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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-27 · 48 (27.11.1896) · p. Seite 801

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
48 (27.11.1896)
Date
1896-11-27
Page
Seite 801 (sequence 13)
Language
German
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Nr. 48. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 301. 8. Elbing, 23. November. (Der Bericht über den Vortrag des Rabbiner Dr. Silberstein) in der vorigen Nummer dieses Blattes hat den Inhalt der Rede zu Ungunsten des Gegenstandes wiedergegeben. Der Inhalt des Vortrages bewegte sich vielmehr in folgendem Gedankengang: Gabirols Ruhm als Dichter erstrahlt durch alle Jahrhunderte. Charisi (Anfang des 13. Jahrhunderts), ein ästhetischer Kritiker, sagt: „Gabirols Dichterwürze ist unvergleichbar, er blieb unerreichbar." Seine ethischen Schriften wurden mehrfach aus dem Arabischen ins Hebräische übersetzt. In seinem philosophischen Werke „Quelle des Lebens", das nur einmal aus dem Arabischen ins Hebräische und ins Lateinische übersetzt wurde, ist nur der Gottesbegriff identisch mit dem des Judentums. Der Dichter religiöser Hymnen, frommer Fabeln und nationaler Gesänge abstrahiert in seinem philosophischen Werke von allem Biblischen und Theologischen. Deshalb vielleicht ist sein philosophisches Werk weniger bekannt gewesen; Frömmelei wurde stets verachtet (Halte Dich fern von den Gefärbten, sagte ein alter jüdischer Lehrer), überschwenglich verherrlicht zu werden verlangte das Judentum nie. — Wissenschaftlich interessant ist, daß die „Quelle des Lebens" von dem Archidiakonus Gondisalvi 1150 ins Lateinische übersetzt, der Name des Verfassers in Avenzebrol oder Avenzebron verwandelt und von den mittelalterlichen Philosophen bis ins 14. Jahrhundert sehr fleißig benutzt, aber als großer christlicher Philosoph, an der Schwelle der Scholastik stehend, gehalten wurde, bis 1846 der Pariser Gelehrte Munk und später Dr. Seyerlen (Ulm) aus lateinischen und hebräischen Fragmenten in Avicebrons „fons vitae'1 Gabirols Quelle des Lebens erkannte. Z. Aus der Provinz Posen, 23. November. In Samter ist die Einführung der am 22. v. M. gewählten sechs Repräsentanten und zweier Stellvertreter vor einigen Tagen inhibiert worden, und zwar infolge eines gegen die Wahl erhobenen Protestes. — Das definitive Ergebnis der letzten Volkszählung am 2. Dezember v. I. ist für die jüdische Bevölkerung der Stadt Posen folgendes: Unter den 73239 Einwohnern sind 5 810 Juden. O Tilsit, 23. November. (Zu viel Publizität.) Der große Leserkreis, welchen dieses Blatt in unserer Stadt hat, macht es ihm zur Pflicht, den Vorgängen innerhalb unserer Gemeinde einige Aufmerksamkeit zu widmen. Gestatten Sie mir darum heute eine Frage zur Sprache zu bringen, die hier immer akuter wird und vielleicht auch für manche andere Mittelgemeinde vonBelangist. Seit einigerZeit vergeht fast keine Woche, in welcher nicht im Inseratenteil der hiesigen Lokalzeitungen über Juden und Judentum etwas ju lesen wäre. Bald ist cs irgend ein Gottesdienst, bald irgend eine Vereinssitzung, die angezeigt wird, so daß ein Witzling in unserer Gemeinde den nicht ganz unzutreffenden Scherz gemacht hat, man werde hier wohl auch bald inserieren, wann die Mikwa geheizt wird. Bedenkt man die relative Kleinheit unserer Stadt und unsrer Gemeinde, so bekommt das Ganze einen Stich ins Lächerliche. Was Großstädten und Großgemeinden ziemt, das ziemt noch lange nicht einer Mittelstadt und Mittelgemeinde, denn