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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-11-06 · 45 (6.11.1896) · p. Seite 745

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
45 (6.11.1896)
Date
1896-11-06
Page
Seite 745 (sequence 5)
Language
German
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Wr. 45 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 745 St.fi. »«fl«!Mbi,,tk[t ®ew gesamtes Leben cme pulsende und entsspruche des Wchn: en dee Hauptsache, tte sondern die Praxis. 'x That und der Praxis, pagoge in Königsberg >alb und außerhalb des ollen Kundgebung der und seiner hervorragen- >ersuchte einer der beim bivesenden, bereits totcen, daß dieser die veie und Moderne, die glücklichste zu vereinigen ht richtig. Wir bezcich- Rabbiner der Neuzeit und durchaus praktische zeigte sich in seinem ingste Spur, und dieser hen sich der Verstorbene t übrig zu theoretischer ung gar nicht die Hanpthaten, die seinen Namen daß sie gar nicht alleiesen Thaten hat er die ktischen Wesens und or- >ewußt, derart, daß sie!te Schöpfungen sich auch ed durch sich selbst zu wahrhafte Muster sind geläuterten Stils, klarster Diktion und übersichtlichster Anordmnrg und Einteilung. Auch in seiner Beredsamkeit und schriftstellerischen Thätigkeit war B. der rein praktische Mann — alle seine Schriftwerke waren Thaten in Worten. Seine hervorragend praktische und organisatorische Thätigkeit und Fähigkeit zeigte sich aber erst, als er mitzuwirken anfing bei dem größten Unterstützungs- und Hilsswerk der Neuzeit: — mit dem Augenblicke nämlich, da er seine Kraft der Abhilfe des russisch-jüdischen Notstandes zu widmen begann. Das russisch-jüdische Hilfswerk nahm seinen Anfang bekanntlich mit der Hungersnot in Westrußland in den Jahren 1867/08. Bamberger hatte sich nicht sofort beteiligt und bethätigt. Es Harle sogar einige Anstrengungen, einige Ueberredttngskunst erfordert, bis auch er zugriff. Nachdem er jedoch sich der Sache angenommen hatte, war er auch mit ganzem Herzen und nie versiegender und versagender Arbeitskraft dabei. Nachdem einmal die Sache und Frage der russischen Juden in Fluß geraten war, konnte sie nicht mehr von der Tagesordnung abgesetzt werden. Bis dahin wußte die Welt von den russischen Juden sehr wenig, die russischen Juden von der Welt aber gar nichts. Jetzt erst erfuhren die letztgenannten durch die thatkrästige Hilft, welche sie empfingen, daß es auch noch außerhalb Rußland gute Menschen, mildthätige und niitleidige Glaubensgenossen gebe, und drängten über die Grenzen heraus, woselbst früher ihre Welt abgeschlossen lag. Als nun auch noch die Verfolgungen und Wohnnngsanstreibungen hinzukamen, da steigerte sich die Thätigkeit für die Notleidenden ins Ungemessene. Erst im Jahre 1870 fing B. an, mit aller Kraft au dem Uuterstützungswerk sich zu bethätigen. Er widerstrebte anfangs, weil er meinte, seine örtliche Amtswirksamkeit könne darunter leiden. Es stellte sich bald heraus, daß diese Befürchtung unbegründet war. Zahlreiche Wohlthätigkeitsanstalten späterer Zeit, welche auf seine Initiative zurückgeführt werden können, auch die örtlicher Art, wurzelten im russischen Unterstützungswerke; so das Provinzial-Waisenhaus, so der Studicnbeförderungsvereiu u. a. m. Und als er später an die Spitze des „Hauptgrenzkomitees für die russischen Juden" trat, da wurde er die Mittelsperson zwischen dem Osten und der gesamten Judenhcit der Welt. Auch die ,,Alliance israelite universelle“ wählte ihn zum Mitglied«: ihres Zentralkomitees; denn überall genoß er unbegrenztes Vertrauen ob seiner Gewandtheit und seines praktischen Sinnes — so auch beim „Deutschen Zent: