Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 10 (4.2.1921)
- Date
- 1921-02-04
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
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*sm \ FrMäs' Keren Hajeffod. (Fortsetzung von Sekte I. Aufgaben der Zionistischen Organisation spricht dem hochverehrten Präsidenten d-r Erekutive ihren Tank und ihr Vertrauen aus. und beschließt in feierlicher Weise alle Anstrengungen zu unternehmen. um die in der Schweiz ansässigen Juden zur Mitwirkung an den Keren Hajessod heranzuziehen. T-as Lanoestomites stellt fest, daß alle Juoen der Tchmstz. des Landes der zionistischen Kongresse und des Völkerbundes die hsillge Pflicht haben, am Aufbau von Erez Israel mit allen Kräften teilzunehmen. Es find Mastnahmen getroffen worden, um die eingeborene jüdische Bevölkerung oer Schweiz am nationalen und wirtschaftlichen Merk in Palästina in erhöhtem Maste zu interessieren. Tie bisherigen Konferenzen uno Versammlungen in der Schweiz haben bewiesen, daß man sich über die ungeheure Tragweite des Keren Hajeffod Rechenschaft) gibt. Es darf die Erwartung ausgesprochen! werde», dast vor diesem heiligen Werke Alle Meinungsverschiedenheiten zurücktreten werden. Tie Juden der Schweiz werden.sich des hsitorffchen Augenblickes würdig erweisen und ihre Pflicht vor Israel erfüllen. Die Arbeit in Griechenland. < Herr David Florentin, Mitglied des Mions-Komitees, hat sich Ende Dezember im Auftrag des Direktoriums des Keren Hajessod nach Griechenland begeben, um in Vertretung des .Hauptbureaus des Keren Hajessod an der Konferenz der Zionistischen Föderation von Griechenland teilzunehmen, die am 26» Dezember 1920 in Saloniki stattsand. In der Schlußsitzung der Konferenz hielt Herr Florentin ein Referat, wonach die nachstehende Resolution angenommen wurde: „Die zweite Konferenz der griechischen Zionisten verpflichtet sich im Hinblick auf die entscheidende Bedeutung des Keren Hasessod für den Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina, alle Anstrengungen zu machen, um in der vorgeschriebenen Zeit die Summe von 10 Millionen Drachmen, den vom Direktorium des Keren Hajessod kontingentierenden Betrag aufzubringen, wobei der Grundsatz des Maasser nach Möglichkeit anzuwenden ist". Nach Ueberwindung einiger Schwierigkeiten konnte das Zentralkomitee der Zionisti- —scheu Föderation gebildet werden, welches seii nerseits die ersten Mitglieder des Keren Hai jessod-Komitee soll zu einer großen allgemei- - nen Keren Hajessod-Kommission für ganz * Griechenland ausgestaltet werden. Herr Ascher ' Mallah wurde zum Präsidenten der Födera- ' tion wiedergewählt. Die Vertreter der Föj deration.in der Keren .Hajessod-Kommission sind die Herren David Matalan, Ascher Mallah, M. Bonsantschi, A. Recanatti und Jsaac Alcheh. Die Bedeutendsten zionistischen und jüdischen Klubs und Institutionen sind in der Keren Hajessod-Kommission vertreten, welche wahrscheinlich aus 40—50 Mitgliedern für Sa- . loniff und 100—120 Mitgliedern für ganz Griechenland, einschließlich Saloniki, bestehen wird. Die Exekutive der Kommission wird aus 10—15 Mitgliedern bestehen. Herr Florentin hat inzwischen die verschiedenen jüdischen Zentren besucht, wo die >»KSdWeS VollsblE 4. »utft Kr. 10 Aussichten für die Arbeit günstig sind. Für nicht das Letzte und Größte, vor allem nicht Sonntag, den 9. Jänner ist eine große öffent«. Endziel, sondern Begleiterscheinung. T-as e-.