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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-30 · 44 (30.10.1896) · p. Seite 735

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
44 (30.10.1896)
Date
1896-10-30
Page
Seite 735 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 44. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 735. tm> wie des Jude Religion und Q[[ei. Antisemitismus ist ed ^er vielmehr verkap, Demokratie im „Schas lcht der Gott des Alle, Talmud", ein Molch Wohlgesallen habe! er den „Judengott" - in des ersten Mensch« Lide, ersaßt mit steck eßt den bittersten Hck d hadert über die Ev noch nie einem sterbliche (fahren, wie den 2ip natisiert hat. >h sein, Lord Byron >: ,er des „Nichts" geinat altige an dieser kWe Jahrtausenden und Ts Brust eines der eisir der Welt in ihrer oolc ß der Talmud bereitste Menschheit, der die Reis mmen in sich trug, f chm Geister der Negoliild heißt es im Talck eher, und bald wirb? war. Diese beiden L gyron, wenn sie w #, H°O "'f“r hw“ b* .*''!!! ult, w«k“ mpels waren Opfergaben, van Priestern, es gleichsam kosmopolitisch zu gestalten und das jüdische Volk mit der Einsicht vertraut zu machen, daß die Religion der Väter nicht an die Scholle gebunden ist. Dieses große Werk, von welchem der Fortbestand des Judentums abhing und das ihm neue Bahnen der Entwickelung öffnete, haben die Lehrer des Talmud mit einer resormatorischen Kühnheit vollbracht, die wir heute bewundern müssen. Wenn R. Jochanan den Saccat einem Jünger zuruft: „Sei nicht untröstlich darüber, daß du kein Sühneopfer darbringen kannst! Siehe, werkthätige Menschenliebe ersetzt alle Sühneopfer; so lange man Menschen wird trösten, erfreuen, unterstützen und ausrechterhalten können, braucht unser Volk nicht zu jammern, daß kein Priester mehr vor den Altar hintritt, um Gott zu opfern" — so hatte dieser Ausspruch das Gewissen von Millionen Bekennern des Judentums erleichtert und verhütet, daß sie sich nicht jener jungen, aus dem Judentum hervorgegangenen Partei sich anschlossen, welche an die Stelle der Opfer eine andere Art Sündenvergebung, die dem Geiste des Judentums widersprach, gesetzt hatte. Um dieses große Werk zu vollführen, dem Judentum nämlich eine kosmopolitische Gestalt zu verleihen, und es von einer territorialen Abhängigkeit zu befreien, wetteiferten die Weisen des Talmud miteinander, das Studium der Thora zu preisen, dh. den Geist und die Idee höher zu stellen als den religiösen Mechanismus. Denjenigen, welche unaufhörlich darüber klagten, daß von den Höhen Zions das Heiligtum Israels geschwunden war, rief ein Lehrer des Talmud zu, daß im kleinsten Raum, auf welchem das Gesetz der Thora studiert werde, die göttliche Majestät ebenso gegenwärtig sei, wie in dem prachtvollen Heiligtum in Jerusalem, was er mit den Worten ausdrückte (Berachot, 8 a): „Seitdem das Heiligtum zerstört worden ist, hat Gott in der Welt blos die vier Ellen der Halacha." Derselbe talmudische Lehrer stellte den Mann, der von seiner Hände Arbeit lebt, höher als denjenigen, dessen Gottesfurcht gerühmt wird. Unser „Gelehrter" trägt dem christlichen Volke im Namen des Talmud den Satz vor: „Seit der Zerstörung des Tempels hat Gott nur mehr vier Ellen Raum, nämlich da, wo Talmud studiert wird."