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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-12-04 · 49 (4.12.1896) · p. Seite 816

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
49 (4.12.1896)
Date
1896-12-04
Page
Seite 816 (sequence 12)
Language
German
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Seite 816. ««gemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 49. findet. Sogar die Synagogen der Hauptgemeinde haben sich aufgethan, um mit dem einzigen Pomp, den sie auszuwenden vermögen, der Predigt, der Makkabäer zu gedenken, ihrer Thaten und der Lehren, die aus ihrem Wirken zu ziehen sind. In den Synagogen der Privatgemeindeu hat man schon früher begonnen, das Chanukahfest zum Mittelpunkt von Veranstaltungen zu machen, die ein Zusammenwirken von Schule und Bethaus darstellen. Am hübschesten war die Feier in der Synagoge des Rcligionsvereins Westen (Passauerstraße 2). Hier fanden sich am Sonntag-Nachmittag 4 Uhr die Knaben und Mädchen der Religionsschule inmitten der Gemeinde ein. Nach dem gemeinschaftlichen Gebet und dem Anzünden des Festlichtes folgten poetische Vorträge der Kinder, die ein stolzes und frohes Bekennen zum Judentum zum Ausdruck brachten. Rabbiner Dr. Kroner ermahnte in kurzer, kräftiger Ansprache seine Zöglinge, die offenbares Verständnis für die Zeremonien und ihre Bedeutung zeigten, und verteilte die von dem Vereinsvorstande gespendeten Erinnerüngsbücher. — Es kann nur mit Zustimmung begrüßt werden, wenn aus solche Weise in Erinnerung gebracht wird, daß das Bethaus in erster Reihe ein Lehrhaus sein soll. Berlin, 2. November. (Pfarrer Pennekamp in Calcar,) der bei der hiesigen jüdischen Gemeinde für die Inden in Calcar petitionierte, hat jetzt den antisemitischen Radaubrüdern gegenüber einen schweren Stand; sie überhäufen ihn mit Schmähungen, so daß er öffentlich erklären muß, daß und wie er sie verachte. Die Veröffentlichung seines Briefes an den hiesigen Gemeindevorstand bezeichnet er als eine — wenn auch wohlgemeinte — Indiskretion. Dieser Vorwurf ist nicht unberechtigt, denn inderthat war es indiskret, das schlichte Schreiben eines gutmütigen Landgeistlichen aller Welt mitznteilcn; es war außerdem unklug, durch die Veröffentlichung dieses Schreibens den Pfarrer von Calcar als Trumpf gegen den Antisemitismus auszuspielen, denn dadurch sind dem hochherzigen Geistlichen Ungelegenheiten bereitet worden und unsere Gegner dürfen wieder einmal auf Kosten der Schwachen, die ihre Schwäche zeigen, aus unsere Kosten lächeln, und das haben wir Juden um das Bureau der jüdischen Gemeinde in Berlin doch nicht verdient! * Berlin, 2. Dezember. (Studentenstreich.) Ter „Göttinger Anzeiger" vom 6. November bringt unter „Universitäts-Nachrichten" folgende Notiz: „Soeben erschien der erste Band des mit großer Spannung erwarteten Geschichtswerks „Der Pentateuch", dessen Verfasser, der bekannte Berliner Professor Tr. Moses, sich längere Zeit in Egypten aufgchalten hat, um dort die nötigen vorbereitenden Studien zu seinem großen Werke zu machen. Das erschienene erste Buch führt den Titel „Genesis" und giebt interessante Aufschlüsse über die ältesten Zeiten der Menschheit." — Es scheint ans der Georgia Augusta Studierende zu geben, denen es ein satanisches Vergnügen macht, einen wenig unterrichteten oder sehr geistlose^ Zeitnngsredaktcur aus den Leim zu locken. * Berlin, 2. Dezember. (Reichsgerichtsentscheidung.) Betreffs der Anstellung