Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Allgemeine Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 5 (1896)
- Issue
- 42 (16.10.1896)
- Date
- 1896-10-16
- Page
- Seite 704 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/4794838-9609712-9610458--1794-9610470- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 704. Allgemeine Israelitische Wochenschrift. Nr. 42. zweiten Vorsitzenden des Vereins, Herrn Rechtsanwalt Dr. Fuchs. Referent ging aus von den bekannten kürzlich zur gerichtlichen Entscheidung gelangten Prozessen gegen antisemitische Redakteure in Hannover und Berlin, welche aus Anlaß von ihnen behaupteter Fälle das christliche Publikum aufgesordert hatten, ihren Fleischbedarf nicht mehr bei jüdischen Schlächtern zu unternehm, da dieselben religionsgesetzlich gehalten seien, das für Christen bestimmte Fleisch zu verunreinigen. Redner bespricht eingehend den bekannten Fall des Schlächters Bonn und sucht unter scharfen polemischen Ausfällen gegen Preßorgane, welche sich gegen die Art und Weise der Anstrengung von Prozessen von Vereinswegen ausgesprochen hatten, nachzuweisen, daß ohne Rücksicht auf Erfolg derartige Mittel in Anspruch genommen werden müßten, da Fragen der Ehre für das Judentum auf dem Spiele ständen. Im Anschluß an den Vortrag, legte Rabbiner Dr. Rosenzweig an der Hand des einschlägigen Materials das Widersinnige und Böswillige der antisemitischen Anschuldigungen dar. Redakteur Klausner vertrat auch bei dieser Gelegenheit seinen schon oft betonten Standpunkt, welcher ein Appellieren an die Gerichte verwirft und dafür ein Appellieren an die öffentliche Meinung setzen will. Mit einer Erwiderung der beiden Vorsitzenden hatte die Tagesordnung ihr Ende erreicht. (Wir kommen aus diese Versammlung in einem besondern Artikel zurück. Red.) * Berlin, 13. Oktober. (Herr Kremser) ist, nach einer Berichtigung der „Voss. Ztg." in Breslau nicht auf dem jüdidischcn, sondern aus einem christlichen Kirchhofe beerdigt worden. Er war also, vermutlich weil er hoffte, dabei besser fahren zu können, zum Christentum übergetreten, denn daß er als Jude geboren war, das versichern die „Mitt. aus dem Abwchrverein" trotz der Berichtigung der Vossischen. * Berlin, 13. Oktober. (Der hebr. Literatur-Verein „Mekize Nirdamim"), nicht zu verwechseln mit dem Verein der „Litteratur"- Redner, sendet uns seinen XI. Jahresbericht (Geschäftsjahr 1896). Der Bericht weist eine Einnahme von rund Mark 3770 und eine Ausgabe von Mark 3110 auf. Der Verein hat die Herausgabe seltener Schriften zum. Ziele. Im kommenden Jahre werden deren sechs erscheinen. Vorsitzender des Vereins ist Dr. A. Berliner, Krausnickstr. 21. X Berlin, 14. Oktober. Im Namen des Exekutivkomitees für den 12. internationalen medizinischen Kongreß in Moskau machen nunmehr der Präsident und der Sekretär offiziell bekannt, daß das Ministerium des Innern im Einvernehmen mit dem Großfürsten Sergius Alexandrowitsch es für möglich erachtet hat, ausländischen israelitischen Gelehrten die Reise nach Moskau unter denselben Bedingungen wie den anderen Ausländern zu gestatten. Sie haben also nur, gleich diesen, ihre Pässe durch das russische Konsulat in ihrer Heimat visieren zu lassen. Anweisungen in diesem Sinne sind an alle russischen Konsulate und Gesandtschaften ergangen. « Hi Aus der Provinz Posen, 11. Oktober. (Ein Jubiläum. — Von der Synagoge bis zum Rathause.) Am letzten Dienstag feierte die Gemeinde G n e