° - - - - - .. .. w V.. -I" nche Versammlung angesetzt, worauf die Arbeit beginnen wird. Herr Florentin wird zunächst noch 14 Tage in Saloniki arbeiten und sich hierauf auf eine Reise durch Alt- und Neugriechenland begeben, um die Aktion für den Keren Hajessod während der Monate Jänner und Februar überall zu beginnen und zu organisieren. Es besteht durchaus die Möglichkeit, relativ große Summen aufzubringen, wenn die Arbeit wirklich gut organisiert ist und die harmonische Zusammenarbeit der verschiedenen organisierten Gruppen und die Hilfe der Jüdischen Gemeinde gesichert werden kann. Der Betrag von 10 Millionen Drachmen, den das Direktorium vonl griechischer: Judentum verlangt, wurde zunächst als eine phantastische Zahl betrachtet. Man hat jedoch inzwischen die Aufbringung der Summe beschlossen und cs sind alle Vorbereitungen für eine erfolgreiche Kampagne gemacht worden. Man hofft, ungefähr 4 Millionen in Saloniki aufzubringen (in der Zeit von 5—10 Jahren), 2 Millionen in Tracien und 2 Millionen in Klein-Asien (Smyrna und Umgebung). Keren Hajessod rn Jugoslawien. In Jugoslawien ist ein Kuratorium für den Keren Hajessod mit dem Sitz in Zagreb gegründet worden. Ter grschäftsführende Vorsitzende ist Herr Simo Spitzer, der sich für die Arbeit in einem so weitgehenden Maße zur Verfügung gestellt hat, daß es möglich war. vorläuffg von der Anstellung eines Generalsekretärs abgusehen. In Serajewo ist ein besonderes Kuratorium für Bosnien und die Herzegowina, in Rovisaz ein solches für die Wojwvdina eingerichtet worden. Das Kuratorium in Sarajewo steht unter der Leitung des Oberrabiners und des Vorsitzenden der dortigen fephardischen Gemeinde, den Herren Tr. Lepy und Ingenieur Sumbul. Als Generalsekretär wurde Herr Michael Levy angestellt. 2n Rovisaz soll das Kuratorium noch gegründet werden. Ms Generalsekretär fungiert Herr Advokat Tr. Händler. i wenig weitgehenden —« Forderungen stoßcp Darum sei Herrn Decker erwidert: Das Judentum ist denn doch weit mehr als ein Bekenntnis und greift in seinen Anforderungen an den Menschen ungleich weiter in d-ffe-r „ - . r . , . Eigenleben ein. als es eine ReKgion^odersel-en Lage, daß es nunmehr für uns, kern Konfession vermag. Im Judentum verbinden sich die Beziehungen zum Transzendann talen (das „Religiöse) und die zur Umwelt (das „Völkische", „Stammeshafte", „Nationnale") zu einer durch keinerlei anatomische Kunstgriffe zu trennenden Einheit. Ich darf wiederholen, was ich hier früher sagte, oaß die Konstruktion der vom historisch-nationalen losgelösten „-mosaischen Konfession" oder „jüdischen Neligionsgesellschasten" die gleiche Assimilation an — wesensfremde —> Begriffe und Eedankenkomplere der nichtjüdischen Um« Hauptziel jeder Erziehung und ganz beson der» der jüdischen, muß der Mensch sein. Erziehen wir Menschen, d. h. junge Leute, die nicht nur theoretische Kenntnisse jüdischer Sittenlehre besitzen, sondern das Judentum in ihrem Privatleben in religiöser, scruekler. bcrufsethischer, sozialer Art leben —: diese Menschen sind, Herr Hermann Becker, auch ohne weiteres und mit Naturnotwendigkeiit Staatsbürger, und zwar bewußte. Tenn aus dem Begriff des jüdischen Persönsichleitsideals, des harmonischen Menschen mit Verantwortlichkei'tsgefühl. wie ihn das Judentum erstrebt, folgern Pflichtbewußtsein, Opferfreudigkeit, Eemeinsinn. Treue und soziale Gesinnung, mit anderen Worten: Staatsbürgertem. Und weiter: Sie können vielleicht oder sogar wirklich mit dem Prinzip der „Pflege des religiösen Bekenntnisses" so „neben" dem enteren christliche Kinder erziehen. Tenn hier handelt es sich um einen zunächst an Umfang unendlich geringeren Lehrstoff, der dürchgegangen werden soll, und außerdem kommt das Gros der christlichen Kinder aus christlichen, d. h. aus mit den Grundgedanken des Christentums vertrauten Häusern und saugt außerdem in der Literatur und in anderen Lehrgebieten des Schulplans, ferner