Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 52 (25.12.1896)
- Date
- 1896-12-25
- Page
- Seite 865 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Wx. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 81)5 Herr Dr. Bloch von einer Deputation aus seiner Wohnung in den mit Topfgewächsen und Lorbeerbäumen festlich geschmückten Tempel geleitet, wo in dem Rahmen des gewöhnlichen Sabbatgottesdienstes eine besondere Festfeier angeordnet war. Nach einem Orgelpräludium und einem Chorgesange trug der zum Probevortrag anwesende Herr Oberkantor Drujan aus Basel den Ps. 61 mit Orgelbegleitung vor, worauf die Festpredigt folgte, die Herr Dr. Bloch selbst im Anschluß an des Patriarchen Jakob Abschiedswort an seinen Sohn Joseph vor der überaus zahlreich versammelten Gemeinde hielt. Ein volltönendes Hallelujah des Chores mit Orgelbegleitung schloß die weihevolle Feier ab. Am Abend fand ein Festbankett statt, an dem sich die Honoratioren der Stadt und der Gemeinde beteiligten und das durch geistvolle Reden und treffliche Gesänge des mit mächtiger Stimme begabten Gastes aus der Schweiz einen besonderen Reiz erhielt. Den am Jubiläumstage von Nah und Fern eingelaufenen Glückwünschen fügen wir auch unseren Wunsch an: Der Jubilar möge in Kraft und Rüstigkeit noch lange seines Amtes walten! Z. Aus der Provinz Posen, 21. Dezember. (Ve rs ch i e d e n e s.) Der deutsch-israelitische Gemeindebund hat an die israelitischen Gemeinden unserer Provinz ein Rundschreiben erlassen, sich recht zahlreich an dem in nächster Zeit stattsindenden Delegiertentag in Bromberg zu beteiligen. Es sollen hier Mittel und Wege gefunden werden, das in der Provinz Posen meist noch im Argen liegende Gemeindewesen zu heben. — In dem kleinen Städtchen Mixstadt hat sich die alte Synagoge als baufällig erwiesen, so daß der dortige Synagogenvorstand den Beschluß fassen mußte, einen Neubau aufzuführen. Die Gemeinde zählt jedoch kaum 100 Seelen und wird wohl nicht imstande sein, aus der Gemeinde heraus die Mittel zu einem Neubau, wenn auch noch so dürftig, zu beschaffen. Wie verlautet, will sich der Vorstand dieserhalb an andere Gemeinden mit der Bitte um Unterstützungen wenden. d. Tarnotvitz, 20. Dezember. (Konferenz.) Die 10. Versammlung der Freien Vereinigung jüdischer Lehrer Oberschlesiens findet an diesem Donnerstag Hierselbst mit folgender Tagesordnung statt: 1. Begrüßung und geschäftliche Erledigungen. 2. Maybaum, „Die Methodik des jüdischen Religionsunterrichts". (Eisenberg-Beuthen.) 3. Besprechung über das Verbandsthema: „Auf welche Weise lassen sich am besten und schnellsten die Forderungen der Satzungen unseres Verbandes § 9c die lebenslängliche Anstellung sämtlicher jüdischer Lehrer, ihre Pensionierung und die Versorgung ihrer Hinterbliebenen aus gesetzlichem Wege erfüllen? resp. welche Grundlagen sind zur Herbeiführung dieser Forderungen notwendig? (Bernhard-Tarnowitz.) 