Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 46 (13.11.1896)
- Date
- 1896-11-13
- Page
- Seite 765 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 46. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 765. P »I tut StoS, llW)! : *n «tidiäjtäloU, i Men btt SotfaH »* pell weiter kolportiert und Veranlassung angesehen, s.ch ^ngen gegen G.. ja gegen -u- Es gab sogar hierorts .eten, gesehen zu haben, roit en Knaben in ein Zimmer rfen und schon seine Hand rlen" Schächtschnitt auszu-! Angstausbruches besragi, Änen Grund angeben; bald ines Märtyrers zu gefallen dem Lager unserer hiesigen zu werden. Selbstredend '• gesallen lassen, daß über serer christlichen khadi: ’ engen in dieser ielt G. Lands Lebensideal erwählt. Und so schließen wir denn diese Zeilen mit den Worten, die der Talmud jener Skizze folgen läßt: „Aschrecha rc. Heil und wohl Dir, heil diesseits und wohl jenseits." Dieses talmudische Wort ist unser Wunsch, dargebracht Herrn Dr. H. zu seinem 70. Geburtstage. — Der Ton des Journalisten. „Wer über gewisse Dinge nicht die Ruhe verliert, der hat keine zu verlieren", möchten wir ein bekanntes WortLessings denen gegenüber variieren, dieverlangen, in einer Zeitschrift solle alles und jedes mit der Ruhe und Zimperlichkeit angefaßt und behandelt werden, die dem Philister von anno dazumal eigen gewesen. Jenseits des großen Wassers denkt man hierüber anders. Da redigiert einer der ältesten und angesehensten Rabbiner (Dr. Wise in Cincinnati) ein altes und angesehenes Wochenblatt („Deborah"); in seiner letzten stummer fertigt er einen seiner amerikanischen Kollegen wörtlich wie folgt ab: „ ... . thut er es aber doch, ist er ein unverschämter gewissenloser Verleumder oder ein schamloser Esel, mit dem kein anständiger Mensch sich abgeben kann." Das ist derb, aber deutlich und beide Teile nicht nur, sondern auch die Leser wissen, woran sie mit einander sind. Feuilleton. Ans Palästinas frlirlmllrn. Vom Licent. Prof. Dr. August Wünsche, Dresden. (Fortsetzung.) Einen hervorragenden Gegenstand der Agada bildet der Mensch. Derselbe wird bald in dichotomistischer Weise als ein zweigliedriges Wesen, aus Leib und Seele bestehend, bald in trichotomistischer Weise als ein dreigliedriges Wesen, aus Leib, Geist und Seele bestehend, ausgefaßt. Hinsichtlich der Entstehung der Seele kommen die drei bekannten Ansichten, der Präexistenzianismus, der Kreatianismus und Traducianismus zur Geltung. Betreffs der Alters-, Geschlechts- und Standesstufen wird das Kind ebenso gewürdigt wie der Greis, der Mann ebenso wie das Weib, der Arme ebenso wie der Reiche, der Knecht ebenso wie der Herr und Gebieter. Nach außen wird der Mensch in seiner Stellung zu seinen Nebenmenschen, insbesondere zu seinen Volksgenossen, aber auch zu fremden Völkern betrachtet. Die Aussprüche über Völkersrieden und Völkergericht tragen zuweilen den Charakter des Prophetischen an sich. Nach der religiösen Seite kommt das Verhältnis des Menschen zu Gott und seinem Gesetz zur Sprache. Das Volk Israel tritt uns in seinem Leiden und Ringen in der Vergangenheit und Gegenwart und in seinen Hoffnungen für die Zukunft entgegen. Da vernehmen wir Schmerzensschreie, Hilferufe, aber auch Wonnejubel und zuni Himmel empor sich schwingendes Jauchzen. Eine Unterart der religiösen Agada bildet die biblische, die es speziell mit der Auslegung und Ausdeutung der Schrift zu thun hat und demgemäß entweder exegetischen oder homiletischen Charakters ist. Bei der Schrift wird ein dreifacher Sinn