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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · p. Seite 827

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
Seite 827 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 50 Allgemeine J-raelitische Wochenschrift. Seite 827. Lösung der Frage durch die Mischehen zu erreichen wäre, um diesen Preis möchten wir sie keinesfalls erkaufen; Bastarde haben nur selten gut gethan." — So, jetzt kann Herr Zellermeyer ein anderes Mittel erfinden, denn die „Deutsche Tageszeitung" will ihn als bürgerliches Lebewesen nicht anerkennen, selbst wenn er sich verpflichtet, sittlichen Selbstmord zu begehen. — lieber die Volkszählung in Preußen im Jahre 1895 haben wir nach dem in der „Stat. Korr." vorliegenden endgiltigen Ergebnis in der vorigen Nr. kurz berichtet. Wir sind in der Lage heute diesen summarischen Bericht durch Angabe der aus einzelne Provinzen entfallenden Bevölkerungszahl nach dem Religionsbekenntnis geordnet, zu ergänzen. Es ergeben sich für die einzelnen Provinzen folgende zuverlässige Zahlen: Bevölkerung Evangelische Katholiken Juden Ostpreußen 2 006 689 1 711 729 266 641 14 364 Westpreußcn 1 494 360 702 030 758 168 20 238 Stadt Berlin I 677 304 1 420 833 155 363 86 152 Brandenburg 2 821 695 2 674 560 118 265 18 394 Pommern 1 574 147 I 524 734 31 739 11 661 Posen 1 828 658 559 760 1 227 197 40 019 Schlesien 4 415 309 1 974 629 2 384 754 47 593 Sachsen 2 698 549 2 496 337 187 559 7 850 Schl. Holstein 1 286 416 1 254 677 24 184 3 702 Hannover 2 422 020 2 088 478 311 457 15 065 Westfalen 2 701 420 1 295 087 1 378 676 19 359 Hessen-Nassau 1 756 802 1 218 805 482 752 45 725 Rheinland 5 106 002 1 427 227 3 610 142 49 018 Hohenzolleru 65 752 2 562 62 608 6 Staat: 31 855 123 20 351 448 10 999 505 379 716 In Preußen befinden sich also 371,716 Juden, während wir 1890 372,059 Seelen zählten. Die Juden in Preußen haben also um 7657 Seelen «120,58 pro Tausend», während die Protestanten um 58,18 und die Katholiken um 72,83 pro Tausend zugenommen haben; wir bilden jetzt nur den 84. Teil der Bevölkerung Preußens. Die relative Abnahme des Anteils der Juden an der Bevölkerung des preußischen Staates vergrößert sich mit jeder Volkszählung, denn während 1880 auf je tausend Seelen 13,34 Juden kamen, kamen 1885 12,90, 1890 12,-12 und endlich 1895 11,99 Juden aus die gleiche Bevölkerungszahl. Die absolute Zunahme von 7657 Seelen in den Jahren 1890—95 ist zwar etwas größer, immerhin aber viel kleiner als sie hätte sein müssen; sie hätte nach dem Verhältnis der christlcheu Bevölkerung ca. 24 000 Seelen betragen müssen. — Böhmische Berge? In der vorigen Nr. berichtete unser Prager Korrespondent, daß nach einer Mitteilung der Oesterr. Wochenschrift die Rabb. DDr. Kurrein-Teplitz, Stern- Saaz und Ziegler-Karlsbad beschlossen hätten eine Religion „Neu-Jsrael", die von allen annehmbar sein soll, zu gründen, und zu diesem Zwecke die Rabbiner Böhmens zur Mitgründung nach Prag eingeladen hatte. Wir vermuteten hinter der Mitteilung ein Mißverständnis. Unsere Annahme erweist sich als nicht zutreffend, ebenso wenig allerdings auch die Mitteilung des Wiener Blattes; denn dieses bringt in seiner letzten Nr. eine Zuschrift des Herrn Dr. Stern, in welcher es heißt: „Es ist nicht wahr, daß Herr Dr. Ziegler und ich unter die