Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Israelitische Wochenschrift · 1896-10-16 · 42 (16.10.1896) · p. Seite 706

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Israelitische Wochenschrift
Volume
5 (1896)
Issue
42 (16.10.1896)
Date
1896-10-16
Page
Seite 706 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/4794838-9609712-9610458--1796-9610472
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 708. Allgemeine J-raelitische Wochenschrift. Nr. 42. ständige Meister, die übrigen als Gehilfen in ihrem Handwerk thätig. Die Abteilung Düsseldorf berichtet über 53 Zöglinge, von denen fünf nicht bei ihrem Handwerk verblieben sind. Der Vorstand bezeichnet das Ergebnis als sehr gut und geeignet, das noch immer, auch von wohlwollend gesinnten Glaubensgenossen ausgesprochene Vorurteil zu beseitigen, daß die zum Handwerk erzogenen jüdischen Knaben sich leicht wieder vom Handwerk abwendeten. Vereine, die ihre Thätigkeit als einfache Unterstützungssache betrachteten, dürften freilich einen derartigen Abfall oft zu beklagen haben. Zwistigkeiten mit dem Meister, die Gelegenheit, im Handel etwas mehr zu verdienen, schlechte Ausbildung infolge schlechter Wahl des Meisters trieben diese Knaben oft dem Handel wieder in die Arme. Wer aber nach den Grundsätzen des Vereins arbeite, selbst den geeignetsten Meister suche, selbst den Verkehr mit diesem unterhalte und, wie es in den bestehenden Lehrlingsheimen geschieht, die ganze Erziehung übernehme, den Knaben Berufsfreudigkeit und Berufsstolz einimpfe, der werde sich auch an der Berusstreue der ausgebildeten Knaben erfreuen. Der Verein will die Erziehung in den Lehrlingsheimen, soweit es seine Mittel erlauben, ausdehnen. Im abgelaufenen Jahre hatte der Verein 112 Lehrlinge unter seiner Obhut, wovon 37 nach beendeter Lehrzeit, drei aus andern Gründen entlassen wurden. Die Gesamteinnahme betrug 13 814 Mark. Die Abteilung Düsseldorf schloß mit einem Fehlbeträge von 3792 Mark, die von Köln mit einem solchen von 869 Mark. X Mannheim, 12. Oktober. Der hier veranstaltete antisemitische Parteitag für Baden, die Pfalz und Elsaß-Lothringen war von 41 Ortschaften beschickt worden. Es wurde die Verschmelzung der zwei Geschäftsstellen in Heidelberg und Karlsruhe beschlossen, so daß die Leitung der antisemitischen Partei sich nunmehr einheitlich in Heidelberg befindet. Ueberall in Baden sei ein stetiges Umsichgreifen der Parteibewegung sestzustellen. Auch in der bayrischen Pfalz, sowie in den Reichslanden soll jetzt mit der Parteiorganisation vorgegangen werden. Beide Länder seien für die antisemitische Agitation ein dankbares Feld. e. Düsseldorf, 12. Oktober. (Das Judentum und das „jüdische Aussehen") hat hier einen jüdischen Sänger um ein Engagement gebracht. Der lyrische Tenor Adolf Perluß, der mit den größten Erfolgen neun Jahre lang anl Landestheater zu Prag thätig war, wurde von unserem Theaterdirektor Eugen Staegemann nicht engagiert, weil er „Jude sei und ein zu jüdisches Aussehen habe." & Hamburg, 12. Oktober. (Stiftungen.) Das Testament des verstorbenen Kaufmanns I. W. W. Solomon in Hamburg enthält außer einer Verfügung zu gunsten der Witwe Legate an sechszig Personen im Betrage von 2000000 Mark. Ferner sind 200000 Mark hiesigen und auswärtigen wohlthätigen Vereinen und 1000000 Mark für eine Stiftung vermacht, wovon die Zinsen von 800000 Mark zur Unterstützung milder Stiftungen und notleidender Personen aller Konfessionen und