4. Anträge und Mitteilungen. m. Breslau, 20. Dezember. (Die Repräsentantenwahlen. — Subvention.) Das Resultat der am 11. d. M. vollzogenen Repräsentantenwahlen ist nunmehr bekannt. Es wurden ca. 1800 Stimmen abgegeben, das bedeutet eine Wahlbeteiligung von nahezu 40 Prozent. Gewählt sind fast durchweg „Liberale". Von der Liste der Opposition wurden nur die Kandidaten gewählt, die auch die Gouvernementalen anfgcfteHt haben, mit Ausnahme von Professor Badt, der von diesen \ als Stellvertreter und von jenen als Repräsentant aufgestellt war und zu letzterer Würde erwählt wurde. Es erhielten Stimmen a) als Repräsentanten: (die Namen derer, die von beiden Vereinen ausgestellt waren, sind gesperrt gedruckt), Bernh. Wollslein 1772, Dr. Reich 1673, Geh. Justizrat Freund 1658, Prof. Tr. Badt 1568, Ludw. Wollenberg 1536, Louis Cohn 1457, Salom. Tanziger 1374; b) als Stellvertreter: Direktor Lyon (bisher Repr.) 1330, Theod. Oschinsky (desgl.) 1321, Herm. Landsberger 1320, Herm. Hamburger 1310, R. Daniel 1270, A. Bielschowsky 1224, Rechtsanwalt Dr. Samuelsohn 1109, M. Rosenberg 1022 und Rechtsanwalt Dr. Moses 998. Tie Führer der Opposition, die ebenfalls kandidierten, blieben mit einer Stimmenzahl von 800—250 in der Minorität. Hoffentlich lassen sich die Oppositionellen nicht entmutigen; mit einem Streich wird kein Baum gefällt, besonders wenn er so fest wurzelt, wie die zeitige Majorität unserer Gemeinderepräsentanz. 1899 sehen und sprechen wir uns wieder! — Wahrscheinlich um dem neu erwachenden Geiste in unserer Gemeinde Rechnung zu tragen, hat unser Gemeindevorstand sich entschlossen, die hier bestehenden Privatsynagogen mit Beiträgen von 100—200 Mk. zu subventionieren. Erfurt, 21. Dezember. (Wohlthätigkeit.) In wie hohem Maße die Unterstützungskasse der hier wohnenden Israeliten von den durchreisenden Glaubensgenossen in Anspruch genommen wird, mag der Umstand beweisen, daß an solche Durchreisende jährlich circa 2400 Mk. gezahlt werden. Dazu kommen noch circa 600 Mk., welche für hiesige bedürftige israelitische Familien aufgewendet werden. Es trägt dazu eine reiche jüdische Familie jährlich allein 5—600 Mk. bei, — jedenfalls ein Zeichen hohen Wohlthätigkeitssinns. ffß Hannover, 22. Dezember. (Handwerkerverein. — Rabbiner Dr. Lange. — Schnutziana.) Der Verein zur Beförderung der Handwerke unter den Juden in der Provinz Hannover zählt 366 Mitglieder. Die Gesamteinnahme der letzten drei Jahre betrug 10 931,78, die Gesamtausgabe an Bewilligungen für Lehrlinge 6 859,52 Mk. Der Verein gewährt außerdem würdigen und bedürftigen Handwerksmeistern zinslose Darlehen. Nicht unbemerkt bleibt es, daß in unsrer Provinz verschiedene angesehene Lehrer ihre Söhne dem Handwerk zuführen und dadurch anderen Eltern ein gutes Beispiel geben. — Dr. Gerson Lange, z. Zt. Lehrer an unsrer Religionsschule, ist zum Rabbiner des „Vereins zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in Westfalen" gewählt worden und hat die Wahl angenommen. Herr Dr. L. wird sich zunächst in Borken niederlassen. — In dem seit mehr als fünf Jahren schwebenden Disziplinarverfahren des Magistrats gegen den früheren Direktor des Lebensmittel- Untersuchungsamtes, Dr. Schnutz, ist auf Amtsentsetzung erkannt worden. Der Verurteilte hat sofort Berufung beim Oberverwaltungsgericht eingelegt. Die Frau des Dr. Schnutz war in den Meineidsprozeß gegen den früheren antisemitischen Reichstagsabg. Leuß verwickelt.? Frankfurt a. M., 21. Dezember. (Emanuel Schwarzschild. — Vorstandswahl. — Statistik.) Ein hervorragendes Mitglied der „Adaß Jeschurun", Bankier Emanuel Schwarzschild, ist am 14. d. Mts. gestorben und am 16. bestattet ■i >ri . I •M /