Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 47 (20.11.1896)
- Date
- 1896-11-20
- Page
- Seite 777 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr 47 Allgemeine J-raelitische Wochenschrift. Seite 777. %. 47. Uebet m Heueren, dann ist a 5 "ber in allen, e ba§ Gedächtnis deiner Erlicht die Thaten» Thaten" Der hebräisch^ rten", sondern sagt, ,fMt! br Hebräer drückt sich f, :l't alles Fleisches gedenke Ebenso ist das „wunderban Das Original ist hier eindes Lebenden preise deinen Geist gedenke dein, erhebe ltt) ist keiner, der hilsi :h ält." Verdient das die m Portrage?" Das sind -chwunge der Begeisterunz er in diesem kalten Ton« nrde ich auch das Original ,rängnis hast du allein dich s (mepharness), du sandtill ich wurden wir erlöst und Ebenso ist „das ganze Leben und alle Kraft" eine wässerige Klimax, und „dem Preise" mehr ein Marktals ein Gebet-Dativ. So geht es weiter: bald ist es eine Uebertreibung, bald eine Geschmacklosigkeit, bald eine Trivialität, bald eine für den Vortrag ungeeignete Phrase, bald auch eine innere Unwahrheit. „Auch fürder wirst du uns nicht fallen lassen" - „fallen lassen" ist trivial, kaufmännisch; „fürder" ist ausdruckslos, zum Vortrag ungeeignet. Eine innere Unwahrheit ist folgender, allerdings sehr wohlklingende Satz: „Darum danket dir jeder Mund, jede Zunge verherrlicht dich, jedes Knie beugt sich vor dir, jedes Herz erbebt in Ehrfurcht bei Nennung deines Namens." Ist das wahr? Thut das jeder? Das Original hat weniger pompöse Ausdrücke und dvch nur Wunsch-Sätze: „danke! beuge!" re. Das als Thatsache zu behaupten, wagte das Original sogar in jenen viel religiösern Zeiten nicht. Doch wir wollen nicht blos das eine Stück der Prüfung unterziehen, soviel auch noch darin zur Kritik Anlaß giebt. — Als zweites Stück empfiehlt Vogelstein zum Vortrage „die Benediktionen vor und nach dem Schema im Morgen- und Abendgebete". Wir halten diese Stücke in der Vogelsteinschen Fassung für nichts weniger als zum Vortrag geeignet. Gleich der erste Satz, Uebersetzung des „Borachu“, ist mir bedenklich. „Lobet den Herrn, den Segensquell! Gelobt sei der Herr, der Segens quell, immer und ewig!" „Segensquell" ist ja ein Ausdruck, den man hingchen lassen kann, aber eine häufige Wiederholung verträgt er nicht; dazu ist er zu aufgeblasen, zu pretentiös. Hat man erst sünszigmal den Ruf gehört: „Lobt den Herrn, den Segensquell," so reizt die Wiederholung unfehlbar zum Lachen. Für immer wiederkehrende Wiederholung eignet sich nur die gediegenste Einfachheit. „Lobet den Ewigen, die Quelle alles Segens" — das kann man unzählige Mal wiederholen, und es wird immer einen ernsten Eindruck machen. „Lobet den Herrn, den Segensquell" — das ist zu gemacht. Die Mache ist aber überall der Mode unterworfen. Aehnlich verhält es sich mit dem folgenden: „Gelobt seist du, Weltenkönig, du hast das Licht gebildet und die Finsternis geschaffen, du stiftest Frieden und bringst alles hervor." „Weltenkönig", das klingt wie eine kalte Titulatur. Die Schöpfung der Finsternis fordert zu sehr den Widerspruch des modernen, an die Schwingungs-Theorie gewohnten Denkens heraus. „Du stiftest Frieden und bringst alles hervor" ist geschmacklos im Zusammenhang und zu trivial im Ausdruck für den — Vortrag. Merkwürdig ist, daß Vogelstein Relativ-Sätze als besonders zum Vortrage geeignet zu halten scheint. „Alles preiset dich, alles betet dich an, heiliger Weltenschöpfer, der an jedem Morgen die Sonne aufgehen läßt in ihrer Pracht" rc. „Du läßt an jedem