s e n das Jubiläum des fünfzigjährigen Bestehens ihrer Synagoge. In seiner Festrede gedachte Rabbiner Dr. Jacobson seiner Vorgänger im Amte, die während der 50 Jahre in seiner Gemeinde und dieser Synagoge gewirkt. Es waren dies die schon verstorbenen Rabbiner Moses Waldstein und Dr. Gebhard, ferner die Herren Dr. Zuckermandel (jetzt in Pleschen), Dr. Horovitz (jetzt in Frankfurt a. M.) und Dr. Ehrenfeld (jetzt in Prag). Das Amt des ersten Vorstehers bekleideten während dieser Zeit die verstorbenen Herren: Stadtältester u. Stadtrat Moritz Russak, Stadtrat Heilbronn, Sadtrat Wollenberg und jetzt seit mehreren Jahren Herr Leopold Gimkiewicz. Mit einer Trauerandacht für die verstorbenen Rabbiner und ersten Vorsteher schloß die würdige Feier. — In Betsche ist vor einigen Jahren das bewegliche Vermögen der dort aufgelösten Synagogengemeinde der Nachbargemeinde Tirschtiegel zugefallen, während die Synagoge und einige andere Grundstücke der dortigen Stadgemeinde zufielen. Die Stadtvertretung hat jetzt beschlossen, das Gotteshaus niederzureißen und auf derselben Stelle das Rathaus zu errichten. — Bei der am 27. v. M. in Ostrowo stattgefundenen Vorstandswahl der Chewa-Kadischa sind die Herren L. Callomon, Dr. Hartmann und M. Rothstein wiedergewählt und als deren Stellvertreter die Herren I. Bialecki und G. Bergemann neu gewählt worden. Glciwitz, 12. Oktober. (Spende. Sanitätsrat Dr. Freund.) Die in Leipzig verstorbene, früher hier wohnhaft gewesene Frau Lina Lustig, geb. Schlessinger, hat der hiesigen Synagogen-Gemeinde ein Kapital von 100 000 Mark mit der Bestimmung vermacht, daß aus den Zinsen bedürftige der jüdischen Religion angehörige Personen unterstützt werden. Die Stiftung soll den Namen: „Wilhelm und Lina Lustigschc Stiftung" tragen. — Am 3. d. Mts. verschied hier in einem Alter von 74 Jahren Sanitätsrat Dr. Simon Freund, einer der verdienstvollsten Männer Oberschlesiens und geschätztester Mitbürger unserer Stadt und Provinz. Seiner am 5. d. Mts. erfolgten Bestattung wohnten fast sämtliche Rabbiner Oberschlesiens bei. y. Hannover, 12. Oktober. Die Mitteilung Ihres Petersburger m-Korrespondenten in Nr. 40 d. Ztg., daß die Leitung der argentinischen Kolonisation beschlossen hat, die jüdische Ackerbauschule in Ahlem an sich zu bringen, beruht auf einem Mißverständnis. Es ist niemals die Absicht des Baron Hlrsch-Komites oder der Jewish-Colonisation gewesen, die Anstalt zu übernehmen, was an und für sich schon das Testament und die Statuten nicht gestatten, und auch der Vorstand der Erziehungsanstalt hat sich niemals mit dem Gedanken getragen, dieselbe umzugestalten oder an ein Komite in irgend einer Weise abzutrcten. Unverwandt hält der Vorstand an dem Plane fest, der dem Stifter bei der Gründung vorschwebte, daß diese Anstalt in erster Linie zum Segen für deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens wirken soll, und sie wird das Ziel ihrer Thätigkcit nach Erlangung der Korporationsrechte, die fürganz nächste Zeit in Aussicht steht, noch fester ins Auge fassen. Es ist damit nicht ausgeschlossen, daß sie der Gesamtheit zu dienen bestrebt ist und auch nichtdeutschen jüdischen Jünglingen gern ihre Pforten öffnet, um denselben die Gelegenheit zu bieten, sich die Vorkenntniffe für Ackerbau und Gärtnerei anzueignen, die sie in den Stand setzen, diese Berufsarten in fremden Ländern mit Erfolg treiben zu können- Richtig ist, was in dem genannten Berichte mitgeteilt wird,