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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-20 · 47 (20.11.1896) · p. Seite 786

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
47 (20.11.1896)
Date
1896-11-20
Page
Seite 786 (sequence 14)
Language
German
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Seite 786, Ängcmeine J-raelitische Wochenschrift. Nr. 47. den Sozialdemokraten, der nur 160 Stimmen erhielt. — Dem Museum der Gesellschaft für Sammlung und Konservierung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judentums sind im Laufe dieses Sommers zahlreiche Geschenke von Freunden und Gönnern zugekommen, eine große Anzahl von Kupferstichen und Radierungen, Darstellungen aus der heiligen Schrift, Porträts hervorragender Juden, sowie Darstellungen des religiösen Lebens, wertvolle Buchspenden, historische Medaillen. eine sehr wertvolle alte Thorarolle (vielleicht aus dem Geresch-Znaim stammend), eine Kethuba aus dem vorigen Jahrhundert, reich mit Ornamenten und Miniaturen verziert. ** Prag, 13. November. (Gut gegeben! — Auszeichnung.) Eine der jüngsten Nummern der „Bohemia" bringt folgende Stimme aus dem Publikum": „Von offenkundig antisemitischer Seite ist in der letzten Zeit vielen „Judenliberalen", die aus ihrer nichtantisemitischen Gesinnung nie ein Hehl gemacht haben, ja sogar Juden, ein gedruckter Aufruf zugegangen, worin sie als „Volksgenossen" in warmen Worten um Beiträge beziehungsweise Zeichnung von Anteilscheinen zwecks Erbauung eines Vereinshauses angegangen werden. Datiert ist dieser Aufruf: „Prag im Wonnemonat 1896." Wie so: „Wonnemonat"? muß ich mich fragen. Und wieso: „Volksgenosse"? In jenen antisemitischen Blättern, die der Aufruf im Zusammenhänge mit dem geplanten Hausbau-Unternehmen nennt, wird doch sonst immer stramm die Meinung vertreten, daß „Juden und Judengenossen", d. h. Liberale, keineswegs als „Volksgenossen" anzusehen sind. Wenn sich die Herren ein Haus bauen wollen, um unter sich zu sein, so ist das sicherlich ihr gutes Recht. Aber so viel Stolz sollen sie doch haben, die Unterstützung dieser heiligen Sache nicht auch von Juden und Judengenossen erbitten zu wollen, und soviel Scharfsinn, vorauszusehen, daß jene, von denen sie sich sonst immer feindselig absondern, sich schönstens für die Ehre bedanken, in diesem Falle blechende „Volksgenossen" zu sein." — Unser Kaiser hat mittelst allerhöchster Entschließung vom 25. September er. gestattet, daß der Kandidat der Medizin Herr Emil Fischl, der seine sämtlichen Prüfungen mit allgemeiner Auszeichnung abgelegt hat, an der hiesigen deutschen Universität sub auspiciis promoviert werde. Es ist seit dem Bestände der Prager Universität zum ersten Mal der Fall, daß ein Mediziner sub auspiciis promoviert wird. Die Pronrotion findet in diesem Monate statt. Prag, 11. November. (Der Zentralverein zur Pflege jüdischer Angelegenheiten) hat vorgestern seine Generalversammlung abgehalten. Der Tätigkeitsbericht des Geschästsleiters Dr. jur. Friedrich Duschenes hebt hervor, daß der Vereinsausschuß auf zwei Punkte sein besonderes Augenmerk gelenkt hat: erstens auf die großen vitalen Tagessragen der jüdischen Konfession und die soziale Stellung der Juden, und zweitens aus die Konsolidierung und Festigung der vom Vereine ins Leben gerufenen verschiedenen Einrichtungen. Der Geschäftsleiter der Handwerkerabteilung Herr Alexander Lieberls berichtete, daß zu Anfang des Vereinsjahres 51 Knaben unter der Aegide des Vereines