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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · p. Seite 770

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
Seite 770 (sequence 14)
Language
German
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Seite 770. Allgemeine J-raelittsche Wochenschrift. Nr. 46. eingetretenen Vakanz einen Ausländer namens Frischer provisorisch mit der Verwaltung des Amtes eines Vorbeters und Schächters betraut. Wegen dieses Verbrechens wurde unser erster Vorsteher, Herr Bankier Löwenstein, am 12. Mai d. I. vom hiesigen Landgericht zu einer Geldstrafe von 60 Mark verurteilt, obwohl er versicherte, nicht gewußt zu haben, daß der p. Frischer Ausländer sei. Das Gericht hielt das aber für irrelevant, da er die Einholung der Genehmigung der Verwaltungsbehörde unterlassen habe. Der Schächter sei ein Synagogenbeamter; ein Dolus werde vom Gesetze nicht erfordert, welches die Annahme ausländischer Juden als Beamten vor Erteilung der Erlaubnis des Ministers des Innern verbietet. Der Verurteilte meldete Revision beim Reichsgericht an und dieses erklärte die Revision für begründet. Es könne dahingestellt bleiben, ob Angeklagter von der Nationalität Frischers Kenntnis hatte. Das Gesetz ist gegen das Fungieren von Ausländern in einer Stellung im Jnlande gerichtet, dagegen geht seine Tendenz nicht etwa dahin, die Einwanderung zu verhüten; es handelt sich also bei Uebertretung desselben nicht um ein reines Polizeidelikt, d. h. Ungehorsam gegen Gebote und Verbote; das Gesetz ist also nicht präventiver Natur mit der Tendenz, eine künftige Verletzung zu verhüten. Anders liegt der Fall bei den Kriminaldelikten, wo das Recht schon verletzt ist, und das trifft hier zu, indem der Angeklagte einen rechtsgefährdenden Zustand schuf. Es liegt also ein Kriminaldelikt vor, bei dem, im Gegensatz zu Polizeidelikten, erst der Vorsatz strafbar macht, und der ist hier nicht festgestellt. Das Reichsgericht hob darum das Urteil auf und verwies die Sache an die Vorinstanz zurück, zugleich mit der Direktive, zu prüfen, ob ein fahrlässiges Verschulden vorliege, da die ratio legis eine gewisse Sicherheit für die Stellung der Religionsbeamten schaffen wollte und hier anscheinend eine Vernachlässigung der Erkundigungspflicht vorliegt. O. Frankfurt a. O., 9. November. (Rabbinerwahl.) Um das hier durch die Berufung des Herrn Dr. Blumenthal nach Danzig vakant gewordene Amt eines Rabbiners hatten sich mehrere jüngere und ältere Kandidaten beworben. Gewählt wurde in der vorwochigen Sitzung der beiden Verwaltungskollegien der Gemeinde Herr Dr. Hochfeld, Zögling der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums in Berlin. Seine Probepredigt hatte allgemein gefallen, ebenso allgemein ist der Wunsch und auch die Hoffnung, daß das Wirken des neuen Rabbiners seinem Reden entsprechen möge! ffß Kassel, 8. November. (Prüfung.) Am 29. v. Mts. fand im hiesigen israelitischen Lehrerseminar die zweite Lehrerprüfung statt, der sich sechs Lehrer unterzogen. (Braunschweiger-Erdmanrode, Höxter-Fronhausen, Löwenstein-Bremke, Stein-Gleidingen, Werthan-Bovenden und Wertheim-Zimmersrode.) Die Prüflinge haben sämtlich das Examen bestanden. & Hamm i. W., 10. November.