Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 43 (23.10.1896)
- Date
- 1896-10-23
- Page
- Seite 713 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr 43. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Seite 713. iotroenbtgfeit, einBedürs. ,ö Schulchan Aruch aus? cSßamberger hat bekanntv/ das Gutachten abgeder Austritt aus der ulchan Aruch geboten sei. emlich die Meinung, die meinde sei zu Ende. Ist ldaß Jeschurun« auch jetzt ann dies nur dadurch - Aruch, nicht vom Standmotiviert werden, daß in e nicht alles mit dem zugehe. Wenn dann aber emeinde Einführungen gruent den Bestimmungen wird man zugcben müssen, e irgend einer Erklärung ie Erklärung sei», daß es als Orgel und Abschaffung iegt ja hinter uns; in der Gegenwart. S.R.HW ltschieden, es sei auch jetzl ns der Hauptgemeinde ausden Orthodoren erhobenen Hat S. R. HW etroffen, als noch der thodoren die Gewissensder Vorstand schon dei a von Ihnen aufs Eis icht, durch meine Artile! zu heben, und um dies .schichte der Religim ueiner Eitelkeit sehr f solche Bedeutung bemiS md der Adaß Jeschum i» h»sit' f u ausgenommen. dl1 e solche Gefahr, -- ■fOA ,->h« unfo4äe*°*f #> * ,jt egiW»* „ jJoWUäW®*' z.Iilil-l» T,;"bie meine Feder eine solche Herkules-Arbeit leisten könnte. Und hätte ich es in der Hand, die Adaß Jeschurun in die Lnft zu sprengen, ich thäte es nicht, schon wegen — Ihrer Schule nicht, Herr Direktor. Tenn Ihre Schule leistet inderthat Großes: neben gründlicher weltlicher Bildung tüchtiges jüdisches Wissen. Wenn es in meiner Kraft stände, ich würde in jeder jüdischen Gemeinde eine solche Schule etablieren und diesen Schulen gar keinen bessern Direktor wünschen, als Sie es sind — wenn auch mit etwas weniger Eifersüchtelei und Unduldsamkeit gegen selbständige Charaktere a la Plato, Werner re. Nein, ich habe mir ein objektives Urteil bewahrt in den Kämpfen des Lebens, und einige Artikel, die jemand, wenn auch noch so gespickt mit Verdächtigungen und Beschimpfungen, gegen mich schreibt, sollen mir meine Anerkennung für das Gute, wo ich es auch finde, nicht trüben. Von mir hat also die Adaß Jeschurun nichts zu fürchten, auch wenn ich der Jupiter mit dem zermalmenden Blitz wäre. Ja, aber warum habe ich dann meine Artikel „Von Hirsch bis Breiter" geschrieben, wenn ich der Adaß Jeschurun kein Härchen krümmen will? Gestatten Sie mir eine Gegenfrage — (ich bin Jude, Herr Direktor) - warum haben Sie und Ihre Gesinnungsgenossen sich so sehr über meinen ersten Artikel gefreut? Warum hat Ihnen der erste Artikel so wohl gethan? War dieser Artikel, da Dr. Breuer noch nicht demissioniert hatte, eine geringere Gefahr für den Frieden, also auch für den Bestand der Adaß Jeschurun? Ach ja, in diesem ersten Artikel hatte ich die Wirksamkeit Ihres seligen Vaters noch objektiv beschrieben, ohne eine psy.chologische Erklärung daran zu knüpfen — und was liegt an der Religionsgesellschast Adaß Jeschurun, wenn nur Hirsch vergöttert wird, wenn nur die Dyuastie Hirsch ruhmbekränzt dasteht? Wenn Sie so tief besorgt um den Bestand der Religionsgesellschaft sind, daß Sie ein ganzes Lexikon um seine Schimpfwörter berauben, um den, der diesen Bestand gefährdet, tot zu machen: warum nicht da schon, als Sie noch Weihrauch-Dämpfe einatmeten? — Nein, Herr Direktor — und jetzt will ich Ihnen eine sehr unangenehme Wahrheit sagen, die aber hier in Frankfurt allgemein anerkannt wird: — Sie haben kein Recht daraus, den Ritter zu spielen, der für den Bestand der Adaß Jeschurun eintritt, Sie haben das Anrecht auf diesen Beruf verloren in dem Augenblicke, als Sie Ihrem — Schwager, Herrn Dr. Breuer, sich als Gegner, als unversöhnlichen Feind entgegenstellten! Ihre Stellung zu Dr. Breuer war und ist die größte Gefahr für den Bestand und für die Würde der Religionsgesellschast! Mag sein, daß