Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 50 (11.12.1896)
- Date
- 1896-12-11
- Page
- Seite 832 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 882 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. dir. 50 einen Tag nach der nach jüdischem Ritus vollzogenen Trauung ausgezahlt werden. 2. Der am 10. Dezember 1870 hierorts verstorbene Herr Jakob Simon hat in seinem Testamente vom 18. Juli 1875 ein Kapital mit der Bestimmung ausgcsetzt, daß aus den Zinsen alljährlich „zwei jüdische ehrenhafte, notbedürftige Männer", zunächst aus demKreise seiner Verwandtschaft, gleiche Unterstützung erhalten sollen. — Aus der Moses-Mendelssohn-Stistung, deren Kapital 150 000 Mark beträgt, kommen für das Jahr vom 1. April 1897 ab vier Stipendien im Betrage von je 650 Mark zur Verteilung. Sie sind bestimmt für Reichsangehörige ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses. Entscheidend ist die wissenschaftliche Tüchtigkeit, welche durch Zeugnisse aus Grund einer Prüfung im Hauptsache oder durch eigene wissenschaftliche Arbeiten darzuthun ist. Die Verleihung kann später aus ein zweites, driltes und noch viertes Jahr ausgedehnt werden. Die Bewerbung muß bis 6. Januar 1897 einschließlich erfolgen. Die Erteilung der Stipendien findet in einer Fakultätssitzung bis 1. März statt. g. Berlin, 8. Dezember. (Das „jüdische Mädchenstift) in der Münzstraße befindet sich im Stadium eines recht gedeihlichen Wachstums. Die Zahl der Jnstitutspfleglinge ist aus 17 gestiegen und nicht wenige, die hier ihre hauswirtschastliche Ausbildung erhalten haben, sind in Stellungen untergebracht, in denen sie sich aufs beste bewähren. Am 4. Chanukahtage fand in den Räumen der Anstalt eine schöne Feier statt, an der sich eine größere Zahl wohlthätiger Damen beteiligte, und die nach der zu Herzen dringenden Ansprache des Herrn Direktor Dr. Strelitz mit einer Bescherung sowohl der jetzigen als der ehemaligen Zöglinge endete. Neben allerhand nützlichen und angenehmen Geschenken erhielt jedes Mädchen, von einer Dame gespendet, auch ein neues Gebetbuch. Zwei Mädchen aber, die die volle Zufriedenheit ihrer Herrschaften in ihren Stellungen sich erworben, bekamen als Anerkennung für ihre gute Führung und praktische Bewährung je eine Prämie von 40 Mark aus dem Dr. Lüppschen Unterstützungssond. Die segensreich wirkende Anstalt erfüllt in gewünschter, aber zäher Arbeit die Erwartungen, die man bei ihrem Jnslebentreten auf sie gesetzt hat. Ihr Wirken ist eine sprechende Widerlegung der falschen Vorurteile, daß Juden der körperlichen Arbeit aus dem Wege gehen. o. Memel, 6. Dezember. („Chanukah-Bescherung.") Alljährlich, wenn der Dezember dnrch das Land geht, sehen wir in unseren Tagesblättern Aufruf neben Aufruf, in welchen der Wohlthätigkeitssinn wohlhabender Mitbürger für Arme und und Notleidende angerufen wird, und — ein Bild immer seltener werdender Einmütigkeit — die Bekenner aller Religionen folgen dem Ruse. Juden und Christen geben für Juden und Christen. Dieser Wohlthätigkeitssinn bereitete heute den Kindern der jüdischen Elementar-Armen-Schule ein frohes Fest: Die Chanukah-Bescherung fand statt. Kurz nach 3 llhr gingen die Kinder in geordnetem Zuge von der Schule nach der Synagoge, woselbst sich bereits zahlreiche Festteilnehmer eingefunden hatten. Nach dem einleitenden Gesang (Ma towu) seitens der Kinder ward Minchah gebetet, dann von einem Knaben die Lichtlein angezündet und die