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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-06 · 45 (6.11.1896) · p. Seite 752

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
Seite 752 (sequence 12)
Language
German
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Seite 752. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 46 sofern unter allen seinen Amtsbrüdern eine ganz exzeptionelle Stellung einnimmt, als Dr. R. bereits seit 21 Jahren neben seiner geistlichen und wissenschaftlichen Thätigkeit die Muße findet, ein politisches Blatt, das liberale „Memeler Dampsboot", zu redigieren." — Was hier über unfern verehrten Freund und Mitarbeiter Dr. Rüls gesagt wird, ist wahr; nur eines ist unrichtig, nämlich daß er zum Nachfolger seines Freundes Bamberger bestimmt sei. Dr. Rüls wird zwar in Königsberg wie in ganz Ostpreußen hochgeehrt, allein er ist doch schon über die Jahre hinaus, die einen Amtswechsel zulassen. * Berlin, 4. November. (Aufruf.) Das Komitee für Channuka-Bescheerung versendet den folgenden Aufruf: „Beim Nahen der rauhen Winterszeit wenden wir uns wiederum für eine Schar von mehr denn 1000 jüdischen Kindern, welche die Kommunalschulen besuchen, an das allezeit milde Herz unserer Glaubensgenossen um Spendung von Geld für die nötigsten Kleidungsstücke. Diese Gabe schützt nicht nur die kleinen Körper vor Kälte, sondern erfreut auch ihr Herz und wirft in ihre jugendlichen Seelen einen Lichtstrahl, der ihrem sonst freudlosen Dasein die ermunternde Gewißheit bringt, daß sie von den Nebenmenschen nicht ganz verlassen sind. Im vorigen Jahre erhielten am Channukafeste laut unseres Berichtes vom Januar 1896 1100 Kinder Stiesel, Kleider, Wäsche und Lehrmittel. So wurde bitterste Not an vielen Stellen gelindert. Gleichzeitig gelang es, wie man uns aus Lehrerkreisen berichtete, einen moralischen Einfluß auf die Schüler zu üben, indem wir bei nuferen Recherchen diejenigen Kinder bevorzugten, die sich durch Fleiß, Betragen und Sauberkeit auszeichneten. Beide Erfolge ermutigen uns, alle Kindersreunde, besonders die Frauen unserer Gemeinde, herzlichst zu ersuchen, durch eine freundliche Gabe an Geld, Stoffen, Jugendschriften oder dergleichen dies Liebeswerk wiederum fördern zu helfen." — Vorsitzende des Komitees ist Frau Julie Neumann, Viktoriastraße 31. 5$ Königsberg i. Pr., 30. Oktober. (Rabbiner Dr. Bamberger) ist gestern zur ewigen Ruhe gebettet worden. Mittags 1 Va Uhr fand in der neuen Synagoge, wo die Leiche aufgebahrt war, eine erhebende Feier statt. Dichtgefüllt waren die Räume des herrlichen in tiefes Schwarz gehüllten Gotteshauses; neben den Vertretungskörperschaften der Synagogengcmeinde, die in corpore erschinen waren, bemerkte man die beiden Bürgermeister, den Stadtverordnetenvorstehcr nebst mehreren Stadt- und Geheimräten, Stadtschulräte und Schuldirektoren, etwa 20 Rabbiner im Ornate sowie zahlreiche Deputierte auswärtiger Gemeinden. Nach der Einleitung der Feier durch die Absingung von Psalm 16, bestieg der Vorsitzende der Synagogengemeinde, Professor Dr. Samuel, die Kanzel, um dem Verewigten einen warm empfundenen Nachruf zu widmen. Hierauf folgte der Vortrag von Psalm 49 mit Soli von Herrn Kantor Birnbaum, sodann die ergreifende Trauerrede des Rabbiner Dr. Rosenthal-Breslau. Redner schilderte ausführlich das segensreiche Leben und Wirken des Verstorbenen. „Er wollte dies Haus weihen, er wird nun in ihm geweiht!" waren die Schlußworte des