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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-12-11 · 50 (11.12.1896) · p. Seite 823

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
50 (11.12.1896)
Date
1896-12-11
Page
Seite 823 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 50. Allgemeine J-raelitische Wochenschrift. Seite 823. Rr. 50. lepÄinmch imzcktzt. dieser GeseLschH dn Lhrt. Es sind ihrer M Presse wäre es,;n halten und das t nicht Kardol und vor allem aber sten von Talent und chzehcn. rsahren: der Antidie Juden,sondern nvorvierJahren stände Jreiherrn von änner, die gegen erson des Kaisers Antisemitismus.- irde seht seinem Ge-- r Schmock eine Ehrent haben. da schickte mich mein : ' Gehalte, mit welchem mre - bei Eintritt n zum andern Armen steigenden Scherflein; ser Modus von den ' be im richtigen Ver- - oar dadurch Lust und [ getragen, ohne daß f urde, im Sinne der ser den Vorzug giebt, l ■ mit seiner Famitie s im Anspruch nähmen; dann aber sollen sie auch ihr liebevolles Werk in unverändert jüdischem Geiste zur Ausführung bringen, und anstatt öffentlicher Schaustellung eine Familienfeier bereiten, und dadurch den Familiensinn stärken, denn aus der Familie beruht heute in hervorragendster Weise das Judentum. Bei diskreter Behandlung werden auch die Aermsten unter den Armen — die „bekoweden" — zu ihrem Rechte kommen. Die Schwierigkeit, die sich diesem Vorhaben in großen Städten entgegenstellen, könnten durch Vergrößerung bezw. Vermehrung der zu diesem Zwecke eingesetzten Komites und durch ihre Sonderwirksamkeit in den einzelnen Bezirken, leicht gehoben werden. Die vermehrte Arbeit wird durch den reichen Segen, den sie stiften, und die größere Befriedigung, die sie selbst empfinden werden, reichlich ausgewogen. Die Uebung wird auch hier das übrige thun, denn die Wohlthätigkeit brauchte sich nicht auf die alle Kräfte absorbiernde Chanukah- Vorstellung, mit der man vor der Oeffentlichkeit Ehre einlegen will, zu beschränken, sie könnte ohne alle Formalitäten auf die Feiertage und auch aus Purim ausgedehnt werden. Gerade Purim belehrt uns darüber, daß es sich bei der Chanukah- Bescheerung nur um Nachahmungssucht handelt, die man gar nicht zu bemänteln versucht, sonst hätte man diese Bescheerung aus Purim verlegt, für welches Fest die Beschenkung der Armen besonders vorgeschrieben ist und ehedem sehr eifrig geübt wurde. Am Purim sind die Armen sogar doppelt schlecht fortgekommen, denn nicht allein daß sie im Laufe des Tages sreundlichst bedacht worden waren, „verstellten" sie sich auch am Abend, und ohne daß au ihre „Charaktermasken" große Anforderungen gestellt wurden, durften sie am Purimabende die gastlich geöffneten Häuser der Wohlhabenden aufsuchen, unter dem Schutze der Larve sich an dem Gebotenen erlaben und konnten reichbeschenkt von dannen ziehen. Von all dem ist keine Spur mehr vorhanden. Mit den Mattonoss lo-ewjonim hat man sich am Chanuka abgesunden; am Purim feiert man Fastnacht, am Fastnacht aber giebt es keine Bescheerungen, sondern .... Bälle, die auch von solchen eifrig besucht werden, die keine „Schlachmoneß" schicken. Ja, diejenigen, welche niemals die Magillah, hören, schwingen das Tanzbein am ausdauerndsten! Um die schönsten Seiten der Religion sich selbst zu betrügen, das ist der reine Hohn. Da wir — die wir keine Feinde von Nachahmungen sind, wenn unsere uns eigentümlichen guten Seiten nicht darunter leiden — gerade dabei sind, wollen wir auch andere Nachahmungen erwähnen, die in den letzten Jahrzehnten sich bei uns heimisch gemacht haben. Wir erinnern uns wehmütig der Zeit, als Simchas Thora ein