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Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-23 · 43 (23.10.1896) · p. Seite 719

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Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
43 (23.10.1896)
Date
1896-10-23
Page
Seite 719 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 43. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 719. 1k die! Der für die Solouifi att die «Zephira" ei® alle ungünstigen Ach inischen Hilsswerks die aus irgend eim « wollten oder JontUtt ^and untersagt ist, bin* an dem Kolonisatim e das Unternehmen i, wie mignet sind, ., mtgegengehen. T« die Mißbräuche ab :n Schutz angedeiha r bedeutende M? jätigkeit dem In« Was die Eign« anbetrisst, so bmiegen. Auch sind fr«? keineswegs unübfJ ze ist in ein Regierungsme^ \\ ner besser, Wege Vi , und man ist n' 8ad zu ngriff zu nchm )er ßenttalpuri. ceibt Herr Lm si; große Sn^ ^rreillinet. I PO Det # en d>^' utf- Aus- oder richtiger Einwanderer wandten sich an das russische Ministerium und beriefen sich auf das kaiserliche Reskript vom 14. August, das allen russischen Unterthanen, einschließlich Flüchtlingen und Fälschern gestattet, nach ihrer Heimat zurückzukehren. Bis jetzt hat das Ministerium noch nicht geantwortet. Die 70 argentinischen Juden leben von der Mildthätigkeit ihrer Glaubensgenossen und wohnen in einer Außenvorstadt von Konstantinopel. Feuilleton. Das große Sterben. Novelle aus dem deutschen Mittelalter von Wilhelm Jensen. (Fortsetzung.*) Nachdruck untersagt. Drittes Kapitel. Einige Minuten war die Wirkung, welche dies plötzliche Ereignis auf die über den Marktplatz zerstreute Menge, die sich immer mehr durch Zuzug aus allen anliegenden Gassen vergrößerte, ausübte, nur eine verstummende. Der Schreck tras wie ein Blitz aus wolkenloser Luft und lähmte die Zungen, jeder starrte seinen Nachbarn mit argwöhnischer Miene an und machte eine drohende, feindliche Bewegung gegen den, der zufällig das Unglück hatte, ihn mit seinem Körper zu berühren. Selbst der Inhaber des wunderthätigen, von der gefährlichen Aderlaß-Konkurrenz befreiten Theriaks stand schweigsam, er bewegte nur seinen Schlangevstab wie einen Fächer vor der Nase hin und her, und stierte aus die leblosen Ueberreste seines Kollegen, der im Zentrum seiner vis animalis keine Zuflucht vor dem Giftpfeil des sicher treffenden Schützen gesunden hatte. Nur der junge Zimmermeister trat furchtlos aus Sybille zu, die, ohne auf das seltsame Verschwinden ihres lanzettenbewehrten Gegners Acht zu geben, ruhig auf den Knien liegen geblieben war und ihre Besprengung mit dem scharf duftenden Essig, der dem Kranken wohl zu thun schien, fortsetzte. „Ihr seid unvorsichtig, Jungfer," sagte er in etwas vorwurfsvoll-ärgerlichem Tone; kennt Ihr den jungen Mann, daß Ihr das Leben, das Euch eben erhalten ist, schon wieder aufs Spiel setzt?" Das Mädchen fuhr, ohne sich stören zu lassen, in ihrer Beschäftigung fort; sie wendete nur don Kopf ein wenig und entgegnete freundlich: „Ich mache cs wie Ihr, Meister, nur weniger edelmütig, da Ihr mich nicht kanntet, als Ihr mir zu Hilfe kamt. Ich' aber muß es schon aus Dankbarkeit thun, denn dieser hat mir ebenfalls einmal das Leben gerettet, grad' wie Ihr —" sie errötete leicht, und ihre hübschen Augen glitten etwas verlegen aus denen des jungen Bürgers, der sie forschend aublickte — „es ist freilich schon lange her," fügte sie langsamer bei, „doch ich habe es nicht vergessen." Sie