Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 46 (13.11.1896)
- Date
- 1896-11-13
- Page
- Seite 759 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Allgemeine Israelitische W»chevschrift. Seite 769. Nr. 46. ®"a«. 9- Sonata.;tn« Mqpcäfentmitm uni “ * »»' l--M ” von langem Bem Herrn Landsberger uns yers teures Haupt gerade ' 9uo ante ist im Atzungswir müssen es nun dem Organs überlassen, aus en Praxis» so viel Schlüsse elbst anbetrifft, so möchten Zpiritus, ilieben. ^nt sich verlaufen zu haben, igt, und die ruhige, leiben» ihre Rechte eingetreten. Versammlung mit der Anzwar der Frau Pauline ’, der Frau Regina Lewent des Herrn Kommerzienrat Alle diese Summen sind erhältnis zu den übrigen rade das Hospital bis jetzt >ern bedacht worden und endlich auch einmal das »euen bars. Eme wettere tot ist der Altersversorgung des. Herrn Jsaa! dieses Legat wird dankend : die die iinineO r-r körpert ' Die DiskW s er und saM" ,aus rchS^ tzaß d» durch die seinerzeit erhobenen Einwürfe für erledigt und widerlegt erachte. Die Kommission, welche zur Revision der Gemeinde- Hauptkafse und des Depositorium gewählt wurde, hat gleichfalls ihres Amtes gewaltet und wie immer alles diesbezügliche in bester Ordnung vorgefunden. In der Veranlagungs-, Armen- und Fürsorge-Kommission sind verschiedeire Aenderungen hinsichtlich des Statuts notwendig geworden. Dieselben sind unwesentlicher Natur und werden von der Versammlung schlankweg angenommen. Nach den Berichten einiger Spezial-Verwaltungen hat die Fürsorge-Kommission einen Minderverbrauch von 930 Mk. im vergangenen Rechnungsjahre auszuweisen, die Kommission zur Speisung Gefangener an den hohen Festtagen einen Mehrverbrauch von 78 Mk., die Kommission zur Verwaltung des Quellbades einen solchen von 81 Mk. Zu dem der Gemeinde zugefallenen Nachlaß des in Wiesbaden verstorbenen Herrn Felix Blumenthal gehört auch ein ideeller Anteil an einem Terrain in der Christburgerstraße. Dasselbe umfaßt 45 Quadratmeter und ist jetzt Gelegenheit, dasselbe für den Preis von 36000 Mk. zu verkaufen. Ein Beschluß hierüber wird jedoch ausgesetzt, da die landesherrliche Genehmigung zur Annahme der Erbschaft noch nicht erfolgt ist. Zum Schlüsse genehmigt die Versammlung noch die erforderlichen Summen für einige bauliche Aufwendungen auf dem Friedhose in Weißensee. Damit ist die öffentliche Sitzung beendigt. In der nächsten Sitzung dürften voraussichtlich die Ergänzungswahlen zum Vorstand an die Reihe kommen, und da wird man ja sehen, woran wir mit unsren neugewählten „neuen Männern" sind. Des Recht auf Wahrheit. In einem seiner herrlichen Briefe äußert sich S. D. Luzzatto, um sein unermüdliches, wenn auch vorläufig erfolgloses Ankämpfen gegen Trug und Thorheit gewissermaßen zu entschuldigen : „Ich schreibe meine Worte nieder, und wenn.sie ihren Eindruck auf die gegenwärtige Generation verfehlen, nun gut: sie werden für die Zukunft wirken." Diese Worte eines Mannes, der sein Leben lang in der Mitte eines Reiches von Charlatanen und Profitmachern ein Märtyrer der Wahrheitsliebe geworden, empfehle ich jeden ehrlichen Menschen, der auch in der Gegenwart an manchen Vorgängen des öffentlichen Lebens Aergernis nimmt, umsomehr als die leidigen Verhältnisse im Laufe der Jahre noch unleidlicher geworden sind. Im Jahre 1847 schrieb Luzzatto an Michael Sachs in Berlin, der ihm manche seiner Aufrichtigkeiten etwas übel genommen, daß er wohl den lateinischen Spruch „Veritas odium parit“ kenne und auch zugeben müsse, daß der Haß, den die Wahrheit erzeugt, noch im Steigen begriffen sei. Nichtsdestoweniger will sich Luzzatto doch nicht davon abhalten