unterschieden: der somatische, d. i. der Litteral- oder Buchstabensinn, der psychische und der spiritualistische. Bei letzterem handelt es sich um das Ausfiudigmachen eines latenten, verborgenen, mystischen Gedankens, für den das biblische Wort bloß die Hülle oder den Träger bildet. Die Agadisten stehen in Bezug aus diese dreifache Ausdeutung der Schrift ganz auf dem Standpunkte von Philo, Origenes und der mittelalterlichen Theosophen und Mystiker, und wir stoßen hier zuweilen aus Deutungen, die sich mit denen eines David von Augsburg, Magister Eckhart, Heinrich von Suso, Johannes von Ruysbroek, Hermann von Fritzlar, Kaspar Schwenkfeld, Valentin Weigel, Johannes Scheffler u. s. w. berühren. Die homiletische Agada sucht gern zwei Bibelstellen mit einander zu verknüpfen und in inneren Zusammenhang zu stellen, vor allem einen Ausspruch aus den geschichtlichen Büchern mit einem solchen aus den Propheten und Hagiographen. Zwischen dem entferntest Liegenden, das in gar keiner Verbindung mit einander steht, wird in mehr oder minder geistvoller Weise eine Beziehung und Gedankenvermittelung geschaffen. Sehr häufig aber wird auch ein biblisches Geschehnis auf das Leben angewendet und dadurch Vergangenheit und Gegenwart an einander gerückt, oder es werden Beispiele zum Beweise für die Wahrheit eines Ausspruches angezogen. Mit einer gewissen Vorliebe verweilt die Agada bei solchen biblischen Personen und Ereignissen, die in der Schrift nur kurz angedeutet sind, von denen man aber gern Vollständigeres und Ausführlicheres wissen möchte. So spinnt sie um die ersten Menschen, um Noah, die drei Patriarchen, um Josef, Mose, und Pharao und die beiden Könige David und Salomo mitunter ganz farbenprächtige Sagengebilde in Form von Erzählungen, Legenden, Gleichnissen und Lehrfabeln. Die David- und Salomosage ist so umfangreich, daß bei vollständiger Aufzeichnung man ein ganzes Buch füllen könnte. Von den biblischen Ereignissen sind namentlich die Schöpfungsgeschichte, das Paradies, der Sündenfall mit seinen Folgen, die Sintflut, der Auszug der Kinder Israel aus Egypten und die Gesetzgebung auf Sinai mit sinnigen Erzählungen und Sagen ausgeschmückt worden, von denen manche in Bezug aus Lebendigkeit der Gestaltung und Schwung der Phantasie Perlen orientalischer Dichtkunst sind. In der weltlichen Agada finden fast alle Verhältnisse des praktischen Lebens Berücksichtigung. Zu ihr gehört auch die prosangeschichtliche, die sich besonders um die Fürsten der Völker legt. Je nachdem diese zu dem jüdischen Volke in Beziehung getreten sind und ihm Uebles oder Gutes zugefügt haben, werden allerhand Geschichten und Anekdoten von ihnen berichtet, von denen die allgemeine Geschichte nichts weiß. So haben wir nicht nur eine Sanherib- und Nebukadnezar-, sondern auch eine Alexander- und Antoninussage. Dabei kommt es wie bei aller Sagenbildung vor, daß Züge der einen Person auf die andere übergegangen sind, später Geschehenes als früher geschehen und umgekehrt früher Geschehenes als später geschehen betrachtet wird. Aber auch einzelne große Tannaiten und Amoräer, wie Jehuda I., Jochanan ben Saceai, Akiba, Elisa ben Abuja und viele andere, je nachdem sie in die Entwicklung des religiösen Lebens des Judentums mächtig eingegriffen und für die Sache der Religion sich geopfert haben, sind Gegenstand der Sage geworden. Ihren Stoff schöpft die Agada bald aus der Bibel, bald aus der Profangeschichte. Aber auch Naturdinge, wie Tiere, Bäume, Sträucher, Metalle, Ströme, Berge, Sonne, Mond