Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 4 (14.1.1921)
- Date
- 1921-01-14
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/9610648-9611118-9610676--024-9610678- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Gerte 5 Freitag „Jüdisches BollsblE i.4. 3Ämter Nr. , Preis für die jüdische Ausgabe stellt "ch doppelt so hoch wie für die deutsche. (Z- K.) Dr. Chajes nach Amerika. (Tel. der „W. MKztg.") Dr. Chajes M am 6. ^.ännner in London auf der Reise nach Amerika eingetroffen. Sonntag nachmittags fand rm Pavillon- Theater unter dem Vorsitz von Hille! Zlatopolski eine Massenversammlung statt, in der Oberrabbiner Dr. %tjes über Palästina und das jüdische Volk sprach. Alle jüd.scheu Tagesrlätter und Parteiorgane bringen Berichte I Wer Dr. Ehajes' Anwesenheit und veröffent- « E" Interviews mit ihm. Die angekgndigte Versammlung hat in den jüdffchen Masten Londons das größte Interesse wachgerufen. * Oberrabbiner Chajes hat vor einigen Tagen Wien verlassen, um sich über Einladung der zionistischen Exekutive von London nach Amerika zu begeben, wo er für den Aufbau Palästinas sowie für verschiedene Wiener Institutionen tätig sein wird. Oberrabbiner Ehajes ddürste zwei bis drei Monaten von Wien fernbleiben. an dieser nationalen Arbeit— der Aufforstung des Landes. Möge diese Arbeit uns in dem Bewußtsein stärken, daß wir eine der wichtigsten vorbereitenden Bedingungen für di: Wiedergeburt Erez Israels und für die Erfüllung des kühnen Wunsches unseres verewigten Führers schaffen. (Aus „Zionist Review"». tonne jedoch keineswegs dis trau ige Tat a che außer acht lassen, daß dis Kolonisten nicht in der Lage sind, höhere Arbeitslöhne zu zahlen, weshahlb sie auch auf arabische Arbeiter angewiesen sind. Wir wollen auch keineswegs i>en arabischen Arbeiter boykottieren. Wir fetzen jedoch gwße Hoffnung aus die Eatwick'ung der Industrie. Nun erhalten qualtf zier e Arbeiter, bei den jetzigen ungünstigen Verhältnissen, relativ hohe Löhne. Solche Arbeiter sind sehr zahlreich unter den Otzj.den. In der Industrie läge somit die Möglich:-'! vor. ausschließlich jüdische Arbeiter ,a beschäftigen, denn hei einem Riesenunternehmen, wie wir es vorhaben, muß stets auf die Lebensfäh gleit aller Untern:^ mungen Bedacht genommen werden. Auf die Frage, ob nicht auch für Palästina die Fe!t>etzu,:g von Minimallöhnen erwünscht wäre, antwortete Sokolow verne'nend. T'e Araber würden in tsin.m Falle di: Kckon en einfach überfluten. Auch seien die Kolonisten nicht imstande, größere Arbeitslöhne?u zahlen. Die Landwirtschaft dürste jedoch seiner Meinung nach keineswegs die große Rolle in Palästina spiele.,c. wie allgemein geglaubt wird Rar dt: industrielle Entwicklung werde rmstande sein, Mitkionen zu erhalten. Außerdem müssen wir unser Hauptaugenmerk der Wohnustgs- und Er-fthungsf.age zuwenden. Bei Aufbringung der nötigen Mittel wird all dies sicherlich eine befriedigende Lösung finden. Gespräch Mit Sokolow. .Die „2. P. Z." veröffentlicht ein Interview mit.Sokolow über die gegenwärtig brennendsten zionist schen Fragen. 2n erster Reihe wurde die jetzt aktuelle Frage der Grenzen Palästinas besprochen. Sokolow erklärte: ..Ti: Fran'osen beabsichtigen, uns Erez-Jsrael bloß in den historischen GreNßen von Tim« H5s Beerseba zu gewähren. Wi: können uns damit nicht begnügen und fordern ausgedehntere Grenzen, um eine größere Entwicklung der palä- -fiia*Ö$3;tn Industrie zu ermöglichet. Di: französische Regierung versicherte, uns im Prinzip nichts dagegen zu haken, einen Teil ihres Terr'toriums den Juden zur Ansiedlung zu überlassen. Da aber — motiviert Frankreich - die Zionisten gegenwärtig i.jr erstes