Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 47 (20.11.1896)
- Date
- 1896-11-20
- Page
- Seite 781 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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«r. 4?. 91t. 47. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 781. ein ist es, was die '"dm die ganze Pers°^ dem Benehmen, mit dem ' der ganzen Absicht mert btc au§ dem Antltze >tdme^ die Art des Gebens ^'beglückt den Beschenkten r Menschenliebe hin. Älnme, doch die liebreiche ausströmt, das ist der W n Farbenschmelz. Nehmet lhauch der Herzensgute und ohne Farbe. Und verlien Uhres Wertes, den schönsten sie der Freundlichkeit auch Mti man ihr rauhe Mienen, gleitung giebt? Etwa m i im Feuer glüht und dm cs ist ein Geldstück, das er men in die Hand, cs brennt hlthaten versengen noch das ilen und lassen den Hilse- Verlassenheit um so herber itur lernen, nur das eine )er Himmel, wenn er den den Gefilden seine reiche t er sich erst mit düsterm dem Donner, unter biausollen es nicht so machen >er helfen; da sollen nck M. nicht Zornesblicke ans Worte über unsere Lipm ,, sonst verleugnet sie ihren )t, daß die Mensche«, er Rührung, mit süßlicher ,uß, nein Fahre H-rz^ humi> in das von seinem Eigentümer, gereicht ihm nicht zum Heile." Wie lange währt's, und sie müssen es an sich oder an den Ihrigen erfahren: „Geld und Gut, ach, sie nützen nichts und helfen nichts am Tage des Unheils." (Sprüche 11, 4.) Sie müssen es dann empfinden, wie nichtig aller Reichtum sei. Das große Äcrbe«. Novelle aus dem deutschen Mittelalter von Wilhelm Jcnsen. (Fortsetzung.) Nachdruck untersagt. Ein tiefer Ernst umzog das muntere, von so vielfachen Eindrücken des Morgens bewegte Antlitz des Mädchens. Sie fühlte, aus dem Kindermunde vor ihr kam die entsetzliche Wahrheit, zu deren frevelhafter Beschönigung jene Ammenmärchen ersonnen, die sie in ihrer Kindheit vernommen, die noch jetzt ihr Vater, die Nachbarn, alle Menschen fast, die sie kannte, in blindem Aberglauben und Fanatismus nachsprachen. Angstvoll stieg das Elend der Judengasse aus dem einfachen Wort des Knaben vor ihr auf, und ein namenloser bitterer Schmerz tras daraus in die junge Brust. Ihr war, als ob ihr ein Stachel in die Seele gedrungen, die Schuld der Väter durch Mut, durch erbarmendes Mitleid nach ihrer Kraft gutzumachen; als ob eine drückende Pflicht auf ihr laste, welche sie lange versäumt. Sie nickte dem Knaben bedeutungsvoll mit den Augen zu und sagte: „Ihr seid gut, ich weiß, daß keiner von euch böse ist und mir schaden will. Ich gehe doch in das Haus des alten Kaleb, denn ich muß hinein, sei stille und verrate mich nicht." Damit verließ sie schnell den Knaben, der ihr, von ihrem freundlichen Gesicht unschlüssig gemacht, nachdenklich mit den Augen folgte, bis sie in der Thür des alten Kaleb verschwand. Sicheren Fußes stieg sie die Treppe hinan. Es empfing sie niemand auf dem Flur, nur ein aromatischer, den Atem erquickender Dust wogte aus dem oberen Geschoß herab und erfüllte das Haus. Sybille ging weiter; ungesehen erreichte sie das erste Stockwerk; alle Thüren standen weit geöffnet und sie trat in das Gemach, das sich ihr zuerst darbot. In dem Kamin des großen, dunklen Zimmers loderte eine mächtige Flamme, von welcher der liebliche Wohlgeruch ausströmte; sie spielte über Tamars Bild und ließ die Schönheit des Mädchens noch orientalisch-phantastischer hervortreten als im Tageslicht. Das Thorwächtertöchterlein blieb wie gebannt stehen und betrachtete die zauberisch-majestätische Gestalt. Aus dem anstoßenden Raum, der durch einen schweren Sammetvorhang abgeschieden