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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · p. Seite 864

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
Seite 864 (sequence 12)
Language
German
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Seite 864. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 52. gelegt. Obwohl die Nominierung des Herrn Klausner uns ebenso überraschend kam wie wahrscheinlich ihm selbst, hat uns die Brutalität, mit der im „Zentralverein" die Majorität und ihre Vertretung jede gegnerische Ansicht niederschreien, geradezu entsetzt. Daß der Vereinsvorstand mit Befriedigung auf jenen Abend zurückschaut, können wir nicht glauben; wenigstens hat er hierzu keinerlei Ursache. Aber auch Herr Professor Strack wird von der Kritik, die sein Auftreten in der Presse erfahren hat, wenig erbaut gewesen sein. Nicht in unserm Blatte. Wir hatten für den Herrn Professor kein Wort des Tadels; er hat der Bekehrung der Juden zum Christentum sein Leben geweiht, und nachdem er von Juden eingeladen ward, zu Juden zu sprechen, durfte er seine Missionsthätigkeit nicht vergessen — das war sein Recht, das war sogar seine Pflicht. Aber die kirchlich-konservative Presse ist ihm scharf zu Leibe gegangen, weil er von einer „Mission des Judentums" gesprochen haben soll. Dem tritt Pros. Strack in der „Post" und der „Kreuzztg." entgegen. Er schreibt: „1. Ich bin nur wiederholter direkter Einladung gefolgt, als ich an der Versammlung teilnahm, und habe nicht zu „allgemeiner Ueberraschung", sondern auf mehrfach mir geäußerten Wunsch das Wort ergriffen. 2. Ich habe nicht von einer „Mission des Judentums" gesprochen, sondern gesagt, daß das Fortbestehen des Judentums im Plane der göttlichen Weltregierung liegen müsse, aber über diesen Plan Christen und Juden entgegengesetzter Ansicht seien. Schon die Thatsache, daß ich seit 12 Jahren den „Nathanael, Zeitschrift für die Arbeit der evangelischen Kirche an Israel" herausgebe und Röm. 10, 1—4 zur Richtschnur meines Wirkens gemacht habe, beweist zugenüge, vaß ich eine „„Mission des Judenstums"" in dem mir durch jenen Berichterstatter zugeschriebenen Sinne anzuerkennen garnicht imstande bin. Jeder evangelische Geistliche, der auf Pauli Worte Wert legt, würde, wäre er zugegen gewesen, das von mir Gesagte gebilligt haben." Ohne zur Zeugenschaft ausgefordert zu sein, bestätigen auch wir, daß inderthat jeder evangelische Geistliche den Ausführungen des Herrn Prof. Strack zugestimmt haben würde. Denn er sprach genau in dem Sinne der Verse des Neuen Testaments, die er zur Richtschnur sich genommen und die wörtlich lauten: „Liebe Brüder, meines Herzens Wunsch ist, und flehe auch zu Gott für Israel, daß sie selig werden. Denn ich gebe ihnen das Zeugnis, daß sie eifern um Gott, aber mit Unverstand. Denn sie erkennen die Gerechtigkeit nicht, die vor Gott gilt, und trachten ihre eigene Gerechtigkeit aufzurichten, und sind also der Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, nicht unterthan. Denn Chr. . .. ist des Gesetzes Ende, wer an den glaubt, der ist gerecht." Ob nun auch der Vorstand des „Zentralvereins" sich veranlaßt sehen wird, sein Verhalten zu erklären und zu — entschuldigen? * Berlin, 23. Dezember. (Herr Moritz Rohr,) der bekannte Philanthrop, ist Freitag plötzlich am Herzschlag gestorben und in seinem Geburtsorte Bojanowo bestattet worden. Die Judenheit der Provinz Posen verliert an ihm ihren größten und hochherzigsten Wohlthäter und das