Erper'ment unertnehmen und niemand tnit Best immthett sagen kann, ob dics:s celingen noird, wollen wir mit unserem Beschluß noch abwarten denn falls die zionistische Kolonisation nicht erfolgreich sein würde, wird England davon uns den Juden abgetretene Geb et. ebenso wie ganz Palästina in seinen Besitz nehmen. Sollten wir uns jedoch überzeugen, daß das jüdische Unternehmen im Ge ingen ist. werden wir uns ohne Zögern mit Euch in Verbindung setzen: aber wenn wir jetzt das verlangt: Terr'torium Euch zur Verfügung stellen würden, wäre es, als ob wi' es einfach England schenkten. So lailtet die Argumentierung der Franzosen. Run ist es unsere Aufgabe. Palästina vorläufig In seinen biblischen Grenzen zu besetzen: nachher werden sch für uns sicherlich weitere Möglichkeiten eröffnen. Wir verhandeln noch mit der französischen Regierung we gen des Merom-Eebiets. das, eigentlich ein Sumpf nach Ameliorierung Raum für mehrere 'Kolonien abgeben würde: vorderhand sind wir allerdings poch nicht so'weit, um aus dieses Gebiet unbedingt angewiesen zu sein. Auch bei der jetzigen G öi.e Paläiftias werken de Pläne Ru h nkergs zur Aus üh u g g langen können, bei deren großzügiger Durchführung, selbst das historische Palä-ftua b s 5 Mil ioneu Seelen w'rd fasten können. Unsere jetzige Aufgabe besteht darin, kolostale Geldmittel aufzubringen. Hier stoßen wir nun gegenwärtig auf große Schwierigkeiten. - Die Amerikaner sind scheinbar müde geworden, die nöt'gen Summen aufzubringen und die Ostjw den in Anbetracht ihrer tristen ökonomischen Lage irÄ» der niedrigen Valuta nicht sehr lei pungsfähis. Außerdem begreifen die ameritanrjdun Juden, falls wir dir zionistischen Vertreter als deren wahre Worfführer zu betrachten haben, keineswegs den unschätzbaren Wert der Jugenderziehung im jüdischen G« ste. .Ms echte Businesleute sind sie gew.hnt. Geld mir für Tinge zu verwenden, die gute Dwidenden abwersen. Wir jedoch. die mir kein? Philanthrop schen dir, .isten j'ns mcss n d,e em Erriehungsxroblem eine ungeheure Bedeutung h»j, da unsere Zukunft davon abhängt, ob unsere Kinder in Palästina eine national Erziehung erhalten. Bei Berührung des Problems der Velchäftigung ausschllestl 4 jüdstch.-r Aroert-r :» Palästina erklärte Sokolsw. d.e gante Trag¬ Der Untergang der Juden in Sowiet« < rnßland. 2n der Prager „Fwrijah" hielt am 26. Dezember ein junger hebräischer Schriftsteller, der aus der Ukraine geflohen ist, einen Vortrag über das Leben der Juden in Sawjetrußland. Wir entnehmet', ein.--,. B-richt der „Selbstwehr" folgende Inhaltsangabe des Vortrages: „Es waren B'Ider des Schreckens, die er entrollte. Ist also, nicht all- - übertrieben, was die Zeitungen r.-.-.,a?en? Rein, es ist noch viel schlimmer! Hunger. Kälte, Krankheil Tod rnd Tod . . . Das Menschenleben h d wen' ger Wert als ein Schuß Pulver. Eil Land, wo n'chts erzeugt wird: kein Br t. k ine Schn he. kchne Nadel . . wo die P o ullimsk afi. der Bevölkerung, der einzelnen wie de: K> me'nschasten, vernichtet ist. Die Lebensfreude der W'lle zum Leben, >.t unter der eisernen Hand der Diktatur erloschen. Cs cril ke'ne Kunst keine Wi senfchast, leine Schöpferkraft. E'n ödes Totenfeld: B.ut Dl-t. Blut und . . . Komm-'stäre. Und wenn es schließlich noch in Zcntralrußkand die großen Führer, die paar Jdeallstm gibt, so herrscht im übrigen Rußland, insbesondere in Südrußland. ein vollkommenes sthaos. Jede Stadt, .