al- Kvmitee für die russischen Juden" in Berlin, so bei allen Komitees in Europa und Amerika. Sein Wort war ausschlaggebend bei allen Beratungen und Versammlungen. Großer noch als außerhalb war das Vertrauen in seine praktische Weltklugheit innerhalb seiner eigenen Gemeinde, und dieses Vertrauen setzte ihn in den Stand, Wohlthaten in einem Maße zu üben, wie keiner seiner Amtsgenossen in irgend einem andern Orte. Ter verstorbene Geh. Kommerzien-Rat Moritz Simon, einer der reichsten Leute Deutschlands, hatte die Verfügung getroffen, daß B. so viel er zu wohlihätigcn Zwecken gebrauche, der Geschästskaffe des Bankhauses entnehmen könne. Simon war mit Dr. B. auf das innigste befreundet. „Was soll ich mich", meinte Simon in seiner drastischen Art, „mit den Leuten Herumplagen, thun Sie es doch". Und er konnte sich auf seinen Freund verlassen. Ich habe oft den Vorwurf mit anhören müssen, B. sei ini Grunde seines Herzens kein wohlwollender Mann, die feinen, mitleidsvollen Regungen des Herzens seien ihm fremd, vor allem fehle es ihm an wahrer Teilnahme für das Geschick der russischen Juden. Gerade das Gegenteil ist richtig. Er war nur zu klug und praktisch und alle Herzensbewegungen hatten erst einer strengen Prüfung vor seinem Überlegsamen Kopse sich zu unterziehen. Die Wärme seines mitfühlenden Herzens blieb dadurch Fremden gegenüber verborgen. Bambergcr hatte ein warmes Herz für alles Wahre und Gute. — Ich halte nicht die Absicht an dieser Stelle über die Amtswirksamkeit des Verstorbenen und alle Werke seines praktischen Vermögens auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit ausführlich zu berichten — es war nur meine Absicht, in wenig Strichen und Zügen des Mannes Eigenart und sein reiches Leben und Wirken zu zeichnen. Auf Grund unserer Jugendbekanntschaft und Landsmannschaft, auf Grund der Kollegialität und eines fast dreißigjährigen Zusammenwirkens in Berufsangelegenheiten, wie auch an wohllhättgen Veranstaltungen, hatte sich zwischen uns ein Freundschaftsverhältnis herausgebildet, das niemals gestört und getrübt worden ist. Sein allzufrüher Heimgang hat mich, den um drei Jahre älteren Genossen, mächtig ergriffen und ich durste in dem letzten, an seinem Grabe gesprochenen Liebes - Worte den Ausruf der Klagelieder (1,16) zugrunde legen: „Darüber weine ich und mein Auge, mein Auge zerfließet in Thränen, daß entfernt von mir der Tröster, der Seelcnberuhiger." Er ruhe in Frieden. „Das Andenken des Gerechten ist zum Segen." Memel. _ Dr. Rülf. Zu der Rundfrage. Ich gehöre zwar nicht zu denjenigen, die offiziell zur Meinungsäußerung aufgesordert wurden. Ich bin darum auch gar nicht böse. Aber ich gestalte mir doch für mich die Meinung zu haben, daß cs mit dem Judentum abwärts geht. Nicht mit der Idee des Judentums, sondern mit der Judenheit. Da aber die Judenheit der Träger der Idee des Judentums ist, so kann man wohl auch mit vollem Rechte sagen: es geht mit dem Judentum abwärts. Was dagegen zu machen ist? Ja, wenn ich das wüßte; ich bildete mir ein, den Stein der Weisen erfunden zu haben. In diese,: Blättern lese ich auch immer nur, daß cs schlinun um uns bestellt sei. Aber wie es besser zu machen sei, das hat noch keiner der Klageredner verraten. Die Aerzte sind eben auch nur Menschen, und wo sie sich und dem Kranken nicht anders zu helfen wissen, da versuchen sie es mit dem Probieren. So eine Art Probieranstalt scheinen mir auch die Li tteraturvcreine zu sein. Die einen schwärmen begeistert für diese neueste Erfindung, die andern lächeln mitleidig über diese sonderbare Schwärmerei. Ganz ohne Nutzen dürften die

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