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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · p. Seite 768

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
Seite 768 (sequence 12)
Language
German
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Seite 768. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 46. „Was willst Du dort? Geh' nicht hinein. Du bist nicht von uns; da ist die Pest," sagte er freundlich. Das Mädchen zuckte leise zusammen; „wer liegt an der Pest?" fragte sie hastig. Der Knabe wiegte den Kopf. „Ich weiß nicht, alle," antwortete er, „Thubal ist dort seit Mitternacht." „Wer ist Thubal und weshalb darf ich nicht hinein, wenn er drinnen ist?" versetzte Sybille. Er sah sie verwundert an. „Thubal hat es gesagt," entgegnete er. Er stockte, dann fügte er ausdrucksvoll bei: „Und weil Du eine Christin bist." Das Wesen des Knaben befremdete sie. „Darf eine Christin denn nicht in Euer Haus?" fragte sie. Die Lippen des Knaben zauderten. „Nein," sagten sie nach einer Weile geheimnisvoll, „nicht wenn die Pest darin ist, denn wenn sie stirbt, sagen die Christen, daß wir sie getötet, und verbrennen uns und nehmen uns unser Geld —" - (Fortsetzung folgt.) Hier und dort. * Berlin, 1. November. (Ueber die Israelitische Volksküche) in der Gormannstraße wird in den jüdischen Kreisen, die gezwungen sind, diese Anstalt in Anspruch zu nehmen, lebhaft geklagt. Besonders ist es das Ueberhandnehmen fragwürdiger nichtjüdischer Elemente, die beispielsweise achtbaren, aber armen jüdischen Studenten den Aufenthalt in der Volksküche verleidet, ja unmöglich macht. Die Räume dieser Anstalt sollen ein Tummelplatz für allerhand arbeitsscheues Gesindel und „arbeitslose" Zuhälter geworden sein, welche die gerade in solchen Anstalten erforderliche Reinlichkeit und die Ruhe des Hauses und seiner anständigen Besucher beeinträchtigen. Eine Ende voriger Woche stattgehabte Schwurgerichtsverhandlung gegen zwei Gelegenheitsräuber, die das Verbrechen in der jüdischen Volksküche begingen, war geeignet, jene Klagen zu bestätigen. Wir sind gewiß/ daß es nur dieses kurzen Hinweises bedarf, um eine Besserung anzubahnen, um zu erzielen, daß die Israelitische Volksküche befreit werde von den Bassermannschen Gestalten, die man täglich vor der Anstalt sich stauen sieht und in deren Räumen rumoren hört, den achtbaren jüdischen Besuchern den Weg zu der Volksküche versperrend, den Aufenthalt in der Volksküche verleidend. Wir wollen hiermit keineswegs für die Ausschließung von Nichtjuden, die der Wohlthat der Anstalt bedürfen, plaidieren, sondern nur den verdienten Leiter derselben, Herrn Abraham erinnern, daß die Israelitische Volksküche am Ende aller Enden eine jüdische Einrichtung ist; und an Herrn Abraham liegt es, nun dafür zu sorgen, daß auch die Gäste der Anstalt dieser Thatsache eingedenk bleiben. * Berlin, 10. November. (Rabbiner und Sozialisten.) Eine von den hiesigen Sozialdemokraten einberusene Versammlung für Freitag Abend sollte Propaganda machen für den Austritt aus der Landeskirche. Zu dieser Versammlung waren Hosprediger a. D. Stöcker und — o temporal — Rabbiner Dr. Maybaum eingeladen. Jener erschien und sprach in der Versammlung nicht ohne Erfolg; dieser entschuldigte sein Ausbleiben mit amtlicher Verhinderung. Der Kuriosität wegen registrieren wir diese sonderbare Thatsache. G. Berlin, 10. November. (Der Israelitische Fortbildungsverein Montefiore), der vor zwölf Jahren, am 100. Geburtstage Moses Montefiores, gegründet worden ist, feierte jüngst sein Stiftungsfest. Die Aufgabe dieses Vereins ist, an mehreren Abenden jeder Woche junge Leute, die Interesse für Juden und Judentum, für jüdischen Glauben und jüdisches Wissen haben, von bewährten Lehrkräften in Thora und Talmud, in jüdischer Geschichte und Litteratur unterweisen zu lassen. Die Festrede hielt Rabbiner Dr. Ed. Biberfeld. Es ist dem Vereine, der nicht nur die jüdische Wissenschaft fördert, sondern auch ein Sammelplatz für fremde nach Berlin kommende junge Leute bildet und sie so wirksam vor den Gefahren der Weltstadt schützt, ein recht langes Bestehen und kräftiges Wachstum zu wünschen. * Berlin, 10. November. (Zugunsten des Kurhospitals in Kolberg) wird jetzt ein Aufruf versandt, welcher die größte Beachtung verdient. In seinem vorjährigen Berichte wies der Vorstand des Kurhospitals auf die Notwendigkeit einer Erweiterung und Vergrößerung der Anstalt hin, die nur einen geringen Teil der Hilfesuchenden aufnehmen könne. Zur Errichtung eines solchen mit 100 Betten bedarf es einer Summe von ca. 175000 Mk. für die Gebäude und ca. 50000 Mk. für die Einrichtung. Nur ein kleinerer Teil dieser Kosten kann durch das Vermögen der Anstalt bestritten werden. Darum wendet sich der mit zahlreichen Unterschriften bedeckte Aufruf an unsre mildthätigen Glaubensgenossen, damit man das gemeinnützige Unternehmen stütze und die Erweiterung desselben fördere. Es ist beschlossen worden, den Spendern bei einer Gabe von mindestens 1000 Mk. die Einzeichnung in die Stiftertasel zu gewähren. Sämtliche Beträge sind an Herrn Dr. I. Ginsberg, Karlstraße 31, zu senden. — Aus dem beigegebenen Berichte über die Thättgkett des Kurhospitals in den 23 Jahren seines Bestehens (1872 bis 1895) entnehmen wir folgende Daten: In den Jahren von 1874 bis einschließlich 1895 war die Zahl der Pfleglinge, die die Anstalt aufnahm, eine fortgesetzt steigende; sie beginnt mit der Zahl 12 an Pfleglingen und 389 an Verpflegungstagen, beschließt mit 171 Pfleglingen und 5832 Verpflegungstagen. Auch die Einnahmen sind natürlich gewachsen. Während das Jahr 1874 eine Einnahme von rund 5200 Mark aufweist, konnte man 1895 einen Eingang von rund 21200 Mk. notieren. Und doch bedarf es dringend der Hilfe weitester | Kreise, soll das in Aussicht genommene Werk, die notwendig | gewordene Erweiterung der Anstalt, in Angriff genommen z und durchgeführt werden. I * Berlin, 10. November. (Das „Lehrlingsheim" a in Pankow) soll nun in weiteren Kreisen populär werden. Das bezweckt ein Aufruf, den der Vorstand des Vereins versendet, und das verdient das Institut auch in hohem Maße. J Denn von dem Gedanken geleitet, daß es nicht genügt, die jüdischen Handwerkslehrlinge während ihrer Lehrzeit materiell i zu unterstützen und sich im übrigen um die Gefahren, denen der meist im Alter von 14—18 Jahren stehende Lehrling im Treiben der Weltstadt ausgesetzt ist, wenig oder gar nicht zu kümmern, hat der „Verein Lehrlingsheim Pankow" sich die z Aufgabe gestellt, bedürftigen und wiirdigen jungen Leuten, insbesondere Waisen, die ein Handwerk erlernen, nicht nur >

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