Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 44 (30.10.1896)
- Date
- 1896-10-30
- Page
- Seite 727 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 44. Bevölkerung cm; ichenTkamlnivur jene? l' weil sich die mensch^ sträubt. Und dm, -r. doch wohl nicht nn Mohammedanern in u und, wohl blos W »uge nach dem gelobten >e Opfer abgeschlachte! er das, was man den, on längst verjährt ist fl in Deutschland den »er seine wahre Natni |t auch solcher Männer, u. Aber wir sind n „Jndengotte" ein; den Lehren des Judw chtet gewesen wäre, wie dengott" verzeiht leich begangen werden, n>i! daß ihn Sedlatzek dein sollen, so müssen n>i: ntnis mehr wehe gelhan. 8.8. .uch außer- Zechen oder!N einzelm nicht einer um so o<r- Ig aussädt Nr. 44. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 727. >at di« SB daß der Verfall hauptsächlich in Westeuropa — jedoch in den Zentren nicht allein — erschreckende Dimensionen angenommen hat. Die Frage hat im Auslande einen lebhaften Widerhall und gerechte Würdigung gefunden, und wird daselbst mit großer Wärme und Begeisterung behandelt; ja selbst die von den im Ausland lebenden befragten Herren einlausenden Antworten zeigen nreist ein positives Gepräge, welches wohlthuend absticht von der zum großen Teil ablehnenden, zum andern Teil zurückhaltenden Art unserer inländischen Großen in Israel. Woher diese Erscheinung? Die Erklärung, daß die Akklimatisationsfähigkeit der Juden in dieser Form zum Worte gelangt und daß sie in Deutschland ihre deutsche, vorsichtige Natur nicht verleugnen können, weshalb ihre Antworten den Stempel der Verlegenheit und des Schwankens zivischen gefühltem Zugeständnis und pflichtschuldiger Opposition an der Stirn tragen, reicht hier nicht aus. Allein zu unserer deutschen gesellt sich noch die jüdische Vorsicht, das Erbteil vergangener Jahrhunderte — diese unselige Vorsicht, welche uns am Anfänge der neuesten Unkulturepoche immer wieder eingeschärft wurde, und zwar so lange und so eindringlich, bis sie zur Leisetreterei, zur Feigheit ausartete. So mußte es schließlich kommen, genützt hat es uns aber garnichts, es hat nur das alte Vorurteil gegen unseren angeblich stets bewährten Ueberfluß an Mutmangel und fehlender Manneswürde befestigt und leider auch bestätigt. Wir leben doch nicht mehr im Ghetto, wir sind doch nicht mehr durch einen gelben Fleck zum Zielpunkte für den erlaubten Steinwurf eines jeden Gamin gesetzlich gekennzeichnet, die „krumme Nase" ist doch nicht mehr unser Stammprivtlegium — ja in den neuesten Romanen aus dem jüdischen Leben haben die Heldinnen sogar ausnahmslos blonde Haare und blaue Augen und nur der von der Ceder des Libanon entlehnte Vergleich zu ihrem schlanken Wüchse erinnert an ihre jüdische Abstammung — wir sind doch immer noch, Gott seis geklagt, trotz unseres famosen Gesetzes von 1847, mit angeblicher Gleichberechtigung behaftete Staatsbürger, warum begeben wir uns unseres natürlichen Rechtes der Bethätigung der schönen Lehre „Wehr dich" und des herzhaften Wiederschlages nur in dem Falle nicht, wenn wir uns untereinander brüderlich zerfleischen? Was anfangs ein leichter Fieberanfall war, ist durch .msere Unthätigkett zu einer zehrenden Krankheit ausgewachsen — die Nadelstiche haben sich zu Dolchstößen verdichtet — der verächtliche Hepp-Hepp-Rus ist zu einem Feldgeschrei geworden — aus dem mit nur mattem Widerspruche aufgenommeuen Boykott des jüdischen Richters beim bürgerlichen Eide ines Ehristen hat sich die heutige allgemeine justtzministerielle Praxis entwickelt. Das sind der trüben Erfahrungen einige, velche wir dem durch Unterschätzung