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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · p. Seite 860

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
Seite 860 (sequence 8)
Language
German
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Seite 860. Allgemeine J-raelittsche Wochenschrift. Nr. 52. i i in Schatten gestellt, freilich hat Geiger noch unrichtiger und geschmackloser: „Lehmhütte des Körpers". — Das „Schlußfest" nennt Vogelstein „die Zeit der Freude ob der reichen Anregungen, die Du uns geboten durch die nunmehr zu Ende gehenden heiligen Feiertage". Na, die Freude am Schemini Azereß „ob der reichen Anregungen" wird auch in Westfalen eine sehr mäßige und durch die Länge der Feste vom 1. bis 22. Tischri ziemlich beeinträchtigte sein. Die „Freude" des hebräischen Textes hat einen natürlichen Grund: die Rückkehr in die Heimat aus Jerusalem. Warum nicht einfacher und wahrhaftiger: die Zeit, in welcher wir freudig die reichen Anregungen sammeln sollen, die uns die nun zu Ende gehenden Feiertage geboten." Das Vogelsteinsche „ob" und „durch" und „heiligen" wird niemand als Verlust beklagen. — Er sagt ferner im Anschluß an Geiger: „Bald tritt der Winter ein und wir ziehen uns zurück in das sichere Haus, das wir Deinem treuen Schutze empfehlen." Das entspricht auch nicht unseren Verhältnissen, weder kampieren wir im Sommer im Freien, noch spielt das Haus im Winter eine größere Rolle als im Sommer. Wer im Sommer die Alpen besteigt, geht im Winter in Konzert, Theater, Maskenball rc. Und Gottes „treuen Schutz" braucht das Haus im Sommer nötiger als im Winter, denn Blitz, Wolkenbruch, Cyklon rc. sind Bescherungen des Sommers. — Statt der Relativ-Sätze: wir flehen . . . Dich an, d a ß Du dem Werke unserer Hände Förderung und Gedeihen geben wollest, damit wir auch in der harten Winterzett vor Mangel behütet bleiben", wäre auch die direkte Anrede bessere Gebetsprache: „wir flehen . . . Dich an, gieb Förderung rc., laß uns auch in der harten Winterzeit" re Nun betreten wir wieder „heiligen Boden" der traditionellen Gebete. Für das Jaale wejowau sollen wir nach Dr. Vogelstein beten: „Möge an diesem Tage des Peßachsestes re. vor Deinen erhabenen Thron kommen unser Andenken und unser Geschick, daß Du in Huld und Gnade Dich unser annimmst, Heil und Frieden unser Teil sei." — Soll das ein zum Vortrag besonders geeignetes Deutsch sein? Abgesehen von dem grammatischen Fehler „annimmst" statt „annehmest". Von derselben Güte ist das folgende: „Gedenke unser an ihm zum Guten, bedenke uns an ihm zum Segen, erfreue uns an ihm mit lebenspendender Hilfe". Das ist zumteil Jüdisch-Deutsch, zumteil gar kein Deutsch. „Zum Guten gedenken" und dergl. ist eine spezifisch hebräische Phrase, die der Deutsche umschreiben muß in: „gedenke unser, o Gott, und beschließe Gutes, Segen, Leben rc. über uns". Die „lebenspendende Hilfe" gehört in eine Tertianer - Stilblüten - Sammlung, obgleich sie Joel entnommen ist. In Wehaszienu spricht Vogelstein von einem „Festessegen, den Du (Gott» uns verheißen". Wo steht diese Verheißung? Ferner: „gieb uns unser volles Teil an Deiner Lehre" — obgleich dies nur eine Variation vou „lieblich Teil" bei Joel ist, so ist es doch ebensowenig wie dieses ein „liebliches" Deutsch. „Sättige uns von Deinem Gute" — von welchem? „Mache, o Herr, Deinen Sabbat und Deine heiligen Feste Deinen Verehrern zum reinen Lebensgenüsse .... Gepriesen seist Du, Gott, der seine beseligende Weihe ausgießt über den Sabbat, über Israel und die Festzeiten". Für den modernen Beter ist das leerer Wortschwall, der niemals das Herz ergreifen kann.