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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-23 · 43 (23.10.1896) · p. Seite 721

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
43 (23.10.1896)
Date
1896-10-23
Page
Seite 721 (sequence 13)
Language
German
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9h. 43. Nr. 43. Allgemeine J-raelittsche Wochenschrift. Seite 721. -r Liebe, der Treue, du Erbarmen rieten in ihr während le Zugel der Leidenschni. ^nutzte, des Kommende« versichert. Ta° hatte seine Gewab Ohr die Gerüchte und Raubtiere die. ihe der Lebendigen, v„, estu. Sie fürchteten fij! r den Augen, an dem \ Lildnis, in die siede«! einsam starben, wo teir Ohr ihren Jammem sein Felsen so hoch, keine chneller und erreichte sie rankheit vermehrte noj e erzeugte, sich durch itz hreiend durch die Gasse« : Well; dann samniebei en Geschlechts, die Ai en Rücken geißelnd w ihen brachten sie die fflf jrte Orte, die sie i»Äß ck religiösen Trostes botet und abergläubischen 3e ltbesprengten, zergeißeits n Züge mit noch großem Tanzend und spriU» erhöhten die Angst. A plötzlich aus blauer so erstanden sie, * ^'sichln Schwärmen >Ä sich, wohin ftc gelangt»; noch nicht vorgedE dener Sorglosigkert nge noch nicht Slii’Vä sstfL 5T?Ä? -S£5 «>1 worden, die jedoch öffentlich nicht diskutiert werden können. Auch wir haben uns, nach Kenntnisnahme von der Sachlage, zu der Ansicht bekennen muffen, daß von der Einberufung einer öffentlichen Versammlung Abstand genommen werden mußte, und haben unsernSchlußartikel über die Vorstandswahl bis auf weiteres, vielleicht bis nach der Wahl, zurückgestellt. Eines wollen wir verraten: Es ist — um mit unsrer Kollegin zu sprechen — gegründete Aussicht vorhanden, daß die Vorstandswahl im Sinne des Gemeindefriedens aussallen wird. * Berlin, 21. Oktober. (Eine interessante Briefkasten- Notiz) finden wir in einer der letzten Nummern des „Volk". Jemand erzählt, daß ihn der Vertreter eines jüd. Geschäfts jüngst besticht und von ihm eine Bestellung auf Waren ausgenommen habe. Aus einer zurückgelassenen Karte ersah er alsdann, daß er es mit einem — horribile dictu! — Juden zu thun habe und redressierte deshalb sofort die aufgegebene Bestellung. Da der Kaufmann die Abbestellung nicht anerkennen wollte, fragt das biedere Antisemitlein bei dem „Volk" an, ob er verpflichtet sei, die Ware anzunehmen. Die Naivetät des Mannes, der glaubt, daß man einem Juden das gegebene Wort nicht einmal zu halten brauche, verdiente eine Prämie, wäre sie nicht zugleich ein Zeugnis von dem unheilvollen Einfluß, den die Judenhetze aus manche Gemüter ausübt. * Berlin, 20. Oktober. (Theosophische Gesellschaft.) In den Zeitungen ist in der letzten Zeit viel von einer hier bestehenden theosophischen Gesellschaft die Rede gewesen, ohne daß indessen einer der vielen Zeitungsartikel die Ziele dieser Gesellschaft klar dargelegt hätte. Wir lassen darum einen orientierenden Bericht über Wesen und Ziel der Gesellschaft folgen, indem wir der Ansicht sind, daß wir Juden, das „Volk der Religion", über jede religiöse Bewegung, auch außerhalb des Rahmens des Judentums, unterrichtet sein müssen. Die Theosophische Gesellschaft ist im Jahre 1875 gegründet worden. Sie ist eine Organisation, die den moralischen und geistigen Fortschritt der Menschheit zum Ziele ihrer Bestrebungen macht. Ihr Hauptzweck ist: den Kern einer allgemeinen Menschenverbrüderung zu bilden, ohne Rücksicht auf Geschlecht, Raffe, Glauben oder Kaste. Als hierzu dienliche Nebenzwecke verfolgt sie: 1. Das Studium der alten und neuen Litteraturen und Wissenschaften des Ostens und der arischen Völker zu fördern. 