aber Sei, so vielen Gelegenheiten des — in praxi ooclv immer noch — christlichen Staates so viel christliche Anschauungen und Begriffe in sich auf, daß ihm nichts Christliches fremd bleibt. Ganz anders liegen Lei uns die Tinge. Wir sind eine fleine zersplitterte Minorität unter einer glaubensverschiedenen Majorität, dir nicht aus dem öffentlichen Leben um sich herum, aus dem Geist der Umwelt, ihre ständig wirkenden und erneuernden Impulse empfängt, sondern di« sich — in bewußter Reaktion gegen die niveflierende, abschleifende, christianisierende Umgebung — immer wieder in jeder Generation aus Eigenem ihr Juden-, tum erlernen muß." Weizrmim und Zabottnsky in Amsterdam. Die Anwesenhrit Londoner Gäste beoeutete fiir das jüdische Amsterdam ein Ereignis. Zunächst fand ein engeres Pärteimretz ng statt, auf welchem Prof. Wetzmann auf die verschiedenen Begrüßungen unter anderem ausführte: Wir Zionisten befinden uns in einer foj Zurück gibt. Unser ganzes Tun und Lasscn wird von der Welt kontrolliert und beurteilt, und wehe, wenn die Welt uns verurteilt. Sie'werden in kurzer Zeit die genauen Bestimmungen des Mandats über Palästina lesen können. Diese Bestimmungen, das hängt von euch ab, können ein Blatt Papffr werden, oder wenn sie wollen, e'nr Magna Charta. Das wird nicht nur für unsere Generation, sondern auch für die künftig-. Generation ein Stück großer Arbeit sein Die Türen Palästinas stehen offen, der wclt bedeutet, wie die Herrichtung einer ohnch Schlüssel zu diesen Toren liegt in eurer Hand, das Religiöse denkbaren „Nationalität"....! Was die Grenzen Palästinas betrifft.bin Herr Hermann Becker will deutsche Staats«sich mit diesen auch nicht zufrieden. Das Wort kärger erziehen und daneben auch das reli- Litani klingt in allen Straßen. Der Dergiöse Bekenntnis pflegen. Nun, Herr Becker, lust ist für uns schmerzhaft, aber wir ' könder Staatsb ürger 'ist gewiß, richtig verstanden, nen ohne den Fluß auch lebcn. Uebriaens etwas Großes und Wertvolles, aberes ist müssen wir nicht alles tun. Unsere K uder können auch noch arbeiten. Ueber die Litani ist schließlich und endlich noch nicht das letzte Wort gesprochen worden. Wir sind Mite. Partei mehr, wir sind ein internationales, politisches Problem geworden. Wic ochsen jetzt schaffen und das, was wir erreicht haben gut machen. Wir müssen auf unsere eigenen Kräfte bauen. Auch jetzt gibt es vielleicht Zionisten, die sich auf die Regierungen stützen werden. Das ist eben unsere Schwäche. Ich habe vor vierzehn Tagen Gelegenheit gehabt, mst einem der größten englischen Männer zu sprechen. Er warn'' miÄ und machte mich daraus aufmerksam, daß keine Regierung, keine organisierte Macht im stande war, das zu erreichen, was wir erreicht haben. Wir haben das erreicht, nickst mit Macht, sondern <juf moralischem Wege. Die fetzige Zeit der Demokratie ist die geeignetste dafür. Wer weiß, ob wir nicht in Zukunft vor einer neuen konservativen Weltordnung stehen. In einer konservativen Welt könnten wir sicher das nicht erreiche, was wir erreicht haben. Benützt also diese Zeit, un» etwas zu schaffen. Die Türen Palästinas stehen offen. Tausends und abertausende Heimatsloser warten, um hinemzukommen. Diese zurückzuweisen, warne ich euch! (Stürmischer Beifall.) Am 2. Jänner fand ein großes Masi n- Meeting statt, an welchem auch der englische Gesandte aus dem Haag, Si: Ronald Graham, teilnahm. Dieser dankte für den warmen Empfang und hob hervor, daß der stürmische Beifall eigentlich nicht ihm gehöre, sondern der britischen Negierung. Er bemerkt, daß jetzt die Zell gekommen ist, wo die Solidarität der Juden, insbesondere der verschiedenen Gruppen in Palästina, am