Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 44 (30.10.1896)
- Date
- 1896-10-30
- Page
- Seite 731 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4794838-9609712-9610492--1823-9610499- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 44. Nr. 44. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 731. Aen, z.B. hMi ingnimMnU,, dir imneMssMM m sÄMüze lotiut istm FUm sehr buch Esche GeWchkÄ U Blattes in Nr. 43 A e hervor, wonach m vorden. schien, noch erieichlw che. Unsere Mim Judenims Mich ir .eWrdedesJudmt« m Proscht trotz L snahme bitte, svNN eilt werden, daß in ch. Christentum aus Ue^ hrt wurden auch k eil Großeltern, schon n terteJudenundihrM ig geblieben. Bezeichn».' issionare in Deutschs leberläufern rekrutiem jeiondere Ursache hat L Paulus Meyer rc. KL gerne hergegeben: d« hrer sind, das möge ei: ele zeigen, hren ein j i" (zuletzt in Waren r für alle Gemeinden, - verkommensten Schns .« er überall sortB von Haus zu Hans - jerschiedenen Minis!:-- chwerde führte, daß * 4 % m nützlich geworden, — aber was sind die Motive der modernen Konvertiten aus den Kreisen der Plutokratie? Da ist ein hoffnungsvoller Jüngling, dessen Vater in der Provinz Posen als Bündeljude begonnen und es in Berlin zum Millionär gebracht. Durch sein Geld hat er den Kommerzienratstitel sich erworben, die Epauletten für sein Söhnchen kann er aber nicht erkaufen, und darum muß er diese sich ertausen. Ein Anderer hat das Verlangen, Amts¬ und Landrichter zu werden, und wenn ihm auch als Jude diese Karriere nicht gänzlich verschlossen, so dauert es etwas länger, bis er sein Ziel erreicht — der Weg durch die Kirche ist kürzer, und der Priester der Wahrheit erwirbt ein Amt durch eine Unwahrheit. Ein Dritter — er braucht nicht zur Plutokratie zu gehören — hat Philologie studiert; er findet keine Verwendung an einer Schule, und man hat ihm nahe gelegt, zu seinen sonst guten Zeugnissen noch ein kleines Papierchen von einem protestantischen Pastor beizubringen, dann stünde seiner Anstellung nichts mehr im Wege (siehe auch Frl. Striemer). Er beschafft das Papierchen und spricht dann zu seinen Schülern von und über Religion. Alle diese Beispiele beziehen sich auf erwachsene Personen, die sich wohl der Tragweite ihrer Handlungen bewußt sind. Ungleich betrübender, ja gewissenloser, wenn jüdische Ellern ihre unmündigen Kinder zur Taufe führen, die nicht wissen, was mit ihnen geschieht. Die Eltern bleiben in vielen Fällen Juden, nicht aus Begeisterung für den Väterglauben, sondern weil ein Rest von Schamgefühl sie vom Uebertritt zurückhält. Welch ein begeisterter Christ muß ein solcher Knabe werden, der noch viele Jahre bei seinen jüdischen Eltern lebt und durch den Religionsunterricht später zu der Erkenntnis gelangt, daß seine Eltern die Nachkommen derer seien, die „seinen Heiland" gekreuzigt! Die hier lose aneinander gereihten Gedanken sind nicht neu, in ausführlicher und beredter Weise haben sie schon andere ausgesprochen; allein es thut not, von neuem zu wiederholen, daß Konversion gleichbedeutend ist mit einer Herabminderung des Wertes, nicht allein bei Staatspapieren, sondern auch bei Staatsbürgern. Lion Wolfs. Eine IMiffionöfdjrift. III. Soll ich den geehrten Leser wegen der Ausdrucksweise meiner Wiedergabe um Verzeihung bitten? Der Leser sollte doch eine Idee von dem theologischen Schwulst bekommen, von dem das von mir Wiedergegebene nur der abstrakte Kern ist. Es ist wahrlich auch für einen Theologen eine harte Nuß. Ter denkende Leser wird sich freilich verwundert fragen: Tant de bruit