religiös-heiteres Fest war, das — beim „Choßen Bereschis" bis zum nachfolgenden Sabbate ausgedehnt wurde. Jetzt wird am Simchas Thora die ... . Ballsaison eröffnet, und die Zeitungen mancher Gegenden wimmeln von Annoncen, in denen Simchas - Thora-Bälle — sogar gegen Entree — angekttndigt werden, u. z. nicht für den Ausgangs- Abend, sondern für den Festabend selbst. Die Synagoge ist leer, denn man bedarf der Zeit zur Vorbereitung für den Ball; anstatt der „Hakofauß" zieht man nach den naheliegenden Orten, wohin man von guten Freunden eingeladen wurde. Die jüdischen Geschäftsinhaber, die am Jomtow „wegen der Geschäftslage" nicht schließen und ihre Leute nicht entbehren können, geben in liberalster Weise ihrem Personal Urlaub zur Reise zum Simchas Thora-Ball. Es wird die ganze 'Nacht hindurch getanzt, und während am Morgen die Handvoll von Gläubigen in die Synagoge eilt, um den wahren Charakter des Festes zu begehen, stehen die Abgetanzten mit übernächtigten Gesichtern im Laden und tauschen ihre nicht immer säubern Erlebnisse aus, oder, wenn ihre Verhältnisse es gestatten, holen sie den versäumten Schlaf nach. So haben sie Simchas Thora im moderen Sinne gefeiert und der Ball war womöglich noch durch die Anwesenheit des Kultusbeamten verherrlicht, der daselbst eine vom religiösen Geiste triefende Rede vom Stapel gelassen hat. Es wird, wenn das so sortgeht, schließlich dahin kommen, daß der Freitag Abend simila 3imiHt>i3 gleich dem . . . .Sonntag- Abend gefeiert wird — für die Synagoge hat man keine Zeit!!! Wenn in einem Orte zehn Juden sich zusammenfanden, gründeten sie sofort eine Chewra für Wohlthätigkeit bei Gesunden, Kranken, Sterbenden, Gestorbenen und deren Hinterlassenen — und ein Beth Hamidrasch zur Erbauung und Belehrung an Sabbaten, Festtagen und wenn möglich auch nach des Tages Last und Müh. Was hat die Nachahmungssucht und der moderne Aufputz aus diesen zwei schönen Institutionen in Israel gemacht? Die Chewros heißen heute.... Logen der „Benai Berith", der „Kescher schel Barsel" u. s. w., welche alle Kräfte aufsaugen; man wollte doch auch ein bißchen Freimaurerei spielen, und auch ein Meister vom Stuhl — bescheiden Präsident genannt — sein, was nicht bei allen deutschen Freimaurerlogen möglich ist, weil auch in diesen der Antisemitismus sich breit macht und die Spielerei mit Hochgraden das fehlende Christentum ersetzen, aber die wenigen jüdischen Brüder zu solchen zweiten Grades erniedrigen will. Das war ein fremdes Reis, das man aus den Baum des Judentums aufgepfropft hat, und die Strafe blieb nicht aus. Das Logenleben der Benai Berith ist seit Jahren in das Stadium des Stillstandes getreten und hat zur Folge gehabt, daß man die jüdischen Aufnahmesuchenden aus den Logen noch mehr zurückweist und sie aus die jüdischen Logen verweist; die Chewras aber, welche inzwischen zu Vereinigungen niederen Ranges für Unbemittelte degradiert worden waren, verkümmern an vielen Orten, weil sie bei den Besserjituierten alles Interesse eingebüßt haben, und das hat wieder die leidige Nachahmungssucht am unrichtigen Orte gethan. * * * Aus dem Kkrlmr Gkmkindkparlameut. Der Dezember ist ins Land gerückt, und noch sind die Ergänzungswahlen zum Vorstand nicht vollzogen. Wenn das alte Sprüchwort „was lange währt, wird gut" noch in Geltung ist, dann müssen allerdings die Wahlen sehr gut aussallen, denn so lange Zeit zur Entscheidung einer einzigen Frage hat bislang noch niemals eine Konlmission gebraucht. Nun aber hat der Vorsitzende des Repräsentantenkollegiums endlich für den nächsten Sonntag 10 Uhr die Wahl angesetzt.

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