Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-30 · 44 (30.10.1896) · p. Seite 733

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
44 (30.10.1896)
Date
1896-10-30
Page
Seite 733 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/4794838-9609712-9610492--1825-9610501
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Nr. 44, Nr. 44 Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 733. häkkorbonai ,uszi durch Ke providentiellenAen konnte: Israel Hai gebracht! Wäre Israel i' es wäre längst verchte. Aber Israel h« tt »Erfolg" gekümmni, und um seine Mich in Zukunft machen, >och ganz überwunden, heit ist dann keine leere zensgut der Menschheit Lamm und der Parder nd Löwe und Maslvich einer Knabe sie führt': nMenschenliebe. ...l ronik. Berlin, 28, Oktober, migsberg ist am Montaz en. Tie Befürchtungen ng der neuen Synagoze und dem ganzen F« prägten, sind nun wndr Bahre des Entschlafene-, fnnhem alle, für die fl haben sie selbstverständlich ein verhältnismäßig größeres Kontingent zu den besitzenden Klassen gestellt, als die christliche Bevölkerung. Der „Kreuz - Zeitung", die das nicht begreift, verursacht die Entdeckung des „Vorwärts" arge Kopfschmerzen. Sie stöhnt und keift: „Die Juden sind nicht „besser" wie die Christen; wohl aber sehr viel geriebener und schlauer, so daß sie der unmittelbaren Berührung mit den Gerichten entweder ganz entgehen oder doch selbst da keine Handhaben zur Verurteilung bieten, wo an der Schuld im sittlichen Sinne ein Zweifel kaum besteht. Dies ist nachgerade so bekannt, daß es den Eindruck des Anachronismus macht, weun wir den Versuch, den edlen Juden anzupreisen, immer wieder erneuert sehen. An den glaubt uiemand mehr, das möge man sich endlich doch gesagt sein lassen." Nun, daß die Juden „besser" seien als die Christen, hat wohl niemand behauptet. Die „Kreuz-Zeitung" hat aber tausendmal behauptet, die Christen seien besser als die Juden. In ihrer Betrübnis tröstet sie sich damit, daß die Juden „schlauer" seien und dem Gesetz leichter ein Schnippchen schlagen. Diese Resignation der Dummheit ist kostbar. Uebrigens möchten wir bet dieser Gelegenheit die brave Kreuz-Zeitung daran erinnern. daß sie — gleich anderen christlichen Kannegießern — die Wurzel des Zerfalls der Türkei in der Stabilität des Muhamedanismus erblickt, der sich nicht wie das Christentum weltklug den realen Verhältnissen anbequemen könne. Die Juden sind „schlau", die Christen „bequemen sich weltklug den realen Verhältnissen an". Was ist der Unterschied? Was das Moralischere?" — Treitschke als Bileam. In einer interessanten Studie: „Heinrich v. Treitschkes Lehr- und Wanderjahre" im „Rigaer Tageblatt" wird von dem verstorbenen Historiker folgendes mitgeteilt. Zu seinen Freunden gehörten unter anderem die Brüder Nokk, der Jurist Martin (jetzt Oberlandesgerichtsrat in Hamburg) und Alphons Oppenheim, Naturforscher und Jude, aber von Treitschke tief ins Herz geschlossen. Als er starb, schrieb Treitschke einem Freunde: „Ein liebevolleres Herz habe ich unter Männern nie gesunden, mir geht mit ihm ein Stück Leben verloren;" und als er viele Jahre später seine heftig angegriffene Schrift über die Judensrage erscheinen ließ, stand Oppenheims Bild ihm vor Augen. „Als ich jenen Aufsatz schrieb, mußte ich unwillkürlich an einen verstorbenen Jugendfreund denken, einen guten Deutschen jüdischer Abstammung, einen der treuesten, liebevollsten und uneigennützigsten Menschen, die ich je gekannt; ich richtete meine Worte so ein, als ob ich mit ihm spräche, und hoffte auf die Zustimmung jener Juden, die sich ohne Vorbehalt