- (Schulsache.) Gemäß einem Stadtverordneten-Beschlusse übernimmt die hiesige Stadtgemeinde am 1. April 1897 die hier bestehenden Sozietäts- Schulen evangelischer und katholischer Konfession als städtische Schulen unter der Bedingung, daß die Schul-Sozietäten sich unter Uebertragung ihres Aktiv- und Passiv-Vermögens an die Stadtgemeinde auflösen. Der Synagogengemeinde wird zur Bestreitung ihrer Schulbedürfnisse ein Zuschuß geleistet, welcher alljährlich von den städtischen Behörden nach Maßgabe der die jüdische Schule besuchenden jüdischen Elementarschüler und der von der Gemeinde für das Elementarschulwesen zu leistenden Ausgaben bemessen und festgestellt wird. I a. Koblenz, 9. November. (Stiftung.) Der in Hami bürg kürzlich verstorbene Rentier Salomon in Hamburg ist j in seinem großen Wohlthätigkeitsdrang über den Kreis seiner j Glaubensgenossen hinausgegangen. Unserem Oberbürgermeister I Schüller ist die Mitteilung zugegangen, daß Herrn Salomon j den Städten Hamburg, Wien nnd Koblenz die Zinsen eines i Kapitals von 600,000 Mark testiert habe, damit sie zu Armenj Unterstützungen und anderen Wohlthätigkeitszwecken verwendet i würden. Wörrstadt a. M., 9. November. (Anstellung.) Wäh-; rend in Preußen die Fälle, in denen ein jüdischer Lehrer an nichtjüdischen Volksschulen angestellt wird, zu den größten Seltenheiten gehört, kommen solche Fälle in unserem Großherzogtum Hessen nicht gar so selten vor. So ist Herr Lehrer Sam. Joseph an der hiesigen erweiterten Volksschule angestellt worden. Vivat sequens! £ Mosbach, 9. November. (Jubiläum.) Am 1. d. M. beging Bezirksrabbiner Dr. Löwenstein die Feier seines 25jähr. Amtsjubiläums. An der Feier nahmen die Bezirksältesten, sowie die Lehrer des Rabbinatsbezirks teil. Im Laufe des Vormittags wurden dem Jubilar eine Anzahl Jubiläumsgeschenke überreicht. Bei dem von den Lehrern veranstalteten Festessen, an dem auch die Bezirksältesten, sowie der Synagogenrat von hier teilnahmen, wurde in vielen Reden der ersprießlichen Wirksamkeit des Jubilars gedacht. X Dresden, 10. November. (Abgeschüttelt.) Das hier erscheinende Organ des konservativen Landes Vereins, das „Vaterland", sucht immer mehr die Antisemiten abzuschütteln. So schrieb das Blatt dieser Tage: Die leitenden Persönlichkeiten und das wortbrüchige Verhalten der einzelnen antisemitischen Gruppen zu einander hebe die Vertrauenswürdigkeit aus. Die Reformer würden in bekannter Doppelzüngigkeit auch einen Vertrag mit den Konservativen nicht halten, wenn letztere so einfältig wären, sich darauf einzulassen. „Will h die deutsch-soziale Reformpartei mit den Kanservativen in ein;) freundschaftliches Verhältnis treten, so möge sie zunächst Männer an die Spitze wählen, die durch ihre Vergangenheit Vertrauen verdienen; Leuten deren Lebensweise verhindert, daß ein aus Ehre haltender deutscher Mann ihnen die Hand reiche, können wir nur mit den Waffen gegenüberstehen." .a München, 9. November. (Die Kriminalität der Juden in Bayern) zeigt ein günstiges Resultat. Königreich Bayern waren zu Anfang des Jahres 1894 in den Strafanstalten interniert 5864 Katholiken, 1674 Protestanten, 30 Israeliten. Das ergab bei einer Bevölkerung von 3 959 077 Katholiken, 1 571 853 Protestanten, 53 885 Israeliten, auf je 100 000 Personen der betreffenden Konfessionen 148, 106, 56. chß Budapest, 8. November. (Dr. Wlassics. — Jüdische Reichstagsabgeordnete. — Aus der Gemeinde.) In einer neulich gehaltenen Programmrede behandelte unser Kultusminister Dr. Wlassics seine Stellung zu dem ihm anvertrauten hohen Amte. „Sie wissen, daß Se. Majestät aus j<

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