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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-27 · 48 (27.11.1896) · p. Seite 802

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
Seite 802 (sequence 14)
Language
German
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Seite 802. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 48. hebr. Fibel zur Einführung in israelit. Schulen umsomehr zu empfehlen, als sie nach den von der Versammlung s. Z. gebilligten methodischen Grundsätzen versaßt und der Reinertrag aus dem Verkauf dem Oberschlesischen Waisenhause in Rybnik zufließc. 6. Die Jugendschrift von Flanter-Berlin, deren Tendenz vollen Beifall findet, in allen israelit. Schulen in 1—2 Exemplaren zur Einführung zu bringen. 7. Bei Verteilung des vom D.-J. G.-B. zu den Kosten der Versammlung bewilligten Betrages nur diejenigen Teilnehmer zu berücksichtigen, welche zur Erreichung des Versammlungsortes eine größere Reise zu machen hatten. 8. An den D.-J. G.-B. das Ersuchen zu richten, ein Preisausschreiben über die Frage zu erlassen: „Was und in wiefern hat die jüdische Schule seit Beginn dieses Jahrhunderts zur Hebung deutscher Kultur unter den Juden beigetragen?" Der letzte Beschluß, welchem ein Antrag des Kollegen Brann-Beuthen zugrunde lag und in namentlicher Abstimmung zur Annahme gelangte, war das Resultat einer längeren Diskussion. welche sich an den hochinteressanten und sehr beifällig aufgenommenen Vortrag des Kollegen Katz-Rybnik über das Thema anschloß: „Die Kultur-Entwicklung der deutschen Juden durch die jüdische Schule," der hier in Kürze skizziert werden möge. Der Vortragende warf einen Rückblick aus die Schulverhältnisse bei den deutschen Juden vor der Zeit Moses Mendelssohns. Als kulturfeindliche Momente bezeichnete er den unter den Juden vielfach verbreiteten Glauben, es könnte die Pflege der Wissenschaften die Grundvesten der jüdischen Religion gefährden unter Hinweis aus den Schristvers: „woabdil es’chem milcol hoamim“, und endlich die Einwanderung des polnisch-jüdischen Elements zur Zeit der grausigen Verfolgung der Juden Polens unter Chelmnitzky. Die polnischen Juden hätten sich nicht nur nicht assimiliert, sie bestärkten vielmehr ihre deutschen Glaubensbrüder in dem Festhalten an dem ausschließlichen Studium des Talmuds — Kenntnis der Bibel im Urtext war streng verpönt — so sehr, daß derjenige, der wirklich einmal kühn einen Schritt vorwärts wagte, sich mit Philosophie, Mathemathik, den Kultursprachen beschäftigte oder gar Hochdeutsch sprach, als Abtrünniger mit Verachtung gestraft wurde. Dieser Zustand änderte sich blitzartig, als der jüdische Pestalozzi — Moses Mendelssohn — seine deutsche Uebersetzung des Pentateuchs unter die deutschen Juden brachte. Mit ihr löste sich der Bann. Die deutschen Juden lernten durch sie deutsch sprechen, denken und empfinden. Auch brach ein kaum begreifliches Interesse für deutschen Unterricht und deutsche Erziehung an. Nach und nach wurden die Schulen nach den Grundsätzen der allgemeinen Pädagogik gestaltet. Bereits im Jahre 1809 erlangte die jüdische Schule die ersteHilse der deutschen Regierung. Da kam der Stein ins Rollen. Durch weitere unaufhörliche Gründungen deutscher jüdischer Schulen in Stadt und Land wurden die Juden in die deutsche bezw. europäische Kultur eingesührt und infolge des Ausbaues des gesamten Unterrichts- und Erziehungswesens stehen sie nach zwei bis drei Dezennien bereits inmitten desselben. Nach beendeter Debatte hielt Kollege