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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · p. Seite 831

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
Seite 831 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 50. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 881. Wenn man dem frischen Eichenkranze Das Band, das schön ihn knüpfte, raubt, Dann sinkt entblättert hin das Ganze- Germania! Beschütz' dein Haupt! — Lemgo. Rektor F. Saphra. Hier und dort. * Berlin, 9. Dezember. (Als Ergänzung unseres heutigen Leiters) fügen wir eine Episode an, die der „Vorwärts" über den im Leckert-Lützow-Prozeß vielgenannten Polizei-Agenten Normann-Schumann berichtet. Unter dem Namen Dr. Mundt wohnte dieser sonderbare Heilige im Jahre 1892 dem. Lantener Knabenmordprozeß bei und gab sich als Berichterstatter des „New-Hork Herald" und der „Agenzia Stesani" aus. Der Gewährsmann des „Vorwärts" will jederzeit eidlich erhärten, daß dieser Polizeispitzel in jenen Tagen an den Grafen Waldersee, mit dem er in Verbindung stand, einen Brief schrieb, der mit den Worten begann: „Hier gehen die unglaublichsten Dinge vor." Derselbe Polizeiagent sei einige Monate lang vor dem Prozeß in kanten gewesen und habe dort in antisemitischen Agitationen das Menschenmögliche geleistet, während der Dauer der Gerichtsverhandlungen wohnte er aber in Cleve in einem jüdischen Hotel. * Berlin, 9. Dezember. („Das Judentum in der Musik.") Wie wir aus einer Notiz im „Woschod" ersehen, ist sowohl der hier rasch berühmt gewordene Geiger Alexander Petschnikow als auch der zur Anerkennung gelangte Pianist Gabrilowitz Jude. Beide stammen aus Rußland. * Berlin, 8. Dezember. (Die russisch-jüdische Auswanderung) über Deutschland hat, wie das deutsche Zentralkomitee für die russischen Juden berichtet, in den letzten Jahren bedeutend abgenommen. Der Rückgang ist auf die Einstellung der Ausweisungen in Rußland und die verschärften Maßnahmen der preußischen Behörden für den Uebertritt von Auswanderern über die Grenze zurückzuführen. Das Komitee hat in der Zeit vom 1. Oktober 1894 bis 30. September 1896 insgesamt 1716 Auswanderer und dafür 34871 Mark verausgabt. Es gilt jetzt bei dem Komitee als Norm, nur solche Auswanderer zu befördern, die mit Schiffskarten für sämtliche Familienmitglieder versehen sind, Leute mit unzureichenden Mitteln, besonders aus Ansuchen der Behörde, in ihre Heimat zurückzuschicken. * Berlin, 8. Dezember. (Die Auflösung einer jüdischen Ackerbaukolonie) wird in amerikanischen Blättern aus Denver, Col., wie folgt gemeldet: „Vor einem Jahre unternahm es T. Cheany im Aufträge von Kapitalisten Bostons, welche Land in Logan County besitzen, eine Kolonie zu gründen. Er fand in New Aork und Philadelphia 76 Familien, sämtlich jüdischen Glaubens, welche gewillt waren, ihr Glück im fernen Westen zu suchen. Sie betrieben allerhand Geschäfte, ausgenommen den Ackerbau. Diese Heimatsucher, im ganzen 365 Personen, trafen am 17. März d. I. an ihrem Bestimmungsorte, dem Torfe Atwood, in Logan County, ein. Anstatt ein Land, wo Milch und Honig fließt, zu finden, fanden sie ihrer Aussage nach ein Kanaan, welches nicht genügend Wasser hatte, um die Sandfarmen, die sie kultivieren sollten, zu berieseln. Einige von den Kolonisten kehrten schon im Sommer nach dem Osten zurück und der Rest ist jetzt in Denver angekommen, wo sie von mitleidigen Personen ihres Glaubens ausgenommen und unterstützt werden." Das Ende dieses Schwindels wurde zur Zeit im „American Jsraelite" von einem mit den Verhältnissen Vertrauten vorhergesagt, aber die Leute konnten nicht und die Agenten wollten nicht lesen. * Berlin, 8. Dezember. (Dr. Felix Buka,) Professor an der Technischen Hochschule und Oberlehrer am Realgymnasium in Charlottenburg, ist am Freitag, 45 Jahre alt, plötzlich am Gehirnschlag gestorben. Der Verblichene hat sich infolge seines ernsten Forschertriebes in Gelehrtenkreisen großen Ansehens und vermöge seines lauteren Charakters und unbestechlichen Wesens in den Kreisen seiner Bekannten ungetrübter Hochachtung erfreut. Bei der vorjährigen Repräsentantenwahlen in Berlin hat er sich auch gemeindepolitisch geltend gemacht. Er stand aus Seiten derer, denen wir gegenüber gestanden, allein wir haben ihn selbst als Gegner wertschätzen und hochachten gelernt. Er zahlte nicht zu jenen, die, liberal maskiert, den Liberalismus kompromittierend, dem herrschenden System und seinen Trägern Schutzdiensie leisten, — nein, es war die ehrliche Ueberzeugung, die in allen seinen Reden zum Ausdruck kam, ein Thatendrang, der helfen, entwickeln, bessern wollte in seiner Weise, in seinem Geiste. Professor Buka ist des schönsten Todes, den sich jeder Arbeiter im Reiche des Geistes wünscht — er ist in seinem Berufe, mitten in der Arbeit gestorben. Was er als Gelehrter und Forscher gewesen, das besagen die Nachrufe in den einschlägigen Fachblättern, was er als Jude gewesen, das mögen diese Zeilen in einem Blatte, welches die von ihm verteidigte religiöse Richtung bekämpft hat, bekunden. Er ruhe in Frieden! * Berlin, 9. Dezember. (Die Auerbachschen Waisenerziehungsanstalten), die unter dem Protektorat der Kaiserin Friedrich stehen, werden voraussichtlich im nächsten Frühjahr aus ihrem alten Heim in der Oranienburgerstraße nach ihrem Neubau in der Schönhauser Allee übersiedeln. Der Neubau wird einer um die Hälfte des jetzigen Bestandes erhöhten Zahl von Zöglingen Raum bieten. Macht schon das weit gegen die Straßenfront zurücktretende Verwaltungsgebäude, vor dem ein von einem Gönner der Anstalten gestiftetes Kaiser Friedrich-Denkmal ausgestellt werden soll, einen stattlichen Eindruck, so steigert sich dieser erheblich beim Betreten des großen Hofes, um den sich die Anstaltsgebäude gruppieren. Nach Süden öffnet sich der Hof auf ausgedehnte Gärten. Jeder Prunk ist vermieden, aber die großen, hohen Räume sind von Licht und Lust durchflutet. * Berlin, 9. Dezember. (Stiftungen.) Der Vorstand der jüdischen Gemeinde fordert Bewerber um folgende Legate auf, ihre Gesuche bis zum 4. Januar bei der Registratur, Oranienburgerstraße 29, einzureichen. 1. Der am 31. Oktober 1890 hierorts verstorbene Herr Hey mann Simon hat in seinem am 11. November 1890 publizierten Testamente ein Kapital mit der Bestimmung ausgesetzt, daß die Zinsen alljährlich einem religiös jüdischen notbedürstigen Manne als Unterstützung oder einer religiös jüdischen bedürftigen Braut

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