Morgen" rc. ist doch viel wirksamer. Ebenso weiter: „Mit staunender Bewunderung und in weihevoller Sabbat-Stimmung betrachten wir die Himmeslichter, die du als Zeugen deiner Macht am Firmamenle erstrahlen läßt" :c. Auch hier wäre wirksamer: „als Zeugen deiner Macht erstrahlen sie" rc. Sollen wir auch auf die Geschmacklosigkeit Hinweisen: „in weihevoller Sabbat-Stimmung betrachten wir die Himmelslichter?" Wer wollte überhaupt alle die nichtssagenden Phrasen und Trivialitäten dieser Bearbeitung auszählen? Schon das, was wir bisher anführten, wird cs als keine Uebertreibung erscheinen lassen, wenn wir sagen, daß auch nicht ein einziges Stück, nicht eine einzige Seite ohne eine größere Kollektion von leeren Phrasen, undeutschen Ausdrücken und einfachen Geschmacklosigkeiten sich vorfindet. Gleich die Fortsetzung ist wieder hohl und geschmacklos und unwahr: „Dein Lob, deine Größe verkünden sie <die Himmelslichter), wie es heißt: Und sie rufen einander zu und sprechen: heilig, heilig, heilig" rc. Das ist vor allem eine Fälschung: „Und sie rufen einander zu und sprechen: heilig" rc. Das bezieht sich im Jesajah 6, 3, der Quelle dieses Zitats, aus Engel, die „Seraphim". Diesen Ruf aber den Himmelslichtern in den „Mund" zu legen und mit den Worten: „wie es heißt", sich aus diese Stelle berufen, das ist eine Täuschung, eine Täuschung, die sich aber selbst gerächt hat! Denn <quocl licet Jovi, non licet bovi, was im Munde der Engel am Platze ist, ist es noch nicht im „Munde" der Himmelslichter. Die Engel sind als Boten Gottes für die Menschen auf Erden gedacht; sie verkünden mit Recht die „Heiligkeit" Gottes, die sich im geschichtlichen Walten Gottes kund thut, und die Herrlichkeit Gottes auf der Erde: „voll ist die ganze Erde seiner Herrlichkeit". Wie kommt aber die Heiligkeit Gottes in den „Mund" der Himmelslichter? Freilich sagt Dr. Vogelstein auch „heiliger Weltenschöpfer". Und soll der Schluß: „voll ist die ganze Erde seiner Herrlichkeit" vielleicht ein Kompliment der Himmelslichter an die Schwester „Erde" sein? Oder sollte Vogelstein gar Jesajahs „Seraphim" in „Himmelslichter" umdeuten und diese Geschmacklosigkeit schon dem Jesajah in die Schuhe schieben? Nein, Jesajah hörte wohl, ebenso wie der Psalmist, wie „die Himmel erzählen die Ehre Gottes", aber er hatte auch Geschmack genug, ihnen keine bestimmten Worte in den Mund zu legen: „Keine Rede und keine Worte, ja selbst eine Stimme wird von ihnen nicht gehört" (Psalm 19, 4). Den Naturwesen bestimmte Worte in den Mund zu legen, das kann Herr Dr. Vogelstein nur vom — Perek schira gelernt haben. Dr. Vogelstein hört aber nicht blos bestimmte Worte, er hört sogar Wechselchöre: „Und alle Wesen, wie im Wechselchore stimmen ein: Gelobt sei die Herrlichkeit Gottes von jeglicher Stätte aus." Der „Wechselchor" hätte ja eine Berechtigung als Uebersetzung des Originals: „Die „Ophannim" und die heiligen „Chajoth" erheben sich den „Seraphim" gegenüber und stimmen ein re. Das wäre ja als „Wechselchor" denkbar: auf der einen Seite die „Seraphim", auf der andern die „Ophannim" und „Chajoth". Diese hat aber Vogelstein im Original gestrichen, auch das „lenmo88om", „ihnen gegenüber"; das „Heilig" rc. wird von allen Geschöpfen, „kol jezurim“, gerufen und das „boruch kewod“ ebenfalls von allen Geschöpfen (wechullom meschab’chim): wer bildet da den „Wechsel-Chor"? Freilich: „Wechselchor" ist eine volltönende Phrase, die Vogelstein dem Vortrag erhalten wollte, wie oben im Nischmath das „Firmament" und die „Sonne"