der Gefahr von sogen, «erufener Seite diktierten Stillschweigen verdanken; soll denn äese Lehre, die wir aus unserm bisherigen Verhalten dem ußern Feinde gegenüber gezogen haben, oder doch ziehen onnten, ganz spurlos an uns vorübergegangen sein? Abwarten und den Mund halten! ist die Devise. Abvarten und immer ruhig abwarten. Bis wann? Wir haben mit Gewehr bei Fuß gegen unsere haß- und neiderfüllten Gegner gestanden, bis die Ereignisse ihnen beinahe Recht gegeben haben — sollen wir auch unseren inneren haltlosen Verhältnissen, unserm religiösen Niedergange gegenüber die Vogel Strauß-Politik weiter treiben, bis die weisen Herren, wie sie es vielleicht im Stillen erhoffen, kopfschüttelnd erklären können, da sei weiter nichts mehr zu machen, oder bis die Herden keinen Hirten mehr haben, der ihnen helfen und sie leiten kann, da diese naturgemäß dem allgemeinen Vorfall sich nicht werden entziehen können? Nein, so weit darf es nun und nimmermehr kommen! Sowie Erkenntnis der Sünden die unumgängliche Vorbedingung zur Besserung ist, welche durch schöne Worte nicht erzielt werden kann, so kann nur das Eingeständnis unseres drohenden Verfalles die Männer aufrütteln, welche berufen sind, das Heilmittel zu finden und es zu verabreichen. Ich will ja nicht behaupten, daß der Bankerott schon da ist, oder daß die Auswahl der Männer der LXX eine durchweg glückliche gewesen sei, aber das muß betont werden, daß mehr Mut dazu gehört, offen zu erklären, es sei etwas nicht richtig, schreie nach Aufrichtung, und sich nach werkthätigen Männern des Rates und der Einsicht rechtzeitig umzusehen, als noch fernerhin mit verschränkten Armen ruhig zuzuschauen, ab und zu mal mit den Zähnen zu knirschen und im übrigen mit dem Bewußtsein wohlerfüllter Pflicht die Schlafmütze über Augen und Ohren sich zu ziehen und demgemäß weiter zu schlafen. Ja, heißt es, was werden aber unsere Feinde von außen dazu sagen, denen wir die Waffen zu unserm Verderben liefern, wenn wir auch noch zugesteheu, daß bei uns nicht alles stimmt und wir sie womöglich auf Schäden aufmerksam machen, die ihren durch den Haß geschärften Blicken sogar entgangen sind? Zum Kuckuck! mögen sie sagen, was sie wollen, wenn durch unser Thun nur unsere religiösen Einrichtungen gehoben werden, — um ihre Wertschätzung haben wir uns ohnedies nicht sonderlich bemüht, und wenn wir diese durch Erfolge um heilige Dienste uns erzwingen, desto besser, oder es muß uns gleichgiltig bleiben — sie werden sich hüten, das religiöse und moralische Thun und Lassen ihrer Häuptlinge als mustergiltig hinzustellen und werden es sich zweimal überlegen, ob sie in dem Glashause, in welchem sie sitzen, mit Steinen um sich werfen sollen. Auch das Christentum ist Schwankungen unterworfen, und in neuester Zeit spielten sich vor der Oeffentlichkeit religiöse Gegensätze bis zur haarspaltenden Genauigkeit ab, es ist menschlich, daß wir von ihnen nicht leicht verschont bleiben, und sie sind nicht dadurch aus der Welt zu schaffen, daß man sie totschweigt. Die guten, glaubenstreuen Mitbürger werden uns darum ihre Achtung nicht versagen, weil wir unsere Schäden ehrlich eingestehen, nach Verbesserung streben und weil unsere viel ältere Verfassung, durch die Zeitverhältnisse bedingt, einer kleinen Reparatur bedarf — der Kern wird doch unberührt Reiben. Soviel zur Beruhigung derer, die bevor sie niesen, sich erst umblicken, welche Zuhörer bei ihrem Vorhaben zugegen sind. Und unsere Gegner werden bei offener Behandlung unserer inneren Angelegenheiten nicht schlechter von uns denken als bis jetzt auch. Das bei gewissen zivilrechtlichen Fragen