Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 49 (4.12.1896)
- Date
- 1896-12-04
- Page
- Seite 817 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 817. dem Beamten vorgelegt hatte, wurde ihm die Entgegnung: „Eine ministerielle Verfügung an die Standesämter, die allerdings neueren Datums ist, ordnet an, daß derartige Bescheinigungen über die Eintragungen von Geburtsfällen nur zum Zwecke der „christlichen Taufe" auszustellen seien. * Berlin, 1. Dezeniber. (In Sachen der Israelitischen Volksküche) erhalten wir folgende Erklärung: „Verehrliche Redaktion! In der Nummer 46 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie eine Mitteilung „Ueber die israelitische Volksküche" und bitte ich Sie hierdurch nachfolgende Erklärung gütigst aufzunehmen: Es ist naturgemäß, daß eine Volksküche, welche begründet ist, um Armen und Notleidenden ohne Unterschied der Konfession Speisen zu verabreichen, im Allgemeinen die sich herandrängenden Besucher weder wählen, noch einzeln abweisen kann. Selbstredend ist es Pflicht der Verwaltung für Ausrechthaltung der Ordnung zu sorgen. Leider ist dies nicht immer erreichbar, und es muß mit tiefstem Bedauern konstatiert werden, daß zu den Friedenstörern nicht allein die christlichen, sondern sehr oft auch die jüdischen Besucher gehören, was von den Ehrendamen sehr schmerzlich empfunden wird. Es ist indes durch tüchtige Aufsichtsbeamte in der letzten Zeit gelungen, verschiedene störende Personen auszuweisen, und es werden jetzt die Armen, die unsere Anstalt aufsuchen, in der Lage sein, die Speisen, die ihnen in schmackhafter und nahrhafter Weise bereitet und freudigen Herzens dargereicht werden, in Ruhe zu sich zu nehmen. Die Verwaltung der Israelitischen Volksküche. Herrmann Abraham." -r. Breslau, l. Dezember. (Der Wahlkampf) in unserer Gemeinde nimmt mit jedem Tage an Lebhaftigkeit zu, da die Repräsentantenwahlen schon am 11. d. M. stattfinden. Auch die Vertreter der bisherigen Machtinhaber, die sich als „Liberales Wahlkomitee" zusammengethan haben, sind aus dem Plane erschienen und haben am Dienstag Abend ihre erste größere Versammlung abgehalten. Stadtrat Milch führte den Vorsitz. Kaufmann Hermann Haber, der das Referat übernommen hatte, machte die Anwesenden zunächst mit der Ursache bekannt, die zur Einberufung der Versammlung Veranlassung gegeben habe. Durch die maßlosen Angriffe in dem von Dr. Louis Neustadt redigierten „Volksblatt", die in Verbindung zu bringen seien mit dem neugegründeten Wahlverein, wäre in der Gemeinde Uneinigkeit hervorgerufen worden. AmtsgerichtsratWollstein,einMitglieddesSynagogenvorstandes, wies zahlenmäßig nach, daß die Verhältnisse in der Gemeindeverwaltung ganz anders liegen, als wie sie von Dr. 'Neustadt in seinem Blatte beschrieben worden sind. Durchaus unrichtig sei die Behauptung, daß die Armen der Gemeinde zu wenig unterstützt, dagegen für luxuriöse Einrichtungen große Aufwendungen gemacht werden. Bei einem Haushaltsetat von 195000 Mk. würden 44000 Mk. für das Armenwesen aufgewendet. Zurückzuweisen sei auch die Darlegung, daß die Zinsen von Stiftungen zu anderen Zwecken verwendet werden. Ter Abputz der Synagoge habe auch nicht 10000 Mk., sondern im Ganzen nur 1114 Mk., die Orgelrcparatur nicht 30000 Mk., sondern nur 300 Mk. gekostet. Unrichtig seien auch