Judentum einen treuen Anhänger, der trotz reichen Besitz den Schatz der Religiosität sich zu bewahren wußte. * Berlin, 25. Dezember. (Pfarrer Pennekamp in Cal car) wird sicherlich nie wieder an ben Vorstand einer jüdischen Gemeinde zugunsten des Baues einer jüdischen Schule schreiben, dank der Schreibseligkeit eines Beamten der Jüdischen Gemeinde in Berlin. In einer Zuschrift an den „Clevischen Volksboten" erklärt Pfarrer P., daß es sich bei der in verschiedenen politischen Blättern veröffentlichten Petition an den Berliner Gemeindevorstand um einen Privatbrief handele, der ohne sein Wissen und gegen seinen Willen durch Vertrauensbruch veröffentlicht worden sei. Der Pfarrer giebt daun weiter seinem lebhaften Bedauern darüber Ausdruck, daß „das unglückliche Wort, das allen Anstoß erregte", in der Petition gebraucht worden sei, und versichert, daß nur „sein Drang, allen zu helfen, ihm da einen bösen Streich gespielt." — Diese Erklärung scheint trotzdem den hochherzigen Mann nicht zu schützen, denn, wie konservative Blätter Mitteilen, ist wider ihn die Disziplinär Untersuchung eingeleitet worden. m. Berlin, 23. Dezember. (Der „Israelitische Kindergarten") Gormannstraße Nr. 3, hat im verflossenen Jahre täglich 100 Kinder armer Gewerbetreibender und Handwerker von morgens 8 bis abends 7 Uhr gewartet und durch Verabreichung von Mittagessen, sowie Milch und Brötchen gesättigt. Um das Werk zu einem wohlthätigeren zu gestalten, ist es jetzt von seinem Begründer einem Verein übergeben worden. Dieser hat sich konstituiert und zu seinem Vorsitzenden Herrn Sanitätsrat Dr. Ehrenhaus und als Vorsteherin Frau Justizrat Rosenhain gewählt. Eine große Anzahl Damen hat sich zur Mitwirkung bereit erklärt. * Berlin, 23. Dezember. (Religionsunterricht der Dissidentenkinder.) Nachdem der hiesige Magistrat als Appellinstanz in Bezug auf Strafen wegen Schulversäumnisse die Heranziehung der Dissidentenkinder zum Religionsunterricht in einer anderen Konfession für unzulässig erklärt hat, ist seitens der Schuldeputation beschlossen worden, von der Verfolgung der betreffenden Schulversäumnisse generell Abstand zu nehmen. —Die Dissidentenkinder werden also die jüdischen Religionsschulen nicht als Notnagel gebrauchen müssen. £ Aus Westprcußen, 21. Dezember. (Einbruch in eine Synagoge. — Spende.) In der Synagoge zu Berent ist in der Nacht zum 11. d. M. wiederum ein Einbruch verübt worden. Der Einbrecher hat aber Geld nicht gefunden, da solches seit dem letzten Einbruchsdiebstahl dort nicht mehr aufbewahrt wird. — In New-Iork starb kürzlich ein geborener Fordoner, Friedmann Auerbach, der vor etwa 30 Jahren als völlig unbemittelter junger Mann ausgewandert war. In seinem Testament gedachte er auch seiner Vaterstadt, bestimmte darin, daß jährlich um die Weihnachtszeit an die christlichen Armen 75 und an die jüdischen 150 Dollars zur Verteilung gelangen sollen. Der für dieses Jahr bestimmte Betrag ist bereits beim Bürgermeister eingegangen und wird von diesem verteilt werden. Posen, 20. Dezember. (Amtsjubiläum.) Gestern waren 25 Jahre verstrichen seit der Amtseinführung des Herrn Dr. Ph. Bloch als Rabbiner der hiesigen Brüdergemeinde. Aus diesem Grunde fand auch beim gestrigen Gottesdienste eine erhebende Feier zu Ehren des Jubilars statt. Schon am Freitag wurde der Jubilar in seiner Wohnung von dem Gemeindevorstand durch Ueberreichung eines kostbaren Ehrengeschenks ausgezeichnet. Gestern wurde

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