Sie von den edelsten Motiven geleitet sind; Sie sind sich gewiß der edelsten Motive bewußt — ich sage das ohne Ironie und Spott — ich bin überzeugt, daß Sie gegen Ihr besseres Wissen keinen Schritt thun; Sie waren gewiß der Ueberzeugung, daß das Lebenswerk Ihres sel. Vaters durch Dr. Breuer uicht sortgeführt werden könne — Herr Dr. Breuer verliert durch dieses Urteil garnichts an seiner eigenen Bedeutung; man kann ein großer Mann sein, ohne die Eigenschaft zu besitzen, das Erbe Samson Raphael Hirschs anzutreten: — Sie waren also sicherlich der Meinung, dies Erbe anzutreten sei niemand geeigneter als Sie, der Sie Jahrzehnte lang der Mitarbeiter Ihres Vaters gewesen. Ich will das sogar ohne Bedenken unterschreiben, ja ich glaube, daß Sie zu viel der „Sohn Ihres Vaters" sind, daß Sie dadurch zu wenig Originalität besitzen — das Schicksal aller Söhne großer Väter — aber als Erbe der Ideen und Intentionen Ihres Vaters kann sich gewiß keiner mit Ihnen messen, und nur die kindliche Pietät gegenüber dem Werke Ihres Vaters hat Sie in den Schmollwinkel gedrängt. Allein das Verharren im Schmollwinkel ist nur begreiflich vom Standpunkte der Dynastie Hirsch, nicht aber vom Standpunkte der Rücksicht auf den Bestand der „Adaß Jeschurun". Nachdem die Wahl Ihres Schwagers zum Nachfolger Ihres Vaters erst ein fair accompli war, war es, wenn anders der Bestand der „Adaß Jeschurun" Ihnen höher stand als die Interessen der Dynastie, Ihre Pflicht, den Schmollivinkel zu verlassen und nicht dauernd die „Adaß Jeschurun" und auch Ihre eigene Familie in zwei unversöhnliche Feinveslager zu teilen. Sie mußten die vom Schwager dargebotene Hand ergreifen, und Sie hätten der gute Genius des Dr. Breuer werden. Sie hätten ihn verhindern können, die Fehler zu begehen, die er gemacht hat — Sie als Schwager mehr als ein Fremder — und Sie hätten ihn allmählich ganz unbewußt aus seiner halbasiatischen Anschauungsweise herausbringen können, daß er in den Frankfurter Patriziergeist sich hineingelebt hätte, so daß er mit der Zeit ein ganz passabler Vertreter der Orthodoxie in Glace geworden wäre. Sie haben das nicht gethan — das war und bleibt die größte Gefahr für den Bestand der Religionsgesellschast. Das ist der Explosionsstoff, der in der „Adaß Jeschurun" sich angehäuft hat, der vor jedem Funken zittern muß in dem Maße, daß Sie selbst in einigen Artikeln einer Zeitung, die Sie garnicht mit Namen nennen wollen, eine solche Gefahr erblicken, daß Sie mit dem ganzen Rüstzeug geschichtlicher Darstellung und persönlicher Verdächtigung diese Gefahr beschwören zu müssen glauben — Sie, der Sohn des großen Samson Raphael Hirsch — Sie selbst, bichewodo ubeazmo — Sie, der einzig legitime Kronprätendent der Dynastie Hirsch! Diese Auseinandersetzungen sind der ganzen Adaß Jeschurun und noch weiteren Kreisen der Frankfurter Gemeinde sowie allen orthodoxen Rabbinern Deutschlands aus der Seele gesprochen. Aber Sie — ein umgekehrter Mosche i-abbenu, der die Gottesstimme hörte, die gauz Israel nicht gehört (s. Raschi Anfang Wajikra) — Sie hören nicht, was jedes Kind vernimmt. Aber wenn in einer „in der Reichshauptstadt erscheinenden jüdischen Zeitung" ein Artikel erscheint, in welchem die hohe Persönlichkeit Ihres seligen Vaters einer psychologischen Analyse unterzogen wird, wie jeder große Mann, der doch immer Mensch bleibt, selbst wenn er in Riesengröße eines „Heiligen" emporragte, da schreien Sie Zeter! Warum? Hat meine Beurteilung die Größe Ihres Vaters verkleinert? Ich habe in dem großen Samson Raphael Hirsch den M e n s ch e n zu skizzieren gesucht, — das ist natürlich ein großes, ein unsühnbares Verbrechen! Was, Samson Raphael Hirsch wäre auch nur ein Mensch und nicht ein Engel, er soll nicht allwissend, allmächtig gewesen sein, alle Sprachen beherrschend,