als Deutsche fühlen." — Wir wußten garnicht, daß Herr v. Treitschke — so kurzsichtig gewesen ist. — Lichtstrcifen. Der Zar hat aus eigenen Mitteln zur Erinnerung an die Geburt seiner Tochter Olga eine Volksschule errichtet, über welche die Zarin das Protektorat übernommen hat. Der offizielle „Wjestnik" hat nun die Statuten der Schule veröffentlicht, und folgende Paragraphen sind von ungewöhnlichem Interesse für die Juden: Paragraph 3. Es verden Kinder beiderlei Geschlechts ohne Unterschied des Ilaubens ausgenommen. Paragraph 16. Kinder, die nicht )em orthodoxen Glauben angehören, sollen von Vertretern ihrer eigenen Religion unterrichtet werden. Paragraph 31. Kinder, die nicht dem orthodoxen Glauben angehören, sollen ihre religiösen Pflichten nach Maßgabe der Vorschriften ihrer eigenen Religion erfüllen. ß e u 111 e t o n. Ser \u »c I. Welche Verrohung des öffentlichen Geistes der Antisemitismus hervorgebracht hat, das kann die gegenwärtige Generation, deren Atmosphäre eben von Antisemitismus geschwängert ist, gar nicht in vollem Umfange empfinden. Wie das Auge sich an das Dunkel, wie der Geruchsinn sich mit der Zeit an die abscheulichsten Gase gewöhnt, so hat sich unsere Generation eben an die Manieren und den Geschmack (!) des Antisemitismus gewöhnen müssen, so daß die äußerste Roheit gar nicht mehr als solche empfunden wird. Wie viele Leser werden in dem Prozeß Sedlatzek den Ausdruck: „Judengott" gelesen haben, ohne zu fühlen, daß schon in diesem bloßen Ausdruck, abgesehen von den antisemitischen Verlästerungen und Besudelungen, eine Roheit der Gesinnung sich kundgiebt, deren in der vorantisemitischen Zeit der zweiten Hälfte unseres Jahrhunderts kein Journalist fähig gewesen wäre. Die zartsinnige Pietät, die man jedem religiösen Empfinden, jeder religiösen Vorstellung schuldig ist, sobald man Anspruch erhebt, zur Kulturwelt zu gehören, diese zartsinnige Pietät, welche als edelste Blüte am Baume der Humanität sich entfaltet hatte, sie ist unter dem Einfluß des Antisemitismus so abgestumpft, als lebten wir im dreißigjährigen Kriege oder zur Zeit der Kreuzzüge. Der Schaden, den der Antisemitismus der europäischen Judenheit gebracht hat, ist gewiß von ungeheuren Dimensionen, aber er verschwindet ganz vor dem unermeßlichen Schaden, den die europäische Kultur durch den Antisemitismus erleidet. Die Roheit in Wort und That kann in ihrer Ausdehnung sestgestellt werden; wer will aber die Verrohung der Gesinnung, der Empfindung, des Geschmacks feststellen, die unsere Zeit den Aposteln des materialistischen Fanatismus Sedlatzek und Konsorten verdankt? — Der „Judengott" — ist der ein so mysteriöses Wesen, daß man ihn nach Belieben verhunzen, in jeder beliebigen Gestalt dem Lesepnblikum darstellen, daß man jeden Popanz, jede Karrikatur, jede Ausgeburt einer unreinen, von schlechter Erziehung und schmutzigen Leidenschaften zerfressenen Phantasie für ihn ausgeben darf? Giebt es etwas, worüber die Menschheit besser unterrichtet ist, worüber klarere Berichte vorliegen, als über die Vorstellungen, die das Judentum von Gott hat? Wo giebt es ein Kulturwerk, das in solchem Umfange der Gesamtmenschheit zugänglich wäre, als unsere heiligen Schriften, als die „Heilige Schrift", die in alle Schriftsprachen der Welt übersetzt ist? Und was ist denn die „heilige Schrift" anderes, als die Ausprägung der Vorstellungen Israels von Gott in Geschichte, Lehre und Poesie? — Ter „Judengott" und der „Christengott", die jüdischen und die christlichen Vorstellungen von Gott, seien nicht /

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.