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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-20 · 47 (20.11.1896) · p. Seite 775

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
47 (20.11.1896)
Date
1896-11-20
Page
Seite 775 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 47. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 77“). f ba§ amerikanische Geodn ob seine treuen Mer , ^nb aufgethan haben: la selbstverständlich. Viel- M»,' fein State in, 1 m einen billigen Preiz Mahme der Abzahlung bei ^ark welche AHIwarbl del'-Prozeß erwuchsen, und ca. 380 Jahren abtragen ncht überrascht zu werden, gungsnachweis Tedlaheks zu auf die jüngsten wegen btt Willigt wurde unter Briidm durch Gerichtld dem Chnflee I, durch gelehü! eisen, wie diee s chehen ist. Eli! einer in him s n würden, m nern gelesen, bii/ eben schon die sich zu Die Thatsache, daß die bekannte wohlgemeinte Denunziation zu einer unbezahlbaren Reklame für Sedlatzek und seinen Anhang wurde, ist nicht mehr aus der Welt zu schaffen. Von Segen kann sie nur sein, wenn von beteiligter Seite aus der Affaire die Lehre gezogen wird, daß man die Beriihrung mit einen: Tintenfisch am Besten vermeidet, weil dieser die Gelegenheit nicht vorüberziehen läßt, ohne einen trüben Strahl von sich zu schleudern, der allseitig unangenehm empfunden wird. Es ist ja garnicht nötig, daß sich jemand persönliche Belästigungen gefallen lassen muß, aber so lange an maßgebenden Stellen die heutige Strömung vorherrschend ist, muß die offizielle Deuunziation ä tout prix im höhern Interesse durchaus unterbleibe». Es kommt doch für jeden sein Zahltag, selbst ohne unser Dazuthun — es mag der unfreie Freiherr v. Hammerstein oder sein Beichtvater Stöcker sein, dem es zu gönnen gewesen wäre, im Strafmaß mit Sedlatzek zu tauschen. Der steinreiche Herr Stöcker hat sich schon längst daran gewöhnt, gegen die Einbuße seines gentlemanen -Ansehens — aber auch nur gegen diese — sehr duldsam zu sein; die 600 Mark wird er mit Vergnügen bezahlen, so viel war die Folterung seines Amtsbruders Witte wert, aber drei Monate lang unfreiwilligen Gesängnishof- Geistlichen zu spielen, das wäre ihm doch ein Bischen an die Nieren gegangen. Dies ist das Facit der immunitätslosen Zeit, und nun auf zur Kampagne! Wir werden trotz unserer ungünstigeren Position allen Angriffen zu begegnen wissen. Ob mit Erfolg, das ist eine andere Frage, deren Beantwortung bei dem Mangel an Gerechtigkeitsgefühl in unserer Zeit kaum möglich ist. Dr. Singer-Koblenz. vas „tnobmtfte“ Okticttiudi. II. M. Frankfurt a. M., im November. Im genannten Vorwort sagt Herr Dr. Vogelstein: „In den letzten Jahren hat sich an vielen Orten der lebhafte Wunsch geltend gemacht, im öffentlichen Gottesdienst das deutsche Element mehr als bisher berücksichtigt zu sehen." Wie äußerlich, geschäftsmäßig das klingt! „Der Wunsch hat sich an vielen Orten geltend gemacht" — nicht das Bedürfnis in weiten Kreisen, sondern der „Wunsch an vielen Orten" ist maßgebend. Also ein Wunsch der geäußert wurde! Doch nein, das wäre ja zu offenherzig; sondern ein „Wunsch, der sich geltend gemacht" hat. Welcher Wunsch hat sich geltend gemacht? „Im öffentlichen Gottesdienst das deutsche Element mehr als bisher berücksichtigt zu sehen." Das „deutsche Element!" Handelt es sich denn um Germanisierung der Synagoge? Ist das der Wunsch, den Treitzschke geltend gemacht hat: „Die Juden sollen Deutsche werden?" Gewiß nicht! Es handelt sich um das Bedürfnis, das Gebet in der