Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 48 (27.11.1896)
- Date
- 1896-11-27
- Page
- Seite 799 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 48. Nr. 48. Wlgemetne Israelitische Wochenschrift. Seite 799 . f m Beginn be- Men, prüfenden eorbnetet bis zu Ende, ^n geschlungen und euen Darstellung; die 'zu den eingeschalteten rdmer wurde und mit ruhte, ns sie von den beiden er Tod den Jüngling gierige Lanzette über olles Lächeln, das der igkeit vergab, doch es >em Gedanken, der in! : seines Gesichtes mit : Worte, die jener ihm j sinsprach. \ i, wenn man ihn nicht { estern der Christen | en Vorwurf mache, ab, \ uldigen Augen Sybilles s c noch freundlicher als j| nun unterbrach Lea sie , s n Segen sei mit dem l rmt," rief sie, .wie er j 'dang; ein Geräusch ertönte z en, sahen sie den alte» chtet und ausdrucksvoll \ war aus seinem Blick reden lag über seinem Seine Stirn verdüsterte sich plötzlich unter einem schattenhaft sein Gesicht überhastenden Gedanken, er wollte etwas hinzusetzen, aber er drängte es mit einem deutenden Blick auf die Christin zurück. Dann nahmen seine Züge ihren gewöhnlichen Ausdruck wieder an und er fügte ernst bei: „Und cs wäre wohlgethan, wenn Ihr Euch rüstet, daß Ihr eine Reise machen könntet, sobald die Kranken die Kraft besitzen, mit Euch zu gehen. Ich weiß nicht, ob ich Euch in kurzem werde Wiedersehen, aber es wird sehr gut für Euch sein, wenn Ihr so schnell als möglich flieht vor der Luft in dieser Stadt. Sagt es von mir dem Sohn Samais, wenn er aufwacht, und sagt ihm, Thubal hätte es gesprochen, der vor fünfundzwanzig Jahren allein gekommen aus Mainz, als die schwarzen Blattern waren droben am Rhein." Er ergriff seine pelzverbrämte Mütze und seinen Stab. „Ich gehe mit Euch ins Spital, Thubal, um nach meinem Bruder zu sehen," sagte Tamar, seinen Arm fassend; „ich darf ihn nicht liegen lassen unter der Pflege von bezahlter Hand." Sie schickte sich an zu gehen, doch der Arzt hielt sie gebieterisch zurück. „Du wirst bleiben in Deines Vaters Hause, Tochter Leas," sagte er entschlossen, „und ich werde Dir den Sohn Jsaschars schaffen hierher, sobald als es möglich sein wird. Aber Du wirst nicht gehen, ihn zu suchen, denn es kann in der Stadt eine Krankheit sein, schlimmer als die Pest, die Dich träfe; sondern Du wirst mit Deiner Mutter Lea gehen in das Nebenzimmer und die seidene Schnur sortziehen von dem Gemälde, das der Sohn Samais Euch anzurühren verboten; aber ich heiße Euch, daß Eure Augen es ansehen sollen, weil es an der Zeit ist." Er nickte den zurückbleibenden Frauen bedeutungsvoll mit dem Kops zu und ging. Tamar suchte Sybille, die gleichfalls aufbrach, zu halten; die beiden Mädchen hatten abseits heimlich mit einander geflüstert, sich umarmt und geküßt. „Du bist müde, ruhe aus und erquicke Dich bei uns," sagte Tamar, als jene Anstalt traf, den Arzt zu begleiten. „Mein Vater wartet und ist in Sorge," entgegnete Sybille. „Leb wohl, Tamar, meineschöne Schwester, lebtwohl,MutterLea." Sie reichte der Alten die Hand, die sich mit Thränen in den Augen niederbückte und Sybilles Finger an die Lippen preßte. „Leb wohl, Christin," schluchzte sie, „es wird Dir gut ergehen, denn Dein Herz hat sich erbarmt über die Ausgestoßenen und ich habe Dich gesegnet Dein Lebelang." Verwirrt zog das Mädchen die thränenbenetzte