ausländischer Inden im Kultusdienst hat das Reichsgericht als Revisionsinstanz dieser Tage folgende Entscheidung getroffen: „Das Edikt von 1812, welches im Interesse der öffentlichen Sicherheit die Beschäftigung von Ausländern in öffentlichen Aemtern untersagt, hat auch für den Kultusdienst Geltung. Der Verordnung ist der Charakter einer strafrechtlichen Bestimmung zuzuschreiben, weshalb zur Verhängung von Strafen der Nachweis bewußter Zuwiderhandlungen gegen das Edikt erforderlich ist." * Berlin, 2. Dezember. (Statistisches.) Nach der soeben veröffentlichten Statistik über Geburten, Eheschließungen, 1» Taufen und Trauungen im Jahre 1895 in Brandenburg » wurden im verflossenen Jahre 15 Kinder jüdischer Eltern ge- » tauft. Die Stadt Berlin scheint in dieser Statistik nicht mit i einbegriffen zu sein. — Die wichtigsten Ergebnisse der Volkszählung vom 2. Dezember 1895 für den preußischen Staat liegen bereits jetzt, kaum nach Jahresfrist, in endgiltiger Feststellung vor. Nach dieser hatte Preußen am 2. Dezember 1895 eine Bevölkerung von 31 855 123 Personen, die nach dem Re- 1 ligionsbekenntnis sich wie folgt verteilen: 20 351 448 Evan- ' gelische, IO 999 505 Katholiken, 119 245 andere Christen, j 379 716 Juden, 5209 Personen verschiedenen oder un-; bekannten Bekenntnisses. Die Zahl der Evangelischen hat > weniger zugenommen, als die der Katholiken; eine Vermehrung der Juden ist in dem Zeitraum fast gar nicht eingetreten. * Berlin, 1. Dezember. (Ein antisemitischer Staatsanwalt.) Das B. T. schreibt: Es ist im allgemeinen mit Befriedigung zu konstatieren, daß der Antisemitismus in den amtlichen Funktionen unserer Richter und Staatsanwälte nicht zur Schau getragen wird. Um so energischer muß daher gegen jeden Vorfall Front gemacht werden, wo ein derartiges Zurschautragen bewußt oder unbewußt geschehen ist. So berichtet die „Düsseldorfer Bürgerzeitung", der wir natürlich die Verantwortung für ihre Meldung überlassen müssen, daß dort kürzlich der Staatsanwalt S. in einer Schwurgerichtsverhandlnng gegen einen jüdischen Händler wegen betrügerischen Bankcrotts die Aeußerung gethan habe: „Der ans der Anklagebank sitzende Semit lasse cs erklären, daß der Antisemitismus in Deutschland Eingang und Boden gefunden habe." Sollte diese Aeußerung richtig sein, so müssen wir dagegen protestieren, daß die Sünden eines Einzelnen der Gesamtheit zur Last gelegt werden. Ebenso gut könnte der Herr Staatsanwalt, falls ein Katholik auf der Anklagebank säße, erklären, der Fehltritt dieses Katholiken lasse den Kulturkampf gerechtfertigt erscheinen. * Berlin, 1. Dezember. (Mißverständnis?) Am 14. November meldetö Herr I. B., Chorinerstraße 46 wohnhaft, auf dem Standesamt Eberswalderstraße 10 sein drittes Söhnchen an. Als er nach der Eintragung die Bescheinigung darüber zum Zwecke der Aufnahme in die jüdische Gemeinde ohne Erlegung von besonderen Gebühren, wie es bisher allgemein üblich, erbat, wurde ihm der folgende Bescheid: „Wir erteilen derartige Bescheinigungen nur zum Zwecke der christlichen Taufe; da Sie Jude sind, können wir Ihnen eine solche nicht ausstellen." Auf die Entgegnung des Herrn B-, daß er über die Geburt seiner beiden älteren Söhne unterm 4. Januar 1895 und 25. Januar 1896 auf dem Standesamte zu Charlottenburg solche Bescheinigungen über die Eintragung dieser Geburtsfälle anstandslos erhalten hätte und diese auch ’ltMfll

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