pour une Omelette? Das ist doch eine alte Weisheit, daß der Jude nach außen hin ein Märtyrer seines Glaubens ist, und daß er nur sich taufen zu lassen braucht, um lein äußeres Martyrium los zu sein. Diese Weisheit ist schon zur Zeit der Kreuzzüge in die Praxis übersetzt worden. Und )ie Täuflinge unserer Zeit, was ist der Grund ihrer Fahnenlucht? Das Strebertum, der Erfolg! Eine so breitgetretene Weisheit in theologische Schnörkel bis zur Unkenntlichkeit einukleiden, ist ein Verdienst, das kein Recht hat, auf Anerken« nung zu pochen. Daß der Jude, wenn er der Scylla des äußern Martyriums entflieht, in die Charybde eines innern Martyriums stürzt, oder aus deutsch: vom „Regen" äußerer Zurücksetzung in die „Traufe" innerer Herzensqualen kommt — das sollte man einem bloßen Schnörkel-Schnitzer gar nicht entgegenhalten. Allein neu oder nicht neu, das ist Nebensache. Was ist Wahres an den „Inkonsequenzen" und „Ermahnungen"? „Israel bekennt sichzu den Propheten, die den Messias verkündeten, und doch nicht zur Lehre Jesu" — das soll eine Inkonsequenz sein, ist es aber ganz und gar nicht. Israel glaubt eben nur, daß der von den Propheten verheißene Messias erst in unabsehbarer Zukunft erschieuen sein wird, wenn „der Wolf mit dem Lamme wohnt" und „die Schwerter zu Pflugscharen umgeschmiedet" sein werden. — Warum der „Logos" des Philo weniger unjüdisch ist, als der zu „Fleisch und Blut gewordene Logos?" Philo lehrt eine göttliche „Mittelkraft", die erhaben über Raum und Zeit in Natur und Geschichte ewig und unendlich waltet. Der zu „Fleisch und Blut gewordene Logos" ist aber in die Zeitlichkeit und Räumlichkeit uud damit in die Endlichkeit eingegangen, er ist an einem bestimmten Ort geboren, hat eine bestimmle Anzahl von Jahren gelebt, ist an einem bestimmten Orte, in einem bestimmten Augenblick gestorben-das widerstreitet der jüdischen Anschauung von dem Wesen des Ewigen und Unendlichen. Damit sei nicht gesagt, daß die Philonische Lehre mehr als die längst überwundene Anschauung eines Einzelnen sei. Vom Philonischen Logos findet sich längst nichts mehr in unseren Religionsbüchern. — „Israel war ein Bekenntnis und ein Volk"-das ist nur zur Hälfte wahr: Israel war ein Volk, aber Israel war nie ein „Bekenntnis", sondern nur eine Religion, eine Lehre. Ein „Bekenntnis" setzt streng formulierte „Dogmen" voraus, die es bekanntlich in Israel nie gegeben hat. — „Israel wird wieder ein Bekenntnis und ein Volk werden" — da es nie ein „Bekenntnis" war, sondern nur eine „Religion", in welcher Erkenntnis und nicht „Bekenntnis" verlangt wird, so will es auch in Zukunft kein „Bekenntnis" werden. Ob Israel wieder ein „Volk" werden wird? Große Kreise der Bekenner des Judentums verneinen das und wollen garnicht wieder ein Volk werden. Die Orthodoxie glaubt allerdings, daß Israel wieder ein „Volk" sein wird, überläßt aber die Realisierung dieses Glaubens dem ewigen Lenker der Geschichte. — Die größte Thorheit aber wäre es, ans dem von der Missionsschrift bezeichneten Wege Israel zu einem Volke und zu einem Bekenntnis zn machen. Wenn Israel einen Selbstmord an sich begeht — uud das verlangt doch die Missionsschrift — dann hat es seine Rolle ans der Bühne der Geschichte ausgespielt und es kann weder ein „Volk", noch ein „Bekenntnis", es kann überhaupt nichts aus ihm werden. Man kann sich gar keine durchschlagenderen Gründe gegen die Flucht aus dem Judentum denken, als die vom Verfasser angeführten: „Israel soll wieder ein Bekenntnis und ein Volk werden." Wenn die Stammelrede unserer Missionsschrift ein