notwendigsten ist, und daß die weitere Gestaltung und Entwicklung der Verhäl'niße m Palästina von den Juden selbst abhängt. Wladimir Jabotinskq erflärte: Es gibt zwei Arten von Propaganda, die eine ist dis beschlichtende, das ist die. wo alles verschönert wird, um auf diese Weise zur Tat anzueifern. Die andere ist die erschweren dg, wobei direkt gesagt wird: Siehe, wie schwer es ist. erste Art ist bestimmt für Schwächlinge, die zweite dagegen für Männer solcher Völker, die sich berufen fühlen, neue Staaten zu schaffen und zu organisieren. Zu dftsc«l Völkern gehört auch das jüdisch« Volk, welches, gestützt auf die zweitausendjährige Tradition, durchhalten konnten, um jetzt wieder die ungeheure Mission und Aufgabe erfüllen zu können. Wern jemand glaubt, daß die Türen offen bleiben, bis cs die Juden für angenehm finden werden, h'n'-ugehen. der irrt sich! „.Hst Rhodus — hic jalta!" Hier muß man zugreifen, und das kann nur verwirklicht werden, wenn wir arbeiten und schaffen. We-m man im Osten. Blut und Feuer sicht, tar.tt man -nicht kleinlich denken, man muß . die untergehende Masse vom Unglück wegreißen, und wenn sie etwas schaffen woll.n müssen sie etwas Ebenbürtiges schaffen. Dian muß bauen, und etwas Ewiges. Man muß einför allemal die Tragödie wegschaffen. Den Iudenstaat bauen wir oder wir bauen ihn nicht! Mt solch einer Frage und solch' einer Aufgabe haben wir zu rechnen. Alles wird man entbehren müssen, um bauen zu können, denn nur dies ist das System, worauf das Judentum im zwanzigsten Jahrhundert gebracht werden soll. Unp darauf ihr Treiben auf das Ausland hervorruft. Ueberaus bedauerlich ist es jedoch, bei dieser Gelegenheit feststellen zu müssen, wie schlecht noch immer die Engländer über Deutschland unterrichtet sind. Wenn selbst eine so angesehene wissenschaftliche englische Zeitschrift, durch das gemeingefährliche Treiben des sogenannten „wissenschoitlichen" Antisemitismus irregesührt, derartige verschrobene Urteile über das deutsche Nationalgefühl abgibt, so darf man sich nicht wundern, wenn in geistig minder Lochstehenden Kreisen Englands noch viel schroffere Urteile in dieser Hinsicht gefällt werden. Es ist zum mindesten sehr übertrieben, die vom unreifen, und die antisemitische Hetze als Geschäft betreibenden skrupellosen Personen ausgehenden Angriffe gegen Einstein als Ausfluß des deutschen Nationalgesühls hinstellen zu wollen, wogegen jeder anständige Deutsche aufs entschiedenste protestieren muß. Von wirklichen deutschen Wissenschaftlern deutscher »Herkunft hat, unseres Wissens, kein einziger den Juden Einstein angegriffen. Im Gegenteil, gerade die hervorragendsten deutschen Vertreter seines Faches — es sei nur auf die für ihn mit Entschiedenheit eintretende Erklärung der Herren Nernst, v. Laue und Rubens, von denen die beiden Ersten Träger des Nobelpreises sind, Angewiesen — sind, seiner wissenschaftlichen Bedeutung in jeder Beziehung gerecht geworden, so daß er gerade durch bas Eintreten süner hervorragendsten deutschen Fachgenossen für ihn in Berlin und in Deutschland zu UiÜM beichloö- Jn diesem Sinne schrieb Einstein auch dem Unterrichtsminister Haenisch: „Ich habe in diesen Tagen erlebt, daß Berlin die Stätte ist, mit der sich durch menschliche und wissenschaftliche Beziehungen am meisten verwachsen bin. Einem Ruf ins Ausland würde ich nur in dem Falle Folge leisten, daß äußere Verhältnisse mich dazu zwingen." Somit ist auch der Vorschlag des „Athcnaeum", Einstein an eine englische Universität zu berufen, vollkommen hinfällig geworden. Tr. S. Gewürz. lleber Heinrich Hekne und die Republik gibt Dr. Heinz Wclti in einer Plauderei im „Vorwärts" interessante Einzelheiten