die Schulverhältnisse in der Gemeinde dargestellt; auch daß zwischen Vorstand und den Kultusbeamten kein gutes Einvernehmen herrschen soll, sei durchaus hinfällig. Die Beamten in der Gemeinde wären sogar besser gestellt als die staatlichen oder Kommunalbeamten; auch für ihre Pension sei gesorgt, ebenso für die Beamtenwitwen und -Waisen. Rechtsanwalt Dr. Kempner und Kaufmann Klemperer, die im Namen des neuen Vereins sprachen, erklärten, daß der Verein zu dem „Volksblatt" keinerlei Beziehungen habe, und daß Dr. Neustadt veranlaßt worden sei, aus dem Vorstande auszuscheiden. Der Verein selbst habe indessen wohl seine Berechtigung; Herr Haber habe das vom Vereine aufgestellte Programm im allgemeinen anerkannt. Herr Klemperer führte noch an, daß der neue Verein den Frieden in der Gemeinde durchaus nicht stören wolle, was er am besten dadurch bewiesen, daß ein Teil der bisherigen Repräsentanten von ihm selbst empfohlen werde. — Am Donnerstag hielt der „Wahlverein" eine Versammlung ab, in welcher der Vorsitzende, Rechtsanwalt Schreiber, gegen die in der Versammlung der Liberalen ihm und dem Verein gemachten Vorwürfe, gegen die Identifizierung des Vereins oder seiner, des Vorsitzenden, Person mit Dr. Neustadt, besonders aber gegen die Leitung der vorgestrigen Versammlung Verwahrung einlegte. Auf der Tagesordnung hätte nicht Beratung jüdischer Gemeinde-Angelegenheiten, sondern persönliche Angriffe stehen sollen. Es seien eines gebildeten Mannes unwürdige Beleidigungen ausgesprochen worden. Schließlich habe er, Vorsitzender, sich veranlaßt gesiihlt, mit sittlicher Empörung die Versammlung zu verlassen. Was nun die bevorstehenden Wahlen ins Repräsentantenkoüegium anbelange, so sei vielfach die Ansicht verbreitet, daß der Verein als „Rechtspartei" orthodoxe Männer als Repräsentanten wünsche. Dem sei keineswegs so. Der Verein sei vielmehr bestrebt, im Sinne des Rechts zu wirken. Es sei notwendig, daß Männer aller Richtungen gewählt würden. Aber dem Jndisferentismus müsse ein Ende gemacht werden, dieser müsse bekämpft werden. Es müsse dahin gewirkt werden, daß die Verhandlungen des Repräsentantenkollegiums öffentlich seien. In diesem Sinne sei auch vom Vorstande die Kandidatenliste aufgestellt worden. — Als Erster auf dieser Liste figuriert der auch von Ihnen empfohlene Prof. Dr. Badt. » Stargard in Pomm., 1. Dezember. (Christliche Toleranz) besingt ein Korrespondent des hiesigen „Neuen Pomm. Tageblatts". Er schreibt aus Sammenthin: „Hier fand dieser Tage die Beerdigung einer Jüdin statt, welche 20 Jahre mit einem Bauern christlichen Glanbens verheiratet war. Die zahlreichen Kinder der Ehe sind getauft. Es erregte nun aufrichtige Freude seitens der gesamten Einwohnerschaft, daß die Entschlafene auf dem Gemeinde-Kirchhofe beerdigt werden durfte, der Ortspfarrer ihr die Grabrede hielt und der Posaunenchor den Gesang begleitete." — War nicht die Frau ein klein wenig — getauft? 8. Bremen, 1. Dezember. (Auszeichnung.) Zu den philharmonischen Konzerten, die Herr Felix Weingartner aus Berlin im hiesigen Künstlerverein veranstaltet, hat der Kantor und Lehrer unserer Gemeinde, Herr Prinz, die ehrenvolle Einladung erhalten, die Heldentenorpartien zu übernehmen. X Chemnitz, 1. Dezember. (Synagogenbau.) Zur Erlangung von Entwürfen für den Neubau einer Synagoge