Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 51 (18.12.1896)
- Date
- 1896-12-18
- Page
- Seite 848 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 848. Allgemeine Israelitische Wochenschrift Nr. 51. den statutenwidrtgen Ausschluß der Oeffentlichkeit bei dem Wahlakte. Königsberg i. Pr., 13. Dezember. (Vortrag.) Im Litteraturverein hielt Privatdoeent Dr. Peiser einen Vortrag über „Das Babylon der jüdischen Gefangenschaft". Redner beleuchtete dabei die hohe Bedeutung, welche die babylonische Kultur der angegebenen Zeitepoche für die weitere Kulturentwickelung der jüdischen Nation und durch diese indirekt für die Entwickelung der gesamten zivilisierten Welt gehabt hat, und gab der Meinung Ausdruck, daß das Babylon jener Zeit als die Wiege der gegenwärtigen Zivilisation bezeichnet werden könne. Von diesem Gesichtspunkte aus entrollte der Vortragende in anschaulicher Darstellung Bilder aus dem damaligen Leben Babnlons. Die Zuhörer wurden in den Baalstempel, unter das Tempelthor zu den Gerichtsstätten und an die Tische der Banquiers und der Berufsschreiber geführt und lernten die wohlgeordnete Gerichtspstege und Staatsverwaltung, die Bevölkerung Babylons und ihre Stände und Berufsarten, das Familienleben, soweit darüber uns bekannt geworden, und die Denk- und Lebensweise der äußerst gemischten Einwohnerschaft kennen, thaten Blicke in die Litteratur und Kultur des Volkes und durften schließlich noch im Königspalaste des Darius an einem Königsmahle, einer Audienz der Deputationen der unterjochten Völkerschaften und an einem Götzenfeste, einer Art Krönungsfeierlichkeit des Königs, im Geiste teilnehmen. Die lebensvollen interessanten Darstellungen fanden den lebhaftesten Beifall der dankbaren Zuhörerschaft. n3. Memel, 13. Dezember. (Das jüdische Krankenhaus zu Memel.) Die geographische Lage unseres Ortes hat diesen von altersher zum naturgemäßen Handels-Centrum und vordersten Punkt des westlichen Europa für weite Strecken eines von einer armen jüdischen Bevölkerung dicht besetzten russischen Landstriches gemacht. Bei den lebhaften Handelsbeziehungen mit dem benachbarten Rußland bestand in Memel von jeher ein großer Zug von Kranken, um bei den hiesigen Aerzten Heilung zu suchen, darunter wohl der größte Teil völlig unbemittelter Menschen, welche hier in elenden Gelassen und verlassenen Ställen kaum Obdach fanden. Diesen jammervollen Uebelständen abzuhelfen, ist im Jahre 1871 aus Beiträgen deutscher Glaubensgenossen ein jüdisches Krankenhaus hier errichtet worden und durch Spenden vornehmlich seitens der hier handeltreibenden russischjüdischen Kaufleute unterhalten. Seit fast einem Menschenalter ist dieses eminent segensreich wirkende Institut eine Heilanstalt für mittellose Kranke gewesen. Um das Gedeihen des Werkes machte sich der frühere Arzt des Hauses Herr Dr. Fürst (jetzt in Berlin) besonders verdient. Das Haus aber, das dann zu diesem Zwecke erworben wurde, erwies sich besonders in den letzten Jahren als viel zu klein und mangelhaft, der hohen Zahl der Heilungsuchenden bei weitem nicht entsprechend, sodaß Herr Medizinalrat Nath in einem Jahresbericht schreiben konnte: „Die elendesten Zustände herrschen im jüdischen Krankenhause zu Memel." Es galt dem Nebel abzuhelfen, für das bereits bestehende Institut ein neues größeres Heim zu schaffen. Auf Anregung des verdienstvollen Arztes des Hauses, Herrn Dr. Pindikowsky, der