Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 47 (20.11.1896)
- Date
- 1896-11-20
- Page
- Seite 787 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 47. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 7W7. Lektion c>?ur Heranbildung rirau Julie Leipen Be- ' an dem JosephDter lnne rhre Ausbildung erjage in i ~ ^e Gründung ,bie Krankenpflegerinnen liigen Hausmutter stehen, chattete Herr Prof. Wert- - Unterstützung dieser Juattet vom Vereinskassierer ie Einnahmen mit 1096 fl., ereinsvermogen besteht aus 1,350 fl. und beweglichem sl. 69 kr. Sämtliche Beitnis genommen. Baron Hirsch) hat für; den Betrag von 1000000 ste für israelitische und zur hlthaten Bedürftigen ohne erden. Die Zuweisung der talten war der Witwe des ca Hirsch hat nunmehr den z ihres Gatten, als Termin bestimmt und die bedachten daß ihr Rechtsanwalt mit e. Es wurden angewiesen: ltusgemeinden Mährens für 00 bis 5000 fl., der Kultusmährisch-jüdischen Waisensbau des Brünner Kindersgen Brüdern für ihre vier dem Elisabethinerinnechital Blinden- und Taubstummen- Blinden-Wohlfahrtsoerein mdeshilssverem humanitärer 50 000 Vereine und keinem bekannt zu sein oder keinen abzuschrecken. — Pfarrer I. V. Knezitts hat seine Gläubigen Jahre hindurch gegen die kirchenpolitischen Gesetzesvorlagen und gegen die Juden gehetzt und wurde deshalb zu 6 Monaten Gefängnis und 50«) Kronen Geldstrafe verurteilt. Die Königliche Tafel erhöhte jedoch diese Srrafe aus ein Jahr Gefängnis. Dieses Urteil ist nunmehr von der Königlichen Kurie bestätigt worden. X Paris, Ul. November. (Die zweite Wahl der Mitglieder des jüdischen Konsistoriums) für Frankreich und Paris hat stattgefunden. In das Zentralkonsistorium wurde Ferdinand Crömieux, das Mitglied der Deputiertenkammer, an Stelle des General Söe gewählt. Diese Wahl überraschte jedermann, da General Söe bei der ersten Wahl der einzige Kandidat war. Crömieux wurde eigentlich ohne jedes Dazuthun von seiner Seite gewählt. Noch am Tage der Wahl veröffentlichte er in der — antisemitischen „Libre Parole" einen Brief des Inhalts, daß er weder zu kandidieren gedenke, noch irgend jemand ermächtigt habe, ihn zu nominieren. In diesem Briefe gestand er, daß er ein Freidenker sei, der eigentlich keinerlei religiöses Zeremoniell befolge, aber doch stolz darauf sei, einer alten französischen und jüdischen Familie anzugehören. Wenn aber eines seiner Kinder, fügte er in dem Schreiben hinzu, seine jüdische Abkunst verleugnete, so würde er dieses Kind als einen Bastard betrachten. — Daß General Söe nicht gewählt wurde, mag seinen Grund darin haben, daß ein anonymes Schreiben zirkulierte, des Inhalts, General Söe habe seine Söhne nicht beschneiden lassen. In demselben Zirkulär wurde aber Crömieux ohne sein Wissen zur Wahl empfohlen, trotz seiner famosen Erklärung in der „Libre Parole"! S* Rom, 13. November. (Dem Andenken des Gerechten. — Aus der Gemeinde.) Der jüngst hier verstorbene Kardinal Fürst Hohenlohe hat seine Nächstenliebe auch Andersgläubigen gegenüber bethätigt. Er war es, der dem damals noch wenig bekannten und geschätzten Münchener Forscher Rabbinowitz den Weg ebnete, als jener für seine Ausgabe der „Dikduke Soferim" die Vatikanischen Talmudhandschristen benutzen wollte, und nur der Initiative des Kardinals verdankte er es, daß ihm die Einsichtnahme in diese kostbaren Manuskripte auch außerhalb der damals noch recht knapp 'bemessenen Bibliothekstunden in der großen Wandelhalle verstattet wurde. Als im Jahre 1893 Rabbiner Dr. Margulis aus Florenz die größeren Städte Italiens bereiste, um allerorten Komitees für das russische Hilfswerk zu errichten, da sandte Kardinal Hohenlohe ihm seine Equipage, um mit ihm auf seiner Villa in Tivoli, was ihm in seiner angestrengten Thätigkeit in der Stadt tagsüber nicht möglich war, in den Nachtstunden die Hilfsaktion zu besprechen. So ward der Rabbiner