was durch Mitteilung von Mund zu Mund oder höchstens durch Zirkulation einer Liste bekannt gegeben werden kann, das ist im Inseratenteil eines Lokalblattes überflüssig. Ich zähle nicht zu denen, die sich mit ihrem Judentum verstecken, halte aber in unserer Zeit ein Spreizen und Prangen in den öffentlichen Blättern für störend, ja sogar für schädlich. Es genügt, wenn in den Gemeinden für die Erhaltung des Judentums etwas geschieht, es muß aber nicht jede Lappalie mit Applomb ausposaunt werden. [] Breslau, 24. November. (Jüdische Schülerinnen.) In diesem Winterhalbjahr werden die städtischen höheren und mittleren Mädchenschulen in folgender Weise von Schülern verschiedener Konfessionen besucht: Augustaschule von 471 Schülerinnen (152 evang., 13 römisch-kath. und 306jüdisch); Viktoriaschule von 184 (134 evang., 7 römisch-kath. und 43 jüdisch); ev. Mädchen-Mittelschule I von 326 (311 evang., 2 altkath. und 13 jüdisch); ev. Mädchen-Mittelschule II von 330 (224 evang., 28 römisch-kath., 2 altkath. und 76 jüdisch); ev. Mädchen-Mittelschule III vou 299 (257 evang., 19 römisch-kath., 2 altkath. und 19 jüdisch); die katholische Mädchen-Mittelschule von 195 (27 evang., 139 vömisch-kath. und 29 jüdisch.) Br. Beuthen O.-S., 23. November. (Lehrerkonferenz.) Die Jahresversammlung des Vereins israelitischer Lehrer Oberschlesiens ist am 26. v. Mts. in Königshütte abgehalten und um 11V« Uhr vormittags durch den Kollegen Walter-Königshütte eröffnet worden. Nachdem er die Erschienenen begrüßt, weist er auf das umfassende Arbeitsgebiet des Vereins hin und schließt seine Rede mit einem Hoch auf Se. Maj. den Kaiser, in das die Versammlung begeistert einstimmt. Nach Absingung der Nationalhymne erfolgt die Bildung des Bureaus. In dasselbe werden die Kollegen Bernhard-Tarnowitz (Vereins-Präses), Rosenbaum I.-Beuthen und Böhm-Königshütte gewählt; als Schriftführer fungieren Böhm-Königshütte und Brann-Beuthen. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegenheiten begrüßt Herr Rabbiner Dr. Goldschmidt-Königshütte im Namen seiner Gemeinde die Versammlung, mit dem Wunsche schließend, daß die Verhandlung zum Segen von Haus, Schule und Gemeinde gereichen möge. Die Präsenzliste ergiebt die Anwesenheit von 26 Mitgliedern.*) In Erledigung der Tagesordnung werden folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Vorort für die in den Weihnachtsserien abzuhaltende Generalversammlung ist Tarnowitz; 2. die Art und Weise der Veröffentlichung des Berichts über diese Versammlung und dessen Abgabe an jüdische Zeitungen bleibt dem Ausschuß überlassen. 3. An den Vorsitzenden des D.-J. G.-B. in Berlin ein Begrüßungstelegramm zu senden. 4. Eine Kommission zu ernennen, welcher die Ausarbeitung eines Vereinsstatuts übertragen werden soll. 5. Die vom Kollegen L. Katz-Rybnik herausgegebene *) Es waren anwesend: Abraham-Königshütte, Abraham- Leobschütz, Bernhard-Tarnowitz, Max Böhm-Königshütte, Brann- Beuthen O.-S., Eisenberg-Beuthen O.-S., Freuthal-Beuthen O.-S., Friedmann-Kattowitz, Grünwald-Sohrau O.-S., Jacobsohn- Gleiwitz, L. Katz-Rybnik, Krolik-Cosel, Lewin (Lehrer a. D.) Tarnowitz, Malachowski-Zabrze, Niebyl-Myslowitz, Plaut-Laurahütte, Rosenbaum I. Hauptlehrer Beuchen O.-S., S. Rosenbaum-Beuthen O.-S., Sander (a. D.) Zabrze, Semmel-Laurahütte, M. Schwarz- Beuthen O.-S., Salomon-Gleiwitz, Simon-Antonienhütte, Walter- Hauptlehrer, Königshütte, Weißmann-Antonienhütte. Als Gast: Rabbiner Tr. Goldschmidt-Königshütte.

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