mit hingebender Liberalität seit länger als einem Jahrzehnt seine Funktion unentgeltlich versieht, gesellten sich zu den beiden ersten Mitbegründern des Hauses, dem rühmlichst bekannten Rabbiner Dr. Rüls und dem Senior unserer Gemeinde, Herrn Saul Bloch, einige angesehene Männer der Jnitative, die vereint die edle Sache in die Hand nahmen und thatkräftig ans Werk gingen. Diesen voran der Vorsitzende im Vorstande der Synagogen-Gemeinde, Herr Banquier Leopold Alexander, der aus eigenen Mitteln einen großen Platz kaufte und hochherzig dem jüdischen Krankenhause zur Bebauung zueignete. Unter Mitwirkung auswärtiger einflußreicher Kreise, ist in kurzer Zeit durch milde Sammlungen ein Fonds aufgebracht, aus dem ein neues Haus errichtet werden konnte. Angesichts des humanen Zweckes haben die Behörden entgegen den herrschenden Bestimmungen, die Bebauung des Platzes gestattet, sodaß Ende August 1895 die Grundsteinlegung sich vollzog. Vor Beginn des Winters kam der Rohbau unter Dach und am 22. v. M. wurde das Haus seiner Bestimmung geweiht. Die Einweihung vollzog sich im Beisein der Spitzen der staatlichen und städtischen Verwaltungsbehörden. Der Vorsitzende Alexander übergab nach einer angemessenen Ansprache das Haus dem Anstaltsarzt, Herrn Dr. Pindikowsky. Darauf nahm dieser das Wort, die Entstehungsgeschichte des Hauses darlegend. Alsdann folgte die Einweihungsrede des Rabbiners Dr. Rüls, der über die Bedeutung des Nnterstützungs- und Liebeswerkes in der israelitischen Religion sich verbreitete und ganz besonders an den Vers Ps. 41, 2. die Verdienstlichkeit der Krankenpflege zum Heile der Gesellschaft und zur Förderung eines frommen und glücklichen Lebens entwickelte. Nach dem Weihakte wurde ein Rundgang durch alle Räume des Hauses vorgenommen, welches in wahrhaft musterhafter Weise eingerichtet und mit allen Hilfsmitteln des modernen Heilverfahrens ausgestattet ist. Tie hohe Befriedigung über das wohlgelungene Werk gaben die geladenen Gäste von den königlichen und städtischen Behörden in trefflichen Reden bei dem abends stattgehabten Festmahle kund. — So steht das Haus vollendet da. Es bedarf aber noch der Sicherstellung des Etats zur Deckung der laufenden Ausgaben. Die jährlichen Ausgaben des neuen Hauses beziffern sich voraussichtlich auf Mk. 7000, eine nicht zu hoch gegriffene Summe. Die Einnahmen dagegen sind mit nur Mk. 4000 gesichert. Ein Zuschuß von Mk. 3000 jährlich ist noch erforderlich. Da das Werk nicht unseren lokalen Verhältnissen, sondern den aus Rußland herüberkommenden armen kranken Glaubensbrüdern geweiht ist, sodaß es gewissermaßen eine Schutzwehr gegen das Vordringen armer Kranker, kranker Armer in Westeuropa bildet, so, sei die Anstalt dem Wohlthätigkeitssinn unsrer westlichen Glaubensgenossen bestens empfohlen. Mittelst allerhöchster Ordre vom 18. Juli er. ist übrigens der Anstalt das Recht einer juristischen Person verliehen worden. t. Posen, 14. Dezember. (Der Verein jüdischer Lehrer der Ostprovinzen) hält hier am 24. d. Mts. seine Provinzial- Lehrerversammlung ab, für welche folgende Tagesordnung festgesetzt ist: 1. Gesang, 2. Begrüßung und geschäftliche Mitteilungen, 3. Rechnungslegung, 4. Wahl des Vorstandes und der Stellvertreter, 5. Vorträge: 3) "Notwendigkeit der jüdischen Volksschule (Katz-Gnesen), d) Nebenbeschäftigung der jüdischen Lehrer (Hopp-Kurnik) c) Einheitlichkeit des jüdischen