Religionsgründer gegangen sind, da uns das Judentum als Religion vollkommen genügt und wir uns auch mit allen jüdischen Propheten und mit allen Großen in Israel in dem Punkte eins wissen, daß das Judentum nicht von allen Menschen anerkannt werden wird. Wahr ist es vielmehr, daß es unser Bestreben ist, durch die Bildung einer religiösen Partei den religiösen Jndifferentismus in Böhmen zu besiegen. Wir wählten für eine solche Partei, die nur segensreich nach allen Richtungen hin wirken konnte, nicht den Namen „Neu- Jsrael" sondern „Jung-Jsrael", weil wir nicht ein neues, sondern ein verjüngtes Israel wünschen, aus dem leidenden Helden soll ein siegender werden. Schließlich sei noch benachrichtigt, daß Herr Dr. Ziegler zur Rabbinerkonferenz gekommen war, ich selbst war allerdings zu erscheinen verhindert, aber aus einer Ursache, die mit der Konferenz in keinerlei Zusammenhang steht. Es wären auch die meisten der Rabbiner Böhmens ihrer schriftlichen Zusage gemäß erschienen, wenn nicht von Prag aus, nicht zum Vorteile für das Judentum, eine riesige Gegenagitation eingeleitet worden wäre." Wir wären Herrn Dr. Stern sehr verbunden, wenn er uns sagen wollte, wie er sich die Verjüngung Israels und die Verwandlung des leidenden Helden in einen siegenden denkt, damit wir uns vergewissern, daß seine Ideen nicht das sind, was man hierzulande nennt — böhmische Berge. — Ein jüdischer Frauenkongreß hat in Amerika stattgefunden. Er hat nichts gemein mit dem aus die sogenannte Emanzipation der Frauen gerichteten Streben, dem wir hierzulande begegnen, sondern hat einen religiös-ethischen Hintergrund. Der Kongreß tagte in New-Pork vom 15.—19. Nov. und war von Delegierten aus Nord- und Südamerika beschickt. Ueber den Verlauf des Kongresses liegt folgender Bericht vor: Nach dem glänzenden Empfange der Präsidentin, Frau Hannah G. Salomon und der auswärtigen Delegatinnen, durch die New Parker Sektion des Council, begannen die ernsten Arbeiten am Montag mit dem Verlesen der Jahresberichte, welche von einem sehr befriedigenden Stand der Gesellschaft zeugen. Die erste Abhandlung war: “the council, its advantages, needs and difficulties;" Frau (Cyrus) Rachel H. Sulzberger behandelte ihr Thema „Das Council in Großstädten" mit vielem Geschick und feiner Beobachtung, während Frau Cita Nußbaum für das „Council in kleinen Städten" eintrat. Die Dienstag-Sitzung brachte die Damen Julia Felsenthal von Chicago, Julia Richman von New Jork und Frau Carrie Benjamin von Denver, Colorado, auf die Rednerbühne. Besonders die letztere wußte die Aufmerksamkeit der großen Zuhörerschaft durch ihre glänzende Rednergabe und geistvolle Logik zu fesseln. Bewunderung erregte am Mittwoch die mit Sorgfalt ausgearbeite Abhandlung „Circle Study", durch Frl. Elizabeth Hirshfield, Buffalo, N. P. Ein Sturm erregte dagegen Frau Herietta G. Frank mit ihrer Abhandlung „Our Opportunities", in deren Verlauf sie den Sonntag- Sabbat befürwortete, was besonders von den anwesenden Rabbinern energisch zurückgewiesen wurde. Ueberhaupt waren die sich an die Vorträge schließenden Diskussionen von hohem Interesse, das Redetournier ging flott von statten und scharf prallten manchmal die Gegnerinnen auf einander. Es zeigte sich, daß es keine leichte Aufgabe orthodoxe und radikalen

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