- Wochen-cLhronik. — lieber die Vorstandswahl in Berlin ist unsre hiesige Kollegin ungehalten, wiewohl sie einleitend bemerkt, daß sie mit den Neuwahlen im ganzen einverstanden sei, „da die Gewählten bis aus einen durchaus liberal seien, die sehr energisch protestieren würden, wenn man sie als Vertreter der konservativen Partei hinstellen würde u. s. w." Diese von dem Blatte frei ausgestellte These nimmt es selbst sogleich als | Thatsachen an und fragt, indem es sich auf — sich beruft, i ganz naiv: Wenn dem nun so ist — wozu dann eine Neu- I wähl, da die alten Vorsteher noch gut erhalten waren? Wir? wollen die Akten über die Berliner Wahlen endlich schließen und beschränken uns auf eine kurze Erwiderung: Selbst f wenn unsre Kollegin mit ihrer These recht hätte, so würde sie unrecht haben. Es hat sich bei den hiesigen Gemeindewahlen nicht um den Gegensatz zwischen „konservativ" und „liberal" gehandelt, sondern es galt, mit einem alten, verj alteten System, das unser Gemeindeleben schier vernichtet hat, j aufzuräumen. Die Neugewählten sind als Gegner des alten .! Systems gewählt worden, wie ihre Vorgänger als dessen An- £ Hänger gefallen sind. Das wiederholen wir heute zum hunj dertsten und letzten Male. i — „Herostrat, Propaganda egoistischer Opposition", I nennt der weniger aus seiner Thätigkeit an der antisemitischen , „Deutschen Zeitung" als durch den Leckert - Lützow-Prozeß bekannt gewordene M. F. Sebaldt ein neues „Blatt", das er in zwanglosen „Heften" ä 4 Seiten und 10 Pfennig erscheinen läßt. Nach dem uns vorliegenden ersten „Heft" zu urteilen, wird Herr Maximilian Ferdinand Sebaldt sein antikes Vorbild nicht erreichen. Herostrat hat ein Dorf verbrannt, Herr Sebaldt wird sich blos die Finger verbrennen. — Die Juden als Soldaten. Das Komitee zur Abwehr antisemitischer Angriffe in Berlin hat darüber im Verlage von Siegfried Cronbach ein 167 Seiten enthaltendes Ouarthest erscheinen lassen, welchem unter anderm beigefügt sind Listen von 125 jüdischen Soldaten aus den Feldzügen von 1813 15, Verzeichnisse der an Juden verliehenen Eisernen Kreuze und der Toten und Verwundeten jüdischer Konfession aus diesen Kriegen, ferner eine Liste von 67 jüdischen Soldaten aus den Revolutionskämpfen des Jahres 1848 sowie aus den Kämpfen in Schleswig-Holstein, eine Liste von 94 jüdischen Soldaten aus dem Feldzuge 1864, von 1025 jüdischen Soldaten aus dem Feldzuge von 1866, von 4492 desgleichen aus dem Feldzuge 1870 71, eine Liste von 1101 jüdischen Gemeinden, aus denen Mitglieder an diesem Feldzuge teilgenoinmen haben, von 448 jüdischen Soldaten, welche im Feldzuge 1870 71 verwundet oder getötet worden sind, endlich eine Liste vnn 773 jüdischen Soldaten, welche 1870 71 das Eiserne Kreuz oder die entsprechenden militärischen Auszeichnungen der anderen deutschen Bundesstaaten erhalten haben. Ferner sind abgedruckt Aeußerungen des Fürsten Hardenberg an den Grafen Grote, ein Artikel des „Militärwochenblatt" über die

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