— ein Staat, jeder Kommissär — ein Zar. Und die Juden? Es ist furchtbar, zu erfahren, wie wenig man hier vom Untergangder Juden in diesem einst so g osten Land« weiß. Kann man heute noch überhaupt von einet jüdischen Existenz in Rußland sprechen? Auf der einen Seite Sowüetrußlano, roT es keinen Handel, kein Gewebe, keine Arbeit, aber auch keine „Proletarisierung" gibt, (denn der russische Arbeiter hat lebst keine Arbeü) und auf der anderen Seite: die — Ukraine. Haben vielleicht nur Denilin. Petljura Pogrome gemacht? Aust» '.zienny Er'geriew i— dte bolschewistischen Generale — sie alle haben ihren Marsch mit einem b'ut'ge i Streifen von Tausenden und A'erteusende, jüdisst er Leichen gezeichnet. Kann der Jude ie.b.t in. Zentralrußland überhaupt its Darf gehen, wir seine städtischen Mitbürger? Er würde sofort erschlagen. Wieviel Ziontsten linen roch bis jetzt im Gefängnis, weil sie ihr Ideal ni'ftt verleugnen wollen! Wo sind dst einst so zahlreichen hebräischen Schu en? Das Hebräische ist so gefährlich wie Konterrevolution, der Zionismus ist mit Meltimyerial smus identisch. .So sieht es in Zentraftußlano aus " Re Bestattung der Thorarolleu. Die Mitteilungen von der einzigarttgen Bestattung, die am 9. d. in Prag stattfand, haben eine ebenso einzigartige Wirrung gehabt: es kamen vorgestern und gestern Leute aus Prag und sogar vom Lande zur ifraelrtischen Beerdigungsbrüderschaft, um weitere Teile der bei den Demonstrationen am 16. Rovembrr 1920 vernichteten Thora zurückzuerstatten. Sie erkläten. daß sie entweder von der Menge in die Synagoge mitgerissen worden wären oder daß ihre Kinder die hebräisch beschriebenen Pergamentfetzen nachhause gebracht hätten: ursprünglich hätten sie sie als Andenken behalten wollen, seien aber, durch die Ankündigung von der pietätvo.len Bestattung dazu veranlaßt worden, sie zurückzuerstatten. Beim Oberrabbiner Dr. Bxody wurden Palästina erklärte Sokolow. die ganze Traggestern eine Reihe von Schriften, die am 16 S Problems wo bl zu er fassen, Mag i November aus dem Archlp. geraubt morden waren, zurückgegeben: es sind zum Test aktuell wichtige Schriftstücke, auf die in Kraft befindlichen Stiftungen des sagenhaften Primators Mordechai Weisels (dessen Person auch von Alois Jirasek dichterisch behandelt wurde) bezüglich, teils Allen von nurmehr historischem Wert. S'e befinden sich in ziemlich unversehrtem Zustande Äußer den am 16. November vernichteten Thorarollen wird heute noch eine bestattet, die vor etwa drei Monaten aus einer Landstadt m Böhmen an eine Prager Piioatsynagoge. die „Muskat-Taussig-Schule" in der Denedillsgasie gesandt wurde. Diese Thora war im vorigen Jahre t:it Dachstuhl eines alten Gebäudes gefunden werden, wo sie jedenfalls vor Jahrhunderten irgend ein Tempelräirbec versteckt hatte. Daß bte% vor Jahrhunderten geschehen sein muß. geht daraus heroor. daß die Rolle buchstäblich zu Stein geworden ist. Sie ist so schwer, daß sie kaum gehoben werde» kann, und es ist selbstredend unmöglich, sie zu entrollen, obwohl die Schristzeichen noch auf der. Versteinerung kenntlich jind. ' Nach der rituellen Vorschrift sollen unbrauchbar gewordene Teile der Thora „für ewige Zeiten" erhalten bleiben. Deshalb wurde das „Grab" ftär die heutige Beerdigung zementiert und auf diesen Zementboden wird die Betonrolle mit den Pergamenttesten gelegt, über der wieder eine Zementdecke errichtet wird, sodaß das E'ndr'ngen von Feuchtigkeit unmöglich wird. Altem Gebrauch gemäß erfolgt die Beisetzung solcher gotlesdienstlichrr Gegenstände in der Nähe des Grabes eines besonders Frommen, so wurde für heut« der Raum in der Nähe des Grabmales de; Rabbi Mcier Fischel ausgehoben Die heutige Bestattung von Reiiauien ist nicht die erste, die nach Prager S.urmtagen oorgenommen wird. — allerdings sind seit dem letzten Begräbni,se dieser Art auf demselben Friedhofe 532 Jahre vergangen. Im Jahre 1389 drang der