Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 45 (6.11.1896)
- Date
- 1896-11-06
- Page
- Seite 743 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 45. Nr. 45. Allgemeine Israelitische Wocheaschrist. Seite 743. E der so viel ge-, das Judentum n. Mich es in den n dem Urteil Anders^ , nehmen die Rabbiner ihnen zulommt, wirb usreichender Religions- Antwort aus alle diese chtung der Mischen Rerbelangt, so hat ja, wie e Hosenmatz antisemitizotte" den Wohlgefallen .e Ermordung des russirur vor Gericht sagt, er rdern die Mische Rasse e Rabbiner, Prediger.! Besoldung ist, wenige meisten Fällen eine getliche Stellung im Per sbruder keineswegs den llen haben. Wie in der Rung der Rabbiner gee Ausspruch ihres Vor Meyer, dah es in Berlin ineinden, namentlich mitt- Herr Lehrer ist ja nur ein Angestellter von Vorstands Gnaden, den der Herr Sohn des Generalgewaltigen zu grüßen nicht für notwendig hält, wenn er einmal eine Hose von dem Konkurrenten des Herrn Papa gekauft hat. Das sind Zustände, die aus dem wirklichen vollen Leben geschöpft sind, keine Phantasiegebilde, sie sind unhaltbar und darum müssen sie beseitigt werden um jeden Preis. Schon die Einführung des obligatorischen Religionsunterrichts an allen öffentlichen Lehranstalten würde genügen, das Judentum und die jüdische Religion ein wesentliches Stück vorwärts zu bringen. Ist diese Forderung einmal durchgesetzt, so steht die jüdische Lehre, die jüdische Kirche, ivenn ich diesen Ausdruck in Ermangelung eines bessern, noch einmal anwenden darf, um vieles geehrter und geachteter da; es wird auch für den Staat dereinst die Verpstichtung erwachsen, für die Ausbildung der Lehrkräfte in genügender Weise Sorge zu tragen, itnb die Träger und Leiter der jüdischen Religion und ihres Unterrichtswesens würden mit einem Schlage heraus sein aus der Misere der Gegenwart, die sie der Gnade oder Ungnade des kleinsten Vorsteherleins ausliefert. Die Einführung des obligatorischen Religionsunterrichts würde vielleicht schon die Grundstaffel bilden können, von der die weitere Verpflichtung des Staates auf Schaffung einer würdigen, zweckentsprechenden Organisation des Judentums ausgehen könnte. Sollte der Zentral-Verein d. St. j. G. vorläufig sich noch nicht entschließen können, nach der angegebenen Richtung hin ganze Arbeit zu »lachen, so sollte er doch wenigstelis die Frage des obligatorischen Gottesdienstes zu einem seiner Grundprinzipien machen und auf beffeu Einführung hinwirken. Ich lvetß ganz genau, daß im Vorstand sowohl wie unter den Mitgliedern des Vereins eine starke Strömung hierfür vorhanden ist. Aber das große zu erreichende Ziel, ivie ich es anzugeben und zu begründen mir,in diesem Aufsatze erlaubt, kann und darf nicht aus dem Auge gelassen werden. Es sollen nicht die Schwierigkeiten verkannt werden, die von den verschiedensten Seiten gegen eine derartige Organisation bereitet werden dürften. Daß der angegebene Weg gangbar ist, zeigen die Beispiele der neupreußischen Provinzen und vieler außerpreußischer Staaten, wo längst durchgeführt ist imb in der Praxis sich bewährt hat, was für die allpreußischen Provinzen angestrebt werdell muß. Auch England und Frankreich mit der geradezu imponierenden Rangstellung der jüdischen Religionsgemeinschaft und ihrer geistlichen und weltlichen Vertreter sollten uns zur Nacheiferung anspornen. Es gilt aufzuräumen mit Indolenz und Gleichgiltigkeit, reinen Tisch zu machen mit dem Geschwätz jener liberalen Phrasenhelden, die uns einreden