der Gast des Kardinals, der ihm die Mittel und Wege wies, um den für ihren Glauben leidenden Juden Erleichterung zu verschaffen. — In unserer Gemeinde existieren zur Zeit achtzehn fromme Vereine oder Chewroth. Nun hat das italienische Parlament schon 1890 ein Gesetz angenommen, welches die Regierung ermächtigt, die Besitzungen und Güter aller in unserer Stadt bestehenden Kongregationen, Brüderschaften und frommen Vereine unter ihre Obhut zu nehmen und dieselben zugleich auch zu verwalten. Mittelst Gesetzes vom 30. Juli d. I. wurden wieder alle frommen Vereine hier, von deren Vermögen die Regierung bisher noch immer nicht Besitz ergriffen hatte, aufgefordert, wenn sie ihren Besitz weiter behalten und verwalten wollten, ihre diesbezüglichen Gesuche unverzüglich bei den Verwaltungsbehörden einzureichen, damit man ihre Einwürfe gegen das Gesetz gehörig prüfen könne. Sechs von unseren achtzehn Chewroth haben schon längst gegen das erwähnte Gesetz den Rekurs ergriffen und für die anderen zwölf Chewroth wird erst jetzt ein solcher Schritt unternommen werden. Sofia, 13. November. (Gegen die Zionisten. — Rabbinerwahl.) In einem Sendschreiben an die jüdischen Gemeinden Bulgariens wendet sich der Großrabbiner der Türkei, Herr Moses Levi, gegen ein hier in spaniolischer und bulgarischer Sprache erscheinendes zionistisches Wochenblatt, „Die Stimme Israels", weil es die Interessen der in der Türkei lebenden, mit voller Gleichberechtigung versehenen 300000 Juden gefährde, diese in den Augen der türkischen Regierung verdächtige. Der Großrabbiner ersucht, das Blatt nicht zu abonnieren und den Redakteur als von der jüdischen Gemeinschaft ausgeschlossen zu erklären, falls er von seinem Unternehmen nicht abstehen sollte. Dieses energische Vorgehen gegen die Propagierung des Zionismus erläutert unser früherer Großrabbiner Dr. Dankowicz in der „Neuzeit" dahin, daß in Bulgarien ein zionistischer Verein oder ein zionistisches Blatt überflüssig sei, weil jeder orientalische Jude, jeder Spaniole, ohne Rücksicht auf Bildung, Erziehung und religiöse Ueberzeugung, sozusagen ein natürlicher Zionist sei. Jeder, der es zu einer gewissen Wohlhabenheit gebracht, kenne keine bessere Ruhestatt für die Tage seines Alters, als Jerusalem, wohin er mit Vorliebe auswandere. Wenn nun nicht blos der Chacham-Baschi in Konstantinopel, dessen Autorität der Vorstand der jüdisch-spaniolischen Gemeinde in Sofia angerufen hat, sondern auch dieser Vorstand selbst in einem an das hiesige Regierungsorgan „Mir" gerichteten Schreiben gegen die Tendenz des zionistischen Wochenblattes in solch energischer Weise protestieren, so geschah dies nur aus dem Grunde, weil das fragliche Blatt nicht blos in spaniolischer, sondern auch in bulgarischer Sprache herausgegeben wird, und daher geeignet ist, uns in den Augen der Regierung und des Volkes verächtlich zu machen und mithin dem hier früher ganz unbekannten, seit einigen Jahren jedoch schroff hervortretenden Antisemitismus neue Nahrung zu geben. — Es verlautet, daß der seit dem Tode des sel. Dr. Grünwald vakante Posten des Großrabbiners wieder besetzt werden soll. Für dieses Amt ist Dr. Kisch in Prag in Aussicht genommen. O. Odessa, 15. November. (Der „Cherem" als Erzieher. — Jüdischer Zwischenhandel.) Politische Blätter schreiben aus Polen: Zur Ehre der Israeliten muß man sagen, daß Trunksucht unter ihnen nur in äußerst geringem Maße verbreitet ist, und wo in einzelnen Fällen dieses Laster auftritt, sucht man es mit allen zu Gebote stehenden Mitteln zu beseitigen. So fröhnte ein israelitischer Kaufmann, trotz Ermahnung und selbst Drohung der Verwandten dem Trünke. Man wandte sich an den Rabbiner, der über den Trunksüchtigen den „Cherem" (Bann) aussprach. Infolgedessen sagten sich nicht nur die Frau und Kinder von dem in den Bann gethanen Kaufmann los, sondern auch alle israelitischen