Abraham-Königshütte mit Kindern der Oberstufe eine Lehrprobe über Moses Montefiore; die Versammlung folgte mit sichtbarem Interesse der in jeder Beziehung mustergiltigen und von großem Lehrgeschick des Herrn Abraham zeugenden Lehrprobe, an die sich eine Debatte nicht anschloß. Kollege Bernhard-Tarnowitz hielt über die Verhandlung des Delegiertentages in Berlin, als dessen Mitglied er einberusen war, einen recht eingehenden Bericht; er teilt in weiterem die in jener Versammlung zustande gekommenen §§ 4 und 8 des ursprünglichen Entwurfs und die Namen der Mitglieder des Bureaus mit, in welches auch der Herr Referent, unser um das jüd. Lehrervereinswesen hochverdienter Präses, gewählt war. Nach Schluß seines hochinteressanten Berichts, dem wegen der vorgerückten Zeit eine Debatte sich nicht anschließen konnte, wird nach einigen an Herrn Bernhard gerichteten Dankesworten für die gewissenhafte Wahrnehmung unserer Interessen die Versammlung, welche mit je einer Unterbrechung zur Einnahme des Mittagsmahles und zu Verrichtung des Mincha-Gebetes bis 7lh Uhr abends währte, geschlossen. Kattowitz, 23. November. (Eine Petition. — Chewra kadischa.) Der beschlossene Synagogenbau in unserer Gemeinde hat eine Petition an die Regierung in Oppeln gezeitigt, die hier um Unterschriften wirbt und die Vereitelung des Synagogenbaues zum Ziele hat. Die Regierung wird nämlich angegangen, der hiesigen Gemeindeverwaltung die Genehmigung zum Bau der Synagoge zu versagen, da der Bau die Steuerlast der Gemeindemitglieder außerordentlich erhöhen würde. Nun hat aber unser Vorstands-Vorsitzender vor längerer Zeit in einer gedruckten Denkschrift nachgewiesen, daß diese Befürchtung grundlos sei, indem die zu erhebende Kultussteuer, welche bisher 45—50°/o der Staats-Einkommensteuer betrug, 570/0 nicht übersteigen würde, so daß die Mehrbelastung nicht allzu drückend wäre, während der Synagogennot in unserer Gemeinde abgeholfen sein würde. Wie verlautet, beabsichtigt eine Anzahl Gemeindemitglieder, die die Sachlage erfaßt haben, ihre Unterschrift zurückzuziehen. Diesem Beispiele werden hoffentlich auch alle folgen, deren Bescheidenheit nicht etwa so weit geht, daß sie die Entbehrung eines Gotteshauses mit Heldenmut ertragen und sich schon damit begnügen, wenn für ihre sonstigen Genüsse gesorgt ist. — Die Chewra kadischa hielt an: Dienstag ihre diesjährige Generalversammlung ab, die von 41 Mitgliedern besucht war. Der Vorsitzende teilte mit, daß während des letzten Vereinsjahres drei Mitglieder verstorben und 31 neu hinzugetreten seien, so daß der Verein jetzt aus 256 Mitgliedern besteht. Die zur Prüfung der Einnahmen und Ausgaben ernannte Kommission hatte dem Vorstande schriftlich Entlastung erteilt.? Frankfurt a. M., 20. November. (Wie Direktor Hirsch die Adaß Jeschurun schützt.) Die vorletzte Fortsetzung der durch Ihre Artikel: „Von Hirsch bis Breuer" angeregten Polemik des Direktor Dr. Mendel Hirsch: „Samson Raphael Hirsch und die Israelitische Religionsgesellschaft zu Frankfurt a. M." enthält einen Passus, welcher hier, besonders in orthodoxen Kreisen, hochgradige Aufregung hervorgerusen hat. Dieser Passus lautet: „Die Kanzel der Hauptsynagoge und die Realschule der Gemeinde stehen ausgesprochen im Dienste des entschiedensten Abfalls vom Gottesgesetze, jetzt wie damals." Wäre nicht Direktor Hirsch der Verfasser des Artikels, so könnte man hier Gewissenlosigkeit und Leichtsinn annehmen. Denn liest man die angeführte Behauptung

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