wollen, der gegenwärtige Zustand der „Freiheit" sei ein Privilegium, eine nicht hoch genug zil schätzende Errungenschaft für das Judentum und seiner Bekenner. Es gilt, den Widerstand zu brechen, der herrschsüchtigen, auf ihre Macht pochenden, vermittelst der Gabe der Unwissenheit und des dünkelhaften Uebermutes autokratisch sich geberdenden Vorsteher, cs gilt auch den Kampf mit der Abneigung der Regierung, von altgewohnter Gleichgiltigkeit sich loszumachen, den Kampf mit jenen rückständigen Elementen in Verwaltung, Volksvertretung und Presse, die trotz Gneist und Solm noch immer mit der Redensart vom christlichen Staat hausieren gehen. Will der Zentralverein dafür eintreten mit dem ganzen Einfluß geistiger Mittel, die ihm zu Gebote stehen, wahrlich das Verdienst, das er sich dadurch erwerben würde, könnte durch kein anderes übertroffen werden! Darum, Zentralverein, en avant. N. W. J Rabbiner Dr. Vamberger. | „Am 26. Oktober, mittags 12 Uhr ist Rabbiner Dr. Vamberger in Königsberg sanft entschlafen," wie die telegraphische Nachricht von seinem Heimgang seitens seines Schwagers, des Professor Lassar-Cohn lautete, an mich, einem seiner ältesten Freunde gerichtet. Seit einem Jahr ist Dr. B. an einem schweren inneren Leiden langsam hingesiecht. Schon im Frühling dieses Jahres hatte man ihn außerhalb der Stadt in einem Häuschen eines großen Vergnügungsparkes untergebracht. Sommer und Herbst waren schön hier im Norden des Reichs, und erst anfangs Oktober wurde B. mit großer Mühe nach der Stadt zurückgebracht. Seine letzten Augenblicke waren völlig schmerzlos. Seine Frau und die einzige Tochter waren Tag und Nacht um ihn beschäftigt. Die Frau hielt die eine erkaltende Hand und die Tochter die andere. So saßen sie auch am Todestage neben ihm; er atmete nur noch schwach. Da fiel ein heller Sonnenblick durch das Fenster auf das Bett des sterbenden Mannes. „Siehe doch, ivie schön die Sonne scheint," sagte seine Frau. Uud noch einmal öffneten sich die müden Augenlider, und schloffen sich alsdann dem Lichte des Tages für alle Ewigkeit . . . Vamberger ist nicht volle 63 Jahre alt geworden. Geboren war er in einem kleinen Orte des Großherzogtums Hessen, Angerod mit Namen. Ter Ort zählte wohl damals nicht mehr als etwa 800 bis 1000 Seelen, darunter die Angehörigen von etwa 10 bis 15 jüdischen Familien — allesamt sehr wenig begüterte Leute. In dieser jüdischen Gemeinde war der Vater B.'s Kultusbeamter. Ter kleine Isaak Bamberger war ein sehr begabter und sehr fleißiger Junge und man riet dem Vater, denselben das Gymnasium in der zwei Wegstunden entfernten Stadt Alsfeld besuchen zu lassen. Diesen Ort vertauschte man schon nach einigen Jahren mit der Stadt Gießen, woselbst besser für den Knaben gesorgt wurde, denn der sehr wenig bemittelte Vater war nicht im Stande, seinen Sohn vollständig versorgen zu können. Bamberger mochte etwa zwanzig Jahre alt sein, als er mit einem sehr günstigen Zeugnis der Reife das Gteßener Gymnasium verließ. Damals im Jahre 1854 oder 1855 niachte ich zuerst seine Bekanntschaft. Auf der Durchreise von Gießen nach seinem Heimatsorte besuchte mich der junge Abiturient in meiner Klause zu Marburg. Ich war daselbst nicht nur wohlbestallter Lehrer, soudern zugleich auch ein eifriger der Universitäts-Matrikel einverleibter akademischer Bürger. Mein Geburtsort und der seinige lagen etwa l‘/2 Meilen von einander entfernt und sein Vater als Freund des meinigen war oftmals zu Hause unser Gast. Daß mein Geburtsort zu Kur-