2. Die unerklärten Naturgesetze sowie die im Menschen schlummernden Seelenkräfte zu erforschen. Nur die Annahme des angeführten Hauptzwecks ist einzig und allein erforderlich, um als Mitglied Aufnahme zu finden. Die Annahme der beiden unter 1 und 2 bezeichnten Punkte steht in dem Belieben eines jeden Einzelnen. Tie Gesellschaft fordert kein besonderes Glaubensbekenntnis, sie enthält Mitglieder aller Konfessionen; nur verlangt sie von jedem Mitglieds, daß es dem Glauben oder der Anschauung anderer dieselbe Toleranz entgegenbringe, die er für seinen eigenen irr Anspruch nimmt. Es bildet jedes Mitglied einen selbständigen Mittelpunkt innerhalb der Gesellschaft. * Berlin, 21. Oktober. (Die Brandenburgische Provinzialsynode) beschäftigte sich in ihrer gestrigen Sitzung mit den Juden, und zwar zunächst im Anschlüsse an den Bericht über die Thätigkeit der Gesellschaft zur Beförderung des Christentums unter den Juden. Aus diesem geht hervor, daß während der letzten drei Jahre sich 80 Juden zur Taufe gemeldet hatten, von denen aber nur 36 beseligt wurden. Synodale Dr. Hefter erklärt, in Berlin sei das Gerücht verbreitet, daß es den Juden sehr leicht gemacht werde, zur evangelischen Kirche überzutreten. Man nenne dies in den Zeitungen die „Schnelltaufe". Er berufe sich auf den „Vorwärts", welcher erzählt habe, daß sich eine jüdische Lehrerin um eine Anstellung bewarb, aber zurückgewiesen wurde. Nach kurzer Zeit habe sie ihre Bewerbung mit Erfolg wiederholt, denn sie habe ein Taufzeugnis vorgezeigt. Er müsse es als eine Herabwürdigung des Sakrament bezeichnen, wenn es wirklich eine sogen. Schnelltaufe gebe. General-Superintendent Faber erklärt, daß ihm der vorgetragene Fall nicht bekannt sei, und er dessen Wahrheit bezweifeln müsse. (Er ist doch wahr! Die junge Dame führt den Namen Striemer. Red.) In seinem Schlußwort macht der Synadale Knak folgende Bemerkung: „Die Judenfrage ist dann gelöst, wenn Christen und Juden eins geworden sind in der Anbetung des dreieinigen Gottes und in der Anbetung Christi als des Sohnes Gottes, des alleinigen Mittlers" u. s. w. — Kunststück! Wenn es kein Judentum giebt, dann giebt es keine Juden und folglich auch keine Judenfrage. Nm zu dieser Weisheit zu gelangen, braucht man nicht Theologie studiert zu haben. Da aber Herr Knak Theologe ist, so sollte er doch wissen, daß die Propheten, auf die sich die evangelische Glaubenslehre stützt, in anderem Sinne gesprochen, daß sie als Bedingung und Höhepuukt des Menschen- und Völkerfriedens die Anerkennung des einig-einzigen Gottes bezeichnet haben. Im Ghetto sprach man von einem „Schulchan Aruch aus Rädchen"; es scheint auch ein Neues Testament auf Rädchen zu geben. X Prcnzlau, 20. Oktober. (Friedhofschändung) In der Nacht zum 17 d. M., sind von ruchloser Hand aus dem jüdischen Friedhofe Hierselbst eine Anzahl Grabsteine gewaltsam umgerissen worden. Die Synagögengemeinde hat eine Belohnung für die Entdeckung des Thäters ausgesctzt, und man kann nur dringend wünschen, daß es gelingen möchte, die Grabschänder zu ermitteln. S* Posen, 20. Oktober. (Das Zeichen des Niederganges.) Sehr treffend führte Herr Körpel in seinem Gemeindebilde aus unsrer Provinz als Beweis für die Verringerung der jüdischen Bevölkerung die häufige Umwandlung von zwei- und mehrklassigen Schulen in einklassige. Auch der Gemeinde- und Schulvorstand in Nakel hat jetzt den Beschluß gefaßt, aus der zweiklassigen jüdischen Volksschule eine einklassige zu machen. F Breslau, 20. Oktober. (Gottesdienstliche Konzerte. Nach Berliner Muster.) Die Frage, ob gottesdienstliche Vorträge oder erbauliche Predigten, über welche zwei gelehrte Mitarbeiter Ihres Blattes diskutieren, ist in unserer Gemeinde in anderer Weise gelöst worden. Hier ist am verflossenen Jom kippur in der neuen Synagoge die Weihe des Tages durch ein gottesdienstliches — Konzert gehoben worden. In der Pause begab sich der erste Kantor dieser Synagoge auf das Chor und schmetterte von dort ein Lied auf die Häupter der Zuhörer hernieder, die so ergriffen waren, daß sie selbst das Applaudieren vergaßen. — Nach Berliner Muster wird auch

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