lassen, seine Stimme gegen die Auswüchse seiner Zeit zu erheben. Freilich war es diesem hochgestimmten Manne beschieden, seine Wahrheiten einem Michael Sachs zu sagen und nicht etwa einem von der Profitwut beherrschten Haufen; aber die Wahrheitsliebe darf auch vor diesem Opfer nicht Halt machen! Ich weiß, daß es sehr unliebsam ist, dasjenige zu sagen, das Vielen unangenehm ist. Man wird als „Nörgler", als „Korachide" und als „Skandalmacher" verschrieen. Dies thun natürlich diejenigen, welche das öffentliche Leben unseres Stammes als ein Ausbeuteobjekt betrachten, die das Judentum gleichsam als eine Gesellschaft auf Aktien behandeln und deshalb sehr ärgerlich sein müssen, wenn Thatsachen bekannt werden, die geeignet sind, die voraussichtliche Dividende in etwas zu schmälern. Ich meinerseits habe diese Entrüstung nie tragisch genommen, auch mich nicht durch die niedrigen Mittel alterieren lassen, durch die sich diese guten Leutchen herauszuleugnen suchen. Wenn man diese Menschen in der Nähe betrachtet — ein Naturforscher darf nichts in der Natur häßlich finden — so sieht man vor sich kleinliche Menschen, deren Schelmereien man aus Mark uud Pfennig ausrechnen kann. Es sind dies Flibustier, die an ehrliche Arbeit nicht gewöhnt, auch nicht den Genuß kennen, welchen ehrliche Arbeit gewährt, weshalb sie sich um die „Judenheit" kümmern und alltäglich das Judentum „retten." Wäre jetzt eine ruhige, gefahrlose Zeit, wir würden dieses ergötzliche Spiel mit heiterer Seelenruhe beobachten; aber zu unserem größten Schmerz sehen wir den täglich rapider werdenden Niedergang unseres geistigen Lebens; wir sehen auch, woher dieses Uebel stammt. Und wenn uns die Schamröte in das Gesicht steigt ob der Ungeniertheit, mit der die Opferwilligkeit und das gute Herz unserer Stammesgenossen ausgenutzt wird, so setzen wir uns hin und schreiben dagegen, gleichsam um auszudrücken, daß wir mit dieser Gesellschaft nichts gemein haben und daß uns das Judentum trotzdem und alledem lieb und teuer ist. Finden wir dann eine kleine Zahl von Männern, die gleich uns dieses Treiben verurteilen und, wenn auch leider nur heimlich, die Faust gegen diese Hyänen der öffentlichen Wohlthätigkeit und des Patriotismus ballen — nun da haben wir doch nicht vergeblich geschrieben. Wir hoffen, daß dock die gute Saat demnächst aufgehen und herrliche Früchte tragen wird. Möglich, daß wir dies nicht mit unseren Augen schauen werden, daß erst eine spätere Generation die Richtigkeit unserer Klagen und Anklagen erkennen wird; aber wirdenken doch, daß jener griechische Weise Recht hatte, als er sagte: „Mich verurteilt die Menge, indem sie den Verstand verloren; aber über meine Verfolger wird sie ein hartes Urteil fällen, wenn sie wieder zum Verstand kommt." Wenn wir von dieser Sorte „Patrioten" sprechen, verwenden wir nicht das kleinste Quantum von Pathos, da wir doch wissen, daß wir es mit einer natürlichen Erscheinung zu thun haben und daß es auch solche Leute geben muß. Gegen diese Erscheinung muß angekämpst werden, weil sie von den schädlichsten Folgen für die Gesamtheit begleitet ist. Aber wir sind weit davon entfernt, etwas mehr als Verachtung gegen das Ganze zu hegen. Ich will jedoch meinen, daß die kleine Minorität von „Nörglern", d. h. von Männern, die nicht mit Schelmen zechen wollen, zum mindesten dasselbe Recht der Existenz hat wie das große Heer der Geschäfts, idealisten. Erfreut euch eurer jämmerlichen Beute; wir finden darin euer Vergehen und zugleich die ausreichende Sühne, denn es ist inderthat ein jammervolles Handwerk, stets von der Irreführung des Publikums leben zu müssen, die edelsten