Pöbel in die Prager Jud«nstadt ein und verwüstete u. a. Synagogen und die Gräber des schon damals alten Judenfriedhofes in der Nähe der Altneusynagoge. Damals fand eine analoge Beerdigung wie die heutige hier statt. Ein Zeitgenosie, der Rabbi Abigdor Karo schildert diese Ausschreitungen in einer hebräischen Elegie, die noch heute m Prag als Butzgebet am Versöhnung^- tage vorgetragen wird. Eine Feuersbrunst nach der Schlacht bei Prag vernichtete iin Ghetto gleichfalls Deovtionalien, die hier beerdigt wurden, doch sind über Datum nnd Art keine genaueren Daten erhalten. (t. t. K. im „Prager Tagblatt"). Inland. Götterdämmerung in der Prager Kultusgemeinde. Tie Frage der Reorganisierung der Prager jüdischen Gemeinde bildet seit langem ein brennendes Problem. Denn auch in Prag sieht, wie anderwärts, eine mehr oder minder entjudete Clique an der Spitze der Gemeinde, welche den dringenden Fragen der jüdischen Gegenwart völlig fremd gegenübersteht und aus dun alten Kehillageist nicht hinauszufinden vermag. Dafür spricht schon das veraltete, völlig plutolratische Wahlrecht, zu dessen Reform sich die bisherigen Machthaber nicht bereitsinden wollten, oblvohl diese Forderung wiederholt öffentlich von den verschiedensten Seiten erhoben worden ist. Endlich wurde auf vieles Drängen ein neuer Wahlentwurf ohne Zuziehung der Parteien ausgearbeitet, aber er blieb monatelang liegen. Die Sache ging so weit, daß schließlich der Klub der jüdischen Stadtverordneten, nachdem alle seine Versuche, eine Aenderung der unhaltbaren Verhältnisse herbeizuführen, an dem Widerstand der jüdischen Assimilation gescheitert waren, eine Intervention des Magistrates als Aufsichtsbehörde erbitten mußte, worauf der Magistrat eine Enquete einbecief, bei welcher auch die Vertteter des herrschenden Systents dessen totale Reformbedürftigkett zugeben mußten. Interessant ist, daß die Kultusgemeinde ihren, seit Monaten sertiggestellten Wahlreformentwurf unmittelbar vvr dein Zusammentritt der Enquete der Behörde vorleate, um sich nachher auf dieses Faktum berufen zu können. Den weiteren Verhandlungen, die unter der Teilnahme sämtlicher Gruppen und Parteien im jüdischen Rathaus geführt wurden und bei welchen die bisherige Repräsentanz für ihr- Verbleiben im Amte bis zu den Neuwahlen eintrat, während die Opposition in der s o f o r t i g e n E i n s e tz n n g einer'BerwaltungskomMission das einzige Auskunftsmittel sah, ist das charakteristische Detail zu entnehmen, daß der „deutsche" Stadtrat Dr. Eckstein im Falle einer gegenteiligen Entscheidung mit der Inszenierung einer Abfallbewegung aus dem Judentum drohte! Es wurden verschiedene Beschlüsse gefaßt, zu deren Durchführung es aber nicht gekommen ist, da die Repräsentanz einen ihr anscheinend erwünschten Zwischenfall dazu benützte, um ihre Mandate niederzulegen. Tie so lange hinausgezögerten Wahlen werden nunmehr wohl bald stattfinden und, wie zu erwarten ist, eine Bresche in die im Prager jüdischen Rathaus tagende Filiale oder Hauptniederlassung des deutschen „Jndenliberalismus" schlagen. Die tschechische Presse zur Kitttuswahl in M.°Lstrau. Das große Interesse, das 'den Wahlen in die Kultusgemeinde Mähr.