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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-12-25 · 52 (25.12.1896) · p. Seite 859

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
52 (25.12.1896)
Date
1896-12-25
Page
Seite 859 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 52. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 859. er es mit Betrachtungen des Bearbeiters zu thun hat. In der Vogelsteinschen Form: „Und zur Weihe:c. hast Durc." muß man glauben, der hier angegebene Zweck der Feste sei in der heiligen Schrift ausdrücklich zu finden," und man wundert sich eben über die Gefühlsduselei der Mosaischen Lehre. — Soll ich noch daraus Hinweisen, wie frostig sich das „teilhaftig" in der Phrase einer „feierlichen Seelenstimmung teilhastig" ausnimmt. Dr. Vogelstein fährt fort: „So begehen wir heute, dankerfüllt zu Dir ausblickend, »zugleich mit dem Sabbat, dem wöchentlich wiederkehrenden Ruhetage) rc." Man meint, es solle ein Steckbrief hinter dem Sabbat erlassen werden, so genau ist er kenntlich gemacht. Sollte man in Westfalen den Sabbat schon so wenig kennen, daß das Signalement: „wöchentlich wiederkehrender Ruhetag" im Gebete notwendig ist? — Nun kommen freie Einlagen des Herrn Dr. Vogelstein für das Peßach-, Wochen-, Hütten- und Schluß-Fest. Das Peßachsest nennt er: „Die Zeit, in der die Natur wieder erwacht und durch Deinen Schöpferhauch sich verjüngt". Was ist denn das für ein „Schöpferhauch?" Psalm 33,6 sagt zwar: „Durch das Wort des Ewigen entstand der Himmel und durch den Hauch seines Mundes sein ganzes Heer". Dort ist der „Hauch Gottes" parallel mit „Wort des Ewigen" und damit identisch. Die Verjüngung der Natur im Frühling ist aber doch keine Schöpfung durch das Wort? — „Auch Israel" — sagt Dr. Vogelstein das. — „hast Du . . . zur Freiheit geführt, damit es ... in der Erfüllung Deiner Gebote Heil und Frieden finde." Hier ist wieder die Interpretation des Bearbeiters zur Hauptsache und die geschichtliche Thatsache zur Nebensache gemacht. Israel wurde aus Egypten geführt, damit es Gottes Gebote erfülle," das ist biblische Thatsache. Ist denn die Erfüllung der Gottesgebote für Westfalen eine so bittere Pille, daß sie mit dem Zuckerzeug „Heil und Frieden" versüßt werden muß? Weiter: „Wir vertrauen Deiner gnadenreichen Hilfe, daß wir unter dem Schutze gesetzlicher Freiheit allezeit bewahrt bleiben vor jeglicher Anfechtung um unseres Glaubens willen." Dies ist einfach unwahr! Wir wissen im Gegenteil, daß wir trotz unserer freiheitlichen Gesetze noch lange, lange manche Anfechtung erfahren werden um unseres Glaubens willen. Wir hoffen, wir vertrauen nur, daß diese Anfechtungen doch endlich aufhören werden. Wo ist denn überhaupt die gesetzliche Freiheit des Dr. Vogelstein? Wir haben höchstens „freiheitliche Gesetze". Vom Wochenseste sagt Dr. Vogelslein: „Hoffnungsvolle Keime verkünden den Segen, den Du (Gott) in der Ernte uns senden wollest". Was ist hier großartiger: die Poesie oder die Logik? „Verkündende Keime" sind wirklich eine Bereicherung der dichterischen Phraseologie. Man denke, Keime, die in der Erde verborgen stecken, einen Segen verkünden hören! Eine Phantasie, die das kann, kann auch das Gras wachsen hören! Und welchen Segen verkünden diese Keime? „Den Segen, den Gott uns senden wolle"! Das ist doch eine wunderbare Prophetengabe dieser Keime, zu verkünden