Muttersprache zu verrichten! Empfindet aber, ja versteht auch nur dieses heilige Bedürfnis, die traute Muttersprache auch im Zwiegespräch mit dem Allvater anzuwenden, wer dies eine — „Berücksichtigung des deutschen Elements im Gottesdienst" nennt? Wie ist nun dieser „Wunsch, der sich an vielen Orten geltend gemacht hat", zu erfüllen? „Um dies zu ermöglichen" — sagt das Vorwort — „mußte noch mehr als bisher auf die deutsche Uebersetzung der Gebete Gewicht gelegt und darauf gesehen werden, daß sie eine von jeder Ueberladung und Neberschwänglichkeit des Ausdrucks sich fernhaltende, das Gemüt erwärmende und zum öffentlichen Vortrage geeignete freie Uebertragung sei." „Auf die deutsche Uebersetzung der Gebete mußte noch mehr als bisher Gewicht gelegt werden", „daß sie eine . . . freie Uebertragung sei" — bei der Gebetbuchfrage handelt es sich also um die Probleme der Uebersetzungs- Kunst: soll man sich sklavisch ans Wort fesseln oder frei übertragen? Die Gebetbuchfrage ist eine Frage des religiösen Lebens, ist eine Lebensfrage des modernen Judentums; hier handelt es sich nicht um die Frage: ob „Uebersetzung" oder „Uebertragung", hier handelt es sich um Brot für den Hunger und Wasser für den Durst; hier spricht der „Ernst des Lebens" und nicht die „Heiterkeit der Kunst"; was hier geboten wird, das muß die Seele ergreifen, die Schwungkraft des Gemütes beleben, das Denken anregen und ihm die Richtung, wenn nicht Befriedigung, geben; es muß den ganzen Gehalt, den ganzen Reichtum der Religion enthalten, damit es in der Form des Gebetes die „Pforten des Himmels": die Thore des Herzens öffne, und in dem Betenden einen erzieherischen Eindruck mache — „das Wort, das dem Beter in den Mund gelegt wird, es darf nicht leer von ihm zurückkehren, es muß ausgerichtet haben, was es gesollt, es muß vollbracht haben, was seine Sendung war" (s.Jesaj.55,111. Das ist es ja, warum das Gebetbuch neu bearbeitet werden soll, weil die Worte der in Sprache und Inhalt uns fremd gewordenen Gebete leer aus unserem Munde herauskommen. Was uns notthut, das sind solche Worte, die so mächtig auf uns einwirken, daß sie von uns gleichsam einen bereicherten Inhalt empfangen, oder sagen wir: Gebete, die uns das sind, was unsere traditionellen Gebet-Stücke dem Beter des Mittelalters gewesen sind. Nnd da stellt sich Herr Dr. Vogelstein die nüchterne Norm auf: „Keine Ueberladung! keine Ueberschwenglichkeit! das Gemüterwärmend! zum öffentlichen Vortrag geeignet! keine Uebersetzung, sondern freie Uebertragung!" Ja nur eine recht behagliche „Wärme des Gemüts" und nur keine Aufregung, keine Erschütterung, kein Aufrütteln; nur ein recht intensives dolce far niente für das Publikum, und für den „Vorbeter oder Prediger", nur keine Schwierigkeiten für den Vortrag, nur keinen Schwung, keine Begeisterung, keine Tiefe, denn — das trägt sich schwer vor. Ja, liebes Judentum, du kannst ruhig sein, deine Synagogen werden schon dafür sorgen, daß dueinschlasest! Es haben sich aber nicht blos „an vielen Orten Wünsche geltend gemacht", es hat sich auch „in verschiedenen Gemeinden der Wunsch geäußert", „im allgemeinen den hebräischen Tert beizubehalten", aber „zur Erhöhung der Andacht, die deutsche Sprache (!) in größerem Maße berücksichtigt zu sehen". Man sieht, wie flach das Fahrwasser ist, in dem der -Nachen dieser Gebetbuch-Bearbeitung segelt. „Segelt?" Nein, nicht einmal rudert, sondern vom Ufer aus sich am Seil fortziehen läßt.

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