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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-12-18 · 51 (18.12.1896) · p. Seite 841

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
51 (18.12.1896)
Date
1896-12-18
Page
Seite 841 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 51. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 841. wiesen. Es wäre korrekt, wenn das geschehen wäre, es ist aber unwahr, daß das geschehen ist. Nach einem ausführlichen Berichte in dem amtlichen Organe des „Zentralvereins" hat das Erkenntnis kein Wort enthalten, von dem, was Herr Fuchs da hineingelesen und was wir darin schmerzlich vermissen. — Rechtsanwalt Horwitz sekundierte in gleicher Tonart, in der nämlichen Weise. Er will glauben machen, daß Herr Klausner aus Aerger über eine angebliche Ablehnung eines von ihm angebotenen Artikels für das Organ des „Zeutralvereins" den Vorstand desselben angreise. In Wahrheit hat Herr K. aus Höflichkeit eine notwendige Berichtigung in Form eines Artikels angeboten und erst nach der Ablehnung dieses höflichen Anerbietens eine preßgesetzliche Berichtigung erzwingen müssen. Herr Horwitz sagte, daß Herr K. mit seiner 'Namensunterschrift dem Vorstande „Unfähigkeit und Unverstand" vorgeworsen, auch verächtlich sie „Bagatellanwälte" genannt habe. Das ist nicht wahr. Nicht „Unfähigkeit und Unverstand, sondern „Mißverständnis und Unverstand" hat es in jenem Artikel geheißen (Nr. 30 pag. 504a) und der Ausdruck „Bagatellanwälte" ist in unsrem Blatte weder von Herrn K. noch vom Schreiber dieses gebraucht worden. Herr H. hat Herrn K. die Verfasserschaft von Artikeln zugeschoben, die dieser nicht geschrieben, die (Nr. 14 pag. 248) mit den nämlichen Initialen, die diese Zeilen als Unterschrift tragen, gezeichnet waren, und ist trotz allen Widerspruchs horrenderweise bei seiner Behauptung geblieben. Fassen wir die Ergebnisse der vorstehenden Mouita und mancher Vorgänge in der Generalversammlung eines Vereins zusammen, der sich rühmt 25 000 deutsche Juden zu vertreten, und der hofft, zum Vertreterder Gesamtjudenheit Deutschlands erkoren zu werden, so ergiebt sich folgendes Genrebildchen: Herr Horwitz führt den Vorsitz und nimmt an der Debatte teil — das ist ordnungswidrig; er thut es sogar, während seine eigene Wahl zur Verhandlung steht — das ist taktwidrig; er polemisiert als Beteiligter gegen einen Vorgeschlagenen und läßt die Abstimmung vornehmen, ehe noch der von ihm und Herrn Fuchs Angegriffene geantwortet hat — das ist der Gipfel der Ungehörigkeit. — Doch nein, der Gipfel der Ungehörigkeit ist erst am Schluffe erreicht worden. Der erste Redner des Abends, Herr Levinstein, hatte mit einer Apologie des Judentums den Abend eingeleitet, ein Kandidat der evangelischen Theologie hat mit einer Verherrlichung des Christentums den Abend beschlossen. Nach dem Rededuell zwischen den Herren Fuchs und Horwitz einerseits und Herrn Klausner andererseits, und nachdem Herr Horwitz mit sichtlicher Befriedigung konstatiert hatte, daß er nebst seinen ausscheidenden Kollegen wiedergewählt sei, erhielt der als Gast anwesende bekannte Professor der evangelischen Theologie Dr. Ad. Strack das Wort, um den von Herrn Lcvinstein angestimmten Jubeltönen einen Dämpfer aufzusetzen. Die nämliche Versammlung, die dem Apologeten des Judentums Beifall gezollt, spendete auch dem Verherrlicher des Christentums rauschenden Applaus. Und selbst die Rede eines jugendlichen Kandidaten der evangelischen Theologie, der mit der Forderung, die Juden sollten sich dem Christentume nähern und der Weihnachtsbotschaft: „Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden" geschlossen hat, wurde mit lautem Beifall ausgenommen. Und der Vorsitzende des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens ward von der Weihnachtsbotschaft so ergriffen, daß er sie zum Terte seines Schlußwortes gemacht hat. . . . Wir fragen: Wo bleibt der Glaube?- In den wenigen Gedichten, die Wilhelm Hauff überlebt haben, zeichnet sich eines durch Schärfe der Satire ganz besonders aus. Es ist „Jesuitenbeichte" betitelt und enthält u. a. folgende Zwiesprache zwischen Beichtkind und Beichtvater: Das Sacrileg, ich will's gestehen, nannte Ich ein Gesetz für Sklaven nur gemacht; Der Menschheit Schmach und des Jahrhunderts Schande Und P . . . , ihn, der es ausgedacht. Schalt ich den Mörder aller freien Seelen. „Mein Sohn, das war ein derber Schimpf. Allein Du irrtest menschlich, irren heißt nicht fehlen; Du sollst entschuldigt und versöhnet sein." Und als ich diese arme Welt bedachte. Und sah wie alles schief und irrig geht, Wie man die Tugend und das Recht verlachte. Und wie jetzt Trug und Laster oben steht. Da hielt ich Gott für einen leeren Namen. „Mein Sohn, du hast dich schwer verfehlt. Allein Gott ist barmherzig gegen Sünder, Amen; Du sollst entschuldigt und versöhnet sein." Ich liebte Eintracht in Palast und Hütten, Doch als ich schleichend wiederkehren sah Die Zwietracht an der Hand der Jesuiten, Da schwor ich ew'gen Haß Loyola Und ew'gen Haß und Rache seinen Söhnen! „Mein Sohn, ich bin die Langmut selbst: Allein Das heißt fürwahr das Heiligste verhöhnen; Vor uns und Gott kannst du nicht schuldlos sein!" Was wir mit dem Abdruck dieses Gedichtes sagen wollen — der Verständige wird uns verstehen. Du aber, verklärter Geist des weisen Beichtvaters, steige zu uns hernieder, auf daß wir dich zum Vorsitzenden wählen des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens! A. L. Das Inderilrrrri am Uordseestrande. In Ihrer geschätzten Zeitschrift wird seit einiger Zeit in anregender Weise die Frage erörtert, ob das Judentum im Sinken oder Steigen begriffen ist. Die Frage des Steigens und Sinkens berührt uns am Meeresstrande, wo Ebbe und Flut täglich abwechseln, noch mehr als die Juden anderswo, und darum werden Ihren Lesern auch heute einige Mitteilungen aus unserer entlegenen Gegend nicht unwillkommen sein, zum mindesten wissen sie dann, daß die Worte Jer. I, 14: nyin nr?n pESE („vom Norden kommt das Unheil") aus unsere heutigen Verhältnisse keineAnwendung mehr finden können. — In der Mitte das Herzogtum Oldenburg, zur Rechten die freie Reichsstadt Bremen und zur Linken Ostfriesland, haben diese drei Landesteile trotz der Verschiedenheit des

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