zum politischen Bekenntnis des großen Dichters. Heines politischer Journalismus ist ein interessantes Kapitel. Die verblüffende Aktualität, die uns aus so mancher Zeile der. politischen Prosa dieses ersten großen deutschen Journalisten ^entgegenweht, ist keine bloße Zufallserscheinung, sondern dais Produkt einer genialen Erkenntnis, die ktm Prozeß geschichtlichen Werdens mit hellseherischen Blick nachspürt, und das Erahnte und Erschaute in Formulierungen gießt, die an keine Zeit gebunden sind. Das gilt in ganz besonderem Maße von Heitres Verhältnis zur republikanischen Staatsform. Republik oder konstituierende Monarchie, das ist ein Problem, das den Dichter-Politiker seit seines Lebens aufs angelegentlichste; beschäftigt hat. Wie. immer aber auch Heines Stellung zu dem politischen Problem: Monarchie oder Republik gewesen sein mag, feststeht jedenfalls, daß Heine über ein kommendes republikanisches Deutschland Ideen entwickelt hat, die seiner Prophetengabe ein glänzendes Zeugnis ausstellen. In Artikel IX der „Französischen Zustände" vom 16. Juni 1832 schrieb er z. B. aus Paris: „Es ist leicht vorauszusehen, daß bie. Idee einer Republik, wie sie jetzt viele deutsche Geister erfaßt, keinesivegs eine vorübergehende Grille ist... Ich glaube nicht sobald "an eine deutsche Revolution und noch viel weniger an eine deutsche Republik; letztere erlebe ich auf keinen Fall; aber ich bin überzeugt, wenn wir längst ruhig in unseren Gräbern vermordet sind, kämpft man in Deutschland mit Wort und Schwert für die Republik. Temt die Repttblik ist eine Idee, und noch nie haben die Deutschen eine Idee ausgegeben, ohne sie in allen ihren Konsequenzen durchgefochten zu haben." Ties Heine- Wort ist mehr als es sein Urheber wohl ahnen mochte, heute zur Wahrheit geworden. Unter dem Zwang weltgeschichtlicher Tatsachen ward die Idee der deutschen Republik aus » dem Reich des Gedankens in Tat und Wirkung umgesetzt. - Bor hundert Zähren. Ein interessantes Streiflicht auf die Rechtsverhältnisse der thüringischen Juden vor 100 Jahren wirft ein Dekret des Eroßher zogs Karl August vom 10. Trzember 1820 an den getreuen Landtag, dar auf eine Beschwerde der Stadt ELksuaL Berrur nimmt. Er zerstreut darin die Besorgnis der städtischen Behörden darüber, daß dider Witwe Rothschild gestattet« Aufnahme eines Schwiegersohnes in ihre Handlung „eine neue jüdische Niederlassung" und eine weitere Vermehrung der jüdischen Familien am.Ort zur Folge haben möchte. „Ta sich aber die Zahl dev israelitischen Glaubensgenossen im Grotzherzogtum bereits auf nahem 1200 beläuft, jo sej di« Gesetzgebung über den «jüdischen Verkehr, als über die moralisch« und bürgerliche Verbesserung der Juden ein Gegenstand der besonderen landesfürstlich-en Fürsorge" geworden^ Es wird dann noch darauf hingewiefen, daß der Regierung zu Eisenach der Auftrag erteilt worden sei, einen Entwurf für eine umfassend» Judenordnung aufzustellen. Temsckben Landtag lag wenige Monat« später eine Emgab« der jüdischen Bewohner des Patrimonialamt» Lengsfelo vor, die Befreiung von allen damals noch üblichen „befonde.en jüdisch.'n Abgaben" und hinsichtlich ihres Gewerbes Gleichstellung mit dent christlichen Test der Bevölkerung verlangte. Dieses Gesuch gab dem Landtag Anlaß zu einer Besprechung über die Verhältnisse der Juden in staatsvürgercher Erziehung. Ein Sondergesmtz eines iüoi* Einwohners aus dem gleichen Patrimonial« amt bezog sich auf die ihm verweigerte Erlaubnis, sich in dem Flecken Ruhla niedernilassen. Aus beiden Gesuchen, geht ebenfalls hervor, welche Sonderlich, ung si: ein not. nun. Ti» erwähnte Jndenoiduung Luder-- nichts wesentliches an diesem Zustand.