Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 50 (11.12.1896)
- Date
- 1896-12-11
- Page
- Seite 834 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 834. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 60. Der Israelitische Hilssverein (Verein zur Beschränkung des Wanderbettels) versendet seinen 14. Jahresbericht. Die Zahl seiner Mitglieder hat sich auf 516 gehoben, die Beiträge und Geschenke sind von M. 10,692 bezw. M. 5622 auf M. 10,785 bezw. M. 5988 gestiegen. Die Zahl der Wand er bettler, welche das Vereinsbureau aufsuchten, ist abermals bedeutend zurückgegangen; sie betrug im abgelausenen Jahr 1575, wovon 1601 mit M. 4878 unterstützt wurden. Dagegen wurde für dringende Fälle M. 5787 mehr als im Vorjahr verwendet und zwar M. 22,348. Im ganzen betrugen die Einnahmen M. 38,945, die Ausgaben M. 80,312. — Unter dem Namen „Montefiore-Verein" ist hier ein Verein zur Förderung der idealen Interessen jüdischer junger Leute gegründet worden, der die Vereinigung israelitischer junger Leute, ihre Anhänglichkeit an das Judentum und ihren Sinn für alle idealen Interessen überhaupt zu fördern, ferner ihnen zu einer edlen Geselligkeit Gelegenheit zu geben, zum Ziele hat. Allwöchentlich soll ein offizieller Vereinsabend stattfinden, an welchem ein Vortrag über ein wissenschaftliches Thema, vornehmlich aus dem Gebiete der jüdischen Litteratur, gehalten werden soll. Außerdem wird ein Lese- und ein Spielzimmer eingerichtet werden, zu welchem die Mitglieder an mehreren Abenden der Woche Zutritt haben. Die Verwaltung der „Israelitischen Suppenanstalt" hat ihre Lokalitäten für die Veranstaltungen des Vereins sreundlichst zur Verfügung gestellt. Mehr als 150 Mitglieder sind dem Vereine beigetreten. * Straßburg, i. E., 6. Dezember. Sehr geehrter Herr Redakteur! Mit Bezugnahme auf die interessante Korrespondenz „Von der Elbe" in der Nummer 45 Ihrer geschätzten Wochenschrift, sehe ich mich veranlaßt, einige dort sich eingeschlichene Inkorrektheiten hier richtigzustellen. Ein Werk mit dem Titel ynn1 ’OE, wie es in der erwähnten Korrespondenz wiederholt und konsequent heißt, existiert in der jüdisch-talmudischen Litteratur überhaupt nicht. Der ehemalige Oberrabiner in Frankfurt a. M., namens R. N*pN"ipc yr^v zpy betitelte seine Werke mit ymrp i;e, anspielend auf den agadischen Ansspruch: „Das Gesicht Moses strahlte wie die Sonne, das Gesicht Josuas wie der Mond." (B. Bathra 751). Ein Name yupy> hingegen ist weder in der heiligen Schrift noch in den späteren Büchern vorhanden. In der Bibel finden wir blos den Namen yiyr> (Jeschua) für yrnrv (vergl. Nehem. 8,17), welche Abkürzung wir auch sonst an anderen Bibelstellen vorfinden (vergl. Esra, Nehem. und II. Ehr. 31,15 u. s. f.) Ein Werk ymrp i:e hat bereits der Großvater des Frankfurter Oberrabbiners, und zwar eine Gutachtensammlung über die Vorschriften aller vier Ritualkodizes enthaltend, erscheinen lassen. Dieses schrieb sich Npxipc yirr» 2py\ Auch existiert ein Werk yyirp ■>;?, das R. Josua Chardali zum Verfasser hat, der in der nächstfolgenden Generation vom Verfasser des Schulchan Aruch gelebt hat. Dieses Werk enthält ebenfalls Responsen. Ferner ist jener Korrespondent im Irrtum, wenn er schreibt, daß der ehemalige Frankfurter Oberrabbiner, der Verfasser von riN^En, s. Z. aus tief Rußland berufen wurde. Derselbe war vielmehr aus Czortkow in