war, kam ein Gemurmel, das ab und zu ein Aechzen unterbrach. Eine gedämpfte, sichere Stimme befahl, und leichte, ruhige Fußtritte glitten über den Boden. Doch Sybille war in der Anschauung des Bildes verloren; sie hörte, was im Nebenzimmer gesprochen wurde, allein sie that keinen Schritt vorwärts. „Es muß die schöne Tamar sein," murmelte sie vor sich hin, „und sie ist schöner, als alle Christinnen —" „Wir wollen glühendes Gold auflegen," sagte die feste Stimme hinter dem Vorhang; „es schmerzt; doch es heilt." „Weh über sie, mein Gold, sie verderben mein Gold," unterbrach ein mattes Stöhnen die eingetretene Stille. „Kann es nicht sein Silber, weiser Thubal, laß es sein mit Silber." Ein schweslicher Geruch drang durch den Sammet, und es zischte und ein schluchzender Laut wie von Frauenlippen folgte. „Weiser Thubal, was sagt deine Kunst von meinem Herrn?" fragte eine weibliche Stimme. „Ich sage, daß er ein Sohn ist vom alten Stamme Israel," versetzte der Arzt, „der nicht zuckt bei dem Schmerz und geduldig aushält unter Pein, mit der ihn der Herr schlägt. Und ich sage, daß er diese Krankheit wird überstehen und daß es gut ist, daß er sie so früh hat bekommen und daß euer Sohn Hellem sie so früh hierher gebracht hat, eh' daß ihre Bösarligkeit zunimmt, wie sie es thun wird, wenn sie länger hat gedauert." Ein doppelter Dankesruf begleitete die Worte, den ein scharfer, zischender Laut, von brandigem Geruch gefolgt, auf den freudigen Lippen abschnitt. „Mein Sohn Hellem," jammerte der Kranke, „was sagtest Du von meinem Sohn Hellem? Wer kann mir sagen, was aus meinem Sobn Hellem geworden?" Sybille fuhr bei dem Namen aus ihrem Staunen auf. Die Stimme des Arztes erwiderte unsicher, obwohl das Bestreben ruhig zu erscheinen, aus ihr hervorklang: „Wir werden bald Nachricht von ihm erhalten und es wird ihm wohlgehen. Wir werden Dir sagen, sobald wir von ihm gehört, und es wird Dich noch mehr heilen, als das Gold, wenn Du von ihm erfährst —" Aber ein Schrei der Frauen unterbrach ihn. „Weh über uns, — Gott wird ihn zu sich nehmen, er wird sterben," wimmerte Lea. „Du wirst nicht durch Thorheit schänden das Andenken Samai's, Deines Vaters, der hochgeachtet war wegen seiner Weisheit in Israel," versetzte Thubal ernst: „Du wirst Dich zurücklegen und mich machen lassen, was sein muß." Man vernahm ein Krachen der Bettfugen wie von ringenden Körpern, doch das Jammergeschrei des alten Kaleb übertönte den Kampf: „Ihr habt schon gehört von meinem Sohn Hellem, daß er schon tot ist, gestorben unter den Fremden, weil er uns nicht wollte verderben/ Laßt mich fort — ich will suchen meinen Sohn Hellem, daß ich seinen Leichnam finde, um ihn zu begraben unter unserm Volk." Das Getöse im Nebengemach verstärkte sich, ein Tisch mit Gefäßen fiel dröhnend zu Boden, Frauengeschrei mischte sich in den Lärm des wilden Getümmels, dann krachten nackte Füße in schwankenden Sprüngen über den Estrich, eine hagere Hand riß gewaltsam den Sammetvorhang zur Seite, und halbbekleidet, von Brandwunden entstellt, stürzte die lange Gestalt des Alten hervor. Seine Augen suchten irre umher, die abgemagerten Finger hatten den weißen Bart gefaßt und rauften zusammengekrallt an das silberne Haar. Bewußtlose, von einem verzweifelten Gedanken erzeugte Raserei hatte die gemessene Würde seiner Züge verwirrt und zu wahnsinniger Angst verzerrt. Sybille fühlte, daß es ihr kalt nach dem Herzen rann, aber zugleich fühlte sie sich mutig und ihrer Pflicht bewußt, wie nie, und vertrat ihm kühn den Weg nach der Außenthür. „Ich bringe. Euch Nachricht von Eurem Sohn Hellem," sagte sie.