-Ostrau entgegengebracht wurde, findet auch Wiedcrhall in der tschechischen Presse. Die Blätter konstatieren mit Genugtuung, daß zum erstenmal seit Bestand der Kultusgemeinde tschechische Juden gewählt wurden, wobei diese Zeitungen, namentlich „B e n k o v" und Moravskoslezsky Dennik", nicht versäumen, die Zionisten mit den Deutschen zu idetttifizieren. Es wäre müßig, gegen diese Anwürje zu polemisieren, weil ja die tschechische Oeffenttichkeit, soweit sie sich für den Zionismus interessiert, ganz gut weiß, daß den Zionisten eine Parteinahme für das Deutschtum fernliegt. Sowie die Zionisten der älten Habsburgermonarchie jederzeit für gerechte Forderungen aller Völker und namentlich in Mähren für die Tschechen eingetreten sind, um von sich das Odium des deutschen Nationalismus abzuwähren, so wollen wir auch jetzt nicht in den Dienst der Politik eines Volkes gezogen werden. Die Zionisten sind für das Selbstbestimmungsrecht der Völker, sind in der tschechoflotvakischen Republik für eine Neutralisierung der Juden im Nationalitätenkampfe und erblicken in jedem Juden, einen nationalen Verräter, der sich zu einer anderen Nation bekennt, als zur jüdischen. In diesem rein volklichen Begriffe erblicken sie auch in bett tschech. Juden — nationale Renegaten. Ein Umstand, der jedoch mit der Stellungnahme zur RepMik gar tiichts zu tun hat. Und gerade diese beiden tschechischen Blätter haben bei Gott, noch sehr, aber sehr wenig, dazu beigetragen, die Sympathien der Juden für das tschechische Volk zu erwerben. Die genannten Blätter vergessen ganz darauf, daß der Motivenbericht zur Verfassungsurkunde vom Februar-März 1920 ausdrücklich erllärt, daß Juden bei W ah» (en,Vo.lkszä.hlungen und antrrsn.amh« sichen und politischen Handlungen nicht gezwungen werden dürfen, sich zu einer andere» Nation zu bekennen, als zur jüdischen. Möge die tschechische Presse sich asi^ endlich damit absinden, die Juden als fet& ständige Nation anzusehen, mit ihr als solcher zu rechnen, ohne Rücksicht darauf, welcher Sprache als Umgangssprache sie sich bedienen, welcher Sprachenzusatz übrigens auch im zitierten Motivenbericht enthalten ist. Albert Einstein in Prag. Ter berühmte Albert Einstein war in Prag, um über seine Relativitätstheorie einen Vortrag zu halten. Die deutschen Prager Juden gaben ein Bankett, um den großen Gelehrten zu feiern und Dr. Eckstein, der jüdisch-deutsche getreue Eckhard, konnte es sich nicht versagen, aus diesem Slnlaße eine politische Affäre zu machen. Wozu das? Sehen denn diese unverbesserlichen oeutschen Juden noch immer nicht, daß Einstein, als Gelehrter gefeiert werden will und nicht .als Deutscher. Und er am wenigsten, dem deutsche Studenteit während d?r Vorlesung solchen Krawall machten (aß er es vorzie t, eine nichtdeutsche Universität aufzusuchen, nur in Ruhe lesen und arbeiten zu können. Es wirkt doch sehr deplaciert, wenn in demselben Augenblick, in dem die breite Oeffentlichkeit erfährt, daß die reichsdeutsche'Studentenschaft jüdische und farbige Weiber in eine Kategorie stellt:, wobei das jüdische Weib natürlich die größere Schande für den deutschen Studenten bedeutet als das farbige, daß in diesem Momente Einstein als deutscher Gelehrte gefeiert wird, itachdcm er dein „Verein deutscher Staatsbürger mosaischer Konfession" eine glänzend« Abfuhr beigebracht hat. Dr. Eckstein hätt« dein gefeierten Gelehrten eine größere Freud« bereitet, wenn er ihn aus dem politischen und nationalen Hader Prags airswschaltel hätte. Lugsrx. Der Fall Löw. Aus Szegedin wird der W. At. Z. ln* richtet: Das hiesige Bericht, bei welchem di« Affäre des Szegediner Oberrabbinevs Dr. Im» Manuel Löw anhängig ist, scheint über Auftrag der Regierung entschlossen zu sein, diesen Prozeß nunmehr ju Ende zu führen. Der Untersuchungsrichter des Szegediner Gerichtshofes hat die Einvernahme einer Anzahl Budapester Persönlichkeiteit angeordnet. Wie kinnerlich, wurde gegen Oberraböiner Dr. Löw auf Grund eines im „Nemzett Ujsag" erschienenen Artikels: „Der, Oberrabbiner von Szegedin schmäht das Magy:rcn!unr" das Strafverfahren wegen des Verbrechens der Maicstätsbelcst»