Hand zurück, und Tamar fiel ihr um den Hals. „Sag' auch meinen Dank dem guten Waldhoser, wenn Du ihn wiedersiehst," flüsterte sie, Sybille anblickend. „Er hat wie ein Bruder gehandelt an meinem Bruder, — nicht wahr. Du zürnst nicht mehr, daß ich ihn so heiße?" Sybille schloß die schöne Jüdin an sich. „Ich habe ihn lieb gehabt von Kindheit auf wie einen Bruder und nun wird er es, denn Du bist meine Schwester," antwortete sie mit leisem Jubel. Tamar lächelte bezaubernd. „Wann werde ich Dich Wiedersehen, Schwester?" fragte sie; „es ist weit von der Judengasse bis zu Deines Vaters Wohnung." Ein ängstlicher Zug flog bei den letzten Worten über Sybilles Gesicht, den Tamar nicht bemerkte. Nur Thubal, der scheinbar achtlos neben den plaudernden Mädchen stand, sah ihn und horchte mit unbewegtem Gesicht aufmerksam aus die Antwort Sybilles. „Nein, nein!" entgegnete das Mädchen hastig, „ich komme zu Dir, ich komme hierher. Es ist zu weit bis zu uns, und Du würdest bei uns das nicht finden, woran Du gewöhnt bist —" Ein trübes Lächeln flog unwillkürlich über Thubals ernste Züge. „Ich meine, nicht den Reichtum und das Wohlleben Deines Vaters," fügte sie unruhig ergänzend hinzu, „wir sind nicht reich, es ist einfach bei uns und ärmlich —" „So komme zu mir und mache mich reich durch Deine Liebe, süße Christin," unterbrach Tamar ihre Verlegenheit mit zauberischer Anmut. Thubal machte eine ungeduldige Bewegung, sortzugehen; doch an seinem Zögern war zu merken, daß ihm daran gelegen schien, das Haus mit Sybille zu verlassen. (Fortsetzung folgt.) Hier und dort. * Berlin, 25. November. (Die Vorstandswahl in Berlin) ist in beteiligten Kreisen umsomehr Gegenstand des Tagesgesprächs, als die Verhandlungen der Kommission in tiefes Dunkel gehüllt sind. Was unversehens durchsickert, ist nicht gerade erfreulich. Die Vertreter der Minorität stellen sich ans den Standpunkt des Non possumus, und von der Majorität wird behauptet, sie werde auch „anders können", sie werde der Minorität zwei Mandate einräumen, um „den Frieden zu wahren". Es verlautet sogar, daß ein in der Repräsentantenwahl unterlegener Geh. Sanitätsrat neben Herrn Jacoby gewählt werden soll. Gewiß, dieses Gerücht ist absurd; allein daß dieses Gerücht hat entstehen und Gläubige finden können, daß man der Majorität nachzusagen wagt, sic werde einen Mann wählen, den ihre Wähler haben fallen lassen, daran sind nicht die Wähler, sondern die Gewählten, daran ist besonders der Friedensfanatismus schuld, der die Majorität in unserem Repräsentantenkollegium zu nullifizieren scheint. * Berlin, 24. November. (Sedlatzek,) der polnische Urgermane stand am Sonnabend wieder einmal vor Gericht in Sachen der „Fleischbesudelung", und zwar vor der Berufungsinstanz, der 8. Strafkammer, und wurde abermals freigesprochen. Der Gerichtshof war der Ansicht, daß der Angeklagte in dem zum Ueberdruß bekannten Zeitungsartikel zwar einige Fälle verallgemeinert und anschließend hieran zu einer Art Boykott der jüdischen Schlächter aufgefordert habe; es habe aber bei einem freisprechendcn Erkenntnis bleiben müssen, weil eine „Beunruhigung des Publikums" durch die von dem Angeklagten mitgeteilten Fälle nicht hervorgerufen werden könne. * Berlin, 25. November. (Rabbiner und Sozialisten.) Herr Dr. Maybaum hat auf eine erneute Einladung der