den Segen, von dem wir manschen, daß Gott ihn senden wolle! Aber diese unglaubliche Logik wird noch überboten durch die Fortsetzung: „Einen noch herrlichern. unvergänglichen Segen gabst Du einst um diese Zeit, .... da Du ihnen Deine Lehre.offenbartest." Also die Offenbarung ist ein noch herrlicherer S egen, als der von den Keimen verkündete, den Gott uns senden wolle! Welche Logik! Und welcher Geschmack überhaupt, den Segen der Gotteslehre mit dem Segen eines Frühlings in Parallele zu stellen! — Sprachlich ist zu bemerken: .„Einen noch herrlichern, unvergänglichen" rc. muß heißen: „Einen noch herrlichern, einen unvergänglichen" rc. In demselben Stück läßt Dr. Vogelstein das „Licht der Wahrheit" verleihen und durch das „Licht" das Herz „erwärmen" Man „verleiht" einen Orden, aber keine Wahrheit, und das „Licht" muß man sich schon sehr groß denken, wenn es nicht blos leuchten, sondern auch „erwärmen" soll. Man kann wohl eine „Flamme" neben dem Erwärmen auch leuchten lassen, beim „Licht" neben dem Leuchten auch das „Erwärmens inbetracht zu ziehen, ist eine fürs Gebet zu große (oder zu kleinliche?) Oekonomie. Nun kommt wieder eine fürs Gebetbuch zu mangelhafte Logik: „Den Dank für dieses Himmelsgeschenk wollen wir dadurch bekunden, daß wir den teuren Schatz, das uns anvertraute Kleinod Deines Gotteswortes treu hüten und als heiliges Erbteil unversehrt unseren Kindern und Kindeskindern übergeben." Ist es nicht zu viel Dank? Weil unsere Väter ein „Himmelsgeschenk" bekommen, sollen wir in alle Ewigkeit unsere Kinder rc. in die Ketten dieses Geschenkes schmieden? Eine thörichte Frage, nicht wahr? Die Gotteslehre ist auch für unsere Kinder das wertvollste Geschenk, es ist für sie „ein Baum des Lebens". Gewiß! Aber dann vererben wir die Gotteslehre nicht, um „unfern Dank zu bekunden", sondern aus Elternliebe. Vererbt man etwa ein gutes Rezept, um dem Arzt seinen Dank zu bekunden? Dazu kommt, daß Gott gegenüber ein „Bekunden" des Dankes eine gedankenlose Aeußerlichkeit ist. Schon einem großen irdischen Wohlthäter gegenüber wäre der Ausdruck „bekunden" zu geschäftlich. Auch ist der Ausdruck: „Dein Gotteswort" eine Gott gegenüber deplazierte Schmeichelei. Diese ist wohl einem Fürsten gegenüber noch immer am Platze in „Dein Königswort" rc. Der Fürst ist ein Mensch und es thut ihm wohl, an seine Würde erinnert zu sein. Aber Gott? Das Hüttenfest nennt Dr. Vogelstein „die Zeit der Freude ob der Gnade, die Du durch den Erntesegen uns erwiesen". „Freude über den Ernte fegen, den Du in Deiner Gnade uns erwiesen", entspräche mehr dem wirklichen Verhältnis zwischen: Freude, Erntesegen und Gnade. Ferner sagt er: „Du hast der Erde ihren Ertrag entlockt" — das „Entlocken" von Gott aussagen, beweist, obgleich es Geiger auch hat, ebenso viel Geschmack, wie der „fürsorgende Schutz" das. Sehr platt ist das Gebet das. : „So wollest Du . . . Deine milde Hand öffnen, um uns zu nähren und uns vor Mangel zu behüten". Unverständlich ist der Schluß: „wollest in der Hütte Deines Friedens uns bergen, bis wir nach Deinem ewigen Willen eingehen in das Reich des ewigen Friedens"; — welche „Hütte des Friedens" ist da gemeint? Die szukkass scholaum des Abendgebetes ist die Messias-Zeit. Soll das blos eine Ausschmückung des „Friedens" sein, so ist der „Frieden" sehr durch die „Hütte" /

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