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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-13 · 46 (13.11.1896) · p. Seite 758

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
46 (13.11.1896)
Date
1896-11-13
Page
Seite 758 (sequence 2)
Language
German
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Seite 758. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 46. der Indifferenten sich dereinst wird in Tod gewandelt haben, dann wird das Wirken Jakob des Träumers beginnen, dann wird er sich zu der Höhe eines Gotteskämpfers durchgerungen haben. Störet ihn darum nicht durch euer Reklamegeschrei in seinem Traume, denn sein Traum ist sein Leben. Exp lic it. * * Bit Engel dtr ftnntic. (Zu Sabbat Wajeze.) In die Fremde muß er ziehen, Jakob, aus dem Vaterhaus, Denn des Bruders Racheglühen Jagt ihn in die Welt hinaus. Und er wandert. Und am Abend Er sich an der Grenze fand, Und der Schlaf, ihn süß erlabend. Holde Träume um ihn wand. Vor sich eine Leiter sieht er. Bis zu Gott ragt sie hinan, Und die Engel, auf und nieder Steigen sie die steile Bahn. Und er fraget: „Die enteilen. Sind sie mir nicht wohlgesinnt?" „Wir bei dir nicht können weilen, Wir der Heimat Engel sind!" „Liebe" wir, „Vertraun" uns nennen, „Muttersorge", „Kindespflicht", — Wir, der Heimat Engel, können In der Fremde helfen nicht. Dorten die herniedersteigen. Sind von nun ab dein Geleit: „Vorsicht", „Mißtraun", „kaltes Schweigen", „Trug" und „Rücksichtslosigkeit". — „O du kalte, o du schlimme Fremde! — Mir der Mut entsinkt" — Ruft er. — Aber Gottes Stimme Also jetzt hin zu ihm dringt: „Wer nicht in sich selbst ein Heim hat. Wird sich nie ein Heim erbaun! In der Fremde, in der Heimat Hilft nur — Gott- und Selbstvertraun! Trotze mutig den Gefahren, Wandre zuversichtlich fort! Wechseln auch der Engel Scharen: Gott ist Gott an jedem Ort"! Offenbach a. M. Dr. I. Goldschmidt. Aus dem ßcrliutr Stmtinbtprlitnitnt. Berlin, 9. November. Die „Linksschivenkung" der Herren Repräsentanten und die „Annäherung" an den Vorstand, die wir vor kurzem unseren Lesern zu melden hatten, ist nicht von langem Bestände gewesen. Als wir gestern von der Tribüne hinunterschauten, sahen wir wieder wie vordem Herrn Landsberger uns grade gegenüber und Justizrat Meyers teures Haupt gerade unter uns. Kurz und gut,' der Status quo ante ist im Sitzungszimmer wiederhergestellt worden und wir müssen es nun dem Divinationsvermögen des Vorstandsorgans überlassen, aus dieser „Rückkehr zur alten, bewährten Praxis" so viel Schlüsse zu ziehen, wie es ihm beliebt. Was nun die Verhandlungen selbst anbetrifft, so möchten wir mit Goethe bemerken: Zum Teufel ist der Spiritus, Das Phlegma ist geblieben. Die Hochflut der Erregung scheint sich verlausen zu haben, die Geister haben sich wieder beruhigt, und die ruhige, leidenschaftslose Diskussion ist wieder in ihre Rechte eingetreten. Zunächst beschäftigte sich die Versammlung mit der Annahme einiger Schenkungen, und zwar der Frau Pauline Zaller im Betrage von 10 000 Mark, der Frau Regina Lewent im Betrage von 5000 Mark und des Herrn Kommerzienrat Aron im Betrage von 8000 Mark. Alle diese Summen sind für das Hospital bestimmt; im Verhältnis zu den übrigen Wohlthätigkeitseinrichtungen war gerade das Hospital bis jetzt wenig von mildthätigen Geschenkgebern bedacht worden und es ist deshalb höchst erfreulich, daß endlich auch einmal das Hospital reicher Spenden sich erfreuen darf. Eine weitere Zuwendung in Höhe von 95000 Mark ist der Altersversorgungsanstalt durch letzwillige Verfügung des. Herrn Isaak Haberland zuteil geworden. Auch dieses Legat wird dankend acceptiert. Die Versammlung nimmt alsdann den Bericht über die Gesundheitsverhältnisse des Reichenheimschen Waisenhauses entgegen. Diese Angelegenheit war seinerzeit von Herrn Prof. Lewin angeregt worden und führte damals zu heftigen Kontroversen. Wir wollen gleich bemerken, daß dieses Mal die Debatte einen vollständig entgegengesetzten Charakter trug. Der Vorstand, dem die Untersuchung der obwaltenden Verhältnisse aufgegeben war, hat mit dieser Aufgabe eine Kommission von sechs Aerzten betraut, darunter die Professoren Senator und Baginsky. Die Untersuchungen der Kommission haben die Befürchtungen des Herrn Prof. Lewin glücklicherweise nicht bestätigt. Vielmehr sind die damals bemängelten Einrichtungen, wie Klosetanlagen u. s. w. in gutem Zustande vorgesunden worden, und hinsichtlich des Gesundheitszustandes der Zöglinge hat die Kommission festgestellt, daß die immerhin ziemlich häustgen Erkrankungen aus deu Umstand zurückzuführen sein, daß Waisenkinder in der Regel bezüglich ihrer körperlichen Gesundheit manches zu wünschen übrig lassen. Die Diskussion verlief, wie bereits bemerkt, in durchaus ruhiger und sachlicher Weise und endete mit der Annahme einer Erklärung, daß die Versammlung Kenntnis von dem Bericht genommen habe und

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