- Doch genug! Es ist durchaus nicht unsere Absicht, diesem Ignoranten und treulosen Sohne seines Stammes auf seiner Wanderung durch den Talmud zu folgen und bei jeder angeführten talmudischen Stelle zu verweilen, um den plumpen Skribenten zu widerlegen. Wir wollten blos denen, die durch die Flugschrift behelligt oder — irritiert worden, Stoff zur Abwehr und Belehrung an die Hand geben, damit man auch hierzulande dem gelausten Talmud den Platz anweise, den er verdient. Das große Zierden. Novelle aus dem deutschen Mittelalter von Wilhelm Jeusen. (Fortsetzung.) Nachdruck untersagt. Sie wußten es so wenig, wie er selbst, als er am Abend uvor das Thor durchschritten und die Straßen hinabwandelte, »aß jene sich zum Sprunge in das lachende Antlitz hineinekauert, in die dargebotene Hand, in die blühenden Lippen — sie hätten nicht hineingeblickt, die Hand nicht genommen, sie hätten vielleicht die Lippen nicht geküßt- Jetzt wußten sie es — auch in der hiüigen Stadt Kölln war der schwarze Tod, der keinen verschonte, war die Pest, vor deren Augen kein Winkel verbarg, und das „große Sterben" begann. — Sybille schritt neben den Trägern her, und der junge Bürger folgte ihr. In dem Blick, den er von Zeit zu Zeit aus seinen offenen, gutmütigen Augen aus sie warf, lag eine unverhüllte Bewunderung und Achtung vor der ruhigen Sicherheit ihres Wesens, das ihn um so mehr ansprechen mochte, als es seinen eigenen zu entsprechen schien. In den mannigfachen Lagen, in denen das Mädchen sich seit etwa einer Stunde befunden, hatte sie keinen Augenblick die Besinnung verloren, weder ihr Körbchen, noch ihr Tuch, noch sonst etwas war ihr abhanden gekommen. Sie dachte an alles, sie war furchtlos, wo die Männer sich wie Kinder geberdeten; was sie that, vollbrachte sie mit der entschiedenen Bestimmtheit, die unbefangene Ueberlegung verriet. Das Einzige, was dem aufmerksamen Begleiter nicht zusagte, war die Sorgfalt, mit der sie sich des Pestbehasteten annahm, und doch mißfiel ihm auch dies nicht, denn es kennzeichnete die Teilnahme ihres Gemüts und die unbeirrte, furchtlose Ruhe ihres Wesens — sondern was ihm mißfiel, war, daß sie diese Fürsorge einem Manne zuwandte, den sie nicht weiter zu kennen schien, als dadurch, daß er ihr einmal zufällig das Leben zu retten vermocht hatte — und wie er nachgrübelte, war es auch das eigentlich nicht, was ihm mißfiel, sondern — er wußte selbst nicht was, und wie die Augen des Mädchens sich während seines Nachsinnens plötzlich auf ihn wandten, fühlte er verlegen, daß er rot bis an die Stirn wurde, wie ein Knabe. Sie gingen durch Gassen, die wie mit einem Zauberschlage leer geworden. Kaum ein Mensch war zu sehen; wer ihnen begegnete, blieb von fern stehen und flüchtete in ein Haus oder bog eilig um die nächste Ecke ab. Aus den verschlossenen Häusern blickten scheue, unruhige Köpfe auf die Vorüberziehenden und schlugen bet ihrem Erscheinen hastig die Fenster zu; ein unheimlicher Rauch von Wachholder und ähnlichen starkharzigen Stauden drang überall hervor und durchwogte die verlassenen Straßen. Auch den Trägern begann der Mut zu sinken, der Angstschweiß tropfte von ihrer Stirn, sie liefen immer schneller. Glockengeläut und ein verhallender Gesang tönte ihnen entgegen, er ward lauter, als sie scharf um die Ecke auf einen freien Platz einbogen, in dessen Mitte aufragend die Kirche Marias zum Kapitol stand. Davor wimmelte es von Menschen, die sich drängten und stießen und von denen jeder zuerst den Eingang ins Innere zu erreichen suchte. Alte Weiber, Kinder, Männer, alles durcheinander, alle mit verstörten Mienen, in der Bekleidung, die ihnen zunächst zur Hand geraten, jeglicher rücksichtslos nur auf die Durchführung seiner Absicht bedacht. Wie hastiges Gewimmel von Ameisen, die durch einen mächtigen Feind aus ihrer Ruhe aufgestört worden, war es — plötzlich tönte ein Ruf aus der Mitte: „Sie kommen — rettet euch — in die Kirche — zur Mutter Gottes," und die Aufregung und das tolle Gedränge nahmen zu. Die Köpfe wandten sich nach rechts, nach links — sie gewahrten die Bahre, welche die erschöpften Träger aus

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