aus einen;ü§tiejcllchast sechzehn Paar Truthähice heraus, lvic Bären so groß, die wirklich lebtew,arnd lustig über die Szene flatterten. Hob einen Fuß in die Höhe und scharrte von den Schuhsohlen goldene Dukaten ab — eilte ganze Schüssel voll. Natürlich klatschte man Bravo. Da: bsiff «rund eine Menge seiner Sabbathbrote schwirr'e plötzlich durch den Raum, tanzte unter der Decke. Ein zweiter Pfiff — und älles war wieder verschwunden, als ob es gart'Nicht dagewesen wäre. Alles: Bänder, Truthähne usw. Nichts war zurückgeblieben. Nun ja, inan weiß cs doch, daß sich der Teufel auch etwas leisten kann. Dieiägyptischen Schwarzkünstler haben wahrscheinlich noch größere Kunststücke zustandegebracht. Doch ein?: Wie konnte er nur dabei so arm sein? Ein Mensch der von feinen Schuhsohlen Dukaten abscharrt und sein Quartier nicht ^bezahlen kann! Der rnit einem Pfiff mehr Sabbathbrote bäckt als der größte Bäcker im Backofen, der Truthähne aus dem Stiefelschaft zieht und dennoch «in langgezogenes Gesicht hat, wie ein Sterbender und flackenden Hunger in den ,Augen". . . Wahrscheinlich eine fünfte.Frage für den Sederabend, sagten die Leute. - Nun wollen wir den Zauberkünstler bis rum Sederabend verlassen und inzwischen Chajim Jojne und sein Weib Riwkcs Beite aufsuche». Ehajim Jojue hatte einmal ein'großes .hotzgesclstift betrieben und schließlich sein ganzes Vermögen eiugebüßt. Dann war er „Waldschreibcr" gelvordcn, aber auch die Stellchtvar bald -verloren. - Nun letzte e.r-xing Mihe - vog. Monaten im Elend. Ter Winter war in schrecklichen Nöten vorübergegangen, uicd jetzt kam das Pessahsest immer näher. Zum Verpfänden war nichts mehr da, dennZalles, vom Hängeleuchter bis zum letzten Kissen, war schon im Leihamt. Riwke Beile dachte au Gemeindeunterstützung. Doch Chajinr Jojne wollte davon nichts wissen. Er mochte sich nicht bloßstellen und vertraute aus Gott, der schon helfen werde. Riwke Beile suchtet mehrmals in allen Winkeln nach und fand, welches Wunder, einen alten, ausgeriebenen silbernen Löffel, denn sie schon seit Jahren verloren glaubten. Aber Chasim Jojne nahm den Löffel, verkaufte ihn und trug den' geringen Erlös in die Kasse, aus der tman die Armen für das Pessahsest unterstützt. Die Armen gehen vor, sagte er. Inzwischen rückt die Zeit immer näher, es blieben nur noch wenige Wochen brs Pessah. Chajim Jojne wartete voll Ve.-trauen auf 'Gottes Hilfe. Und Riwke Beile schwieg. Die Frau^ muß dem Man.re gehorchen, Und Tag auf 'Tag verran. Rcwie Beile santz keinen Schlaf, weinte die Nä.lpr durch, still, daß ihr Mann sie nicht hörte. Und die Tage waren iwch schlimmer. Da niußte sic sich a^ch noch vor den Nachbarn hüren, n.nßtc sorgen, daß sie ihr das El'"d mcht cisi,ahen. £),. diese Blicke der Neugier und des Mitleids, die sie wie mits Nadllu siach-u' Und dresr Fragen: Wann backt ihh Mazzotb? Habt ihr schordie roten Rüben eingelegt? Oder iueuit es nähere Bekannte waren; Aber, lvG^gcht-denn.bei cu fefcor, Wwke. BM? Habt ihrs vielleit knapp? Wir lvollen euch borgen. . . Und was solcher Reden mehr sind. Und sie mußte ablehnen, über und über errötend, die unglaublichsten Vorwände erfinden. Denn Chajim Jojne wollte keine Mrnschengabc annehmen und gegen seinen Willen konnte sie doch nicht handeln. Die Nachbarn wollten es dabei nicht bewenden lassen und gingen zum Rabbi, iee solle ^sich doch ins Mittel legen. Dev Rabbi hörte sie an, seufzte, sann eine Weile nach, und antwortete schließlich, daß Chajim Jojne ein gelehrter und gottessürchtiger Mamr sei, der wohl wisse, was er tue, Wenn sein Gottvertrauen so fest ssi, dann sei es eben fest. . « Und nun ist der Pessah da. Riwke Beile hat nicht einmal Lichter, ,üm den Segen darüber zu sprechen. - Chajim Jojne kam aus dem Bethaus > heim. Aus allen Fenstern strahlt das Frst^ Nur sein Haus steht finster da,lvie ein Trauern-, der unter Hochzeitsgästen, lvic ein Blindertuute^ Sehendeir. Aber er verzweifelt nicht. Wenn siwtt wollen lvird, denkt er, wird auch für mich Pessah sein, und tritt mit fröhlichem „Gute- Abend" ein. Und wiederholt „Guten Abend"- Riwke Beile. Und Riwke Beile antwortet aus einer finsteren Ecke mit tränengcsülligtet Stimme: „Guten Abend, Chajim" Dabei leuchten ihre Augen wie zivei glühende Kohlen aus der Ecke hervor. En geht auf sie gN : und spricht auf [tc piitj

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.