bückte sich wieder über den Kranken, der schmerzlich aufstöhnte, allein die Volksmenge hatte sich jetzt von ihrem ersten, übermächtigen Entsetzen erholt und drängte laut durch- *) Neuhinzutretende Abonnenten erhalten den Anfang dieser Novelle kostenlos nachgeliefert. einanderschreiend dichter an die Bahre hinan. Einige Stimmführer waren unter ihnen, die sich entschlossen näherten. „Er muß fort," sagten sie, „was ist es für ein Mensch? Er hat schwarzes Haar, es ist ein Fremder. Werft ihn vor die Stadt —" Ein Gemurmel lief durch den Hausen. „Sie haben ihn vor dem Ghetto gefunden," schrie eine kreischende Stimme, „es ist ein Jude, den die Andern sterbend bei Nacht aus dem Thor geworfen, damit er die Pest über die Stadt weiter verbreite!" Ein allgemeines Wutgeheul folgte den Worten. „Brecht das Thor aus — tragt ihn in die Judengasse zurück — laßt die Juden an ihrem eignen Gift sterben!" tobte alles durcheinander. Ein wilder Angstkrampf zog das Gesicht des Kranken, über dessen Schicksal entschieden wurde, zusammen. Man sah, daß er alles vernahm, was um ihn her geschah und gesprochen ward, seine Augen waren weit geöffnet und starrten wie nachsuchend in das Antlitz des neben ihm knieenden Mädchens. Es lag eine irre Angst in ihnen, die mehr und mehr bei dem Getöse der erregten Masse stieg, seine bleifarbenen Lippen bewegten sich und zuckten unter einer sichtbarlich verzweifelten Anstrengung. Mühsam lüstete er den Kopf und sah mit abgrundtiefem, flehendem Blick in die Augen Sybilles: „Ich bin kein Jude," kam es matt von seiner Lippe und so leise, daß nur sie es vernehmen konnte — „nicht in die Judengasse — bei allem was Dir lieb ist, ich beschwöre Dich, Mädchen — nicht in die —" Sein Kopf sank erschöpft zurück, und die Lider fielen bewußtlos wieder zu. Sybille dachte flüchtig nach — „was soll er auch in der Judengasse, da die schöne Tamar nicht seine Schwester ist," murmelte sie vor sich hin. „Ihr seid thöricht," setzte sie aufstehend hinzu: „Blickt den Kranken an und fragt euch ob ein Israelit so aussieht oder ein Christ? Sind eure Züge anders? Hat niemand schwarzes Haar unter euch? Tragt ihn ins Spital und ruft bessere Aerzte, denn diese sind Schwindler, die euch und die Natur betrügen." Es war seltsam, wie der Aufruhr des rohen Haufens sich vor der ruhig-sicheren Weise des Mädchens legte. Die stämmige Figur des jungen Zimmermanns mochte allerdings mit dazu beitragen, der neben Sybille und der Bahre stand, und Mien« machte, den ersten, der sich ihren Anordnungen thätlich widersetzen würde, seinen Ungehorsam auf das Fühlbarste zu verleiden. Mehrere der Verständigeren kamen überein, sich der notwendigen Aufgabe, die möglicherweise den Ausbruch des allgemeinen Verderbens von der Stadt abhalten konnte, zu unterziehen. Eine zweite Tragbahre ward aus einem der nächsten Häuser herbeigeholt und mit dem Körper des Arztes, der kein Lebenszeichen mehr von sich gab, beladen, dann setzten sich die Träger eilig in Bewegung, während der Haufe auseinanderstob und zum Teil dem Besitzer des unbezahlbaren Theriaks in seine Wohnung nachdrängte, zunr Teil mit der unheimlichen Schreckenspost die seinige aussuchte und sich in ihr gegen die Außenwelt abschloß. — Dies Ereignis, das die hillige Stadt Kölln in der heutigen Morgenfrühe dergestalt in Aufregung versetzte, fand in den ersten Augusttagen des Jahres 1348 statt. Mannigfache Kunde war zuvor aus dem Süden heraufgedrungen, dunkle

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