Chanukah-Hymne gesungen. Rabbiner Dr. Rülf hielt die Festpredigt. Deklamationen und Gesang unter der Leitung des Lehrers Arndt folgten. Mit dem Gesang ves Adon olam schloß die Feier,) der sich dann die Bescherung in der Schule anschloß. Be- \ merkt sei noch, daß in diesem Jahre auch einige Kinder wohlhabender Eltern bei der Feier mitwirkten, aber leider nur einige. X. Posen, 6. Dezember. (Vereinswesen.) Der israeli-) tische Verein „Frauenhilfe", der vor einigen Jahren aus Anregung mehrerer hiesiger Damen gegründet wurde und seitdem in ganz erfreulicher Weise angewachsen ist, veranstaltete , behufs Erlangung neuer Mittel für die Förderung seiner 1 menschenfreundlichen Bestrebungen eine Wohlthätigkeitsvor- ' stellung, die in jeder Beziehung ihren Zweck erreicht hat, denn erstens war der Saal bis auf den letzten Platz besetzt, wodurch die materielle Seite des Unternehmens gefestigt wurde, und dann war auch das Gebotene so ansprechend, zum Teil über Dilettantenleistung hinausgehend, daß man wirklich recht befriedigt den Saal verlassen konnte. Der Verein trat im September 1891 ins Leben; er hat den Zweck, kranken Frauen, Kindern und Wöchnerinnen Pflege zukommen zu lassen und nach ärztlicher Vorschrift alles das herbeizuschaffen, was zur Pflege und Kräftigung erforderlich ist. Die Damen besuchen die Kranken selbst und haben vor allen Dingen das Ziel im . Auge, nicht Geld sondern Naturalien, die zur Pflege der be- : dürftigen Kranken nötig sind, zu geben. Oft auch wurden Kranke ins Bad geschickt und für das Kurhospital in Kolberg * ein jährlicher Beitrag gezahlt, damit der Verein das Recht habe. Kranke dorthin zu schicken. Im ersten Jahre des Be- : stehens betrug die Einnahme des Vereins 558 Mk., in diesem Jahre 3212,91 Mk., ein Beweis, wie schnell der Verein sich die Gunst der hiesigen Gemeinde erworben hat. — Der ,> israelitische Holz- und Kohlenverteilungs-Verein, der anstrebt, j bedürftige Gemeindemitglieder mit Heizmaterial zu versorgen,; hat mit Beginn der rauhen Jahreszeit seine Thätigkeit wieder; ausgenommen. Wie erfolgreich der Verein wirkt, geht aus ' dem Umstande hervor, daß im Laufe des vorigen Winters ca. 1500 und in diesem Monate bereits 300 Zentner Kohlen zur j Verteilung gelangt sind. — In Wreschen ist ein neuer i Verein gegründet worden, der bezweckt, die Mitglieder mit den ' jüdisch-religiösen Gesetzen vertraut zu machen. 45 Posen, 6. Dezember. (Der Verein zur Förderung > des Handwerks und des Ackerballes unter den Juden) hielt; am vorigen Sonntag seine erste ordentliche Generalversammlung l ab. Aus dem vom Schriftführer, Rechtsanwalt Placzek, eris statteten Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der Verein > 10 Knaben bei Handwerksmeistern untergebracht, und zwar | drei Uhrmacher, einen Schuhmacher, drei Schlosser, einen j Bäcker, einen Buchbinder; ein Bauschüler werde auf einem i Polytechnikum unterstützt. Außerdem sei ein Knabe, welcher || die Gärtnerei lernt, unterstiitzt worden, wie auch ein Mädchen, f; das sich in der Schneiderei weiter fortbilden will. Der Be- £ richterstatter richtete zum Schluß an die Vereinsmitglieder |j die Bitte, soweit dieselben Beziehungen in Orten der Provinz | haben, keine Gelegenheit sich entgehen lassen, um daselbst dem «! Verein Mitglieder zu werben. Nunmehr erstattete der Vereins- || kassierer, Bankier Hamburger, den Kassenbericht. Hiernach betrugen die Einnahmen: von 17 Herren bei der Gründung des