die Zinsen von 200000 Mark zur Ausbildung begabter Knaben und Jünglinge in Wissenschaft, Kunst und Gewerbe bestimmt sind. d. Emden, 9. Oktober. (Berichtigung.) Ich bitte, in Ihrer gesch. Zeitschrift zu melden, daß entgegen falschen Berichten kein Austritt aus der hiesigen Synagogengemeinde erfolgt ist und hierzu keinerlei Anlaß vorliegt. In der Nachbargemeinde Leer, welche über 80 Mitglieder zählt, sind 9 Mitglieder ausgetreten, aber nicht infolge vorhandener religiöser Streitigkeiten, sondern wegen persönlicher Dinge, besonders wegen der Nichtbestätigung eines Mannes als Schulvorsteher, den die Behörde als hierzu ungeeignet bezeichnen mußte. Die Ausgetretenen entziehen sich der schweren Steuerlast, die aus der Gemeinde infolge des Synagogenbaues ruht und bilden einen Verein — nicht eine Gemeinde, wozu die Genehmigung der kgl. Regierung gehören müßte — bei dem einige ganz unqnalifizierte Leute als Vorsteher und Schächter fungieren. Die Gemeinde hat sich gegen weiteren frivolen Austritt durch die strenge Friedhofsordnung, welche für die Gemeinde Trier seinerzeit genehmigt und nachgearbeitet ist, schützen müssen. A. Kettwig a. d. Ruhr, 9. Oktober. (Lehrerkonferenz.) Donnerstag, den 24. September tagte in Duisburg die Bezirkskonferenz der Lehrer Düsseldorfs und Umgegend. Aus den Verhandlungen ist besonders hervorzuheben der Vortrag des Kollegen Block-Oberhausen: „Welche Methode ist die geeignetste für den hebr. Uebersetzungsunterricht?" Der gedankenreiche, frei gehaltene Vortrag gipfelte in folgenden Sätzen: Ziel des Uebersetzungsunterrichts ist, die Kinder zu befähigen, dem Gottesdienst mit Verständnis folgen zu können und Liebe für das Judentum zu erwecken. Stoff bieten das Gebetbuch und der Pentateuch; aus ersterem besonders die Gebete für den Sabbatgottesdienst, aus letzterem die Moralgesetze des 2., 3. und 5. Buches. Der Lehrgang ist: Lesenlassen des Uebungsstückes, Heraussuchen der bekannten Wörter, Angabe der Bedeutung neuer Wörter mit Hilfe der Grammatik, Besprechung des Inhaltes, Einüben der Uebersetzung, schriftliche Wiedergabe in freier Uebersetzung. Den Kindern werden keine übersetzten Bücher in die Hand gegeben; wohl aber ist die Anlage eines Vokabulariums seitens der Kinder zu empfehlen. — Im weiteren Verlaufe der Besprechungen wurde, um einen stärkeren Besuch der Konferenzen zu erzielen, dem Vorstand des Vereins jüd. Lehrer in Rheinland und Westfalen eine andere zweckmäßigere Abgrenzung der verschiedenen Bezirke vorgeschlagen. 13. Wien, 9. Oktober (Allerlei.) Am 4. d. M. fand in Baden bei Wien die Vermählungsseier der jüngsten Tochter des Herrn David von Gutmann mit einem veritablen jüdischen Grafen, dem Attache der italienischen Botschaft in Paris Vittorio di Carobio statt. Bei der Tafel ermahnte Gutmann tiefbewegt das Brautpaar an der Pietät, der Grundlage der Religion, sowie an den ererbten heiligen Traditionen, welche nicht in dem berechtigten Bestreben, dem Zeitgeiste zu entsprechen, untergehen dürfen, sestzuhalten. — In unseren Tagen ist es nichts Seltenes mehr, daß ein Monarch einen Juden zur Tafel zieht. Daß aber ein Jude die Ehre hat, mit drei Monarchen zugleich an der Tafel zu sitzen, das ist gewiß etwas Seltenes. Zur Galatasel, die unser Kaiser anläßlich der Eröffnung des Eisernen Thores zu Ehren der Könige von Rumänien und Serbien in Orsova gegeben, wurde auch der Kultusvorstand jenes Bezirkes, Herr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.