standen, von denen im Laufe des Jahres 17 freigesprochen wurden; dieselben sind bei verschiedenen Handwerkern untergebracht. Die Auslagen dieser Abteilung betragen im abgelaufenen Vereinsjahr fl. 1808. — lieber die Thätigkeit der Sektion zur Heranbildung israel. Krankenpflegerinnen erstattete Frau Julie Leipen Bericht. Die Krankenpflegerinnen, die an dem Josephstädter allg. Krankenhause im modernen Sinne ihre Ausbildung erlangen, haben 446 Nächte und 625 Tage in der Krankenpflege zugebracht. Größere Spenden ermöglichten die Gründung eines eigenen Heims, in welchem die Krankenpflegerinnen unter der Beaufsichtigung einer tüchtigen Hausmutter stehen. — Für die „Studentenabteilung" erstattete Herr Pros. Wertheimer Bericht und bat um eifrige Unterstützung dieser Institution. — Der Kassabericht, erstattet vom Vereinskassierer Herrn Heinrich Denhoff, beziffert die Einnahmen mit 4096 fl., die Ausgaben mit 3909 fl. Das Vereinsvermögen besteht aus einem Fond in der Höhe von 11,350 fl. und beweglichem Vermögen in der Höhe von 6746 fl. 69 kr. Sämtliche Berichte wurden mit Beifall zur Kenntnis genommen. Brünn, 13. November. (Baron Hirsch) hat für Wohlthätigkeitsanstalten in Mähren den Betrag von 1000 000 Francs testiert, und zwar zur Hälfte für israelitische und zur Hälfte für Anstalten, deren Wohlthaten Bedürftigen ohne Unterschied der Konfession zuteil werden. Die Zuweisung der Teilbeträge an die einzelnen Anstalten war der Witwe des Barons überlassen. Baronin Clara Hirsch hat nunmehr den 9. Dezember d. I., den Geburtstag ihres Gatten, als Termin für die Auszahlung der Legate bestimmt und die bedachten Anstalten und Vereine verständigt, daß ihr Rechtsanwalt mit der Liquidierung beauftragt wurde. Es wurden angewiesen: Sämmtlichen 50 israelitischen Kultusgemeinden Mährens für humanitäre Zwecke Beträge von 1000 bis 5000 fl., der Kultusgemeinde Brünn 10 000 fl., dem mährisch-jüdischen Waisenhilssverein 110000 fl., zum Ausbau des Brunner Kinderspitals 40000 fl., den Barmherzigen Brüdern für ihre vier mährischen Spitäler 41000 fl., dem Elisabethinerinnenspital in Brünn 5000 fl., den Brünner Blinden- und Taubstummen- Jnstituten je 10 000 fl., dem Blinden - Wohlfahrtsverein 5000 fl., dem patriotischen Landeshilssverein 50 000 fl., schließlich einer großen Anzahl humanitärer Vereine und Institutionen kleinere Beträge. 14. Budapest, 15. November. (Verschiedenes) Den Führern der klerikalen Partei in Ungarn ist vom Vatikan in Rom geraten worden, sich der Propagierung des Antisemitismus im neuen Reichstage zu enthalten, und zwar nicht etwa, um die Juden nicht zu kränken, sondern weil — wie ein Telegramm der Neuen Freien Presse besagt — „eine Verquickung der katholischen Ideen mit dem Antisemitismus der Kirche zu entschiedenem Schaden in einem Lande gereichen müßte, in welchem die Regierung fest entschlossen sei, den Antisemitismus nicht aufkommen zu lassen." Trotz dieser Motivierung würde es uns nicht im Geringsten wundern, in protestantischen Antisemitenblättern die Behauptung zu finden, daß auch der Papst „verjudet" sei. — Wie hiesige Blätter melden, soll hier unter dem verheißungsvollen Namen „freies Israel" ein Reformverein begründet werden. Der Verein will eine „Emanzipation vom Talmud", die Einführung eines Gottesdienstes in ungarischer Sprache, sowie ein Aufgehen des Judentums im Magyarentum anstreben. Der Mißerfolg, den die Reform in Deutschland erfahren, scheint hier entweder

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