Redners, denen dann die Liturgie folgte. Gemeindegesang bildete den Abschluß der synagogalen Feier, die zugleich mit dem Bilde des Verewigten in den Herzen aller Teilnehmer fortleben wird. — War schon vor dem Beginn der Feier der Platz vor dem Gotteshause mit einer Menge von Neugierigen angefüllt, so hatte sich dieselbe nach Schluß derselben so vermehrt, daß es den dienstthuenden Polizeimannschaften Mühe kostete, dem Leichenzuge Platz zu schaffen. Der Zug wurde durch eine Schar von Kindern aus dem israelitischen Waisenhause, dem Kosch'schen Waisenstifte und der Religionsschule eröffnet. Ein stattlicher Zug von ca. 300 Herren folgte dem Sarge und die Reihe der zahlreichen Equipagen wurde beschlossen durch drei ganz mit Kränzen und Blumenspenden gefüllte Wagen. Auf dem neuen israelitischen Friedhofe vor dem Königsthor angekommen, wurde der Sarg zunächst in die reichgeschmückte Leichenhalle getragen, wo nach Absingung des Psalms 103 Rabbiner Dr. Rülf aus Memel seinem langjährigen Freunde und Kollegen eine von Herzen kommende Rede hielt, in der er besonders dessen erfolgreiche Thätigkeit in Bezug auf das Zusammenschließen der jüdischen Gemeinden Ostpreußens betonte. Nach der nun folgenden, vom Synagogenchor ausgesührten Liturgie sprach Rabbiner Dr. Pick das Schlußgebet, worauf die Leiche unter Vorantritt der Schüler und des Sängerchors zur letzten Ruhe geleitet wurde. S* Rybnik, 2. November. (Eine Gedächtnisfeier) zum Andenken des Sanitätsrats Dr. Freund-Gleiwitz, des Vorsitzenden des oberschlesischen Synagogengemeinde-Verbands, fand gestern hier statt. Sie schloß sich der Feier des Eröffnungstages des israelitischen Waisenhauses an, dessen Begründer und eifrigster Förderer der Verstorbene war. Nach dem Seelengebete hielt der gegenwärtige Vorsitzende des Kuratoriums, Amtsgerichtsrat Levy-Beuthen, eine Ansprache, worauf durch einen Knaben der Anstalt unter Vortrag eines Gedichtes das Bildnis des Heimgegangenen enthüllt wurde. Alsdann Absingung eines Psalmes und Predigt des Rabbiner Dr. Cohn-Kattowitz. Sodann ist der Beschluß des Ausschusses bekannt gegeben worden, diesen Todestag alljährlich im Waisenhause zu begehen. Den Schluß bildete eine Ansprache des Anstaltsleiters, Herrn Katz, an dessen Zöglinge. K. Z. Rybnik, 2. November. (Das israelitische Waisenhaus) dahier versendet seinen 2. und 3. Jahresbericht, umfassend den Zeitraum von Oktober 1891 bis dahin 1896. Dem Berichte sind folgende Daten zu entnehmen: Die Anstalt beherbergte 23 Zöglinge, darunter 8 Knaben und 15 Mädchen, von denen 6 Vollwaisen, 16 Halbwaisen waren. Sie gehörten 13 verschiedenen Synagogengemeinden Oberschlesiens an. Die Fortschritte der Kinder im Unterricht, welchen die meisten in der katholischen Stadtschule, einige in der höheren Mädchenbezw. Knabenschule genossen, waren gute, denn alle wurden am Schluffe beider Schuljahre in eine höhere Klasse versetzt. Die Arbeitsbeschäftigung im Hause erstreckte sich nicht, wie früher, blos auf Fröbel- und weibliche Handarbeiten, sondern es befaßten sich auch sämtliche Kinder mit verschiedenen Zweigen der Landwirtschaft. Außerdem wurde der älteste Knabe von einem Schneider, die übrigen von einem Tischler unterrichtet und in diesem Winter wird auch der Handsertigkeitsunterricht für Knaben eingesührt, dessen Kosten und Utensilien Herr Rechtsanwalt Schüller in Gleiwitz bestreitet. Die Jugendbibliothek vermehrte sich lediglich durch

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