Galizien, der Sohn des dortigen Oberrabbiners R. Hirsch Horowitz. Aber auch Wittkowo und Lechwitz (wahrscheinlich Lochwitz) wo R. Pinchas Horowitz als Rabbiner fungierte und von wo ausderselbe nach Frankfurt berufen? wurde, liegen nicht in Rußland, sondern in Böhmen, Mähren, Galizien und Provinz Posen. Höchstwahrscheinlich kommen ' hier nur Wittkowo in der Provinz Posen und Lochowitz in Böhmen in Betracht. Dies zur Steuer der historischen Wahrß heit. Rabbiner Dr. Aschkanaze. * # Straßburg i. E., 6. Dezember. (Alle drei Ringe), - richtiger: Die Vertreter der drei Konfessionen haben jüngst an der Einweihung eines neuen Spitals in Brumath nebent einander gewirkt. Zuerst sprach der evangelische Pfarrer I Nandres ergreifende Worte über die Gottes- und Nächstenliebe, alsdann redeten noch der katholische Priester und der - Rabbiner. Mühlhausen (Elsaß). Sehr geehrter Herr Redakteur! In Nummer 45 Ihres geschätzten Blattes finde ich einen Bericht über meinen Vortrag „Aberglaube und Judentum". Ein paar Stellen dieses Berichts enthalten leider Ungenauigkeiten, welche mir bedenklich erscheinen, weil sie seitens unserer Gegner verwertet werden könnten. Eine Berichtigung wäre mir erwünscht. — Ich habe * nicht gesagt: in der schonungslosen Bekämpfung des Aberglaubens stehe die jüdische Kulturgeschichte obenan. Sondern: in der schonungslosen Bekämpfung des Aberglaubens stehe unter den litterarischen Denkmälern des Judentums der Pentateuch voran. Ich habe nicht gesagt: das christliche Mittelalter , habe Wahnvorstellungen in die jüdische Lehre hineingetragen, und die Christen damaliger Zeit hätten viele heidnische Gebräuche . in die christliche Religion verpflanzt. Sondern: Während * des Mittelters seien allerlei abergläubische Anschauungen aus J christlichen Volkskreisen auch von den Juden ausgenommen worden; diese Anschauungen hätten aber mit dem Christentum nichts gemein, sondern seien Reste des alten Heidentums, an . denen das Volk mit Zähigkeit sesthielt. Ich habe nicht gesagt: in allen Teilen des Talmud sei keine Spur von abergläubischen Vorstellungen enthalten. Sondern: in den älteren Teilen des Talmud, die sich dadurch eben von den jüngeren unterscheiden. Mit Hochachtung Dr. Heinrich? L e w y, Gymnasialoberlehrer. , A Hamburg, 7. Dezember. (Ehrung. — Schenkung. — Vortrag.) Dem verdienten Lehrer an der Realschule der Talmud- I Thora, Dr. Ph. Nathan, wurde im Laufe voriger Woche eine besondere Ehre zuteil. Die Universität Jena hat dem Genannten f sein Doktordiplom, das er vor 50 Jahren an jener Anstalt erworben, erneuert und den Direktor Dr. Goldschmidt beauftragt, ihm das Dokument zu überreichen. Es geschah dies f in Gegenwart des Lehrerkollegiums der Schule mit einer Anj spräche, in welcher der Direktor die Verdienste des Jubilars | hervorhob und den Wunsch aussprach, daß er noch lange wie j bisher wirken möge. — Die Neue Dammthor-Synagoge hat z zum Channukahfeste von Freunden zwei wertvolle Geschenke r erhalten, nämlich eine kunstvoll gearbeitete Kanzeldecke und r eine sehr schöne Weinflasche nebst Schild. Beide Teile sind ■ am letzten Freitag-Abend in Gebrauch genommen worden. — Die Henry Jones-Loge veranstaltete am Donnerstag eine Makkabäerfeier mit Vortragsabend zu Ehren des neuen „Jugendbundes", der sich die Pflege religiöser und geistiger Interessen zur Aufgabe stellt. Die Logenbrüder mit ihren